Im Reiche des silbernen Löwen

Im Reiche des silbernen Löwen

★★★

  • Jahr: 1965
  • Regie: Franz Josef Gottlieb
  • Darsteller: Lex Barker, Djordje Nenadovic, Sieghardt Rupp, Ralf Wolter, Gustavo Rojo, Dieter Borsche, Chris Howland, Marie Versini, Anne-Marie Blanc, Fernando Sancho, Antonio Casas...

Bewertung

Also so langsam weiß ich ehrlich gesagt auch nicht mehr, was ich zu Brauners Karl-May-Auswüchsen noch sagen soll… Im Falle von „Im Reiche des silbernen Löwen“ vielleicht nur noch so viel: Ein Glück, dass jetzt nur noch der – um Welten bessere – Western „Winnetou und Shatterhand im Tal des Todes“ aussteht und ich diesen Orient-Quatsch hinter mir lassen kann! Was für ein erneut hanebüchener Unsinn, den sich Regisseur Franz Josef Gottlieb hier ausgedacht hat (jedenfalls unterstelle ich jetzt einfach mal, dass es sich hierbei wie beim Rest der Reihe, der sich ja auch nur in den seltensten Fällen an die Romanvorlagen hält, um einen neuen Plot handelt). Dass der für diesen Mist auch noch Geld gekriegt hat (und zwar im doppelten Sinne), ist einfach unglaublich…

Und dieses Mal rettet ihn auch die etwas bessere Regie gegenüber Siodmaks Arbeitsverweigerungen kein Stück mehr – das Pulver war bereits mit „Durchs wilde Kurdistan“ verschossen und ehrlich gesagt ist hier davon auch nicht mehr viel zu sehen. Vor allem aber wäre es unter normalen Umständen nicht zu verantworten gewesen, dass er – nachdem das ja schon im Vorgänger ein Bauchklatscher war – völlig unnötigerweise noch einmal ganz allein das Drehbuch schreibt. Und nun ja, ganz allein hat er es strenggenommen selbstredend auch mal wieder nicht verfasst. Laut IMDb waren da auch noch der Spanier José Antonio de la Loma (der unter anderem tatsächlich das eine oder andere Italowestern-Script mitverfasste) sowie der mir völlig unbekannte J. M. Petersen dran beteiligt. Mit Sicherheit, weil da wieder direkt am Set das halbe Buch umgeschrieben wurde. Trotzdem aber scheint der – Achtung: Kalauer – Löwenanteil ja erneut auf seine Kappe zu gehen und das wiederum war mit Sicherheit mal wieder nur möglich, weil erstens in diesem Stadium der Reihe ja sowieso alles ganz schnell gehen musste (nicht nur – das sei zugegeben – bei Brauner, sondern auch bei Wendlandt, für den das Jahr 1965 in dieser Hinsicht ja auch das produktivste war) und man diese beiden – Gott sei Dank – letzten Orient-Verfilmungen der CCC aus eben diesem Grunde zweitens ja auch direkt zusammen abdrehte (im Kino erschienen sie hierzulande dann im Abstand von ca. drei Monaten) – so konnte man auch noch ein wenig Geld sparen, was mit fortschreitendem Alter der Serie schließlich immer wichtiger wurde. Und weil man dann eh schon dabei war, alle Fehler, die man zuvor gemacht hatte, zu wiederholen, entschied man sich drittens vor Drehbeginn auch noch dafür, aus diesen beiden letzten Kara-Ben-Nemsi-Abenteuern erneut einen Zweiteiler zu machen. Somit sorgte man auf diese Weise immerhin diesbezüglich ebenfalls für Kontinuität – nur eben mit dem Schönheitsfehler versehen, dass Herr Gottlieb einfach keinerlei Talent für – noch nicht mal halbwegs – originelle oder gar spannende Geschichten hatte…

