Maverick

Die zweite Serie, die dieses Lexikon je sah, wurde erstens nur aufgrund eines großen Zufalls überhaupt hier aufgenommen und wird zweitens auf absehbare Zeit auch nicht mehr Reviews als das zu Folge 46 enthalten. Und das hat folgenden, einfach Grund: nur weil diese ja bekanntermaßen als Bonus auf Warners Special Edition zu „Unforgiven“ enthalten ist, durfte auch ich endlich mal in den Genuss dieser damals – zumindest in den Staaten – ziemlich gefeierten Reihe kommen. Schließlich bin ich ein wenig zu spät geboren, als dass ich die Reihe jemals im Free TV hätte sehen können (kann mir irgendwie auch kaum vorstellen, dass die viel öfter als einmal bei uns wiederholt wurde) und ich hätte von ihr bislang wohl auch nie etwas gehört, wenn Richard Donner und sein Team ihr nicht 1994 noch ein Kino-Remake gegönnt hätten. Selbiges ist aus meiner Sicht eine der größten Neo-Pferdeopern, die bis heute gedreht wurden und macht mich dann natürlich auch auf die Vorlage dazu mehr als neugierig. Da es bislang (Stand: Juli 2019) ja aber noch kein deutsches DVD-Release dazu gibt (nicht mal so ne lose zusammengestellte Box mit den drei Episoden, die man damals für den hiesigen Markt synchronisiert hat), hatte ich die Serie erstmal bis auf Weiteres abgehakt. Und dann habe ich mir neulich mal die Bonus DVD der „Unforgiven“-SE geschnappt, die vorher nur Zierwerk gewesen war und fand darauf zu meiner allergrößten Überraschung angesprochene Episode „Duel At Sundown“, da in dieser Clint Eastwood ja einen seiner ersten kleineren, etwas beachteteren Auftritte als Mavericks Gegenspieler Red Hardigan hat. Da ich mir diese dann natürlich sofort gegönnt habe, soll sie nun auch hier ihren Eintrag bekommen. Mehr Folgen werden es aufgrund genannter Vorgeschichte dann vorerst auch nicht werden können, aber falls es Warner irgendwann dann doch noch mal einfallen sollte, auch den Rest der Reihe hier in Deutschland zu veröffentlichen, dann gibt’s natürlich mehr.

Vielleicht vorweg noch ein Wort an jene, denen es ähnlich erging wie mir, also denen, die den 1994er-Kinofilm vor der Serie gesehen haben: Wie erwartet hat dieser, typisch für ein Jahre später erfolgtes Kino-Remake, mit der ursprünglichen Serie nur noch wenig zu tun. Es ist jetzt nicht ganz so krass wie bei anderen Vertretern, wo dann nur noch die Namen der Serienhelden übernommen und ansonsten alles ausgetauscht wurde, aber viel mehr als zusätzlich dazu Mavericks Charakter und Aussehen sind es nun auch wieder nicht. Diese wurden eins zu eins übernommen, Mel Gibson spielt tatsächlich die gleiche Figur wie seinerzeit sein Filmvater Garner. Ansonsten scheint die Reihe nicht halb so klamaukig gewesen zu sein und vor allem nicht darauf aus gewesen zu sein, den Wilden Westen an sich zu verarschen. Wäre auch seltsam gewesen, war nämlich gar nicht typisch für diese Zeit. Vielmehr ist das Ganze wesentlich prüder als man es vielleicht erwarten könnte. Zwar ist es nach einer Folge natürlich etwas gewagt, das zu behaupten, aber zumindest für diese eine Episode gesprochen, bietet sich einem in der Serie eher ein biederer Kleinstadtlook mit ebensolch langweiligen Bewohnern drinne, die einzig und allein von Maverick aufgemischt werden und lange nicht so clever daher kommen, wie seine Gegenspieler im Film… Nun gut, mag wie gesagt an dieser einen Folge gelegen haben, aber falls es doch noch mal mehr zu sehen geben sollte, würde ich das im Auge behalten. Auf jeden Fall aber sollte man an die Serie am besten nicht mit den Erwartungen herangehen, die der Film vielleicht geweckt hat, sonst könnte man enttäuscht werden.

 

Anmerkung: Da es, wie ich nun schon zum dritten Male erwähne, ja bisher nur diese eine Folge dieser Serie hier im Lexikon gibt und es nun wirklich überhaupt nicht so aussieht, als ob sich daran in den nächsten zehn Jahren etwas ändern würde, weiche ich hier vorerst mal von der Norm ab und packe das Review zu Folge 19 der zweiten Staffel (insgesamt die 46. Episode der Reihe) direkt mit auf diese Übersichtsseite.

