Der Ölprinz

Der Ölprinz

★★★ +

  • Jahr: 1965
  • Regie: Harald Philipp
  • Darsteller: Stewart Granger, Pierre Brice, Harald Leipnitz, Walter Barnes, Milan Srdoc, Heinz Erhardt, Terence Hill, Macha Méril, Antje Weisgerber...

Story

Der Ölprinz (Harald Leipnitz) ist ein fieser Geschäftsmann, der reichen Käufern ertraglose Bohrlöcher andrehen will. Da sein nächstes Objekt aber blöderweise auf Land liegt, dass die Indianer einem Siedlertreck kostenfrei zur Verfügung stellen wollen, schiebt er diesen Leuten den Mord an einem Häuptlingssohn in die Schuhe. Da müssen Old Surehand (Stewart Granger), Winnetou (Pierre Brice) und Old Wabble (Milan Srdoc), die den Treck begleiten, natürlich eingreifen. Und so verhindern sie die fiesen Pläne des Ölprinzen, indem sie dem Häuptling die wahren Schuldigen liefern. Am Ende ist alles wieder Friede, Freude, Eierkuchen.

Worte zum Film

teilweise lustlos wirkende Darsteller, unausgenutztes Landschaftspotenzial, die schwächste Regie seit Hugo Fregonese, ein völlig unverblümt hanebüchen aufgeblasenes Möchtegern-Drehbuch und Böttcher hatte offensichtlich auch keine Lust – „Winnetou“ wird unter Wendlandt das erste Mal zur Stangenware

Bewertung

Zum Film:

„Der Ölprinz“ oder: „Winnetou“ wird zur Stangenware. Nachdem man ein Jahr zuvor mit „Unter Geiern“ den ersten Regiewechsel innerhalb der Reihe (bzw. innerhalb des Teils der Reihe, für den Horst Wendlandt verantwortlich zeichnet) erfolgreich geprobt hatte, schickte man im Jahr darauf gleich drei Vertreter von drei unterschiedlichen Regisseuren ins Rennen. Den Anfang machte Harald Philipp, für den der hier vorliegende „Ölprinz“ somit sein Regie-Debüt innerhalb der Serie bedeutete. Und auch wenn ich gleich vorwegnehmen möchte, dass ich in die Unken-Rufe einiger Leute, die hiermit den Anfang vom Ende der besten deutschen Film-Reihe eingeläutet sehen, nicht einstimmen möchte und wir ganz im Gegenteil feststellen werden, dass selbige hiernach noch einmal eine richtige Hoch-Zeit erlebte (eröffnet natürlich wieder durch den Mann, der das Ganze quasi miterfunden hat, nämlich Harald Reinl mit seinem hierauf folgenden „Winnetou III“), so muss man leider doch getrübten Gemütes konstatieren, dass diese Episode um den berühmten Apachen-Häuptling leider diejenige ist, der man als Erstes den Schnellfertigungs-, also den Fließband-Charakter ansieht. Hier ist leider doch einiges im Argen, was bei den Vorgängern noch hervorragend funktionierte.

Vor allem fehlt es hier an einem vernünftigen Drehbuch. Was sich Fred Denger und Regisseur Philipp höchstselbst hier nämlich relativ fix zusammengeschrieben haben, ist der Reihe absolut nicht würdig. Dabei kann ich jetzt zwar nicht die Qualität der Vorlage Karl Mays beurteilen, da ich diese selbst nie gelesen habe, aber das dürfte, wie bei den Vorgängern auch, ziemlich irrelevant sein, da diese auch dieses Mal höchstens in den Grundmotiven noch zu erkennen sein dürfte. Und in aller Regel war das ja auch eher ein Vorteil der vorangegangenen Episoden, da Mays Bücher sich ja oft aus mehreren, ehemals unabhängig voneinander geschriebenen Einzelgeschichten zusammensetzen, die erst später zusammengefügt wurden. Gepaart mit der Tatsache, dass er sich ziemlich oft in Dialogen verlor, die seine Figuren als unzerstörbare Helden und die Gegner als die dümmsten Schuljungen hinstellten, tat es seinen Geschichten also in mehrfacher Hinsicht gut, in der Regel noch einmal komplett neu geschrieben worden zu sein. Schließlich verstanden es die bisherigen Drehbuchautoren auch sehr gut, trotz aller Änderungen Mays Tonfall und Grundaussagen zu treffen. Bei Dengers und Philipps Script hat man aber das erste Mal seit Brauners „Old Shatterhand“ wieder das Gefühl, dass dem großen sächsischen Schriftsteller diese Adaption selbst wohl nicht gefallen hätte.

