Meuterei am Schlangenfluss

Bend Of The River

★★★ ++

  • Jahr: 1952
  • Regie: Anthony Mann
  • Darsteller: James Stewart, Arthur Kennedy, Jay C. Flippen, Julie Adams, Rock Hudson, Howard Petrie, Jack Lambert, Harry Morgan, Royal Dano, Chubby Johnson...

Story

Ex-Bandit Glyn McLyntock (James Stewart) führt einen Siedlertreck unter der Leitung von Jeremy Baile (Jay C. Flippen) über die Berge in ein fruchtbares Tal in Oregon. Unterwegs schließt sich ihnen der zwielichtige Emerson Cole (Arthur Kennedy) an. Sie gelangen in das kleine Nest Portland, kaufen hier Waren, die nachgeliefert werden sollen und ziehen bis zum Ziel der Reise weiter. Nur Cole und Bailes Tochter Laura (Julie Adams) bleiben in der Stadt und werden ein Paar. Dann aber wartet man vergeblich auf die Lebensmittel. Glyn und Jeremy reiten daher zurück, um nachzusehen und müssen feststellen, dass sich Portland in der Zwischenzeit in eine Goldgräberstadt verwandelt hat, ihre Waren mittlerweile das x-fache des damaligen Einkaufspreises wert sind und der gierige Händler Tom Hendricks (Howard Petrie) diese daher lieber an die zahlungswilligen Edelmetallschürfer verkaufen möchte. Also müssen sie ihr Zeug mehr oder weniger klauen. Dabei bekommen sie Hilfe von Cole, Laura, Dampfer-Kapitän Mello (Chubby Johnson) und dem Spieler Trey Wilson (Rock Hudson). Nachdem sie den sie verfolgenden Hendricks kurze Zeit später umgelegt haben, bieten ihnen auf dem Weg zum Siedlungsplatz plötzlich ein paar Goldgräber 100.000 Dollar für die Lebensmittel. Cole will daher verkaufen, Jeremy und Glyn nicht. Also reißt sich Ersterer die Waren kurzerhand unter den Nagel und setzt Glyn ohne Waffe und Pferd in der Wildnis aus. Dieser gibt allerdings nicht so schnell auf, folgt den Wagen zu Fuß, beschafft sich unterwegs ein Gewehr und holt die Lebensmittel zurück. Natürlich muss Cole hierbei sein Leben lassen. Die anderen ziehen daraufhin mit ihrem Zeug in die Siedlung, wo Laura sich wohl McLyntock als neuen Ehemann aussucht.

Worte zum Film

nicht gerade originelle Story mit partiell unglaubwürdiger Hauptfigur und unlogischem Kipppunkt; gute Darsteller, ordentliche Inszenierung; unterm Strich zu durchschnittlich für einen Klassiker

Bewertung

Zum Film:

Wenn ich an Anthony Manns überragendem „Winchester ’73“ überhaupt eine negative Eigenschaft finden müsste, dann wäre es diejenige, dass die Tatsache, dass er so perfekt ist, wie er ist, eigentlich nur dazu führen konnte und kann, dass die Erwartungen an den filmischen Nachfolger viel zu hoch ausfallen. Und zwar sowohl an seinen nächsten Genrebeitrag „The Furies“ (kinotechnisch gesehen jetzt; gedreht wurde er ja wohl sogar noch vor dessen Durchbruchs-Pferdeoper) als und vor allem auch an die nächste Western-Kollaboration des begabten Regisseurs mit Hauptdarsteller James Stewart. Mit Ersterem, den ich bis heute tatsächlich auch noch nie gesehen habe, befassen wir uns nicht nur deswegen ein anderes Mal ausführlich und zu Letzterer kam es bereits zwei Jahre später. Das Ergebnis heißt „Bend Of The River“ und der Fakt, dass dieser ebenso wie sein berühmter Vorgänger zu einem absoluten Klassiker des Genres wurde, lässt besagte Erwartungen heutzutage natürlich nicht gerade nach unten schnellen… Heute – aus jahrelanger Erfahrung, die zu machen oft weh getan hat – weiß ich: So was kann dann eigentlich nur schiefgehen… Und tatsächlich war ich gestern Abend ob dessen Qualität daher auch lange nicht so enttäuscht wie noch bei meiner Erstsichtung vor Jahren und generell bewegen wir uns hier fernab einer wirklichen Enttäuschung, aber trotzdem muss man konstatieren: Mann fällt schon relativ tief. Klar könnte man jetzt erwidern, dass man seine Erwartungen bei einem solchen Vorgefühl dann einfach anpassen und den ständigen Vergleich zwischen erst- und zweigedrehtem Vertreter einfach lassen sollte, aber als Mensch ist einem selbstverständlich weder das eine noch das andere möglich. Letzteres habe ich zwar versucht auf ein Minimum herunterzuschrauben und ob einiger offensichtlicher Unterschiede zwischen den beiden Streifen (z. B. die Story, die Farbe, das Bildformat…) ist mir das auch gar nicht so schlecht gelungen, aber es passiert während des Schauens ab und an natürlich automatisch und daher werde ich dies auch in diesem Text noch das eine oder andere Mal tun müssen. Und schlussendlich sind es schlicht nicht die Erwartungen, die zu hoch gesteckt gewesen wären, sondern der zweite Mann/Stewart-Klassiker ist für mich einfach keiner.

