Winnetou III

Winnetou - 3. Teil

★★★★★

  • Jahr: 1965
  • Regie: Harald Reinl
  • Darsteller: Pierre Brice, Lex Barker, Rik Battaglia, Ralf Wolter, Sophie Hardy, Dusan Antonijevic, Aleksandar Gavric, Carl Lange...

Story

Weil sie das den Indianern von der Regierung zugewiesene Land gerne lieber für teures Geld an Siedler verkaufen würden, unternehmen ein paar weiße Grundstücksspekulanten allerhand, um dieses in die Finger zu bekommen. Den Häuptling der Jicarilla, Weißer Büffel (Dusan Antonijevic), etwa füllen sie mit Feuerwasser ab und liefern ihm dann uralte Gewehre. Mit diesen soll er allerdings erstmal die Apachen angreifen, die unter Häuptling Winnetou (Pierre Brice) nicht vorhaben, den Friedensvertrag zu brechen. Unterstützung bekommt er dabei von dem fiesen Rollins (Rik Battaglia) und seiner Bande. Winnetou allerdings hat Old Shatterhand (Lex Barker) und Sam Hawkens (Ralf Wolter) an seiner Seite. Gemeinsam gelingt es den dreien, die Spitzbuben so lange hinzuhalten, bis die Kavallerie eintrifft. Allerdings hat Rollins noch einmal die Möglichkeit, einen guten Schuss abzufeuern und der sitzt. Winnetou wirft sich in diesen, um seinen Blutsbruder zu schützen und schwebt daraufhin selbst in Lebensgefahr. Und da der Stabsarzt nichts mehr für ihn tun kann, erliegt der Häuptling der Apachen wenig später seiner Verletzung.

Worte zum Film

die besten Darstellerleistungen, die schönsten Kulissen, das größte Regie-Statement und Böttchers ungebrochen herrliche Musik; dazu ein echtes Western-Drehbuch, dass die gewohnten Ingredienzien wunderschön neu zusammenfügt und einen großartig melancholischen Grundton vorgibt – fertig ist der insgesamt beste Film der Reihe!

Bewertung

Zum Film:

„Winnetou III“ ist nach dem ersten Teil der „Winnetou“-Trilogie natürlich der zweite Film der Reihe, für dessen Anschauen es manchmal ein wenig Überwindung braucht. Schließlich – und ich denke, da brauche ich jetzt so viele Jahrzehnte nach Erscheinen des zugehörigen Romans keinen Spoiler mehr zu setzen – stirbt der titelgebende Apachenhäuptling hier entgegen des Wunsches eines Großteils der damaligen Kinogänger am Ende tatsächlich. Dafür muss man dann schon in der richtigen Stimmung sein, wenn man nicht generell unempathisch ist. Der Trilogie dritter Teil hat gegenüber dem ersten dann aber natürlich den Vorteil, dass man ihn bei jedem Neu-Durchlauf der Serie sowieso immer am Besten ans Ende dieser setzen kann, da er dort inhaltlich ja auch hingehört und man zu diesem Zeitpunkt dann ja immer schon so ein wenig sentimental gestimmt ist, weil alles gleich schon wieder vorbei sein soll (ich bewerte ihn hier ja jetzt auch nur deswegen als siebten „Winnetou“-Film, weil er seinerzeit als siebter in die Kinos kam und man Film-Reihen meiner Meinung nach am besten in Entstehungs-Reihenfolge rezensiert). Allerdings haben die beiden Filme dann auch etwas gemeinsam: Trotzdem sind sie am Ende nämlich die bis hierhin besten Streifen der Serie. Und „Winnetou – 3. Teil“ ist nicht nur nochmal ein ganzes Ende besser als „Winnetou I“, er ist – das kann ich glaube ich jetzt schon so sagen – sogar insgesamt der stärkste Beitrag der Reihe und damit einer meiner absoluten Lieblings-Filme. Früher mochte ich neben diesem die folgenden Vertreter „Old Surehand“ und „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ immer noch genauso gern, aber ich denke, ganz so stark wie diesen hier werde ich sie unter heutigen Gesichtspunkten nicht mehr finden. Nein, es folgen wirklich noch mal zwei bärenstarke Vehikel hierauf (bevor es dann natürlich auch noch einen Tick schlechter wird), aber seinen Höhepunkt hatte die „Winnetou“-Reihe mit „Winnetou III“ erreicht.