Das liegt in erster Linie daran, dass sie eigentlich überhaupt nichts zu erzählen haben. Ihre Story um den Ölprinzen, der mit dem ganz neuen Trick der Wertsteigerung von Grundstücken durch Eigenzugabe von Rohstoffen versucht, den ganz großen Reibach zu machen, und dem Winnetou, Old Surehand und ein Treck voller armer Siedler dazwischen kommen, ist nämlich genauso dürftig, wie sie klingt. Erst dauert es ewig, bis die Jungs und Mädels da überhaupt mal aufbrechen und wenn sie es dann endlich tun, rasten sie sofort wieder und dieser „Rastplatz“ wird zum Schauplatz der restlichen Stunde (oder wie viel Film dann auch immer noch fehlen mag). Das ist nicht gerade abwechslungsreich und spannend. Die Kerngeschichte bietet kaum mehr Inhalt als in 45 Minuten Film passen würde. Dass man trotzdem auf die mindestens benötigten 90 Minuten kommt, liegt daran, dass man das Werk an allen Ecken und Enden mit unnötigem Nebengeplänkel aufbläht. Oft sind es nur ein paar Minuten mehr, um die es dabei geht, aber alles in allem kommt man dann auf die gewollte, berühmte „Spielfilmlänge“. So wird beispielsweise Winnetou äußerst umständlich und „lustig“ eingeführt (der Gag mit dem Pfeil als Spiegelhalter ist echt schwach und Old Wabble hier generell noch hundert Mal döspaddeliger als im direkten Vorgänger), die Saloon-Szenen mit dem Kantor sind generell überflüssig, des Kantors ständiges Geschwafel von seiner Oper ebenso (und zusätzlich nervig), die nächtliche Begegnung des Falschspielers, dessen Figur es meiner Meinung nach auch nicht wirklich gebraucht hätte, mit den Banditen wird dadurch auch nur unnötig in die Länge gezogen und das Ganze gipfelt dann darin, (Spoiler) dass aufgrund der „Bedrohung durch die Indianer“ erstmal die Flussseite gewechselt werden soll (weil die Roten wahrscheinlich nie den Fluss überqueren würden, um zu kämpfen…), was in einer völlig unsinnigen Stromschnellen-Rettungs-Szene mündet, die so überflüssig ist, wie nur irgendwas. Und wenn Winnetou und Surehand (der eigentlich schon auf dem Weg war, mit Wabble den Ölprinzen zu kaschen, wofür er nicht mal einen Tag Zeit hat und trotzdem heldenhaft wieder umkehrt) die in Not geratenen Siedler mit ihrem Lasso dann in letzter Sekunde vom zerberstenden Floß retten, wird auch kein Wort mehr darüber verloren und die Übersiedlung auf die andere Seite einfach kommunikationslos abgebrochen. Und wenn du dann denkst, es geht nicht mehr schlimmer, krallen sich Surehand und Wabble in einer banditenseits unfassbar dämlichen Szene den Ölprinzen und seinen messerwerfenden Handlanger (die beiden haben, als sie die Romanhelden herannahen sehen, mit einem Male die unfassbar kluge Idee, am besten nicht mit den Pferden vor ihnen zu fliehen (man könnte darauf am Ende ja schließlich sogar entkommen), sondern sich Hals über Kopf zu Fuß über die mit Sicherheit wackeligste Hängebrücke der USA retten zu wollen, auf der es den Guten ein Leichtes ist, sie zu stellen) und der Wabble den ganzen Film über ironisch kritisierende und um dessen Schwächen wissende Old Surehand lässt dann mit mal in einem Anfall von Großmut seinen Kompagnon den Messerjohny fesseln, was diesem natürlich die Möglichkeit gibt, sich mit Hilfe eines Messers (wer hätte das nur gedacht?) wieder zu befreien und abzuhauen. Auch die folgende Verfolgungsaktion Surehands, bei der der stumme Knife in sein eigenes Schneidwerkzeug fällt, hätte es also an und für sich überhaupt nicht geben dürfen.

