Tecumseh

Tecumseh

★★★★★

  • Jahr: 1972
  • Regie: Hans Kratzert
  • Darsteller: Gojko Mitić, Rolf Römer, Wolfgang Greese, Mieczysław Kalenik, Annekathrin Bürger, Minja Vojvodić, Milan Beli, Herbert Köfer, Leon Niemczyk, Gerry Wolff, Helmut Schreiber...

Story

Shawnee-Führer Tecumseh (Gojko Mitić) hat Anfang des 19. Jahrhunderts eine Vision: Er will so viele Indianerstämme wie möglich einigen, um einen unabhängigen Indianerstaat zu gründen, der gegen die immer weiter vorrückenden Siedler der Vereinigten Staaten von Amerika bestehen kann. Zu diesem Zweck gründet er sogar eine Hauptstadt, die aber während seiner Abwesenheit von den Truppen von Indianas Gouverneur William Henry Harrison (Wolfgang Greese) zerstört wird. Bei dem Angriff, den Tecumsehs Jugendfreund Simon McKew (Rolf Römer) leitet, werden auch viele Ureinwohner getötet. Daraufhin zieht sich der Häuptling vorläufig zurück, um eine neue Streitmacht zu formieren und verbündet sich im folgenden Britisch-Amerikanischen Krieg von 1812 dann mit den Engländern unter der Führung des fähigen Major Generals Isaac Brook (der in Wahrheit Brock mit Nachnamen hieß (Mieczysław Kalenik)). Zusammen erringen die beiden für die Rotröcke einige bedeutende Siege, bis Brook dann von McKew erschossen wird, welcher sich kurz darauf aus Versehen selbst tötet. Brooks ängstlicher Nachfolger Henry Procter (Helmut Schreiber) lässt Tecumseh daraufhin in der entscheidenden Schlacht am Thames River im Stich. Dort fällt der Indianerführer am 05. Oktober 1813.

Worte zum Film

sehr gute Darsteller, sehr stimmige Locations, gute Regie, gute Musik; ebenso authentisch wie unterhaltsam; sehr eindrucksvolle Atmosphäre und Schlachtengemälde; trotz minimaler Schwächen eine großartige Geschichtsstunde!

Bewertung

Zum Film:

Ich könnte jetzt natürlich behaupten, ich hätte es gewusst. Dass es bloß einer kleinen Initialzündung bedurfte, um die DEFA-Indianerwestern nach dem schwachen „Tödlicher Irrtum“ sowie dem „nur“ netten „Osceola“ wieder auf das Niveau zu heben, das sie anfänglich hatten. Dass man nur mal frische Leute an die Sache heranlassen musste. Aber das wäre selbstverständlich ein wenig unfair, denn ich wusste ich es ja wirklich. Gut, ich hätte natürlich im Leben nicht mehr gewusst, wer für den Film verantwortlich war, aber gekannt habe ich den nachfolgenden Beitrag der Reihe ja bereits seit Jahren (in dem man allerdings tatsächlich fast alle Schlüsselpositionen neu besetzt hat). Und „Tecumseh“ war für mich nie nur irgendein DEFA-Western. „Tecumseh“ war für mich immer der DEFA-Western! Von daher ging ich jetzt also schon davon aus, wieder einen Aufschwung zu erleben. Jedoch hätte ich ehrlicherweise nicht gedacht, dass mich der Streifen heute immer noch so kriegen würde wie damals, aber genau so ist es. Für mich hat er in all den Jahren nichts von seiner Faszination verloren, die mich als Jugendlicher bereits so fesselte. Und das ist mittlerweile immerhin mehr als 15 Sommer her…