Und auch heute noch kann ich viele der negativen oder zumindest unkenden Stimmen hierzu nicht verstehen. „Winnetou“ würde sich abnutzen, die Story hätten wir schon sechs Mal zuvor gesehen, die Schauspieler würden auch schwächer und Reinl hätte den Großteil seines Pulvers bereits verschossen gehabt… Das ist aus meiner Sicht alles so nicht haltbar – das Gegenteil ist der Fall! „Winnetou – 3. Teil“ ist nämlich nicht nur so schon ein unfassbar guter Kinofilm, er ist ganz nebenbei auch noch ein Paradebeispiel für einen Western! Denn wovon lebt dieses wunderschöne Genre denn? Von der Faszination der Variation der Repetition. Und genau jene erleben wir hier in Perfektion!

Denn ja, natürlich stimmt es, dass sich Winnetou und Old Shatterhand (über dessen Rückkehr man übrigens trotz Grangers großartiger Arbeit (zumindest in seinem ersten und letzten Serien-Beitrag; den „Ölprinzen“ vergessen wir mal) sehr erfreut ist) hier erneut einer Banditenbande gegenüber sehen – aber diese ist doch von der Organisation her mitnichten mehr mit jenen zu vergleichen, gegen die sie in den vorherigen Abenteuern angetreten sind. Schließlich ist der von Rik Battaglia verkörperte Rollins hier sozusagen der Endgegner, aber doch längst nicht das letzte Glied in der Kette. Nein, das sind hier Kapitalisten, Beamte und Politiker. Leute, die ihre ohnehin schon gute Position, ihre Macht und ihren Einfluss ausnutzen, um an noch mehr Macht und vor allem Geld zu kommen. Und diese kleine Änderung in der „Grundaufstellung“ der Banditen hier bedeutet für mich einen Schritt, der großes Umdenken erfordert. Denn wo bisher Schurken die Pläne ausheckten, die einfach klassisch böse waren, also Leute, die grundsätzlich unzurechnungsfähig waren, daher offensichtlich und auch nach außen hin gut sichtbar böse auftraten, immer nur in ihre Tasche arbeiteten und von klein auf nur das Recht des Stärkeren kannten, tun dies hier nun Persönlichkeiten, die ihren schlechten Kern sehr wohl unter einer charmanten Hülle zu verstecken wissen, die mit dem Kopf statt nur mit der Faust arbeiten und dabei sehr wohl als zurechnungsfähig gelten müssen. Und diese sorgen beim Zuschauer dann doch gleich für ein ganz anderes Gefühl der Bedrohung. (Spoiler) Nehmen wir die Sache mit dem „Unfall“ durch die zu früh ausgelöste Explosion am Steinbruch. Klar, die Idee als solche ist jetzt vielleicht nicht der größte Hit, wenn man mal realistisch rangeht, weil da einfach auch zu viel daneben gehen kann, aber es ist doch eine ganz andere Herangehensweise als die beiden berühmten Westmänner einfach erschießen zu lassen. Und wie Veljko Maricic sie vorträgt, den Unfall andeutet, aber gar keine wirkliche Anweisung gibt, ist obendrein Extraklasse. Und für die Ausführung ihrer Pläne bedienen sich Leute wie er dann einer Figur wie Rollins, die eher dem vorherigen Typ Bösewicht entspricht und damit den Kreis schließt. Der darf dann am Ende also für ihn ins Gras beißen, wenn die Helden trotz Winnetous Tod letztendlich siegen und die drohende Gefahr (vorerst) abwenden. Und auch wenn der größte hier gezeigte Politiker, der von Carl Lange gespielte Gouverneur, durch und durch gut sowie ein Vorzeige-Idealist ist und daher auch Maricic‘ Bande kompromisslos abführen lässt, hat man hier im Gegensatz zu den sonstigen Enden der Reihe das Gefühl, dass das noch nicht alles war. Dass wir nur einen Ausschnitt, eine Schlacht sozusagen, gesehen haben, dass der Krieg damit aber noch lange nicht vorbei geschweige denn entschieden ist. (Spoilerende) Diese Gedanken hegt man nicht zuletzt sicherlich auch deshalb, weil sie ja dem tatsächlichen Werdegang der amerikanischen Ureinwohner entsprechen, aber in einem Friede-Freude-Eierkuchen-Ende-„Winnetou“ bislang ja keinen Platz hatten. Das zeugt von Reife und von Reflektion. Und dass solche, bisher vernachlässigten Zutaten nur der „ursprüngliche“ Drehbuchautor Harald G. Petersson hinzufügen konnte, war ja fast klar.

