Der Schut

Der Schut

★★★

  • Jahr: 1964
  • Regie: Robert Siodmak
  • Darsteller: Lex Barker, Rik Battaglia, Ralf Wolter, Marie Versini, Dieter Borsche, Chris Howland...

Bewertung

Also ich weiß es nicht, Leute. Entweder ist dieser Kindheitszauber, der die „Winnetou“-Verfilmungen für mich umgibt, doch wesentlich stärker als ich immer denke (allerdings finde ich das nun wirklich nicht; ich bin der Meinung, schwache Beiträge wie „Old Shatterhand“ oder „Der Ölprinz“ durchaus erkennen und entsprechend bewerten zu können) oder ich habe mal wieder einen ganz anderen Film gesehen als alle anderen. Muss also offensichtlich mal wieder Letzteres gewesen sein. Denn es tut mir leid, aber „Der Schut“ könnte auch genauso gut „Der Schrott“ heißen, denn das ist er. Robert Siodmak, von dem ich vorher tatsächlich noch überhaupt gar nichts gesehen hatte, wenn ich seine Filmografie richtig überfliege, weswegen ich mich mit einem generellen Urteil zu seiner Person zurückhalten muss, inszeniert hier völlig uninspiriert einen unendlich lahmen Ritt, der bei zwei Stunden Laufzeit einfach nicht aufhören will und daher schlussendlich nur noch nervt.

Keine Ahnung, warum Brauners Beiträge zur Karl-May-Welle sich zu diesem Zeitpunkt alle dadurch von Wendlandts abheben mussten, dass sie noch eine ganze halbe Stunde länger waren, aber das fällt, nachdem es schon bei „Old Shatterhand“ der Fall war, hier ja nun mal auf und bei beiden Werken hat man das Gefühl, dass es sich dabei um eine Vorgabe von oben (also vermutlich des Produzenten) handelte. Beide Drehbücher wurden merklich ausgeweitet und man könnte sich vorstellen, dass eine normale Spielfilmlänge von 90 Minuten beide zumindest in ein etwas besseres Licht gerückt hätte – alleine schon, weil man sich nicht so langweilen würde. Allerdings würde das in diesem Fall natürlich nur sehr bedingt über die sonstigen Script-Schwächen hinwegtäuschen. So interessierte mich die Suche nach dem „Schut“ ehrlich gesagt zu keiner Zeit (Spoiler) und machte man hier ja auch noch den Fehler, dass man diesen in Person von Rik Battaglia sofort einführt. Denn selbst wenn das hier sein erster Auftritt im Rahmen der Reihe gewesen wäre und selbst wenn er vorher einen Guten gespielt hätte (aber er war ja auch schon in „Old Shatterhand“ als Schurke Dixon unterwegs), würde man diesen Bösewicht doch sofort als solchen erkennen. Und das liegt nicht nur daran, dass Battaglia sein Spiel bis zu seinem denkwürdigen Auftritt in „Winnetou III“ noch wesentlich verbessern sollte, sondern auch an der wirklich plumpen Art, in der dieser „Super-Fiesling“ hier versucht von sich abzulenken, indem er den besorgten Philanthropen raushängen lässt. Das hatte man doch selbst damals schon hundert Mal gesehen. Dass man ihn diese Maske dann auch relativ fix (nach einer guten Stunde schon, meine ich) fallenlassen lässt, könnte dafür sprechen, dass man sich dieser Tatsache durchaus bewusst war, aber dann hätte man dieses „Verwirr-Spiel“ doch gar nicht erst einführen müssen. Das nervte mich einfach.

Weiterhin ist der Plot mal wieder eine Aneinanderreihung verschiedenster kleiner Episoden, was dem Streifen mal wieder nicht zum Vorteil gereicht. Hier wird vor allem dem Kampf Kara Ben Nemsis gegen eine Handvoll „Vorgegner“ (die er erledigen muss, bevor er gegen Endgegner Schut antreten darf) viel Zeit gewidmet, die ich größtenteils damit verbracht habe, mich zu fragen, wann das denn endlich sein Ende haben soll. Exakt meine ich damit Renato Baldinis Auftritt, den Part um die beiden grenzdebilen, zu keiner Zeit gefährlichen Brüder und das größte Ärgernis des Films: die Episode um diesen Mübarek. Diese ist wirklich zu gar nichts anderem da, als das Ding in die Länge zu ziehen. Klar, am Ende kommt ganz beiläufig heraus, dass auch er für den Schut gearbeitet hat, aber das ist doch eine lächerliche Rechtfertigung für die ganzen Minuten, die wir uns fragen, warum Ben Nemsi sich dieses Scharlatans überhaupt annimmt. Und dann noch mit dieser Kamikaze-Methode. Drückt der Vogel nur einmal öfter ab, hat sich’s mit dem Reiseerzählungen schreiben aber für immer erledigt… (Ehrlich gesagt würde es mich allerdings nicht wundern, wenn diese Idee tatsächlich von May stammen würde, was ich nicht weiß, da ich bis zum „Schut“, der ja eigentlich der letzte Teil des sechsbändigen Orient-Zyklus‘ ist, damals nicht vorgedrungen bin (ich fand Wild-West-Geschichten eben schon immer interessanter).) (Spoilerende)