Seinerzeit erwartete ich bei der Erstansicht ehrlich gesagt noch weniger von ihm. Zwar mochte ich Gojko Mitić und die Indianerfilme, die er spielte, immer schon sehr gern, aber ein umständlich auszusprechender, für mich vorerst völlig unverständlicher und leider ebenso ziemlich langweilig klingender Titel wie „Tecumseh“ schürte bei mir nicht gerade große Hoffnungen. Und das ist der Hammer, oder? Schließlich liegt das einzig und allein daran, dass mir – wie bestimmt 98 Prozent der deutschen Bevölkerung auch – dieser Name und vor allem sein Träger nicht bekannt waren. Auch heute noch dürfte so gut wie niemand hierzulande je etwas von diesem berühmten Indigenen-Führer gehört haben. Und das obwohl er bereits zu Lebzeiten eine Legende war und sein in der Geschichte einmaliger Versuch, alle oder wenigstens so viele Indianerstämme wie möglich zu einigen, mit zum Spannendsten gehört, was die amerikanische Geschichte überhaupt zu bieten hat. Aber alles, was „drüben“ vor 1900 geschah, hatten wir in der Schule überhaupt nicht (wenngleich es da sicherlich von Schule zu Schule, von Bundesland zu Bundesland oder auch von damals zu heute Unterschiede gegeben haben mag bzw. geben kann) und das Repertoire an berühmten amerikanischen Ureinwohnern dürfte nach Sitting Bull (und „Winnetou“ ;) ) bei den meisten bereits ziemlich erschöpft sein. Zumindest was meine Generation angeht. Meine Elterngeneration hatte ja wenigstens diesen Streifen, um sich weiterzubilden.

Und auch wenn das auf den ersten Blick vielleicht witzig anmutet (und von mir selbstredend auch nicht ganz ernst gemeint war), so ist es von der Wahrheit tatsächlich mal wieder gar nicht so weit weg. Denn was Recherche und Faktentreue angeht, machten die Verantwortlichen bei „Tecumseh“ da weiter, wo sie bei „Osceola“ aufgehört hatten. Erneut wird die Geschichte selbstverständlich dramaturgisch aufgewertet (unter anderem mit einer Liebes- wie einer Rivalitätsgeschichte, die es so in echt mit Sicherheit nicht gegeben hat), aber was die historischen Eckpunkte angeht, wird hier nichts hinzugedichtet, weggelassen oder beschönigt (falls ich diesbezüglich einen wichtigen Punkt übersehen haben sollte, berichtigt mich bitte). Klar, es wird auch, wie in der letzten dargestellten Schlacht, der Schlacht am Thames River, mal ordentlich was ausgeschmückt (diese war in Wahrheit sicherlich weit weniger spektakulär und wesentlich schneller beendet), aber schließlich soll der Streifen ganz nebenbei ja auch noch unterhalten und am Ausgang des Kampfes wird nun mal nicht gedreht. Und so bedient man Zuschauer, die von einem solchen Werk historische Korrektheit erwarten (wie ich es mittlerweile eindeutig tue), und solche, die einfach nur eine spannende Handlung sehen wollen, gleichermaßen gut.

Diesbezüglich muss man den Drehbuchautoren Wolfgang Ebeling und Rolf Römer ein großes Kompliment machen. Zumal es ihnen darüber hinaus gelingt – im Gegensatz zu Vorgänger Günter Karl etwa, der vieles gern ein wenig umständlich aufbaute – ihre Geschichte linear, verständlich und nachvollziehbar zu erzählen. Und weiterhin ihr Tempo (hoch) zu halten und sich nicht in Nebensächlichkeiten zu verlieren. Zwar ist der Beginn recht ruhig, aber Zeit wird auch dort schon keine verloren. Mit Unnötigkeiten hält sich in „Tecumseh“ niemand auf. Und dafür darf man dankbar sein, denn angesichts der Tatsache, dass wir es hier im Gegensatz zum Vorgänger „Osceola“ endlich wirklich mit einem echten Biopic zu tun haben, hätte man das Ganze auch als echtes Epos aufziehen können. Aber das hätte einem „kleinen DEFA-Film“ meiner Meinung nach nicht gut zu Gesicht gestanden. So erscheint einem die ja auch so schon leicht überdurchschnittliche Länge von knapp Eindreiviertel-Stunden genau richtig. (Und klar kommt so die Romantik ein wenig zu kurz, aber so, wie diese damals dargestellt wurde, ist das aus meiner Sicht auch kein großer Verlust.)