Gemeinsam mit J. Joachim Bartsch hat er das Script hier verfasst und gemeinsam sorgen sie noch an weiteren Stellen für mehr Realismus gegenüber den Vorgängern. So freut man sich hier zu Beginn nicht nur über die Rückkehr des Voice-Over-Erzählers (dieses Mal sehr angenehm: Joachim Nottke (immer gerne gehört in dieser Rolle)), sondern auch über die Rückkehr ins Pueblo. Endlich scheint sich Winnetou auch mal um sein Volk zu kümmern. Er darf wieder auf „Indianisch“ reden (was auch immer da für eine Sprache gesprochen wird; hab das bis heute noch nicht rausfinden können) und teilweise wird uns das hier sogar übersetzt – ein Hauch von Kevin Costner Jahre zuvor im Teutonen-Western. Natürlich ist das Ganze auch hier nur ein Vorwand, um Winnetou am Ende doch allein mit seinem Blutsbruder losreiten und die Bedrohung für sein Volk abwenden zu lassen, aber erstens wird einem der Grund dafür hier so glaubhaft (wenngleich aber auch ebenso schnell) es geht dargelegt und zweitens kommen die Apachen im zweiten Teil des Films wieder und kriegen noch einmal ihren Auftritt – ähnlich wie in „Winnetou I“ ((Spoiler) und ja, ok, ob die dafür nun wirklich gleich ihr ganzes Pueblo hätten in die Luft sprengen müssen, darf man sich fragen, aber wir dürfen wohl davon ausgehen, dass Miesepeter wie Rollins und der Weiße Büffel das Dorf ob ihres Misserfolgs dann eh angezündet hätten (Spoilerende)).