Staffel 2

Folge 19 (46) – „Duel At Sundown“:

Man muss diese Folge natürlich ein wenig aus dem Zusammenhang heraus betrachten, schließlich ist das hier meine erste „Maverick“-Folge gewesen und das auch nur, weil Warner, wie oben geschildert, so nett war und das Ding mit auf die Bonusdisc der „Unforgiven“-Veröffentlichung gepackt hat. Dementsprechend musste diese Folge ohne das Wissen um etwaige andere Episoden dieser Serien bewertet werden. Und ich muss schon sagen, dass ich relativ enttäuscht von ihr bin, denn hiervon hatte ich mir nach dem grandiosen Kinofilm, der hierauf beruht, mehr erwartet.

Gut, man darf natürlich nicht erwarten, dass eine einzelne Serienfolge jetzt einen kinomäßigen Plot aufzuweisen hat und das habe ich auch mit Sicherheit nicht getan habe, aber was hier als „Story“ aufgetischt wird, ist doch arg wenig. Es geht im Grunde darum, dass Maverick eigentlich nur auf der Durchreise ist und Station bei einem alten Kumpel von ihm macht, der ihn dazu bringen will, länger als die paar Tage, die Maverick es vor hat, zu bleiben, damit er seiner Tochter die Augen öffnet, die in den aus seiner Sicht falschen Kerl verliebt ist und er sich im besten Fall sogar in sie verliebt. So weit, so klar. Was jedoch völlig daneben ist, ist diese ständige Feilscherei von dem Alten um Mavericks Abreise. Der sagt ständig, er haut Donnerstag ab und der Alte lässt sich immer absurdere Tricks und Kniffe einfallen, um ihn dazubehalten. Wirklich durchgestiegen bin ich da am Ende nicht mehr, aber muss man ja auch nicht. Fakt ist doch, dass einem klar ist, dass Maverick mit Sicherheit nicht die Stadt verlassen wird. Und was passiert ansonsten? Nix! Gar nix! Maverick ist in der Stadt am Zocken, zwischendurch knutscht er n bisschen mit der Tochter rum, was deren Freund Red Hardigan (played by the honorable Clint Eastwood, weswegen das Ganze auch irgendwann mal zum Bonusmaterial umfunktioniert wurde (so geht Marketing!)) natürlich mächtig auf die Palme bringt und was dieser auch nicht müde wird, zu betonen und am Ende des Abends feilscht er wieder mit ihrem Daddy ums Dableiben. Ich habe keine Ahnung, aber ich hatte das Gefühl, dass dieser Zustand die halbe Folge mindestens andauerte und das ist echt zu lang. Leute, das ist Exposition und wenn ihr keinen Kinofilm drehen wollt, dürft ihr darauf nicht so viel Zeit verwenden!

Das erklärt aber auch, warum der ganze Rest, der dann doch etwas interessanter geraten ist, nicht wirklich lang ausfallen und von daher auch nur semiüberzeugen kann. (Spoiler) Denn dann prügeln sich die beiden doch mal und um nicht in ein Duell mit dem Superschützen zu müssen, lässt Maverick sich erstmal die Hand verbinden. Das bringt dann schon ein wenig Pepp in die Sache. Das Ganze bringt Hardigan dann natürlich wieder auf die Palme, aber er lässt sich nicht so leicht um seinen Showdown bringen und stellt Maverick ein Ultimatum. Und dann kömmt der eigentliche Clou der Folge und aus meiner Sicht auch der einzige Grund, warum diese gedreht und vorher so in die Länge gezogen wurde: Maverick tritt zum Schein gegen einen berüchtigten Revolverhelden der Gegend an und erledigt ihn, woraufhin Hardigan, der eigentlich ein richtiger Feigling ist, Reißaus nimmt und nicht mehr wiederkehrt. Der Witz an der Sache ist natürlich, dass der Revolverheld gar kein echter Revolverheld ist (also zumindest kann man das nach dieser Folge so noch nicht sagen), sondern Brets Bruder Bart, der sich für 500 Dollar gerne mal mit Platzpatronen erschießen lässt. Und dieser Storykniff ist dann schon ganz witzig, wenn auch leider absolut vorhersehbar. So offensichtlich war das schon lange nicht mehr, aber gut, dafür ist es auch ne Serie. Der einzig echte Hit (der zwar auch genauso vorhersehbar, aber aus meiner Sicht zumindest trotzdem stimmig inszeniert ist) folgt dann am Ende der Folge, als Bret und Bart einem Mann den Weg in die Stadt weisen, der sich daraufhin als der echte Revolverheld herausstellt und der Bret folglich ans Leder will. Die Blicke der beiden daraufhin sind schon echt Gold wert. (Spoilerende)

