Zähl bis drei und bete

3:10 To Yuma

★★★★

  • Jahr: 1957
  • Regie: Delmer Daves
  • Darsteller: Van Heflin, Glenn Ford, Richard Jaeckel, Robert Emhardt, Henry Jones, Leora Dana, Felicia Farr...

Story

Farmer Dan Evans (Van Heflin) und seiner Familie fehlt es aufgrund monatelang anhaltender Dürre am Nötigsten zum Überleben. Deswegen willigt er ein, den berüchtigten Bandenchef Ben Wade (Glenn Ford) zusammen mit dem stadtbekannten Trinker Alex Potter (Henry Jones) und Postkutschenbesitzer Butterfield (Robert Emhardt) für 200 Dollar nach Contention zu bringen, um ihn hier in den 15:10-Uhr-Zug nach Yuma zu setzen, der diesen ins dortige Gefängnis bringen soll. In Contention wartet jedoch schon Charlie Prince (Richard Jaeckel), ein Mitglied von Wades Bande, auf sie und holt Verstärkung. Deshalb steigen plötzlich alle Beteiligten aus, Potter wird von Wades Leuten erhängt und Evans steht vor der Aufgabe Wade allein zum Zug bringen zu müssen. Und als die beiden bereits seiner Bande gegenüberstehen, hilft der Bandit dem Farmer im letzten Moment bei seinem Vorhaben und springt mit ihm auf den bereits fahrenden Zug, weil Evans ihm kurz zuvor auch das Leben gerettet hat. Aus dem Bahnwaggon heraus erschießt der Farmer Charlie und die beiden fahren schlussendlich doch ins Gefängnis nach Yuma, aus dem Wade schleunigst vorhat wieder auszubrechen.

Worte zum Film

kurz, präzise, wirkungsvoll, nachhaltig, wenngleich stellenweise etwas zu eng; starkes Psychoduell der beiden Protagonisten; großartiges Schauspiel des einen, schwaches Schauspiel des anderen Hauptdarstellers, sehr gute Regie, auf die Dauer nervige Musik; ein Adult-Western, wie er sein soll

Bewertung

Zum Film:

„Zähl bis drei und bete“ – klingt irgendwie nach einem billigen Italowestern, oder? Ist, wie wir alle wissen, aber einer der größten US-Klassiker dieses Genres und bereits 1957 erschienen. Aber schon damals waren wir offensichtlich gut darin, uns schwachsinnige deutsche „Entsprechungen“ auszudenken. Der Originaltitel „3:10 To Yuma“ hingegen, der klingt doch nach was. Auch, wenn ich erstmal begreifen musste, dass man nicht Kopfrechnen können muss, um ihn zu verstehen. Und genau so, wie dieser Titel klingt, so ist auch der Film, der sich dahinter verbirgt: kurz, präzise, wirkungsvoll, nachhaltig. Ein sogenannter „Adult-Western“, wie er im Buche steht.

