The Harder They Fall

The Harder They Fall

★★★ -

  • Jahr: 2021
  • Regie: Jeymes Samuel
  • Darsteller: Jonathan Majors, Idris Elba, Zazie Beets, Regina King, Edi Gathegi, RJ Cyler, Delroy Lindo, LaKeith Stanfield...

Story

Als seine Bande den berüchtigten Banditen Rufus Buck (Idris Elba) befreit, macht sich der rachsüchtige Nat Love (Jonathan Majors), dessen Vater Buck einst erschoss, sofort mit einer kleinen Schar Verbündeter auf, den Gangsterboss in dessen Stadt aufzusuchen und ihn ins Jenseits zu befördern…

Worte zum Film

ordentliche Darsteller, grausame Musik, völlig übertriebene Comic-Optik; völlig zerquasselt und stinkenlangweilig; der wohl konsequenteste Blaxploitation-Western aller Zeiten

Bewertung

Mal was ganz Aktuelles, das ich euch eigentlich schon letztes Jahr präsentieren wollte, aber dann hat sich „The Harder They Fall“ als eine solche Graupe herausgestellt, dass ich keine Lust mehr darauf hatte. Stattdessen habe ich mir die Bewertung von Jeymes Samuels tatsächlich schon zweiter Genrearbeit (wieso hatte ich von dem Kerl vorher noch nie etwas gehört?) lieber für dieses Jahr aufgehoben – da spare ich mir wenigstens vorerst ein nervenaufreibendes Zitate-Herausschreiben aus einem Streifen, den ich sowieso für nicht zitierwürdig halte (dafür zitiert sich besagter Regisseur ja schon umso freudiger einmal quer durch den schwarzen Wildwest-Gemüsegarten). Aber wer sich für dieses Sujet interessiert (und wer ein Netflix-Abo hat sowieso), wird ohnehin auf diese moderne Pferdeoper gestoßen sein, die im November letzten Jahres – und da von diesem bezahlt auch nicht gerade still und leise – beim Streaming-Riesen erschien.

So auch ich und zugegebenermaßen war meine erste Reaktion diesbezüglich ein breites Grinsen aufgrund der Freude darüber, dass Netflix seine Millionen auch in unser aller Lieblingsgenre investiert. Dazu kann ich nur sagen: vielen Dank dafür und weiter so! Schon im nächsten Moment war mir allerdings so gut wie klar: Mein Film wird das nicht werden. Zwar finde ich es absolut löblich, dass man damit ebenso in einen Blaxploitation-Western investierte (und davon gibt’s bestimmt auch den einen oder anderen guckbaren) und wegen mir soll gerne sowieso jede Hautfarbe oder jedes Volk oder wegen mir sogar jede Ethnie (ich weiß einfach nicht, wie man das politisch korrekt ausdrückt) seine bzw. ihre eigene Pferdeoper haben, aber bei einem modernen „schwarzen Western“ bin ich bestimmt nicht die Zielgruppe. Schließlich konnte man sich beispielsweise die musikalische Untermalung desselben von vorneherein denken (und diesbezüglich kam es noch viel schlimmer als erwartet). Ich ging also schon nur in der Erwartung heran, hier einen mittelprächtigen Vertreter serviert zu bekommen (was ob der großen Namen im Cast ja wohl wenigstens hätte drin sein können) – und wurde selbst damit noch enttäuscht.

Denn Jeymes Samuels Werk hat nicht nur einen für meine Ohren grauenvollen Soundtrack zu bieten, den der Bruder von Seal (ja, das ist er wirklich) dann auch noch höchstselbst geschrieben hat (wenngleich dieser zugegenermaßen wenigstens originell und mal was anderes ist (was allerdings auch schlicht daran liegen könnte, dass ich mich in diesem Musikbereich nicht auskenne und folglich keine Vergleiche habe)). Er ist, wenn man mich fragt, auch optisch eine Zumutung. Der vielbemühte Comic-Stil ist ja schön und gut, aber „The Harder They Fall“ ist von einer plakativen Künstlichkeit, die keinerlei positive Reize mehr zu bieten hat. Stattdessen nervt diese gewollte Coolness einfach vollkommen. Und ja, das soll dann wohl in aller Regel auch noch lustig sein (Stichwort: White Town), aber es ist – um es obercool auf Neudeutsch zu sagen – einfach too much (ebenso fehl am Platz wie diese zwei Wörter in meinem Satz wirkt die ganze Szenerie hier auf mich).