Ein weiterer eklatanter Unterschied zu vorhergehenden Indianer-Erzählungen der DDR: Obwohl Rolf Römer als Drehbuchautor natürlich dafür gesorgt hat, dass er als Simon McKew ausreichend oft beschäftigt war, haben er und Ebeling ihren Star dieses Mal nicht vergessen. Endlich fühlt sich auch Gojko Mitićs Rolle des Tecumseh wie die einer echten Titelfigur an. Und das weiß dieser offensichtlich zu schätzen, denn ich wüsste nicht, ob dieser vorher jemals so gut war. In „Weiße Wölfe“ vielleicht, ansonsten definitiv nicht. Er verleiht dieser so faszinierenden wie wichtigen historischen Persönlichkeit Persönlichkeit (kein Schreibfehler). Tecumseh selbst wäre sicherlich beeindruckt von dieser Wahl. Und doch ist es am Ende Rolf Römer selbst, der – von der Autorenschaft offensichtlich beflügelt – hier die größte Show abliefert. Das ist stellenweise grenzgenial wie er hier fast die komplette Emotionspalette abdeckt, ohne je auch nur Gefahr zu laufen unglaubwürdig zu wirken. Er war – nach dem winzigen Teil seiner Filmografie zu urteilen, der mir bisher bekannt ist – definitiv nie besser.

Aber auch über diese beiden herausragenden Mimen hinaus ist der Cast von „Tecumseh“ wirklich exzellent. Gerade Wolfgang Greese, der Mitić eigentlich in nichts nachsteht, und der Pole Mieczysław Kalenik, der warum auch immer kaum Filme gedreht hat, haben es mir angetan. Aber auch Annekathrin Bürger und Milan Beli sind echte Bereicherungen der Reihe. Schade, dass ihre Rollen nur so klein sind (aber zumindest Letzteren sehen wir ja nochmal wieder, wenn ich das richtig weiß). Auf Gerry Wolff ist in der Regel ja auch Verlass und sogar Herbert Köfer ist hier sehr gut zu leiden. Da ist eine Bank wie Helmut Schreiber dieses Mal sogar bald der unauffälligste Mitwirkende und der einzige Akteur, der einmal öfter zu sehen ist und dem ich nur eine durchschnittliche Leistung bescheinigen wollen würde, ist Minja Vojvodić als Schwarzer Adler.

Unterstützt werden diese großartigen Darsteller erneut (und ähnlich wie bereits in „Chingachgook, die große Schlange“) durch eine für die Produktionsumstände schier unglaubliche Zahl an Statisten in fast noch unglaublicheren, weil sehr authentischen Kostümen. Und klar wurden die natürlich alle doppelt und dreifach eingesetzt, aber dass man genau diesen Trick selbst als aufmerksamer Zuschauer nie bemerken kann, ist eine große Leistung von Regisseur Hans Kratzert und seinem Team. Die damit aber noch nicht endet. Denn die Massenszenen sind auch ansonsten mit der größte Trumpf von „Tecumseh“. Dieser entwickelt sich vor dem Hintergrund des Britisch-Amerikanischen Krieges mit fortlaufender Spielzeit nämlich immer mehr zu einem halben Kriegsfilm, als der er auch ganz starke Antikriegsbotschaften vermittelt. Vor allem aber sind die so entstandenen Schlachtengemälde der Schlacht bei Tippecanoe sowie der Schlacht am Thames River großartig anzusehen. Sicherlich im letzter Instanz wieder als solche der DEFA erkennbar müssen sie sich bzgl. der Inszenierung, des (auch Material-)Aufwandes, der Choreografien sowie des Schnitts keinesfalls bis kaum hinter ähnlichen Szenen aus neueren Produktionen wie Micheal Manns „The Last Of The Mohicans“ oder Roland Emmerichs „The Patriot“ verstecken.