Aber von der logischen Seite darf man diesen Streifen sowieso nicht betrachten. Wenn Surehand den Ölprinzen in dessen Zimmer aufsucht, weiß er, woher auch immer (einfach weil Granger n cooler Typ ist, vermute ich (ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich hoffe, es soll nicht wirklich so sein, dass er Knife im Spiegel gesehen hat…)), dass hinter der Tür jemand lauert und doch hätte dieser jemand ihn gefühlt jederzeit mit dem Messer abwerfen können. Ist aber wahrscheinlich wie im Fußball. Hat einfach zu viel Angst vor dem großen Torwart, der ihm mit wedelnden Armen entgegengelaufen kommt. Ein paar Szenen weiter darf man sich durchaus die Frage stellen, warum Goldsack-Besitzer Bergmann nicht einfach mal zu seiner Verteidigung vorbringt, dass er den Indianer (weil von hinten geschehen) gar nicht abgestochen haben kann und wieso generell keiner der umstehenden, gefühlt hundert Roten gesehen haben will, wie es wirklich abgelaufen ist. Aber zum Glück braucht es das alles ja gar nicht, denn Mokaschi sieht seinen Fauxpas am Ende ja auch ganz schnell wieder ein. Ist ja aber auch ein mega Beweis, den ihm Surehand da liefert, indem er vor seinen Augen zwei baugleiche Messer, die er wer weiß woher hat, in eine Scheide einführt, die ein zu seinen Füßen liegender Toter (der sich dieser Prozedur folglich auch nicht mehr erwehren kann) praktischerweise um den Arm geschnallt hat – so zumindest müsste es dem Indianer doch vorkommen. Er aber gibt sich damit zufrieden und überlässt die Siedler, deren Wagen in der einen Szene eben noch fast alle abgebrannt sind, in der nächsten aber ziemlich vollständig wieder tip top aussehen, ihrem Schicksal. Denn das nehmen die ja auch selber in die Hand und heiraten am Ende einfach mal alle wild durcheinander. Das ist also zuweilen schon ein wenig schräg, das Geschehen hier. (Spoilerende)

Und überhaupt haben wir das ja alles auch schon mal gesehen. Ein Siedlertreck, ein Indianerstamm auf dem Kriegspfad, eine Banditenbande, Winnetou, Old Surehand und Old Wabble? Klingt ganz nach „Unter Geiern“, stimmt’s? An dessen Erfolg haben sich Denger und Philipp hier wohl auch komplett orientiert und dementsprechend nicht mehr als eine schlechte Kopie dessen angefertigt, die niemand gebraucht hätte. Einmal Siedlertreck und der so cool dargestellt wie in „Unter Geiern“ hätte mir gereicht. Da hätte jetzt nicht noch so’n Ölprinz daher geritten kommen und noch mal Streit anfangen müssen. Allerdings: Auch wenn man sich grundsätzlich, was die Möglichkeiten der Ausdehnung des eigenen Drehbuchs angeht, keinen Gefallen damit getan hat, dass Old Surehand den Titel-Bösewicht bereits kennt (denn dann kann man auch keine entsprechenden Szenchen mehr drehen, wie dieser dahinter kommt, dass der Ölprinz ein Schuft ist und womit er sein Geld macht; er weiß es von Anfang an und konfrontiert diesen auch sogleich damit), so ist das aufgeladene Gespräch zwischen beiden zu Beginn, in dem Surehand dem Spitzbuben ganz unverhohlen Prügel (ok, er sagt glaube ich „Ärger“) androht, doch mal ein neues Element innerhalb der Reihe, das – soweit ich mich jetzt erinnern kann – auch nicht noch einmal wiederholt wurde und daher gefällt.