Und diese Aussage ist in diesem Fall sogar doppeldeutig zu sehen, denn bei Delmer Daves‘ fünftem Genrebeitrag handelt es sich ursprünglich mal wieder um eine Geschichte des hochgeschätzten Elmore Leonard, die von Halsted Welles in ein Drehbuch umgewandelt wurde (und ja, strenggenommen erschien diese wohl eher in einem Groschenroman, also sagen wir mal, es war ein Büchlein). Dass dieser etwas anders dachte als viele andere Autoren, ist mittlerweile ja hinlänglich bekannt. Und so ist auch „Zähl bis drei und bete“ keine alltägliche Pferdeoper – auch wenn sie nur zu alltäglich beginnt. Mit einem ziemlich coolen Song nämlich (der im Übrigen höchstwahrscheinlich und völlig unerwartet „3:10 To Yuma“ heißen dürfte), der uns aus den Boxen entgegenschmettert, während auf dem Bildschirm die Credits ablaufen. Dazu nähert sich langsam eine Postkutsche aus der Ferne. Kaum haben wir erfahren, wen wir in den nächsten knapp 90 Minuten so alles zu sehen bekommen werden und ist das Gespann am vorderen Bildschirmrand angekommen, geht es auch schon los. (Spoiler) Die Postkutsche wird mit Hilfe einer Horde Rinder gleich mal zum Anhalten gezwungen und überfallen. Ben Wade (Glenn Ford), so sollen wir gleich erfahren, schlägt mit seiner Bande mal wieder zu und Delmer Daves macht mal wieder keine Gefangenen. Das verspricht ein Auftakt nach Maß zu werden. Und so kommt es auch. Kurz darauf erscheint Van Heflins Charakter Dan Evans das erste Mal auf der Bildfläche. Ihm gehören die Rinder, die Wade sich, sagen wir mal, geliehen hat. Denn Evans ist Farmer. Und er ist ein guter Schütze. Aber er ist kein Held. Und er hat seine zwei Söhne dabei. Wo ein John Wayne also wahrscheinlich (und im Zweifel trotz der Stammeshalter an seiner Seite) den Abhang heruntergeritten wäre und versucht hätte zu retten, was zu retten ist, bleibt er oben auf der Anhöhe und beguckt sich die Szenerie aus sicherer Entfernung. Ist auch besser so, denn kurz darauf entdecken ihn Wades Leute, woraufhin der Chef persönlich zu ihm hinaufreitet und ihm erklärt, was er und seine Jungs zu tun haben, um ihr Vieh wiederzubekommen und vor allem am Leben zu bleiben. Und Evans pariert. Ist auch besser so, denn sodann wird unten der Kutscher frech, zieht in einem günstigen Augenblick seinen Revolver und schnappt sich einen von Wades Leuten als Schutzschild. Da hat er die Rechnung aber ohne den Boss gemacht. Denn Wade persönlich erschießt daher sowohl seinen eigenen Mann als auch anschließend den frechen Kutscher. (Spoilerende) Wow, das ist ein Auftakt nach Maß! Das nenne ich wirklich einen erwachsenen Western.

Und keine Angst, ich will euch jetzt hier nicht den ganzen Film nacherzählen, aber ich wollte versuchen, euch das Gefühl zu vermitteln, das ich während der Ansicht dieses Auftakts empfand. Ein absolutes Hochgefühl nämlich. Und genau so geht es weiter: kurzweilig, spannend und ohne, dass man so wirklich eine Ahnung davon bekommen kann, wohin die Reise gehen wird. (Spoiler) Das wird einem – in diesem Fall tatsächlich im Wortsinn – schlagartig erst dann bewusst, wenn Wade gefangen genommen werden kann und von Evans zur allgemeinen Sicherheit mit dem titelgebenden Zug ins Yumaer Gefängnis gebracht werden soll. Und ich sage bewusst nur Evans, denn es ist einem bereits zu diesem Zeitpunkt klar, dass er am Ende der einzige sein wird, der den Auftrag auch wirklich zum Abschluss zu bringen versucht. Allen anderen merkt man ja vorher schon an, dass sie Muffensausen kriegen werden. Und wäre dieser Dan Evans nun einer dieser strahlenden Helden der 40er Jahre und wäre dieser Ben Wade ein entsprechender Antagonist, wäre die Sachlage schnell klar: Ersterer würde entweder seine Aufgabe ausführen oder zumindest beim Versuch dabei sterben und Letzterer würde, je nachdem, entweder tatsächlich ins Gefängnis gebracht oder eben von seinen Mannen befreit werden (wobei klar sein dürfte, dass der jeweils zweitgenannte Fall in der Historie des Western vorher so gut wie nie eingetreten ist (und nein, ich habe jetzt auch absolut keine Lust darauf, zu überlegen, wann das tatsächlich mal so war)). Da der Farmer aber wie gesagt kein Held und sein Gegenspieler dazu mit allen Wassern gewaschen ist, bleibt der Ausgang hier völlig offen. Wade lässt keine Möglichkeit ungenutzt, Evans von seinem Vorhaben abzubringen zu versuchen und Selbiger lässt sich dadurch genauso verunsichern, wie sich wohl ein jeder normale Mensch in so einer Situation verunsichern lassen würde. Zwischen den beiden entspannt sich daher im weiteren Verlauf ein richtiges Psychoduell, das durch eine Übernachtung in Evans Haus, in deren Verlauf Wade natürlich auch dessen Familie kennenlernt, eine besondere Note erhält (wenngleich das Geplänkel dort ansonsten nicht unbedingt der stärkste Teil der Handlung ist). Der gewitzte Verbrecher ist zwar ohne Waffen und mit Handschellen gefesselt, scheint dem einfachen Farmer aber gedanklich immer einen Schritt voraus zu sein, sodass man zu keiner Zeit abzuschätzen vermag, wer dieses wohl gewinnen wird. (Spoilerende) Und so harrt man gespannt der Dinge, die da kommen mögen und genießt diesen Vertreter einfach nur.