Das liegt so gut wie ausschließlich an seiner Geschichte – was ob der Tatsache, dass diese ja gerade das große Aushängeschild von des Regisseurs Genredebüt war, nicht großartig verwundern kann. Und klar durfte man nun wirklich auf keinen Fall erwarten, etwas Vergleichbares (so etwas gibt es für mich wie gesagt ja bis heute nicht) oder gar etwas vergleichbar Unvergleichliches zu sehen zu bekommen (und das habe ich folglich auch nicht getan), aber zumindest gehobene Klasse durfte man sich von einem Drehbuchautor wie Borden Chase (ungeachtet der Tatsache, dass auch er zwischendurch natürlich ein paar Sachen ziemlich versemmelt hat) ja wohl erhoffen. Geliefert bekommt man hier allerdings – man kann es nicht anders nennen – reine Durchschnittsware. Das ist nichts, was wir nicht zig Male woanders gesehen hätten; nur (aus heutiger Sicht wieder erwartbarerweise) erweitert um den psychologischen Faktor – schließlich hatte Mann zwei Jahre zuvor gerade erst den Adult-Western miterfunden. Nun kann man sich, sofern man Sympathien für den berühmten Schreiber hegt, die Sache in diesem Fall denkbar einfach machen und jegliche Schuld dafür schlicht beim Autor der Romanvorlage, William Gulick, suchen (sein Buch heißt übrigens „Bend Of The Snake“, was den Produzenten damals – neben der Tatsache, dass „Bend Of The River“ sehr viel eher nach einem klassischen Westerntitel dieser Jahre klingt – wohl schon zu viel vom Storyverlauf „verraten“ hätte, um ihn zu übernehmen – doch dazu später mehr) und ganz ehrlich: Vielleicht stimmt es ja sogar, dass Chase seine Handlung gar nicht groß abänderte, sondern diese nur in „Filmform“ brachte (ich hab das Ding schließlich nie gelesen). Die Wahrheit ist aber: Es ist völlig egal, ob dem so ist oder nicht. Selbst dann müsste man ihn hier nämlich selbstredend voll in die Pflicht nehmen, denn dann wäre es seine solche gewesen, dem Ganzen ein wenig mehr Einzigartigkeit zu verleihen oder dies zumindest zu versuchen. Davon ist aber weit und breit nichts zu sehen.