Von solchen Szenen hätte es durchaus ein paar mehr gebraucht. Das sind doch die kitzelnden Momente. Stattdessen setzen Denger und Philipp hier eher auf einen Extra-Schuss Humor, ganz ähnlich Brauner in seiner grausamen, ersten Orient-Verfilmung „Der Schut“ – das schafft natürlich entgegengesetzte Effekte. Denn was auf den Freilichtbühnen dieser Republik immer wieder hervorragend funktioniert und dort auch nur recht und billig ist (weil es sich um Theaterstücke handelt, die dort aufgeführt werden), hat in einem Kinofilm nichts verloren. Durch den mehr als überdrehten Old Wabble sowie den völlig deplatzierten Kantor Hampel hat man hier aber gleich zwei Spaßmacher dabei, die ihren Witz aus klamaukigen Szenen und zotigen Gags ziehen. Für Wabble hatte ich dabei bereits ein Beispiel gebracht und für den Kantor an und für sich auch schon: gerade die zweite, lange Saloon-Szene, in der auch gepokert wird (mit französischem Blatt, versteht sich; an alles konnte Philipp ja nun auch nicht denken), ist reiner Slapstick – sowas will ich in einer „Winnetou“-Verfilmung nicht sehen.

Einzig und allein der Tatsache, dass zumindest bei der Besetzung der Rolle des Kantors ein Coup gelungen ist, ist es zu verdanken, dass einen diese nicht völlig aufregt. Denn wer kann dem guten, alten Heinz Erhardt, der einfach das tut, was er soll, nämlich seine ewig gleiche Rolle des zerstreuten Schelms zu spielen, schon großartig böse sein? Ich nicht und er sorgt hier auch durchaus für Stimmung, der eine oder andere Gag zündet da sogar (s. Zitate) und er ist mit Sicherheit der einzige, der fragen darf, ob Winnetou Tenor ist, ohne dass ich gleich wutrot anlaufe. Aber auch er kann es eben nicht verhindern, dass seine Figur mehr und mehr nervt. Und auch Milan Srdoc alias Paddy Fox will ich aus demselben Grunde mal keinen allzu großen Vorwurf machen, denn spielen tut er seinen Blödelpart ja auch völlig in Ordnung. Seine Reputation ist aber natürlich nicht die eines Heinz Erhardts und so regt einen Old Wabble hier am Ende sogar noch ein wenig mehr auf.

Überhaupt sind die Darstellerleistungen dieser Reihe selten so uninspiriert gewesen wie in diesem Vertreter. Der im Vorgänger noch so überragende Stewart Granger fährt hier zwar dankenswerterweise einen Gang zurück, was sein gestenreiches Spiel angeht, bleibt aber – vielleicht auch gerade dadurch – insgesamt erstaunlich blass. Und das obwohl seine Rolle hier viel größer angelegt ist als die des Apachenhäuptlings. Denn hier hat man noch viel mehr als in „Unter Geiern“ das Gefühl, dass der Brite sich das Drehbuch tatsächlich selbst auf den Leib geschrieben haben müsste. Old Surehand hat viel mehr Screentime als Winnetou  und viel mehr Aktionen. Wenn es am Ende z. B. darum geht, den Ölprinzen zu kaschen, reitet Surehand los, ihn zu finden, während der Apache im Siedlercamp verbleibt und versucht, die Leute zu beruhigen. Ja, in diesem Film ist es sogar an Winnetou, dem Kantor einen aus dessen Sicht übertriebenen Spruch Old Wabbles bzgl. einer „vollen Hose“, die der Professor gehabt hätte, zu erklären und diesem mitzuteilen, der Alte hätte es doch nicht so gemeint. Wirklich unfassbar! Hier stellt man sich dann tatsächlich mal die Logikfrage, die in allen anderen Filmen ob deren Qualität immer wieder untergeht: Hat der Stammeshäuptling eigentlich nichts Besseres zu tun als gerade mit diesen Siedlern seine Zeit zu verplempern, denen Old Surehand offensichtlich schon Hilfe genug ist? Immerhin lässt sich dadurch vielleicht wenigstens Pierre Brice‘ ziemlich lustloses Spiel erklären. Der agiert nämlich so als würde er auf besagten Freilichtbühnen dieses Landes einen Text bereits zum 100. Mal aufsagen. Und muss ständig dümmlich in die Kamera grinsen, weil er ja nur der Tröster ist, in diesem Streifen. Der Franzose hatte wahrlich schon größere Momente innerhalb der Reihe.