Das ist ob der genannten Kurzweil der Ereignisse schon nicht schwierig, wird einem durch Daves und dessen hier hervorragenden Kameramann Charles Lawton Jr. aber nur noch einfacher gemacht. Denn „3:10 To Yuma“ ist wirklich exzellent fotografiert. So viele ikonografische Shots in 90 Minuten habe ich selten gesehen. (Spoiler) Die Postkutsche zu Beginn ist z. B. so einer, aber auch wie Evans von seiner Farm reitet, wie die ganze Bande bei Felicia Farrs Emmy an der Bar steht, wie Wade auf dem Bett liegt, wie die Banditen zu einem späteren Zeitpunkt in Contention einreiten, wie Potter noch ein paar Zeigerumdrehungen später von der Lampe baumelt, wie Evans Wade mit seiner Schrotflinte vor sich hertreibt, wie Wades Kumpane mit einem Male aus dem Wasserdampf um den Zug auftauchen usw. usw. (Spoilerende) Das muss man mit zwei Augen in der kurzen Zeit erstmal alles aufnehmen können.

Dazu kommt Daves Entscheidung, nach immerhin bereits vier von ihm in Farbe gedrehten Western („Return Of The Texan“ zähle ich bewusst nicht mit dazu; das ist für mich keiner (s. Erweiterung „Western, die keine sind“)) seine erste Schwarz-Weiß-Pferdeoper zu machen, wobei ich hoffen möchte, dass dies auch tatsächlich eine bewusste Entscheidung gewesen ist und keine, die aus monetären Gründen getroffen werden musste. Denn das Schwarz-Weiße sorgt natürlich dafür, dass wir die Geschehnisse hier nur umso intensiver erleben. Hier ging es nicht darum, einen bunten Bilderbogen auf die Leinwand zu zaubern wie bei seinen Indianerwestern, sondern darum, einen Schritt tiefer zu gehen und in die menschliche Psyche vorzudringen. Daher ist das Wort Pferdeoper hier eigentlich auch fehl am Platze. Denn genau das ist dieser Streifen bestimmt nicht. Er ist kein opulentes, ausschweifendes Werk. Er ist wie gesagt kurz, knackig und präzise – und genau das macht ihn so stark.

Nichtsdestotrotz erlebte ich an dieser Stelle während der Ansicht ein Paradoxon. Denn trotzdem mir die tollen Aufnahmen von Daves und Lawton Jr. über die Maßen gefallen, ist mir das Setting hier teilweise schon wieder ein wenig zu eng geraten. Zwar bin ich mir der Wirkung dieser Enge durchaus bewusst und will daher auch unbedingt einsehen, dass Heflin und Ford sich in diesem kleinen Hotelzimmer duellieren müssen, in dem sie eine ganze Weile festsitzen (weil dies eben die Intensität ihrer Gespräche noch einmal erhöht), aber warum dies auch außerhalb dieser für den Storyverlauf so wichtigen Räumlichkeit so sein muss, erschließt sich mir nur bedingt. Denn auch ansonsten ist hier alles sehr klein gehalten. Evans Farmhaus erscheint geradezu lächerlich winzig, seine Rinderherde ebenso, die Stadt, die wir hier zuerst zu Gesicht bekommen, kann man eigentlich gar nicht als solche bezeichnen, nen Saloon stellt man sich auch entsprechend größer vor und selbst das Hotel in Contention bietet kaum Platz. Das sieht dann z. B. wirklich sehr seltsam aus, wenn der von Robert Emhardt gespielte Mr. Butterfield zu einem späteren Zeitpunkt (ich glaube) fünf Männer in der kleinen Eingangshalle Aufstellung nehmen lässt. Die wissen gar nicht, hinter welche Sofas sie sich alle klemmen sollen. Das sieht dann schon ein wenig merkwürdig aus. Und klar lässt auch das die Angst der Männer vor Wades Leuten wieder greifbarer werden und bestimmt waren die Hotels damals auch nicht unbedingt größer, aber dann hätte Daves wenigstens außerhalb der Gebäude ein paar größere Landschaften inszenieren können, finde ich. Denn genau dafür steht ein Western in aller Regel ja und darf er es auch dann noch tun, wenn er eine so beklemmende Atmosphäre erschaffen möchte. Die Gegenüberstellung der Weite draußen zur Enge drinnen hätte dann sicherlich einen guten Kontrast abgegeben. Aber gut, das ist natürlich Kritik auf ganz hohem Niveau (wenngleich „Zähl bis drei und bete“ nun mal auch einfach eine unglaublich hohe Qualität hat) und mich stört das Ganze glaube ich vor allem deswegen, weil Daves Streifen daher eher an „High Noon“ denn an die von ihm zuletzt erschienenen „Jubal“ sowie „The Last Wagon“ erinnert.