Und so muss man es unterm Strich tatsächlich als sein größtes Verdienst um „Meuterei am Schlangenfluss“ ansehen, dass er es geschafft hat, dessen – ich denke ungefähr – erste halbe Stunde überhaupt nicht langweilig werden zu lassen, obwohl man nach dieser immer noch nicht wirklich weiß, um was es im Folgenden eigentlich gehen soll. Das Problem hierbei ist allerdings bereits: Großartig doll ist das Geschehen bis dahin auch nicht… Die typische Geschichte vom Siedler-Treck und seinen Stationen. Ganz nett, aber mehr auch nicht. Was natürlich nicht bedeuten muss, dass man darauf nicht noch einen furiosen Fortgang aufpflanzen kann. Und tatsächlich klingt des Pudels Kern, wenn er erstmal herausgearbeitet wurde, auf den ersten Blick recht vielversprechend. (Spoiler) Hat doch der in diesem Beitrag schön schmierige Howard Petrie in seiner Rolle als gieriger Händler Tom Hendricks die den Pionieren zugesagten Lebensmittellieferungen absichtlich verzögert, weil er aufgrund eines Goldfundes um Portland (wo er seine Geschäfte tätigt) und des damit verbundenen Preisanstiegs weiß, dass er die Waren nun noch viel teurer verkaufen kann. Dass er das tatsächlich noch nicht getan hat, die Säcke und Fässer ganz im Gegenteil die ganze Zeit über fein säuberlich aufgestapelt am Anlegesteg stehen lässt (wo sich natürlich auch keiner der hungrigen Glücksritter daran vergreift) und James Stewarts Glyn McLyntock sowie Jay C. Flippens Jeremy Baile somit erst die Möglichkeit gibt, sich ihr längst bezahltes Eigentum zwar gegen seinen Willen, aber so leicht wie nur irgend möglich anzueignen, ist aus meiner Sicht zwar Blödsinn, aber nun wirklich nicht der springende Punkt. Das gibt McLyntock und den ihm zur Seite springenden Emerson Cole (Arthur Kennedy) und Trey Wilson (Rock Hudson) immerhin die Möglichkeit, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen und – das versteht sich von selbst – dabei eine schöne Schießerei anzuzetteln. Welcher Fan ist damit nicht einverstanden?

Auch die anschließende Verfolgung der Protagonisten durch den erzürnten Geschäftsmann und seine Handlanger ist zwar nun wirklich nichts Neues, hat ja aber oft auch schon viel Spaß gemacht. Bevor es allerdings so weit kommt, begeht das Script aus meiner Sicht einen folgenschweren Fehler. Nachdem McLyntock und Co. nämlich mit den abgestaubten Gütern auf einem Dampfer getürmt sind, müssen sie irgendwo anhalten, die Sachen auf Planwagen verladen und zusehen, dass sie sich damit vor Hendricks‘ herannahender Horde in Sicherheit bringen. So weit, so logisch. Was Stewarts Figur dann macht, ist allerdings das Gegenteil davon. Dann nämlich zwingt diese die Goldgräber, die man am Steg in Portland schon fürs Aufladen sündhaft teuer bezahlen musste (und die warum auch immer alle auf die Kaperfahrt mitgekommen sind), eine noch viel teurere Belohnung dafür anzunehmen, die Wagen bis zur Siedlung zu begleiten. Ja, ihr habt richtig gelesen. Zwingt sie dazu, obwohl sie trotz der in Aussicht gestellten, nach menschlichem Ermessen für die Siedler unbezahlbaren Digger-Ausrüstung (für alle Mann (es sind ihrer fünf oder sechs glaube ich) – im Wert von 200 (oder waren es sogar 300?) Dollar!) nicht dazu bereit waren. Und das lässt einen den weiteren Verlauf der Dinge doch schon glasklar vorhersehen, oder? Ganz davon abgesehen, dass man nur in die windschiefen Gesichter der Galgenvögel zu schauen braucht, die uns dafür nur allzu gut bekannte Leute wie Harry Morgan, Jack Lambert oder Royal Dano hier geben (was für eine illustre Truppe, oder?), um zu wissen, dass diese nur den ganz großen Ärger mit sich bringen können. Daher hatte ich auf das folgende, damit wie gesagt quasi groß angekündigte Planwagen-wechsel-dich-Spiel auch schon gar keinen Bock mehr. Versteht mich bitte nicht falsch! Ich bin weder unempathisch noch wünsche ich einem so lieben Kerl, wie ihn Stewart hier mal wieder darstellt, irgendetwas Schlechtes, aber es stellte sich bei mir dann einfach so ein „Er ist doch selber Schuld.“-Gefühl ein, das mich nicht mehr loslassen und mich den erahnbaren Rest dann eben auch nicht mehr richtig genießen lassen wollte. An dieser Stelle hat mich der Streifen verloren und leider nicht wieder eingesammelt…