Und als wenn das alles nicht schon schlimm genug wäre, kurbelt Walter Barnes seines Treckführer leider nur herunter und versucht Terence Hill seinen Falschspieler ebenso herunterzukurbeln – nur dass er damals noch nicht so weit war, weswegen sein Auftritt hier schlicht als ganz schön schwach zu bezeichnen ist. Und somit bleibt am Ende nur einer über, den man von dieser Generalkritik ausnehmen muss: Harald Leipnitz. Der spielt seinen Badguy hier ganz hervorragend. Vor allem seine stoische Ruhe unterscheidet ihn von den bisherigen, ziemlich extrovertierten Bösewichtern der Reihe. Dass er ein Jahr später gleich noch einmal in dieser Rolle ran durfte, überrascht daher wenig.

Geschuldet sind die größtenteils schwachen Darstellerleistungen sicherlich auch Harald Philipps chaotischer Regie. Er, der er hier gegenüber allen anderen Regisseuren der Reihe bisher sogar noch den Vorteil hatte, dass er am Drehbuch mitschreiben durfte (was am Ende zwar sicherlich auch mit dazu beigetragen haben wird, dass „Der Ölprinz“ so schlecht ist, aber egal), setzt diesen mit Vorsatz gegen den Baum. Bestes Beispiel dafür ist direkt die Intro-Szene. Diese könnte viel uninspirierter gar nicht sein und somit könnte auch dieses Werk kaum schlechter beginnen als mit einem Mann, dem einfach so aus heiterem Himmel irgendwelche Ölfelder angezündet werden – zumindest wird einem dies im Laufe der Szenerie klar, auf Schlag kann man das erstmal gar nicht wissen und mitbekommen, so schnell wird man hier ins kalte Wasser geschmissen. Und da Philipp zusätzlich auf alte Aufnahmen des Brands von New Venango aus „Winnetou II“ zurückgreift (entweder direkt oder als Rückprojektionen), sieht das Ganze auch noch mega billig aus (was es für den Produzenten dann ja auch sicherlich war). Überhaupt sind seine Action-Szenen – sonst bisher das große Aushängeschild von Reinl und Vohrer und damit dieser Film-Serie – überhaupt kein Vergleich zu den Vorgängern. Diese sind unkoordiniert und ohne Pep in Szene gesetzt. Dazu kommt, dass z. B. der Ablauf des Angriffs der Banditen auf den Treck bei Nacht völlig unlogisch ist oder Winnetou beim Angriff der Indianer auf den Treck Brandpfeile einfach mal so mit dem Tomahawk wegfegt – super realistisch… Auch ansonsten vermag es Philipp hier leider nicht, irgendeine Handschrift zu hinterlassen. Ganz im Gegenteil, er kriegt es noch nicht mal ordentlich hin, Reinls Vorgaben zu kopieren. So haben wir hier z. B. auch noch die banalsten kroatischen Landschaftsbilder der gesamten Reihe.