Zusätzlich gibt es dann so ein paar Momente, in denen man sich fragt, was sich Leonard oder Welles dabei eigentlich gedacht haben. (Spoiler) So treiben Evans und seine Söhne ihr Vieh ganz zu Beginn nach Wades Postkutschenüberfall (weil dieser ihnen auch noch die Pferde entwendet) einfach mal so zu Fuß auf die heimische Weide. Das halte ich dann doch für relativ unrealistisch. Ebenso finde ich das Intermezzo mit dem Bruder des anfangs ermordeten Kutschers ein wenig übertrieben. Dass der Muttibeschützer nun ausgerechnet am selben Tag sein Geschwisterchen unter die Erde bringt und dann auch noch von der Anwesenheit des Mörders irgendwie erfahren haben soll, ist ein wenig weit hergeholt. Am weitesten hergeholt ist allerdings die Aktion von Evans‘ Frau Alice (Leora Dana) kurz vor Schluss. Die kriegt es mit einem Male im Kopf und entscheidet sich, gegen jeden gesunden Menschenverstand ihren Mann in Contention aufzusuchen, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen. So weit zwar vollkommen unlogisch und höchst abstrus, aber ein liebender Mensch muss ja selbst in so einer Situation nicht zwingend logisch handeln. Völliger Unsinn ist allerdings, dass sie von Wades bereits eingetroffenen Mannen dann so gar nicht behelligt wird. Die hätten sie doch locker erschießen oder noch besser als Geisel nehmen und gegen ihren Anführer austauschen können. Da hat Richard Jaeckels Charlie Prince hier aber einen gewaltigen Aussetzer. Schießt Potter ohne mit der Wimper zu zucken in den Rücken (eine ebenso heftige wie starke Szene), aber sieht diese Chance nicht… Und so steht se am Ende da, seine Frau, und winkt Evans aus ihrem Einspänner heraus zu. Es hat auch schon bessere Schlussbilder gegeben… Das hier ist tatsächlich eher so eins Marke „High Noon“. Allerdings ist das Finale zuvor erneut großartig und spannend in Szene gesetzt und die Auflösung des erwähnten Psychoduells der beiden Protagonisten für mich durchaus überraschend. Überraschend, aber nicht unlogisch, denn dass entgegen aller Erwartungen Evans Wade hier zu einem Umdenken bewegt, obwohl er das eigentlich nie geplant hatte, ist eine nette Überlegung. Zwar zugegenermaßen relativ unrealistisch, aber nett. Und es bleibt ja ein Film, nicht? Wade war ja sowieso die ganze Zeit über der spannendere Charakter und man kann nicht umhin, als tatsächlich Sympathien für ihn zu entwickeln, und ist so am Ende ziemlich froh, dass man diese dann auch beibehalten darf. ;) (Spoilerende)