Und mehr passiert ja am Ende eigentlich auch gar nicht. Wobei, halt, einen absoluten Aufreger hat dieses Machwerk ja doch noch parat: das Duo Sir David Lindsay (Dieter Borsche) und Diener Archibald (Chris Howland), das hier für den „Humor“ zuständig sein soll. Humor deshalb in Anführungsstrichen, weil es einfach nicht lustig ist und zudem eine Grenze überschritten wird, wenn Letztgenannter in einer Szene im Gefängnis mit einem Male alle Sachen, die die beiden sonst so „zum Leben“ brauchen (inklusive Bett, Stuhl und Teekanne), aus dem Koffer hervorzaubert, den er die ganze Zeit durch die Lande schleppt. Klar, man braucht auch einen Komiker, aber in einem grundsätzlich ernst gemeinten Abenteuerfilm, sollte dieser nicht solch infantilen Humor bedienen (für die Szene mit dem Bären gilt das gleiche). Und außerdem hatte man den hier doch durch den mit Karl-May-Veteran Ralf Wolter besetzten Part des Hadschi Halef Omar bereits mit an Bord. Wobei der auch echt nur ein Schatten des Sam Hawkens der „Winnetou“-Werke ist. Und bevor ihr jetzt aufschreit: Entschuldigung, aber dadurch, dass Wolter die Rollen ähnlich anlegt, drängt sich ein Vergleich geradezu auf und den muss dieser Hadschi Halef Omar verlieren, da er mich den ganzen Film über mit seiner ständigen Angeberei und Flunkerei genervt hat. Und Kara Ben Nemsi selber? Ist ob all dieser Flachpfeifen um ihn herum ein noch viel überlebensgrößerer Held als Old Shatterhand oder selbst Winnetou es jemals waren und daher schon fast ein Stück weit unerträglich.

Das liegt allerdings auch daran, dass Lex Barker, den man glücklicher- und sinnigerweise auch für die Rolle von Mays zweitem Alter Ego besetzen konnte, das ebenso zu empfinden und voll auszukosten scheint. Ohne den „Show-Stehler“ Pierre Brice an seiner Seite werden alle seine Handlungen von einem süffisanten Lächeln begleitet, das ich so noch gar nicht von ihm kannte. Ich glaube fast, dass ich ihn hier nur deshalb trotzdem leiden konnte, weil ich ihn eben generell für einen coolen Typen halte und ihm diese „Arroganz“ daher auch zugestehe. Bei Sidekick Ralf Wolter reicht eben dies nicht mehr aus. Auch wenn ich ihn sonst sehr schätze und auch seine vernünftige Leistung hier zu erkennen weiß, hat er mich aufgrund seiner Rolle und deren soeben geschilderter Verhaltensweise größtenteils genervt. Selbiges gilt daher auch für Borsche und Howland (der einen in „Winnetou I“ ja schon aufgeregt hat). Rik Battaglias Leistung ist wie oben auch quasi schon erwähnt bereits nicht schlecht, aber eindeutig noch ausbaufähig (was er definitiv nachgeholt hat) und Renato Baldini habe ich, außer wenn er sich für Carnimeo zum Horst gemacht hat, überhaupt noch nicht so schlecht gesehen. Der weibliche Part der armen Entführten ist mit Marie Versini ehrlich gesagt nicht weiter nennenswert besetzt. Sie macht das, was sie wohl auch machen sollte; nämlich den Jungs von damals den Kopf verdrehen. Auf mich heute wirkt sie nicht mehr so unfassbar anziehend und sie war ehrlich gesagt jetzt auch einfach nicht die beste Schauspielerin der Welt.

Und so war diese erste Orient-Verfilmung von Brauner für mich jetzt wirklich eine Enttäuschung. Selbst nach dem selbstredend sogar noch etwas schlechteren „Old Shatterhand“ hätte ich das nicht erwartet. Denn der war ja auch noch von ganz widrigen Produktionsumständen begleitet und einem nachgewiesenermaßen unfähigen Regisseur verantwortet worden. Nun gut, ob Siodmak ein so viel besserer Filmemacher war, muss sich erst noch herausstellen. Hier jedenfalls hat er sich wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert und ein ohnehin schon unspannendes Drehbuch mit ebensolcher Lieblosigkeit auf die Leinwand geklatscht. Seine Darsteller wollten ihn offensichtlich auch nicht unterstützen und dann kann auch kein Martin Böttcher mehr helfen… Da kann man nur hoffen, dass der nächste Streifen besser wird.