Und so hatte ich meinen ersten Schockmoment während dieser Fortsetzung genau dann, als ich begriff, dass wir es hier mit einer solchen zu tun haben. (Spoiler) Schließlich hatte ich, naiv wie ich bin, doch tatsächlich geglaubt der olle Machredsch von Mossul (was für ein Name!) hätte im letzten Teil das Zeitliche gesegnet – schon allein, weil ein unbekannter Akteur wie Djordje Nenadovic für seine Verkörperung zuständig war. Aber nein, der Vogel lebt noch und damit geht der ganze Schwachsinn hier natürlich wieder von vorne los. Auf unnachvollziehbarste Art lügt sich der Fiesling in seinen alten Stand zurück (der große, von Fernando Sancho dargestellte Padischah hat offensichtlich ein exorbitantes Nachrichtenübermittlungsproblem in seinem Einflussbereich und daher so gut wie gar keine Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Aussagen (und ganz nebenbei bemerkt offenkundig auch keine gute Menschenkenntnis, so wie der Old Shatterhand des Ostens hier wieder dargestellt wird)), um sich hinter dem Rücken seines Gönners sofort mit einem nicht minder unsympathischen Zeitgenossen zu verbünden: Abu Seif (der, wenn ich mich recht entsinne, auch in den Büchern keine ganz kleine Rolle spielte), dargestellt vom immer gern gesehenen Sieghardt Rupp. Gemeinsam stehlen sie in einer unfassbar schwach koordinierten Aktion die erneut von Marie Versini gemimte Ingdscha, die rein zufällig noch ne Oma hat, die, zum Christentum konvertiert, wie sie ist, auf einem wahren Schatz sitzen soll, den sie mit Hilfe dieser Geisel erpressen wollen.

Und jetzt ganz mal ganz abgesehen davon, dass es zu diesem Raub unter normalen Umständen eigentlich nie hätte kommen dürfen (denn Kara Ben Nemsi ist sich sehr sicher (auf Deutsch gesagt, er weiß mal wieder quasi beim ersten Aufeinandertreffen), dass Abu Seif, der sich ihnen zwischenzeitlich als Führer anbietet, Dreck am Stecken hat und trotzdem heuert er ihn an und hat dann, wie alle anderen Reiseteilnehmer inklusive des verliebten Ahmed El Corda (Gustavo Rojo), auch noch einen Schlaf wie ein Toter…), offenbart diese Konstellation noch ein ganz anderes, grundsätzliches Problem dieses „silbernen Löwen“. Denn zwei quasi gleich starke Bösewichter sind eigentlich einer zu viel – unabhängig davon, dass die Macher ob der Besetzung (immerhin spielt der wesentlich bekanntere und bessere Rupp hier den ein wenig unbedeutenderen Part) sowieso nicht ganz gewusst zu haben scheinen, wie sie die Sache richtig angehen sollten. Und so geschieht es dann auch, dass wir dadurch quasi zwei Finals hintereinander erleben. Erst greift Abu Seif mit seiner Truppe die Oma von Ingdscha in ihrem Felsenpalast an (und lässt völlig sinnlos von unten auf ihre gut hinter den Steinen versteckten Männer schießen, was diese mit ein paar getöteten Halunken beantworten), um dann von Ahmed El Corda und seinen – zahlenmäßig weit überlegenen – Jungs angegriffen und natürlich geputzt zu werden und dann belagert kurze Zeit später der mit einer wesentlich größeren Anzahl an Gefolgsleuten erscheinende Machredsch von Mossul den Laden. Zwar muss auch er nicht viel länger auf seinen Tod warten, denn der ansonsten relativ beschäftigungslose Kara Ben Nemsi hat einen irren Einfall (einfach runterschleichen, einkesseln und angreifen – unglaublich!), der ihm den Gauner schließlich auf eine Hängebrücke treibt, von wo aus er ihn in die Tiefe stürzen kann, aber der darf vorher noch eine Horde Katzen und Hunde als Brandbringer in die Festung schicken – das sieht, so schlecht, wie es getrickst ist, vielleicht ulkig aus. Und es ist diese ungefähr letzte halbe Stunde dadurch dann eben auch einfach nur eine pflichtschuldige Auserzählung dessen, was man sich vorher zusammengeflickschustert hatte. Nichts davon kann einen irgendwie überraschen, geschweige dann auch nur ansatzweise unterhalten. (Spoilerende)