Allerdings hat dieses Psychoduell hier auch einen Fehler: Van Heflin. So leid es mir tut, das feststellen zu müssen, aber seine Leistung ist dieses Streifens ehrlich gesagt nicht angemessen. Er ist ganz groß hier, wenn er den Lockvogel zur Verhaftung Wades spielen muss und nach erfolgreicher Festsetzung des Banditen und entsprechend in seinem Gesicht abzulesender Anspannung mit einem Male unfassbar erleichtert dreinschaut. Das kann man wirklich nicht besser machen, aber ansonsten zeigt sich auch hier mal wieder, dass er zwar nicht talentfrei war, aber mit selbigem auch nicht gerade gesegnet. Er macht das ordentlich, auch wenn man viel zu oft nicht zu unterscheiden vermag, ob man nun gerade die Unsicherheit eines Farmers ob seiner Geldnot oder die Unsicherheit eines Schauspielers ob seiner Rollenanlage als Farmer in Geldnot in seinem Gesicht ablesen kann. Von daher hätte es sicherlich noch schlechtere Leute für diesen Part gegeben, aber ich könnte mir eben auch so viele bessere vorstellen und das ist für so einen großen und guten Film dann einfach zu wenig. Ben Wade, äh, Glenn Ford natürlich, holt für ihn so manche Kohle aus dem Feuer. Nun gut, er hat hier den wesentlich einfacheren Teil zu spielen, aber auch der will ja erstmal absolviert werden. Ford jedoch macht daraus eine Zelebrierung seiner selbst und seiner Schauspielkunst, macht aus Wade einen der zwielichtigsten und ambivalentesten Bösewichter der Western-Historie und aus „3:10 To Yuma“ einen Klassiker. Na ja, der letzte Teil stimmt nicht ganz (er ist, wie wir gesehen haben, ja nicht ganz alleine dafür verantwortlich, dass man hiermit so viel Spaß hat), aber seine Leistung ist wirklich denkwürdig. Denkwürdig ebenso die Platzierung von Felicia Farrs Namen in den Credits. Direkt nach den beiden Hauptdarstellern. Obwohl ihre Rolle so winzig ist. Nun gut, zwar sorgt sie dafür, dass Daves hier sehr anschaulich eine Sexszene unterbringen kann, ohne auch nur irgendetwas vom Akt an sich zeigen zu müssen (großartig, wie das damals ging), aber das ist ja so schnell wieder vorbei… Man musste wohl einfach einen großen weiblichen Namen mit auf das Plakat bringen können und obwohl man ihre Leistung hier daher kaum bewerten kann, sage ich: Sie sieht mal wieder gut aus, sie macht das gut, sie hätte wegen mir in jedem fünften Western auf diese Art auftauchen können. Weitaus wichtiger für den Film ist hier natürlich die Rolle der Alice Evans und Leora Dana macht das durchaus sehr ordentlich. Sie ist zwar sehr brav, aber so wollte man das damals eben in der Regel. Und der Rest der Crew geht schwer in Ordnung. Zwar ist Henry Jones mal so und mal so (mal overactet er ganz ordentlich, mal kommt er einem recht lebensgetreu vor), dafür ist Richard Jaeckel aber über jeden Zweifel erhaben. Solche Co-Stars als Unterbosse brauchte man!

Ist „Zähl bis drei und bete“ also der „Zwölf Uhr mittags“ für Fans? Nun, gewisse Ähnlichkeiten sind natürlich vorhanden (die Warterei, die fehlende Farbe, einige Kameraeinstellungen, die Andersartigkeit), aber im Gegensatz zu Fred Zinnemanns völlig überschätztem Klassiker hat dieser hier seinen Status absolut verdient. Seine Geschichte ist zwar auch anders, aber sie macht Sinn (auch wenn man sich ein paar Mal am Kopf kratzt) und wird auch vernünftig zu Ende gebracht. Und ein solch herrliches Psychoduell, wie es sich die Protagonisten hier liefern, gibt es im Genre Western nur ganz selten. Trotzdem bin ich ein wenig hin und hergerissen. Neben besagten kleinen Ungereimtheiten und der mir manchmal etwas zu übertriebenen Enge, überzeugt vor allem auch George Dunings Musik hier so gar nicht. Zwar bleibt die Melodie des Titelliedes toll, aber mehr hat er hier leider auch nicht zu bieten. Die wird immer und immer wieder wiederholt und liegt unter jeder einzelnen Szene. Und ne Weile lang ist das Gitarrengeklimper ja ganz hübsch, aber gewiss nicht über einen ganzen Spielfilm. Und dann kommt da auch noch dieser unsichere Hauptdarsteller hinzu. Tut mir leid, so super Ford auch ist, aber Heflin ist für mich hier das Zünglein an der Waage. So sehr ich „3:10 To Yuma“ auch genossen habe, mit diesem Dan Evans kann ich nicht die Höchstnote vergeben. Daher erreicht Daves Fünfter „nur“ wirklich gute vier Sterne. Aber ich bin diesbezüglich wie gesagt wirklich unsicher. Und genau weil es der eine der beiden Hauptdarsteller ist, der hier den Ausschlag gibt (und eben nicht die noch wesentlich wichtigere Geschichte), kann der Streifen mich im nächsten Anlauf ja vielleicht noch weiter überzeugen. Denn ein nächstes Mal wird es natürlich auf jeden Fall geben. Und schließlich ist es ja auch ein Adult-Western, von dem wir hier reden, nech? Wer weiß; vielleicht werde ich ja irgendwann nochmal erwachsen…

Übrigens: Glenn Fords Ben Wade sagt hier zu Felicia Farr den interessanten Satz „Wenn man auch schlank ist, deswegen ist man noch lange nicht hässlich.“, weil er findet, dass diese ruhig etwas dicker sein könnte. Wieso wird so ein Schönheitsideal nicht öfter in Filmen „beworben“?

