Durchs wilde Kurdistan

Durchs wilde Kurdistan

★★★

  • Jahr: 1965
  • Regie: Franz Josef Gottlieb
  • Darsteller: Lex Barker, Djordje Nenadovic, Ralf Wolter, Charles Fawcett, Gustavo Rojo, Dieter Borsche, Chris Howland, Marie Versini, Werner Peters, Fernando Sancho, Wolfgang Lukschy...

Bewertung

Tatsächlich muss ich zugeben, dass Artur Brauner mit seinem zweiten Regiewechsel innerhalb der Reihe (nachdem Hugo Fregonese seinen ersten Western „Old Shatterhand“ inszeniert hatte und danach dreimal (und damit dreimal zu oft)  Robert Siodmak das Kommando übernehmen durfte) endlich mal das Richtige tat. Franz Josef Gottlieb, sein neuer Mann auf dem Chefstuhl, hat bei mir nämlich etwas geschafft, dass ich im Rahmen von „Atzes“ Beiträgen gar nicht mehr erwartet hätte: er tut mir nach der Sichtung seiner ersten Orient-Verfilmung, „Durchs wilde Kurdistan“, leid. Ja, denn falls ich gerade einen falschen Eindruck erweckt haben sollte, so entschuldigt bitte! F. J. Gottlieb, als der er auch hier wieder im Vorspann erwähnt wird, war natürlich per se auch absolut kein guter Regisseur – allerdings war er einer, der solide Handwerksarbeit abzuliefern verstand. Das hatte er hiervor mit einigen leicht überdurchschnittlichen Krimis bewiesen. Und das ist mir dann immer noch hundertmal lieber als die Arbeitsverweigerung, mit der Fregonese und Siodmak für Brauner bisher zu Werke gegangen waren. Allerdings kann einem der Österreicher am Ende dieses Films wie gesagt nur leid tun, denn obwohl ihm auch bei „Durchs wilde Kurdistan“ eine vernünftige, ausreichende Regie-Leistung gelang und ich dieses Werk daher gerne besser bewertet hätte als den ein Jahr eher erschienenen, verkorksten „Schut“, kann ich dies nicht, weil dem guten Franz Josef eine Rolle allein wohl zu wenig erschien. Daher verfasste er hierfür auch noch fix das Drehbuch und wenn er vielleicht schon kein großartiger Regisseur war, ein guter Autor war er noch viel weniger…

Zwar waren auch die Scripte der vier vorausgegangenen, von Brauner produzierten Beiträge zur Karl-May-Reihe der 1960er Jahre schwächer als Gottliebs Buch zu „Durchs wilde Kurdistan“, aber so groß sind die Unterschiede nun nicht. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern versteht es der Österreicher zwar sehr viel besser, seine für sich allein schon einhundert Mal gesehenen Fragmente aneinanderzureihen und miteinander zu einer logischen Gesamtheit zu verbinden, aber es bleiben eben schon einhundert Mal gesehene Fragmente… So „muss“ er beispielsweise direkt zu Beginn, nach einer doch immerhin ganz ordentlichen Einführungsszene von Gustavo Rojo (der ist natürlich wieder mit dabei – was dachtet ihr denn?), ein paar Tänzerinnen einbauen, um eine ohnehin langweilige Introsequenz des erneut von Lex Barker gemimten Kara Ben Nemsi noch etwas in die Länge zu ziehen. Gähn! Und wenn man dann schon denkt, es hätte sich im Vergleich zu den vorhergehenden Streifen nichts geändert, wird man darin von ihm auch noch bestätigt. Dann nämlich darf sich auch Marie Versini alias Ingdscha hier einführen, nur um danach überhaupt keine Rolle mehr zu spielen. Zwar kommt sie selbstverständlich im zweiten Teil des Streifens nochmal wieder, aber das nur für eine so kurze Zeit und ohne ihre in dieser Szene schon sehr plump zur Schau gestellte Zuneigung zu Kara zu vertiefen. Sie sollte also offensichtlich erneut nur als Publikumsmagnet dienen und hat darüberhinaus quasi keinerlei Daseinsberechtigung – das ist, obwohl ich wie gesagt kein Fan von ihr bin, mal wieder ziemlich schwach.