Zumal es Kratzert gelingt, auch darüber hinaus eine ähnlich starke Atmosphäre zu erzeugen wie die Regisseure der genannten Werke. Mit Hilfe der super stimmigen (unter anderem russischen) Drehorte und Günther Fischers schlicht kongenialer, weil extravagant-melancholischer, aufwühlender Musik (meine Herren, was war das nötig den Neef endlich mal auszutauschen!) erinnerte mich selbige stellenweise sogar an die geniale Atmosphäre eines Lucio Fulci in „I Quattro Dell’Apocalisse“. Wie gesagt, stellenweise. Und auch wenn man sich Kratzerts überwältigende Szenen um die Gefangennahme von Simon McKew und seiner Truppen sowie die Dünen-Szene, in der sich Tecumseh und Major General Isaac Brock (der im Film leider Isaac Brook heißt und von Mieczysław Kalenik dargestellt wird) das erste Mal begegnen, fragt man sich: Wieso durften solche Leute in der DDR eigentlich vorher keine Western machen? ((Spoiler) Weitere Beispiele hierfür wären übrigens die sehr eindringliche Szene, in der Tecumseh und Simon zu Feinden werden sowie die Sache mit den Pfeilen, die in einer Visualisierung Tecumsehs für die einzelnen Indianerstämme stehen, und die nach all den Jahren, in denen man sie mittlerweile gefühlt in so ziemlich allen Variationen gesehen hat, kaum weniger eindrucksvoll ist als vor 15 Jahren oder eben 1972. (Spoilerende))

Nun kann man „Tecumseh“ bei all meiner Verzücktheit sicherlich auch einige Kleinigkeiten vorwerfen. So ist – man ist geneigt zu sagen selbstverständlich – auch dieser DEFA-Vertreter nicht frei von handwerklichen Schwächen. Ich möchte dieses Mal ausdrücklich nicht von Nachlässigkeiten sprechen, denn dafür ist Kratzerts sonstige Arbeit einfach zu gehaltvoll. Aber auch er konnte es offensichtlich nicht verhindern, dass in der Szene mit dem Wagensturz der Stuntman im Innern eindeutig als solcher zu erkennen ist. Auch hält er uns während des Messerkampfs absichtlich vor, wie Tecumseh schließlich an das Stichwerkzeug seines Kontrahenten gerät – wo man gerade das doch gerne gesehen hätte. Ebenso hätte man die Jahre zwischen 1805 (wo die Handlung beginnt) und 1809 (wo sie – meine ich – danach wieder einsetzt) heutzutage sicherlich ein wenig effektvoller und merklicher vergehen lassen. Aber ganz ehrlich: Das sind ja nun wirklich alles Kinkerlitzchen.

Was einem auf die Dauer leider wirklich ein wenig unangenehm auffallen kann, ist dass Kameramann Wolfgang Braumann (der ebenfalls neu ins Team kam, danach aber nie wieder für einen Western eingesetzt wurde) viel zu oft zwischen Gesprächspartnern hin- und herschwenkt und effektive Schnitte somit verhindert. Auch Fischers wie gesagt großartige Musik hätte man nun wirklich nicht unter jede Szene packen müssen. Manchmal ist weniger eben mehr.

Und leider fordert die Straffheit von Römers und Ebelings Script auch an zwei Stellen ihren Tribut, an denen man sich nicht richtig mitgenommen fühlt. (Spoiler) Wenn Gerry Wolffs Händler Newman mit seinem Feuerwerk in Tecumsehs Hauptstadt einreitet und die Indianer zum Angriff auf Harrisons (Wolfgang Greese) Truppen überreden will, kommt es einem zunächst seltsam vor, dass sich einer der anwesenden Ureinwohner (Sepp Klose), den man zuvor noch nie erblickt hat, zum Rädelsführer aufschwingt und die anderen fast schon in ihr Verderben predigt. Warum dieser Mensch, der vorher noch nicht einmal erwähnt wurde, so viel Macht hat, erfahren wir erst ein paar Szenen später: Es handelt sich bei ihm um keinen geringeren als Tecumsehs Bruder Tenskwatawa. Und dieser war tatsächlich ein indianischer Religionsführer und trug mit seiner Lehre von der Abkehr der Weißen maßgeblich zum Erfolg von Tecumsehs Einigungsbemühungen bei. Schade nur, dass dieser Aspekt in diesem Biopic ganz verloren geht und Tenskwatawas Name maximal einmal genannt wird.