Zur DVD:

Ordentliche DVD von Columbia TriStar/Sony, mehr nicht. Ob das Bild wirklich remastert wurde, vermag ich nicht zu sagen, aber da sind schon Schleier zu sehen und so, das sind wir mittlerweile besser gewohnt. Allerdings ist die Scheibe auch von 2002… Beim Ton ist mir mal wieder nichts aufgefallen. Nur ist natürlich mal wieder kein Bonus mit drauf, weswegen man heutzutage auf keinen Fall mehr als fünf Eu für das Ding ausgeben dürfte, aber das wird ja sicherlich auch längst nicht mehr gepresst. Ich habe damals acht bezahlt, aber ich musste ja auch unbedingt diesen Klassiker kennenlernen. Und für diesen Film gibt man ja gerne so viel aus. Das einzige, was mich letztendlich an der Scheibe an sich noch stört, ist ihre seltsame, ich würde mal sagen, leicht pinke Farbe. Denn die beiden Wörter pink und Western vermag ich nicht in einen logischen Zusammenhang zu bringen. Ne BD gibt es zu diesem Meilenstein ja aber offensichtlich noch nicht, von daher Kaufempfehlung für alle, die noch drankommen können.

Zitate

„Wo man gelebt hat, soll man sich auch begraben lassen.“(Ben Wade ist dafür, die örtliche Wirtschaft zu unterstützen)

„Es gibt im Leben oft Situationen, wo man danebensteht und nicht helfen kann.“(Dan Evans ist vermutlich Fußballfan)

„Ich komme selten zweimal in dieselbe Stadt.“(sagt Ben Wade und man möchte meinen, er will eigentlich sagen „in derselben Stadt“…)

„Es gibt Männer, die sehe ich hier Tag für Tag und habe sie doch nie gesehen. Aber andere, die braucht man nur einmal zu sehen, und vergisst sie dann nie wieder.“(Bardame Emmy (Felicia Farr) trägt eine spezielle Brille)

[Wade bezahlt Dan Evans Geld für die Zeit, die er ihm „geraubt“ hat] „Bin ich Ihnen sonst noch was schuldig?“ – „Na, wenn Sie mich so fragen, dann können Sie mir noch zwei Dollar extra geben – für den Schock, den ich hatte.“(Dan Evans will sich nicht unter Wert verkaufen)

[der Marshal sucht Freiwillige für Wades Transport] „Wir müssen vorher wissen, um was es sich handelt.“ – „Sehr richtig. Wer weiß, was passiert.“ – „Ihr habt ganz Recht, das kann man vorher nie wissen. Wenn ihr Pech habt, könnt ihr euch einen Finger in der Nase abbrechen. Mein Großvater hat 60 Jahre gegen die Indianer gekämpft und dann ist er erstickt – an einem harten Ei… Also, wer meldet sich freiwillig?“(der Marshal von Bisbee (Ford Rainey) kennt seine Schweine am Gang)

„200 Dollar. Das ist doch viel Geld, oder?“ – „Nicht, wenn Vater was passiert.“(der große von Evans Söhnen klärt seinen kapitalistischen Bruder auf)

[Wade bringt in Erfahrung, wohin man ihn bringen will] „Dankeschön. Wenn wir getrennt werden, weiß ich jetzt wenigstens, wo ich auf Sie warten muss.“(Ben Wade fügt sich ohne zu Murren in seine Reisegruppe ein)

[Charlie Prince erzählt einem Hotelier zur Tarnung, er wäre in der Stadt, um seine Frau abzufangen, die ihm mit einem anderen Mann davongelaufen wäre, woraufhin der zurückgibt, dass ihn einst dasselbe Schicksal ereilte] „Warum machen das die Weiber eigentlich?“ – „Das weiß ich auch nicht. Ich hab meine nur selten verprügelt. Vielleicht lag es daran…“(Vorzeige-Ehemann Charlie Prince kann sich Fehler, die er gar nicht gemacht hat, gut selbst eingestehen)

★★★★

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