Immerhin aber fängt sich Gottlieb danach sofort wieder und baut daraufhin endlich einmal mit einer gewissen Ruhe und Logik seine eigentliche Geschichte (ohne die Versini) hier auf. Beides im Zusammenspiel gab es unter Brauners Führung vorher noch nie. Zwar legt der Österreicher genau genommen ein wenig zu viel Wert auf den Faktor Ruhe, aber das gefiel mir immer noch besser als z. B. beim „Schut“. Und da es ihm gelingt, diese Art auch beizubehalten, hätte „Durchs wilde Kurdistan“ in der Folge wirklich ein tolles Abenteuer werden können, wenn man ihm nicht leider trotzdem zu jeder Zeit und an allen Ecken und Enden anmerken könnte, wie sehr auch er am Reißbrett entstanden ist. Denn Ruhe und Stringenz sind ja schon mal tolle Fortschritte, aber so uninspiriert wie Gottlieb hier ansonsten seine Vorbilder kopiert, machen diese beiden Eigenschaften alleine leider gar nicht so viel aus, wie ich es mir den ganzen Film hindurch erhofft und ein Stück weit sogar versucht hatte mir einzureden. Aber es hilft nichts: Auch „Durchs wilde Kurdistan“ ist am Ende voller Klischees und auf den Punkt gebracht einfach ziemlich langweilig. (Spoiler) Wie Kara Ben Nemsi einfach nur geradeaus reiten muss, um zu wissen, dass und wie viele Angreifer sich in den Bergen um ihn herum verstecken (und selbstredend auch, zu wem diese gehören), wie er dem Machredsch von Mossul mit Hilfe einer großen Anzahl an Männern, die sich erst verstecken und auf seinen Wink hin auf den Bergkämmen rund um den Bösewicht herum erscheinen, zu verstehen gibt, dass ein Kampf sinnlos ist, wie der Machredsch dann natürlich trotzdem diesen Kampf sucht, wie ein Unteroffizier des Machredsch, der sich zwei Szenen vorher damit brüstet, einem der kommenden Gegner den Sohn genommen zu haben, von eben diesem Vater bei besagtem Gefecht kaltgemacht wird (was im Übrigen auch noch ganz schlecht aussieht), wie sich Scheik Mohammed Emin (Charles Fawcett) und Hadschi Halef Omar (erneut Ralf Wolter) schuljungenmäßig und mit voller Ansage in die Falle des Machredsch locken lassen, wie unfassbar einfach es ist aus dieser Falle wieder zu entkommen, wie… Reicht das? Oder soll ich die grauseligen Szenen mit Tito García als tumbem Offizier noch mit anführen? Spätestens als die völlig unglaubwürdige, weil comichafte Sequenz der Befreiung von Gustavo Rojos Charakter Ahmed El Corda mit Werner Peters unfassbar nervigem, weil völlig überzeichnetem Mütesselin begann, war ich am weiteren Verlauf dieses Unsinns nicht weiter interessiert und habe diesen nur noch über mich ergehen lassen.

Zumal dann zu allem Überfluss ja auch noch Dieter Borsche und Chris Howland wieder ordentlich mitmischen dürfen, die leider erneut Sir David Lindsay und seinen unglaublichen Butler Archibald mit seiner noch viel unglaublicheren Tasche mimen durften. Dieses Mal zieht der Engländer aus der Tasche einen ganzen Heißluftballon raus, in dem die beiden selbsternannten Abenteurer sowie die dann endlich wieder aufgetauchte Ingdscha und ihre Zofe über die Wüste fliegen – natürlich unendlich geil „getrickst“, in dem man einen Spielzeugballon an Fäden über eine unfassbar schlecht gemachte Spielzeuglandschaft gleiten ließ. Das ist dann echt der Tiefpunkt dieses blödsinnigen Streifens, der gut zu einem noch schlechteren Werk von Siodmak gepasst hätte. (Spoilerende)