Und sowieso scheinen sich nicht nur die Darsteller, sondern auch die gesamte Crew ihrem Regisseur angepasst zu haben. So vermisst man Vladimir Tadej hier an allen Ecken und Enden (für die Stadt Tuscon wurde hier Brauners Wild West City aus „Old Shatterhand“ wiederverwertet, weil man wohl niemanden wie ihn hatte, der im Stande war, so was selber zu errichten (und wohl auch weil alles schnell und billig gemacht werden musste und man ja quasi drei Karl-May-Western gleichzeitig produzierte)) und auch Martin Böttchers Musik war schon mal wesentlich besser. Von Kameramann Heinz Hölscher fange ich besser gar nicht erst an.

Und so gibt es am Ende nur zwei Dinge, die einen hier bei der Stange halten: der „Ölprinz“ Harald Leipnitz und die Tatsache, dass die zahlreichen Winnetou-Motive immerhin ganz leidlich zu unterhalten vermögen. Daraus wird dann nichts, was man sich öfter als zwei- bis dreimal ansehen würde, aber man ist Philipp ob Fregoneses Machwerk „Old Shatterhand“ ja schon dankbar, dass er seinen Reihen-Erstling nicht ebenso tief sinken lässt. Von gut ist aber eben auch er Lichtjahre entfernt. Gerade seine Regie und noch mehr sein mit Fred Denger zusammen (schlecht) verfasstes Drehbuch sind eines „Winnetous“ eigentlich nicht würdig. Würde ich nicht wissen, wie die Reihe weitergeht, würde ich arge Bedenken für die nächsten Filme hegen. Allerdings habe ich das Ganze ja schon ein paar Mal öfter durchgeguckt und freue mich daher sehr auf die nächsten drei Filme. Und mit „Winnetou III“ mache ich nach diesem Zwischentief dann auch gleich schnell weiter, glaube ich.

PS: Interessant ist es, Rainer Brandt mal nicht in der Rolle des Banditenbosses, sondern nur eines kleineren Handlangers zu lauschen. Der bekommt dadurch irgendwie viel mehr Gewicht, als er es eigentlich sollte, glaube ich.

Vergleich zum Buch:

Für den Vergleich dieses Films mit der Romanvorlage verweise ich auf meine Ausführungen im Review zu „Der Schatz im Silbersee“. Kurz gesagt: Es kann sich nur noch um Jahre handeln.

Zur DVD/BD:

Supergeile DVD-Collection, die die Universum Film seinerzeit mit genialem Bild und Ton rausgebracht hat („Der Ölprinz“ befindet sich in der „Karl May DVD Collection II“, zusammen mit „Unter Geiern“ und „Old Surehand“); die musste ich mir damals sofort zulegen. Und hat auch richtig Asche gekostet. Nur, um heutzutage festzustellen, dass es die Dinger mittlerweile in natürlich noch wesentlich besserer HD-Qualität auf Blu-ray gibt. Na ja, bei diesen Filmen darf man nun wirklich nicht knauserig sein, die müssen in der wirklich besten Qualität vorliegen, sodass ich mir dann auch noch die „Karl May Klassikeredition“ der Universum auf BD zugelegt habe. Nett daran ist vor allem, dass man die ganzen verschiedenen Boxen (denn nach den „Karl May DVD Collections“ I-III (!) musste man sich seinerzeit ja auch noch die Shatterhand-, die Orient- und die Mexiko-Box extra zulegen) von damals nicht mehr braucht und alle 16 Karl-May-Verfilmungen der 60er Jahre (die „echten“ also, ohne diesen seltsamen „Das Vermächtnis des Inka“, von dem ich, bis ich’s für den „Schatz im Silbersee“  nachgelesen habe, noch nie etwas gehört hatte) in einem großen Schuber zusammen hat. Auch schön alle einzeln in nem Amaray und nicht auf ner Spindel oder so, wie sich das gehört. Als einzige Schwierigkeit erweist es sich dann den jeweiligen Film aus der Box rutschen zu lassen, ohne die 15 anderen ebenfalls sofort in Händen zu halten – gerade, wenn man einen Film aus der Mitte sehen will. Tja, man kann nicht alles haben.