Und ob ihr’s nun glaubt oder nicht: Das sind noch nicht mal die größten Baustellen in „The Harder They Fall“. Samuels Streifen ist obendrein nämlich auch noch stinkenlangweilig. Wäre hier wenigstens ein bisschen Fahrt drin, könnte man es ja vielleicht noch aushalten, aber so hangelt man sich von einer überflüssigen Diskussion und einer dämlichen Tat der Protagonisten zur nächsten. Als Beispiele seien an dieser Stelle der Aufbruch der „Guten“ in die Stadt des „Bösen“ (wieso muss man da erst noch ne halbe Stunde rumpalavern, bevor man dann doch zusammen losmacht?) sowie der Spionage-Versuch des Love Interests des Guten in der Stadt des Bösen genannt (wie kann man nur so blöde sein zu glauben, dass man mit einem derart hirnrissigen Plan auch nur irgendwas erreichen könnte?). Katastrophal langweilig! Aber nur so kommt man bei so einem kleinen Filmchen eben auf die schier unglaubliche Lauflänge von fast zweieinhalb Stunden (eine Frechheit ist das)…

Da wundert es dann kaum, dass man den finalen Shootout auf fast 40 Minuten ausgedehnt hat. Na ja, immerhin wird es dadurch etwas erträglicher, da die Action jetzt nicht supergut und natürlich ebenfalls total übertrieben in Szene gesetzt ist, aber das ist allemal besser als das dümmliche Gelaber des restlichen Films. Zumal das Drehbuch hier einen großartigen Einfall zu bieten hat, (Spoiler) indem es LaKeith Stanfields bösen Revolverhelden Cherokee Bill das unvermeidliche, lange, lange heraufbeschworene Duell zwischen ihm und seinem schnellziehenden Kollegen auf der anderen Seite (das war glaube ich RJ Cyler) dadurch gewinnen lässt, dass dieser dem Jungen einfach vor Ablauf der Zeit ein Loch in die Stirn pustet. Oh Mann, was habe ich da gelacht! Böse könnte man meinen: Dieser blöde Schlauschnacker hatte es nun wirklich nicht anders verdient. Vor allem aber ist es – im Gegensatz zu anderen Streifen, wo solche sich selbst so dermaßen überschätzenden Jungspunde damit viel zu oft noch zu Helden werden – einfach folgerichtig, dass er mit dieser Arroganz auf die Nase fällt (oder auf den Hinterkopf, weiß es nicht mehr genau). Und Stanfields Figur ist sowieso die coolste hier (die kurz darauf dann leider in einer dann wieder sehr fragwürdigen Szene ihr Leben aushauchen darf). (Spoilerende) Darüber hinaus hat „The Harder They Fall“ zwar nichts Brauchbares mehr im Angebot (die finale Auflösung etwa dürfte niemanden vom Hocker hauen), ist dann aber wenigstens endgültig vorbei.

Und die vielgelobten Schauspieler hierin? Sind immerhin auf der bösen Seite ganz ordentlich besetzt. Idris Elba etwa macht das sehr routiniert und ist wirklich furchteinflößend, während LaKeith Stanfield wie erwähnt einfach nur cool ist. Regina King hingegen ist aufgesetzt wie sonst niemand hier. Auf der anderen Seite nimmt man Hauptdarsteller Jonathan Majors quasi keine seine Regungen ab. Er ist quasi die leibhaftig gewordene Comicfigur. Dafür unterstützen ihn Edi Gathegi und Delroy Lindo sehr ordentlich. Auch sein Liebchen Zazie Beetz kann man ertragen – aber wohl nur in der Originalfassung. In der ansonsten sehr ordentlichen deutschen Synchronfassung spricht sie sich nämlich selbst! Und das hört man leider bei jedem einzelnen Wort. Natürlich ist nichts dagegen zu sagen, wenn Darsteller sich selbst synchronisieren, sofern sie die „andere Sprache“ auch wirklich tadellos beherrschen oder es einfach zur Rolle passt (wie etwa im Fall von Dan Stevens in „Ich bin dein Mensch“), ansonsten aber sollte man so etwas lassen. Hier jedenfalls wirft sich Beetz durch ihre selten unbetonte und damit leider komplett unemotionale Sprechweise selbst aus dem Rennen.

Wer also auf „ultracoole“ schwarze Jungs steht, die sich zu grauenvoller Musik und in vollkommen übertriebener Comic-Optik die Birne gegenseitig weichquasseln und am Ende auch noch mal kurz zum Schießeisen greifen, der ist bei „The Harder They Fall“ vielleicht richtig. Allen anderen sei empfohlen einen anderen Blaxploitation-Western zu probieren. Wenngleich man Jeymes Samuel eine Sache immerhin lassen muss: Er zieht das mit dem „schwarzen Western“ wirklich komplett durch. Ich jedenfalls habe noch keine Pferdeoper gesehen, die die Weißen so konsequent ausblendet, wie diese es tut (eben so, wie es unzählige Westernproduktionen davor mit der schwarzen Bevölkerung der Vereinigten Staaten taten). Um da mal den Spiegel vorgehalten zu bekommen, kann man ja mal kurz reinschauen. Filmisch gesehen ist das Endergebnis für mich jedoch eine grottenlangweilige Katastrophe. Da stellt sich doch die Frage: Wo ist ein Fred Williamson, wenn man ihn braucht?

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