Und die Schauspieler? Lex Barker spielt erneut seinen Stiefel runter und wirkt dabei erneut ziemlich gelangweilt, aber so schlimm wie im „Schut“ wird es wohl nicht nochmal (und ja: ich mag ihn trotzdem). Ralf Wolters Rolle wurde von F. J. Gottlieb Gott(lieb) sei Dank nicht ganz so klamaukig angelegt, was seiner Sympathie hier immerhin etwas Auftrieb verleiht. Wirklich brauchen würde man den kleinen Aufschneider nicht, aber bei nur noch einem übrig bleibenden Brauner-Beitrag, der kein Western ist, darf man immerhin wohl davon ausgehen, dass er nie wieder so nervig war wie unter Siodmak. Gustavo Rojo ist als Entführter, der daher erst in der zweiten Filmhälfte so richtig einsteigt, zwar angenehm wie immer, aber auch einfach kein richtiges Zugpferd. Filmvater Charles Fawcett spielt relativ unspektakulär und fällt daher eigentlich nur dadurch wirklich auf (und zwar sehr negativ), dass er erst stirbt und dann in neuer Rolle wieder aufersteht. Und dabei sieht sein Scheik Kadir Bei seinem Mohammed Emin dermaßen ähnlich, dass man sich zwangsläufig fragen muss, ob das des Produzenten Ernst gewesen sein kann. Ist es wohl gewesen und von daher nicht zu ändern, aber gut finden muss man das deswegen noch lange nicht. Ganz im Gegenteil – eine Frechheit ist das!

Über Werner Peters Rolle hatte ich mich ja weiter oben schon ausgelassen und da dieser völlig overactend von der ersten Sekunde an darin aufgeht, ist auch seine Leistung hier absolut indiskutabel. Schrecklich! Und last but not least sind natürlich auch unsere zwei Komiker vom Dienst, Dieter Borsche und Chris Howland, erneut unerträglich in ihren dussligen Rollen, die sie aber immerhin genau so ausfüllen, wie sie es sollten. Von daher ist der einzige, der hier noch einigermaßen annehmbar ist, der völlig unbekannte Bösewicht Djordje Nenadovic – oder eben Georg Heston, falls euch das geläufiger sein sollte. ;) Ich habe echt eine ganze Weile gebraucht, bis ich in ihm den einen Soldatenhauptmann aus „Winnetou II“ wiedererkannt habe und das wohl auch nur, weil ich diesen schon einhundert Mal gesehen habe. Wie er zum Teufel an diese wichtige Rolle gelangen konnte, ist mir ein Rätsel, aber immerhin ist er neben Barker und Rojo hier der beste Schauspieler – und das will ja wohl was heißen. Ansonsten laufen sich mit Fernando Sancho, Wolfgang Lukschy oder Antonio Casas die wesentlich bekannteren Akteure in wesentlich angenehmeren Nebenrollen ja geradezu um (wobei ich zugeben muss, dass ich Casas, obwohl ich seinen Namen im Vorspann natürlich gleich erblickte, nicht erkannt habe – welcher war er hier?). Und die beiden auf Krampf noch ins Drehbuch geschriebenen Frauen Marie Versini und Gloria Cámara sind so überflüssig wie nur irgendwas. Ich sag dazu einfach nichts mehr…

Genauso wie ich zu diesem Film überhaupt schon wieder zu viel gesagt habe – aber wie gesagt: Eigentlich hätte es Franz Josef Gottlieb auch verdient gehabt. Eigentlich war es mir eine Freude zu sehen, dass Brauner wenn schon keinen guten, dann immerhin mal einen soliden Regisseur aus dem Hut zaubern konnte. Aber dadurch, dass dieser sich dann auch noch am Drehbuch versuchen musste, ist das allein leider nicht viel wert. So haben wir hier gegenüber den Vorproduktionen der CCC-Film zwar wie erwähnt eindeutig mehr Ruhe und Stringenz im Storyaufbau, aber der Unterhaltungsfaktor ist aufgrund der erneuten Einfallslosigkeit weiterhin erschreckend niedrig. Dazu kommen größtenteils schwache Schauspieler bis mal wieder selten blöde Rollen. Immerhin können die zwei Protagonisten einen vernünftigen Eindruck hinterlassen. Mehr bleibt aber von „Durchs wilde Kurdistan“ am Ende nicht übrig. Damit ist er zwar natürlich leicht besser als der verkorkste „Schut“, aber für eine höhere Bewertungskategorie reicht das leider noch nicht. Schade, ich hätte es Gottlieb (und vor allem auch mir) wie gesagt gegönnt…

★★★

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