Ähnlich fühlt man sich bei der finalen Schlacht. So wie die Ereignisse hier zusammengefasst werden, wundert man sich ja schon fast, dass Tecumseh mit seinen Indianern überhaupt noch zu ihr antritt (aber diese Frage hätte er sich in echt auch gefallen lassen müssen). Viel seltsamer erscheint einem jedoch die Tatsache, dass er mit seinen Mannen nicht auch flieht, sobald Helmut Schreibers Colonel Procter ihn – wie es historisch belegt ist – im Sticht lässt und quasi mit Anlauf in seinen sicheren Tod reitet. So viel Zeit wie sie hier offensichtlich noch haben, um z. B. Eileen (Annekathrin Bürger) sicher nach Hause zu schicken, hätten sie das ja auch tun können. Aber diese Zeit hatten sie in Wahrheit wohl nicht. Tatsächlich waren die amerikanischen Ureinwohner, wenn ich es richtig sehe, an dieser Schlacht am Thames River, wie sie heute heißt, von Beginn an beteiligt und konnten es Procter, als der bei deren katastrophalem Verlauf bereits nach wenigen Minuten türmte, nicht mehr gleichtun (wenngleich sie rein aus Stolz natürlich selbst bei einem Ablauf wie hier dargestellt hätten bleiben können, aber das ist eben vollkommen spekulativ). Und so erklärt sich das Verhalten der Film-Indianer in dieser Schlüssel-Szene leider erst, wenn man sich vor Augen führt, dass sie in der Realität leider ähnlich naiv in ihren Tod geführt wurden. Allerdings hätte man das dann gerne schon ein wenig genauer darstellen können, das muss man auch als Bewunderer dieses Streifens einfach zugeben. (Spoilerende)

Ich könnte daher gut verstehen, wenn all diese Kleinigkeiten zusammengenommen dazu führen sollten, dass der eine oder andere „Tecumseh“ vielleicht nicht ganz so euphorisch bewerten sollte wie ich. Wenn er daher „nur“ als gut abschneiden sollte. Ich für meinen Teil jedoch werde von dem ganzen Setting des Britisch-Amerikanischen Krieges und dessen trotz der geringen, zur Verfügung stehenden Mittel wirklich formidablen Umsetzung schon so dermaßen angesprochen, dass selbst eine schwache Version von Tecumsehs Lebensgeschichte mich wahrscheinlich noch gefesselt hätte. So aber, bei dieser alles in allem höchst realistischen und dabei noch so unterhaltsamen Aufarbeitung seiner Vita, komme ich nicht umhin, in diesem Fall trotzdem fast die volle Punktzahl zu zücken. Über die eine oder andere, immer noch vorhandene handwerkliche Schwäche dieses Streifens kann ich daher maximal schmunzeln und nur allzu leicht hinwegsehen. Und dass man sich inhaltlich an zwei Stellen nicht richtig abgeholt fühlen kann? Dieses Gefühl ist ob der „Nachlieferung“ der Informationen sozusagen bereits bei der zweiten Ansicht passé und wenn man sich ein wenig mit den Hintergründen beschäftigen sollte, erst recht (und es wäre ja schön, wenn einen dieses Werk dazu anregen könnte, was bei mir sehr gut geklappt hat). So gewinnt „Tecumseh“, je öfter man ihn guckt, also auch immer mehr an Qualität. Und genau dazu (also zum immer wieder anschauen) möchte ich euch hiermit gerne animieren, denn ich bin durch selbiges Verhalten mittlerweile nicht nur zu der Überzeugung gelangt, dass „Tecumseh“ der – sogar mit einigem Abstand – beste aller DEFA-Indianerfilme ist, sondern auch zu jener, dass er in den elitären Kreis der besten Western aller Zeiten gehört.

Zur DVD:

Ich habe mir seinerzeit die komplette „Gojko Mitić – Sammleredition“ von Icestorm Entertainment gekauft (insgesamt drei Boxen à vier Streifen). Dieser Film ist in der „Vol. 1“ zu finden, zusammen mit „Die Söhne der großen Bärin“, „Apachen“ und „Ulzana“ (eine sehr eigenwillige Zusammenstellung, ich weiß). Tatsächlich liegt auch diesem ein zweiseitiges Booklet mit Hintergrundinformationen bei. Darüber hinaus bietet diese Scheibe mal wieder nur den ewig gleichen „DEFA-Indianer-Trailer“, Lied-Ausschnitte, gesungen von Gojko Mitić (hier: „Steine und Sand“, „Lieb du das Meer“, „Ein Mann kann viel erzählen“ und „Löscht das Feuer“), 6 Bilderchen sowie die Bio- und Filmografie des Hauptdarstellers. Ziemlich lächerlich, aber die Bild- und Ton-Qualität hatte mich damals immerhin überzeugt. Zog ich seinerzeit allen X-Rated-Veröffentlichungen vor. Nun denn. Heutzutage ziehe ich die BD eindeutig vor. ;)