Auf dem Ritt dahin werden Winnetou und Old Shatterhand auch nicht mehr als die Übermenschen dargestellt, die sie noch in den vorherigen Teilen waren. (Spoiler) So entkommen sie den ihnen gestellten Fallen jeweils nur knapp und immer knapper, sind teilweise vom Glück, teilweise von ihren Pferden abhängig und kurz vor dem finalen Kampf mit Rollins und den Jicarilla sieht es doch glatt so aus, als würde es dazu gar nicht mehr kommen. Da finden sich Winnetou und Shatterhand aufgrund einer teuflischen List von Rollins, der nämlich auch nicht ganz doof ist, am Marterpfahl wieder und sind kurz davor, aufgespießt und geröstet zu werden. Nur dem beherzten Eingreifen Sam Hawkens, der hier wahrlich für ein paar wohldosierte, großartige Lacher sorgt, aber eben nicht nur als Witzfigur da ist, ist es zu verdanken, dass zumindest einer von ihnen das Filmende erleben darf. Da haben die beiden schon verdammt viel Schwein gehabt – und die Idee mit dem Feuerwerk ist nebenbei auch noch sehr originell und sieht gut aus. Und ganz am Rande will ich auch noch hinzufügen, dass mir die Intrige, die die beiden erst dahin bringt, – obwohl ziemlich ähnlich angelegt – auch um einiges glaubwürdiger erscheint, als jene des „Ölprinzen“ aus dem Streifen zuvor zum Beispiel (auch wenn… – na ja, lest am besten einfach noch ein Stück weiter). So etwas braucht es, um Winnetou und Old Shatterhand zu verwunden und die beiden stellen sich hier als äußerst verwundbar heraus – wenn Letzterer an anderer Stelle zugegebenermaßen trotzdem noch ordentlich auskeilen darf, ohne auch nur eine Schramme abzukriegen. Böse Zungen könnten jetzt entgegnen, dass er ja aber auch derjenige ist, der das Ganze hier überlebt. Ja, aber warum? Weil sein Blutsbruder sich für ihn in einen Schuss wirft, der ihm galt – so viel dazu.  (Spoilerende)

Aber diese Anfälligkeit der Haupthelden ist natürlich auch dem sehr durchdachten Gesamtkonzept dieses Werkes geschuldet. Schließlich kam man auch bei Winnetou nicht umhin, ihm zumindest ein wenig von der mayschen mystischen Aura mitzugeben und so ahnt dieser seinen bevorstehenden Tod voraus. Das führt natürlich dazu, dass quasi von Anfang an der schwere Schatten der folgenden Ereignisse über dem Geschehen liegt, der in eine melancholische Grundstimmung mündet, die es so in der Reihe natürlich kein zweites Mal gibt. Und wer mich ein wenig kennt, der weiß, dass ich ja genau darauf durchaus stehe und sicherlich ist „Winnetou III“ auch deswegen mein liebstes Kind der Serie.