Und daran ist neben seinem katastrophalen „Drehbuch“ vor allem F. J. Gottliebs blutleere Regie schuld. Bzw. die erneut billigste Machart von Brauners Werk in ihrer Gesamtheit. Das ist schon wieder alles so dilettantisch… Nehmen wir beispielsweise nur die Episode auf dem „Salzsee“. Ralf Wolters Hadschi Halef Omar sowie Rojos El Corda „sinken“ in dem „See“ zwischenzeitlich ein und wollen schon gar nicht richtig untergehen, aber wenn Kara sie dann fix rauszieht, sieht man erst recht, dass sie nur flach auf der Erde in einer künstlichen Pfütze in einer Sandkuhle gelegen haben und er sie folglich nur ein Stück weiterzieht… Kurz darauf müssen schon wieder in einem Brauner-Film (das scheint eins seiner Markenzeichen zu sein) ein paar grauenvolle Studioaufnahmen, die so gar nicht ins sonstige Gesamtbild passen wollen, eingefügt werden (ein Glück ist das allerdings das einzige Mal in diesem Streifen, dass diese so sehr auffallen)… Und wenn sich am Ende die gegnerischen Parteien „bekriegen“, sieht man auch ganz genau, wer von den Darstellern immer zusammen Mittag gemacht hat – die wollen sich da zum großen Teil wirklich nichts Böses… Von den zum Gott sein Dank letzten Mal zotigen Gags von Dieter Borsches Sir David Lindsay und Chris Howlands Archibald mal ganz zu schweigen… Nein, nein, war „Durchs wilde Kurdistan“ diesbezüglich schon kein großer Wurf, aber immerhin ansehbar, fällt sein Nachfolger wieder eindeutig auf das Niveau eines Robert Siodmak zurück. Immerhin bilden die netten Drehorte (Spanien macht diesbezüglich einfach wesentlich mehr her als Kroatien) und Raimund Rosenbergers flotte Musik zwei kleine Lichtlein in diesem Dunkel.

Von Gottliebs Darstellern kann man das nun wirklich nicht behaupten, aber es liegt am Ende trotzdem nicht an ihnen, dass dieser Film so heftig bergab fährt. Zwar waren sowohl Lex Barker als auch Ralf Wolter bereits wesentlich besser unterwegs und bleibt Gustavo Rojo hier ebenfalls erstaunlich blass, aber dafür machen immerhin die Bösen was her. Djordje Nenadovic macht da weiter, wo er in Teil eins aufgehört hat (also auf leicht überdurchschnittlichem Niveau, was man ihm so vielleicht nicht unbedingt zugetraut hätte) und Sieghardt Rupp macht das, was er immer tut. Aber ich mag sein Spiel einfach und hatte an ihm hier daher am meisten Spaß (auch wenn es total lächerlich ist, wie er kurz vor seinem verdienten Filmtod erst laut rausposaunt, er wäre der große Abu Seif, nur um sich im nächsten Moment von der zierlichen Ingdscha wegstoßen zu lassen). Wen ich noch sehr angenehm fand, war Fernando Sancho und sogar Antonio Casas habe ich dieses Mal erkannt (weiß gar nicht, was da letztes Mal los war). Über Dieter Borsche und Chris Howland hingegen verliere ich besser nicht noch mehr Worte. Auch hier gilt: Wer ihre Charaktere leiden kann, wird auch sie hier leiden können. Und last but not least ist Marie Versini auch in diesem Streifen mal wieder heillos unspektakulär unterwegs…

Tja und das war’s. Mehr möchte ich dazu wirklich nicht sagen. Außer vielleicht, dass es am Ende nicht nur an meiner ohnehin schon kaum mehr vorhandenen Erwartungshaltung den letzten Orient-Streifen betreffend gelegen haben kann. Denn Franz Josef Gottlieb hat auch hierfür von mir eine faire Chance bekommen. Aber wer in so einem Fall dann das Kunststück vollbringt, sein wirklich schon nicht gerade großartiges Erstlingswerk (diese Reihe betreffend) noch einmal zu unterbieten, der ist dann schlussendlich auch nicht besser einzuschätzen als der von mir vorher so gescholtene Robert Siodmak. Immerhin das konnte Gottlieb in meinen Augen noch richtigstellen. Ansonsten muss dieses Nichts von Geschichte, das er hierfür ersonnen und dann auch noch so dilettantisch umgesetzt hat, jeden denkenden Zuschauer vor den Kopf stoßen. Das – und gerade auch seine mauen Darstellerleistungen – sollte man sich nüchtern eigentlich gar nicht angucken. Daher gehe ich jetzt auch und mache mir einen Sekt auf! Worauf ich anstoße? Darauf, dass ich Brauners sonstige Reihenbeiträge endlich geschafft habe – jetzt freue ich mich nur noch auf „Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten“.

★★★

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