Zur BD:

Um das Ganze wieder in einem Rutsch abzufrühstücken, habe ich mir erneut die BD-Box von Icestorm Entertainment zugelegt. Diese firmiert unter dem erneut sehr sperrigen Titel „Gojko Mitić – Alle DEFA-Indianerfilme Gesamtedition“. In ihr sind dann selbstredend alle zwölf klassischen Indianer-Western der DEFA enthalten. Jeder in seinem eigenen Amaray, wie sich das gehört. Und das sieht auch alles ganz schick aus und hat, ähnlich wie die „Karl May Klassikeredition“ der Universum, dann den einzigen Nachteil, dass man schon ein wenig aufpassen muss, dass einem bei der Entnahme nicht gleich die ganze Box entgegengerutscht kommt, gerade wenn man einen Streifen aus der „Mitte“ sehen will. Qualitativ ist die „Tecumseh“-Scheibe Gott sei Dank eine der besten. Ein, zwei Bildsprünge, ansonsten ist mir an Bild und Ton nichts aufgefallen. Sehr angenehm dieses großartige Werk so genießen zu können. Und selbst das Bonusmaterial überzeugt hierbei völlig. Zwar hat man erneut nur eine, vom Babelsberger Filmgymnasium gefertigte Produktion mit raufgepackt, aber dieses fast elfeinhalbminütige Interview mit dem Regisseur Hans Kratzert ist dafür umso sehenswerter. Der sehr sympathische Filmemacher kommt dabei im Vergleich viel öfter und länger zu Wort als etwa ein Rolf Hoppe in einem ähnlichen Gespräch auf der „Spur des Falken“-BD und hat somit wirklich was zu erzählen. Wieso können diese Dinger nicht immer so aussehen? Egal, „Tecumseh“ hat damit nicht nur den besten DEFA-Indianerfilm zu bieten, sondern auch die so ziemlich beste Scheibe dieser weiterhin sehr empfehlenswerten BD-Box. Was will man mehr?

Zitate

„Sehe ich eure Dörfer, eure Städte und eure Forts, so sind es jedes Mal dieselben zwei Dinge, die mich in Erstaunen setzen: Die Verschiedenheit eurer Gesichter und eure ungeheure Zahl.“(Tecumseh hat aufgehört zu zählen)

[ein Stammesführer der Umgegend liefert einen seiner Krieger aus, der sich nicht an die Abmachungen mit den Weißen gehalten hat; Tecumseh versucht ihn davon abzubringen] „Hast du jemals darüber nachgedacht, dass immer nur in eine Richtung ausgeliefert wurde?“(Tecumseh ist dafür, neue Transportwege zu erschließen)

[Tecumseh erläutert seinen Stammesbrüdern sein Vorhaben bzgl. der Gründung eines Indianerstaates] „Tecumseh, du hast Recht, aber viele werden gegen dich sein und wenige werden dir folgen und noch weniger werden dich verstehen.“(ein alter, weiser Krieger klärt Tecumseh sogleich über seine Werbewirksamkeit auf)

[als Eileen zu Gast in Tecumsehs Hauptstadt ist, lernt sie auch seine Frau kennen] „Ich bin nicht seine Frau, ich bin die Mutter seines Sohnes.“(die Mutter von Tecumsehs Sohn stellt richtig)

[als Major General Brook ein Fort einnimmt, greift er nicht ein als die Frau des Kommandanten schnell noch ein paar wichtige Unterlagen im Kamin verbrennt] „Besser auf strategischen Vorteil verzichten als auf den Ruf englischer Ritterlichkeit.“(Isaac Brooks Prioritätenliste verwundert)

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