Und wahrscheinlich ist er es auch deswegen – so viel will ich an dieser Stelle dann tatsächlich trotz all der Schwärmerei mal einräumen –, weil er der fanfreundlichste Beitrag derselben ist. Ja, wahrscheinlich sollte oder muss man dem Apachenhäuptling und der sich um ihn drehenden Film-Reihe sogar offen bis freundlich gegenüberstehen, um diesen Streifen in seiner ganzen Größe erfassen zu können – oder sich von dieser erfassen und mitreißen zu lassen; je nachdem. Denn eine Sache gelingt dem großen Harald G. Petersson hier tatsächlich nicht: sein Drehbuch ist am Ende leider nicht ganz wasserdicht. Kritiker, die Kritikpunkte finden wollen, werden sie hier also trotz meiner überschwänglichen Worte bisher auch finden. Wer in „Winnetou III“ nur einen erneuten Abklatsch der zu diesem Zeitpunkt natürlich allseits bekannten Geschichte sehen will, in dem der Titelheld von einer Falle in die nächste stolpert, nur um dann am Ende doch getötet zu werden, der wird diesen sehen. Wer das Haar in der Suppe suchen will, dem wird z. B. auffallen, dass die oben von mir gelobte Intrige selbstredend trotzdem wieder nicht wirklich realistisch ist ((Spoiler) denn wieso sollte Winnetou – ob in Eile oder nicht – sein Messer in dem Toten steckenlassen? (Spoilerende)). Wer sich vom Zauber dieses Abgesangs nicht anstecken lassen will, der wird nicht nur das Ende kitschig finden. Und ein solcher Zuschauer wird auf dem Weg dahin natürlich auch noch die eine oder andere Ungereimtheit entdecken können, über die der Fan nur müde hinweglächeln wird (nehmen wir als Beispiel hierfür vielleicht einfach nur die Tatsache, dass Old Shatterhand hier mit einem Male sogar telegrafieren kann – was für ein Teufelskerl!). Das dürfte sich für diese Leute dann also ein wenig so anfühlen, wie sich ein „James Bond“-Film für mich anfühlt, könnte ich mir vorstellen. Ich, der ich der Agenten-Reihe und ihrem immer wiederkehrenden, meiner Meinung nach relativ idiotischen Grundplot sehr ablehnend gegenüberstehe (und das, das sei dazugesagt, obwohl ich die Streifen als Jugendlicher früher – warum auch immer – trotzdem toll fand und als Erwachsener also weiterhin gerne toll gefunden hätte), sitze dann auch jedes Mal da, sehe wie unfassbar dämlich sich die Story entwickelt und kann nur mit dem Kopf schütteln (Ausnahmen bestätigen selbstredend aber auch dort glücklicherweise die Regel). Und unabhängig davon, dass ich das dann nicht so sehen möchte, sondern mich im Gegenteil lieber zwei Stunden lang gut unterhalten lassen wollen würde, aber einfach immer wieder nicht über den ganzen Unsinn, der sich dort abspielt, hinwegsehen kann, könnte ich mir tatsächlich vorstellen, dass es Leuten, die für „Winnetou“ und im schlechtesten Fall noch nicht einmal für den Western etwas übrig haben, bei Ansicht dieses Trilogie-Abschlusses ebenfalls so ergehen könnte. Diesen kann ich dann nur empfehlen, die Lektüre dieses Reviews an dieser Stelle abzubrechen (es wird aus eurer Sicht nicht besser, glaubt mir!), denn ich bin nun einmal ein glühender Fan von Pferdeopern im Allgemeinen und dieser großartigen Reihe im Besonderen. Und (klar sollte man das nicht dazuschreiben müssen, denn ein wirklich guter Beitrag sollte eigentlich wasserdicht sein, aber) für Liebhaber ist dieser Streifen nun einmal gemacht – und genau für die schreibe ich, wie an anderer Stelle bereits erwähnt, ja auch meine Kritiken.

Tja und daher darf man auch nur froh sein, dass hier endlich wieder der Doktor ans Werk durfte. Harald Reinl ist der einzige der „Winnetou“-Regisseure, dem ich diese Umsetzung zugetraut hätte und er enttäuscht einen zu keiner Sekunde. Ganz im Gegenteil. Wie er z. B. bei einem Zwiegespräch der Blutsbrüder über Winnetous Gedanken zu seinem nahenden Tod einen Sonnenuntergang mit einbaut, ist Weltklasse! Und auch ansonsten ist endlich wieder die Symbiose zwischen Filminhalt und den Locations gegeben; endlich kann man die herrlichen Kulissen des damaligen Jugoslawiens wieder vollständig genießen und sich obendrein noch an einigen neuen Drehorten erfreuen. So gibt Trogir ein wunderschönes Santa Fe ab und wird bei Reinls Inszenierung selbst ein offensichtlich einfacher Feldweg noch zu einem klasse Hintergrund für einen Hinterhalt, in den Winnetou gelockt wird. Allerdings muss man bei all der Lobhudelei eine Sache natürlich kritisch anmerken: den Tod des Apachenhäuptlings selbst hätte man durchaus besser hinkriegen können. (Spoiler) Zuerst ist der tödliche Schuss an sich bzw. dessen Einschlag und Effekt viel zu kurz gehalten und dann ist Winnetous Verabschiedung (aus meiner Sicht ein Geschenk an all die Leute, die so vehement gegen das Ableben ihres Lieblingsindianers eingetreten waren) tatsächlich ein wenig zu kitschig und langwierig. Vor allem die schmalzigen Rückblenden hätte man sich ja wohl mal so was von schenken können – auch wenn ich die früher als Kind natürlich besonders toll fand. (Spoilerende) Da zerstört er fast die vorher so bedächtig und kontinuierlich aufgebaute dunkle Stimmung. Aber eben nur fast. Alles in allem muss man festhalten, dass Reinl wieder einmal bewiesen hat, warum er die Bildformel dieser Reihe ursprünglich mal entwickeln durfte (dass er dabei schon wieder die Büffel-Szenen verwendet, die er für „Winnetou I“ schon irgendwo geklaut hatte, verzeihe ich ihm dabei großmütig).