Alles in allem also ganz witzig das Ganze, aber auch nicht gerade spannend bzw. neu. Zudem muss man von einer Reihe Ungereimtheiten im Plot absehen. (Spoiler) So kann die Tochter hier Mavericks Charme schon beim ersten gemeinsamen Ausritt nicht widerstehen und lässt sich von ihm küssen. Und auch wenn sie beteuert, dass ihr das alles nichts bedeuten würde, so weiß Maverick und weiß man als Zuschauer doch ganz genau, dass sie in diesem Punkt lügt. Trotzdem verteidigt sie im weiteren Verlauf schön brav ihren Taugenichts und hält trotz aller Widrigkeiten zu ihm (denn der zeigt bisweilen ja doch relativ deutlich, dass er ein Arschloch ist), nur um am Ende der Folge dann mit mal einfach nicht mehr zu ihm stehen, nur weil er ein Feigling ist. Das halte ich dann doch für monströs lächerlich ebenso wie die Tatsache, dass Eastwoods Figur hier mit mal die Segel streicht, nur weil Maverick gerade jemanden erschossen hat. Denn natürlich ist seine Figur ein Großmaul, sie macht aber die komplette Folge über nicht den Eindruck, als sei nichts dahinter. Man hat hier schon das Gefühl, dass dieser Red Hardigan sich durchaus zu wehren wüsste und nicht weglaufen müsste. Passt irgendwie alles nicht so richtig, genauso wie die Tatsache, dass man als Zuschauer zwar erfährt, dass die Tochter noch nen richtigen Grund gehabt hätte, ihren Red auf den Mond zu schießen, da dieser sie nebenbei noch mit einer anderen betrügt, aber das wird nur einmal ganz kurz angerissen und dann wird diese Frau nie wieder gesehen noch thematisiert. Stattdessen wird wie gesagt Reds Feigheit als Trennungsgrund vorgeschoben und das lässt mich persönlich einfach verwundert zurück. Mal ganz abgesehen davon, dass ich mal wissen möchte, wie man ein Kartendeck so zinken kann, dass jemand keine vollständige Patience legen kann… (Spoilerende)

Und so ist das einzige, was von dieser Folge wirklich hängen bleibt, Clint Eastwoods Auftritt hier. Er, den wir danach (bzw. in meinem Fall natürlich vor allem auch davor) so oft als den Guten bzw. zumindest den weniger Schlechten kennen und schätzen lernen sollten, spielt seinen Bad Guy hier mit solch einer Bravour, dass man ihm diese Rolle trotz der Vorbelastung sofort ohne Weiteres abnimmt und das ist schon bemerkenswert, finde ich. Neben seiner Gabe hilft ihm dabei vor allem auch sein ständiges, freches „Mr. Maverack“, mit dem er Garner anspricht und ihn damit verarscht und bei dem er jedes Mal ein solch dämliches Gesicht zieht, dass es eine wahre Freude ist (dämlich im Sinne des Intellekts seines Charakters jetzt, das passt wunderbar!). James Garner selber dagegen gibt hier eine seiner typischen Charme-Attacken und weiß damit natürlich absolut zu gefallen, allerdings kann einen das ebenso natürlich nicht mehr so umhauen, wie Eastwoods Leistung. Der Rest ist solide, aber nicht weiter erwähnenswert, allein schon aufgrund der Screentime.

Ansonsten ist „Maverick“ ein extrem seltsamer Hybrid von Serie. Für eine Comedy-Serie zu unlustig, für eine Western-Serie mit zu wenig Action, die für eine wirkliche Pferdeoper nötig wäre (schießen, raufen, reiten, prügeln etc.). Und für eine Gambling-Serie (wenn es so was überhaupt gibt) gerät das Pokern hier dann doch zu sehr zur Nebensache (Gott sei Dank darf man an dieser Stelle wohl sagen, denn damit eine ganze Serie füllen zu wollen, wäre dann wohl doch etwas übertrieben). Von daher bin ich mir nach dieser einen Folge jetzt nicht ganz sicher, was sich die Produzenten hierbei überhaupt gedacht haben, aber offensichtlich kam das Ganze ja gut an und so muss man sich vielleicht daran zurückerinnern, dass ich diese Episode ja völlig aus dem Kontext heraus geguckt habe und mir die Serie ansonsten völlig unbekannt ist. Vielleicht sollte ich also doch erstmal noch ein wenig mehr davon sehen, um über diese Frage besser urteilen zu können. Unabhängig davon war meine erste „Maverick“-Folge dann allerdings nur eine weitere Bestätigung dafür, dass Eastwood ein guter Schauspieler war (und noch ist selbstverständlich) und ansonsten ein ziemlicher Bauchklatscher.

(★★★)

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