Und normalerweise sieht das Bild dieser unendlich geilen Box dann ja auch eben genau so aus – nur beim „Ölprinzen“ leider nicht… Ja, man sieht, dass man hieran gearbeitet hat, aber das Ergebnis ist ziemlich ernüchternd. Gerade vor dem Hintergrund der restlichen Scheiben bislang, deren Bild über alle Zweifel erhaben ist. Hier aber sehen gerade die Nachtszenen total schlecht aus und man kann kaum was erkennen. Frage mich gerade, wie das auf meiner alten DVD aussah. Vom Bonusmaterial wird man hier ebenfalls nicht ganz so verwöhnt:

  1. Interview-Dokumentation ohne Titel (eine Seltenheit heutzutage, selbst im Bonusmaterial (dass der Titel fehlt, meine ich)): Eva Ebner, Götz George, Pierre Brice und Vladimir Tadej sagen wieder was zum Film. Wobei Tadej dieses Mal ja eigentlich gar nicht mit zur Crew gehörte und es eine Weile lang auch schon um „Old Surehand“ geht. Daran sieht man, dass hier ein weiterer Teil der damaligen, zusammenhängenden Dokumentation raufgepackt wurde. Die gingen nämlich alle so um die 20 Minuten; das Ding hier nur so ca. acht. Und die restlichen zwölf Minuten können wir dann auf der „Unter Geiern“-Scheibe finden. Fragt sich nur noch, was für „Old Surehand“, den dritten Film der damaligen Box, dann überhaupt noch übrig bleibt.
  2. Fotogalerie: Dazu sag ich langsam nichts mehr. Über diese eine Minute Lebenszeit kann man sich hinterher ärgern oder nicht, es bleibt jedenfalls Quatsch.
  3. Kinotrailer: Dieses Mal nur der eine, aber der reicht hierfür auch völlig aus.
  4. „Im Geyer-Archiv:“ Die gleiche, 7,5 Minuten lange Grütze, die auch schon auf der „Winnetou I“-Scheibe als Bonus mit drauf ist, hat man hier wieder mit raufgepackt. Na und was soll das? Schließlich kommen die dann hier wieder nur darauf, dass der Filmschnipsel, den se da in den Händen halten, wohl von „Unter Geiern“ ist. Warum zum Geier ist das dann also hier drauf und nicht beim Vorgänger?
  5. Digitales Booklet der damaligen DVD-Box: Unterscheidet sich von dem auf der „Unter Geiern“-Scheibe natürlich nicht. Ist nett, nur eben etwas schwierig zu lesen.

Also auch an Qualität und Quantität des Bonusmaterials wurde auf „Der Ölprinz“ gespart. Gut, da der Film nicht so viel taugt, wie der Rest, will man die Nachlese dann auch kurz halten, von daher passt das schon. Dass das Bild leider nicht an die Qualität der anderen Scheiben heranreicht, kann einen da schon mehr ärgern. Aber gut, innerhalb der Box und der Reihe muss er eben dabei sein und die anderen sollten den Ausschlag geben. Daher gibt’s unabhängig davon auch hierfür in jedem Fall die dickste Kaufempfehlung im ganzen Lexikon.

Zitate

„Mein Gott, ist das ein Whiskey – das reinste Rattengift!“ – „Parfüm ist nicht zum Saufen, Parfüm ist zum Riechen; stell’s wieder hin!“(Bandit Butler (Dusan Janicijevic) macht seinen Gefolgsmann Webster (Ilija Ivezic) auf einen Fehler seinerseits aufmerksam)

„Du bist wohl mal vom Pferd gefallen?“ – „Das kann mir nicht passieren. Ich bin Nichtreiter!“(als gebildeter Mann hat Kantor Hampel (Heinz Erhardt) seine Laster abgelegt)

„Um Gutes zu erfahren, muss man Gutes tun.“(Winnetou kennt einfach die größten Lebensweisheiten)

„Ein Mann ist nicht immer ein Mann, nur weil er ein Gewehr trägt.“(Winnetou versucht, den geknickten Kantor wieder etwas aufzurichten)

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