Dazu hatte man hier für das Pueblo oder das erneut beeindruckende Indianerlager der Jicarillo endlich wieder Vladimir Tadej an Bord und auch das merkt man sofort. Schön, dass hier nicht mehr auf Brauners Westernstadt aus „Old Shatterhand“ zurückgegriffen werden musste. Dazu zeigt sich Martin Böttcher auch wieder von seiner besten Seite. Wenn man das Haar in seiner Suppe suchen wollte, so würde man wohl am ehesten ganz zu Beginn fündig, wenn der musikalische Übergang von der Intro-Szene zum Vorspann nicht ganz stimmig ist – aber wen interessiert das schon?

Viel interessanter sind hier dagegen wieder die Darstellerleistungen. Pierre Brice blüht an der Seite seines Freundes Lex Barker gegenüber der letzten Leistung wieder richtig auf und muss das auch. Schließlich hat er hier den schwierigen Part des wissenden, schwermütigen Häuptlings zu spielen. Und damit beweist er wieder, was für ein toller Akteur er war und warum er zu Recht für diesen Part ausgewählt wurde. Auch bei ihm gibt es zwar Abstriche für die Sterbeszene, aber geschenkt. Bei Lex Barker fällt dann wieder auf, wie angenehm er sich gegenüber Kollege Granger zurückhält. Ganz ruhig, aber in den entscheidenden Szenen mit der nötigen Schärfe spielt er seinen lederbekleideten Westmann und gewährt seinem Blutsbruder auch großartig das letzte Geleit – eine reife Performance. Ralf Wolter überzeugt dagegen einmal mehr als Sprüche klopfender Sidekick, der gar nicht albern sein muss (gut, die Sache mit dem Himbeersaft ist albern, aber ja auch sofort wieder vorbei). Er hat es hier vor allem mit Sophie Hardy zu tun; einer Französin, von der ich vorher oder hinterher noch nie wieder etwas gehört habe. Angesichts ihrer Filmografie wird sich daran wohl auch nicht viel ändern. Warum dem so ist, zeigt sie hier, denn in der Rolle der schönen Bardame haben wir durchaus schon viel schönere Frauen mit viel mehr Talent gesehen – selbst in der „Winnetou“-Reihe. Ihr Einsatz hier ist nach den Auftritten von Frauen wie Marie Versini, Karin Dor oder Elke Sommer der einzige, den man nicht so richtig nachvollziehen kann.

Dafür kann man Rik Battaglias erste Teilnahme an einem von Horst Wendlandt produzierten Karl-May-Western nur allzu gut verstehen. Denn der vollbringt hier schlicht Unglaubliches. Nicht nur ist sein Rollins hier jemand, der es durchaus versteht, sich von seinen Auftraggebern abzuschauen, den bösen Mann nur im richtigen Moment raushängen zu lassen und ansonsten eine feine Fassade zu wahren, was die Rolle des Banditenbosses hier ja noch einmal um eine Nuance erweitert und folglich sogar etwas anspruchsvoller ist als die seiner Vorgänger, sondern ist er ja auch derjenige, der den Häuptling der Apachen am Ende erschießen muss. Und der Italiener meistert jede dieser Hürden mit Bravour und spielt einen Teufel von einem Bandenführer, der mit allen Wassern gewaschen, dazu wirklich richtig fies und der einem trotzdem irgendwie sympathisch ist. Einfach eine coole Sau, der man es fast schon nicht mehr übel nehmen kann, dass er Winnetou am Ende in die ewigen Jagdgründe schickt. So was muss man erstmal schaffen und daher ist Battaglia für mich insgesamt auch der beste Schurke der Reihe – noch vor Adorfs grandiosem Santer!