Übrigens: Ich schreibe immer Orient-Verfilmung. Das Ding hier wurde aber erneut im damaligen Jugoslawien gedreht. Ich mein, ich weiß am Ende gar nicht genau, wie es im Orient eigentlich aussieht, aber so habe ich mir diesen jedenfalls nicht vorgestellt. Ziemlich bewachsen für meine Begriffe. So wirkt das Ganze nicht anders als die „Winnetou“-Filme und lässt mich die ganze Zeit wundern, warum im Wilden Westen denn so komisch verkleidete Menschen rumlaufen. Da hätte man meiner Meinung nach andere Drehorte wählen sollen, damit sich diese beiden Filmwelten besser voneinander abgrenzen. Aber auch das scheint ja sonst keinen weiter zu stören…

★★★

3 thoughts on “Der Schut”

    1. Moin Benjamin,
      bevor ich dich noch länger auf eine Antwort warten lasse, formuliere ich diese jetzt mal lieber ein wenig inkompetent. Denn wie du dir vielleicht denken kannst, hatte ich die Idee mit dem „Winnetou“- bzw. Karl-May-Special für dieses Jahr bereits in 2019 und habe dann auch gleich schon mal angefangen vorzuarbeiten, damit ich nicht in Verzug kommen kann. Daher ist meine – erste und bisher letzte – Sichtung des „Schuts“ bereits über ein Jahr her, weswegen ich in diesem Ausnahmefall tatsächlich gewillt war, ihn mir nochmal anzugucken, bevor ich dir antworte – gerade auch, weil ich die anderen beiden Orient-Abenteuer von Brauner mittlerweile ebenfalls durchhabe und von diesen genauso wenig begeistert bin… Hätte mir meine eigene Meinung also gerne noch mal bestätigt, aber vor allem aus privaten Gründen komme ich gerade kaum dazu mein hochgestecktes Ziel von erneut vier neuen Western für diesen Monat zu erfüllen und von daher muss ich auf solche Extrawürste vorerst erst recht verzichten. Hole ich irgendwann mal nach, aber so eine große Rolle sollten die Ergänzungs-Filme dann am Ende eben auch nicht spielen.
      Daher kann ich, der mir Atmosphäre, wie du meinen Bewertungen bestimmt schon entnehmen konntest, auch nicht ganz unwichtig ist, dir nur nochmal meinen Eindruck von vor einem Jahr widergeben und da ist mir dieses eben gerade nicht aufgefallen. Ganz im Gegenteil kam bei mir nie die richtige Stimmung für den Stoff auf – das liegt allerdings tatsächlich daran, dass ich mich – einfach, weil es eben kein Western ist – zugegebenermaßen nicht korrekt auf den Film vorbereitet hatte. Denn die Orient-Erzählungen von Herrn May habe ich als Kind tatsächlich nur angefangen und bin über „Durch die Wüste“ nie hinausgekommen, weswegen ich jetzt auch tatsächlich nicht wusste, dass „Der Schut“ ja gar nicht mehr in Afrika bzw. Asien spielt… Von daher ist dein letzter Einwand der entscheidende. Ich erwartete nämlich die ganze Zeit über eine Orient-Stimmung, wie sie „Durchs wilde Kurdistan“ und „Im Reiche des silbernen Löwen“ immerhin entstehen lassen. Dass diese hier ob des Ortes der Handlung ja aber gar nicht gewollt gewesen sein kann, ging mir tatsächlich nie auf und da ich mich auf dem Balkan auch nicht auskenne, ist mir das ob der Ortsnamen etc. während des Schauens auch nie aufgegangen. Von daher vielen Dank für den Hinweis – jetzt macht ein erneutes Ansehen auf jeden Fall Sinn! Und dann werde ich danach natürlich auch noch was hier am Text ergänzen, aber weil er – wie oben bereits erwähnt – eben „nur“ ein Ergänzungsfilm ist, bitte ich dich, es mir nachzusehen, wenn das nicht noch dieses Jahr geschieht. ;) Aber mein erneutes Interesse hast du jetzt auf jeden Fall geweckt (was ich mir nach der lahmen Vorstellung beim ersten Mal nie im Leben hätte vorstellen können ;D)!

  1. Ich kann deine Einschätzung zu Der Schut nicht ganz teilen. Besonders in der Hinsicht das es sich bei diesem um die schlechteste Karl May Verfilmung handelt. Meiner Meinung nach ist der Schut sogar der beste der drei. Für mich zählt bei der Betrachtung von Filmen neben dem Unterhaltungswert und der Story vor allem auch die Bildsprache. Das heißt was für Bilder bringt der Film mit, stimmt/passt die Atmosphäre zur erzählten Geschichte bzw. der Thematik ? usw. Du siehst für mich ist der Kameramann neben dem Regisseur eine der wichtigsten Personen am Set. Und grade an dem Punkt sehe ich eine der Stärken von Der Schut. Der Film hat im Vergleich zu seinen Nachfolgern eine wahnsinnig tolle Atmosphäre. Nimmt man nur einmal die kargen Fassaden und windschiefen Häuser in dem Bergdorf in das Kara und Halef einreiten oder der Marktplatz und die engen Gassen in der Stadt. Man spürt hier das Abenteuer förmlich an jeder Ecke. Mich fasziniert der Film jedes Mal wieder von neuem.

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