Und es ist ja auch nur zu verdient und zu passend, dass der am Ende grandioseste Streifen dieser großartigen Film-Serie auch den besten Banditenboss abgekriegt hat. Denn trotz all der kleinen Veränderungen oder Verbesserungen gegenüber den Vorgängern: Was erwartet man denn von einem „Winnetou“? Genau: eine Banditenbande, die Unruhe stiftet und der die beiden Helden am Ende den Garaus machen. Bekommt man hier geliefert. Was wünscht man sich noch? Dass es nicht ganz so laufen soll wie beim letzten Mal. Läuft es auch nicht, schließlich ist das Ganze viel melancholischer angelegt und am Ende stirbt unser Lieblings-Häuptling sogar. Auf unsere tolle Filmmusik, unsere unglaublichen Landschaftsaufnahmen und natürlich auch Reinls Ausnahme-Regie wollen wir aber nicht verzichten – müssen wir auch nicht; alles ist da. Dazu weitere tolle Darsteller und ein nie langweilig werdendes Konzept, das einen bei der Stange hält. Die Faszination der Variation der Repetition – hier für jeden Fan (das extra zu erwähnen, erscheint mir aber wie gesagt trotzdem wichtig) ausgeführt in Perfektion! Und deswegen ist „Winnetou III“ nach Howard Hawks Vorzeige-Blaupause-Western „El Dorado“ und „Rio Bravo“ für mich auch die drittbeste Pferdeoper dieser Bewertungsstufe. Ein absoluter Klassiker!

Übrigens: Rik Battaglias Sprechpart übernimmt hier tatsächlich nicht Rainer Brandt (der ist wirklich überhaupt nicht mit von der Partie), sondern Arnold Marquis. Und man kann wirklich nur sagen, dass es eine Freude ist, dem König der Synchronsprecher in dieser geschichtsträchtigen Rolle zu lauschen.

Vergleich zum Buch:

Für den Vergleich dieses Films mit der Romanvorlage verweise ich auf meine Ausführungen im Review zu „Der Schatz im Silbersee“. Kurz gesagt: Es kann sich nur noch um Jahre handeln.

Zur DVD/BD:

Supergeile DVD-Collection, die die Universum Film seinerzeit mit genialem Bild und Ton rausgebracht hat („Winnetou III“ befindet sich in der „Karl May DVD Collection III“, zusammen mit „Winnetou I“ und „Winnetou II“); die musste ich mir damals sofort zulegen. Und hat auch richtig Asche gekostet. Nur, um heutzutage festzustellen, dass es die Dinger mittlerweile in natürlich noch wesentlich besserer HD-Qualität auf Blu-ray gibt. Na ja, bei diesen Filmen darf man nun wirklich nicht knauserig sein, die müssen in der wirklich besten Qualität vorliegen, sodass ich mir dann auch noch die „Karl May Klassikeredition“ der Universum auf BD zugelegt habe. Nett daran ist vor allem, dass man die ganzen verschiedenen Boxen (denn nach den „Karl May DVD Collections“ I-III (!) musste man sich seinerzeit ja auch noch die Shatterhand-, die Orient- und die Mexiko-Box extra zulegen) von damals nicht mehr braucht und alle 16 Karl-May-Verfilmungen der 60er Jahre (die „echten“ also, ohne diesen seltsamen „Das Vermächtnis des Inka“, von dem ich, bis ich’s für den „Schatz im Silbersee“  nachgelesen habe, noch nie etwas gehört hatte) in einem großen Schuber zusammen hat. Auch schön alle einzeln in nem Amaray und nicht auf ner Spindel oder so, wie sich das gehört. Als einzige Schwierigkeit erweist es sich dann den jeweiligen Film aus der Box rutschen zu lassen, ohne die 15 anderen ebenfalls sofort in Händen zu halten – gerade, wenn man einen Film aus der Mitte sehen will. Tja, man kann nicht alles haben.

Am Bild und Ton hat man hier jedenfalls noch mal mächtig geschraubt; das sieht einfach perfekt aus! Das hätte ich echt nicht gedacht. Von daher lohnt es sich allein schon deswegen, auf diese Box umzusteigen und das Bonusmaterial macht es einem da nur noch einfacher zuzugreifen:

  1. Interview-Dokumentation ohne Titel (eine Seltenheit heutzutage, selbst im Bonusmaterial (dass der Titel fehlt, meine ich)): Tja, wie schon bei „Winnetou I“ angedeutet, haben wir hier dann die restlichen acht Minuten der seinerzeit 20 Minuten zählenden Doku., die auf der „Winnetou III“-DVD zu allen drei Filmen drauf war. Rik Battaglia, Pierre Brice, Ralf Wolter und Matthias Wendlandt erzählen uns hier also nicht nur was zum dritten Teil der Saga, sondern auch zum zweiten… Gut, das bleibt weiterhin natürlich total interessant, aber diese Dokumentation war ja zusammenhängend gedacht, also hätte man sie auch zusammenhängend lassen sollen. Kritik auf hohem Niveau. Allerdings: Stewart Granger ist immer noch KEIN Amerikaner, sondern Brite! Das nervt, so was kann man recherchieren.
  2. Ausschnitt aus der Wochenschau 1 „Uraufführung in Essen ,Winnetou III‘“: Erneut ein nettes Zeitdokument, aber nicht mal eine Minute lang.
  3. Ausschnitt aus der Wochenschau 2 „Dreharbeiten ,Winnetou III‘“: Allein wie man damals Nachrichten gemacht hat, ist interessant. ;) Dass der österreichische Regisseur Harald Reinl und nicht „Reindl“ heißt, wussten die Machen damals aber wohl nicht. Trotzdem bekommt man ein paar nette Aufnahmen aus anderen Perspektiven.
  4. Nicht verwendete Negative „Winnetou III“: Auch ohne Ton total interessant, weil hier die Aufnahmen aus der anderen Perspektive der Wochenschau-Ausgabe einen drüber in voller Länge gezeigt werden. So kann man 3,5 Minuten mal hinter die Kulissen gucken – cool!
  5. Bildergalerie: Muss ich dazusagen, dass sich hier wieder Bilder anderer Filme mit eingeschlichen haben? Was heißt mit eingeschlichen? Bis auf drei Bilder sind, wenn ich es richtig gesehen habe, alle hier vorhandenen aus „Winnetou I“ und „Winnetou II“. Das ist echt grausam…
  6. Deutscher Trailer in zwei Versionen
  7. Das Booklet der Edition von damals zum Lesen auf dem Bildschirm: Da da ganz nette Sachen drinstanden damals, macht das schon Sinn, das getan zu haben und sich das nochmal durchzulesen.

Hier bewahrheitet sich dann meine Befürchtung, dass das mit dem Bonusmaterial irgendwann mal knapp werden muss, schon relativ, aber gut, es ist noch genug Zeugs vorhanden. Einzig die Zerstückelung der Dokumentationen nervt mich etwas.

Unabhängig davon gibt’s auf jeden Fall die dickste Kaufempfehlung im ganzen Lexikon hierfür. Allein schon wegen des Upscales. Das sieht so geil aus und genau darauf sollte es auch vor allem ankommen. Muss man haben! :)

Zitate

„Weil er an das Gute glaubte, musste er sterben.“(Winnetou spricht die Wahrheit über einen von seinen eigenen Mitstreitern gerichteten Banditenmitläufer aus)

„Wenn ein Lump eine Depesche kriegt, dann steckt bestimmt eine Lumperei dahinter.“(Sam Hawkens weiß, sich auszudrücken)

★★★★★

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