Damit im Zusammenhang steht auch der zweite Drehbuchkniff, der bei mir so überhaupt nicht gezündet hat. Denn ich habe eben ganz bewusst geschrieben, was für ein feiner Kerl dieser Glyn McLyntock mal wieder ist. Ein ganz lieber und netter Mensch ist das nämlich. Eine typische Jimmy-Stewart-Rolle möchte man meinen. Doch das stimmt nicht ganz. Denn dagegen wäre ja so weit überhaupt nichts zu sagen, wenn der Protagonist hier nicht tatsächlich eigentlich gar nicht so lieb sein sollte. Bzw. gewesen sein sollte. Recht früh wie unmissverständlich weist uns McLyntock in einem Zwiegespräch mit Emerson Cole darauf hin, dass er wohl eine Vergangenheit als Bandit erfolgreich hinter sich gelassen hat – und bestätigt diese Vermutung in weiteren Dialogen später mehrfach. Das Problem dabei ist: Mehr als diese mündlichen Bekundungen gibt es diesbezüglich nicht. Zu merken oder gar zu sehen ist davon rein gar nichts. Glyn ist wie gesagt ein verdammt netter Mensch. Und vor allem: Er denkt auch wie ein solcher. Und genau deswegen ist oben genannte Knackpunkt-Szene auch so unlogisch. Denn unabhängig davon, dass ich es generell als gesunden Menschenverstand bezeichnet hätte, die beschriebenen Glücksritter, die mal Goldsucher werden wollen, nicht für den Transport mit einzuplanen, weil sie offensichtliche Spitzbuben sind, muss letztgenannter Umstand einem ehemaligen „Kollegen“ doch noch viel eher auffallen. Und selbst wenn er das tatsächlich nicht täte, müsste ein solcher doch viel vorsichtiger sein als es dieser Protagonist ist. Gerade wenn diese sich doch so mit Händen und Füßen gegen ihre „Mithilfe“ gewehrt haben. McLyntock aber scheint die von ihnen ausgehende Gefahr nie kommen zu sehen und entsprechend überrascht zu sein, wenn diese dann ihr wahres Gesicht zeigen. Auch sein Umgang mit Cole zeugt davon, bei dem es selbst für den ungeübten Zuschauer nicht die Frage sein kann, ob dieser sich irgendwann nochmal an der titelgebenden „Meuterei“ (auch wenn das Wort in diesem Zusammenhang natürlich fehlgebraucht ist) beteiligen wird, sondern nur wann. Schließlich hat der den Typen beim Kartenspielen ziemlich zu Anfang doch nicht aus Notwehr erschossen… (Dass das aber auch keine Konsequenzen hat…) Aber selbst als dieser ihn eines Abends am Lagerfeuer dazu einlädt, doch endlich mit seinem neuen Leben zu brechen und wieder das alte zu führen, kann er es sich offensichtlich nicht vorstellen, dass der das aufgrund seines Neins einfach selber probieren wird. Und daher nimmt man dieser Figur (und im Übrigen auch ihrem Darsteller, doch dazu gleich mehr) diesen Hintergrund zu keiner Zeit ab. Eine Vergangenheit als Bandit (und noch dazu eine, die, wie sich ganz am Ende herausstellt, fast zum Tod durch Erhängen geführt hätte) muss sich für mich in mehr manifestieren als dieser einen, berühmten Szene, in der McLyntock den einen der verräterischen Noch-nicht-Goldgräber fast mit seinem blitzenden Messer absticht. Das ist für mich sowieso nicht zwingend die Fast-Reaktion eines geläuterten Verbrechers, dessen altes Ich noch einmal kurz versucht die Oberhand zu gewinnen, sondern viel eher die nur allzu verständliche Fast-Reaktion eines jeden lauteren Gesellen, der so übers Ohr gehauen wird wie der nichtsahnende Glyn hier…

Gerade auch deswegen wirkt die Moral dieser Geschichte eines geläuterten und eines nicht geläuterten Bösewichts wie auf Krampf in dieses Script geschrieben – dabei könnte ich mir tatsächlich gut vorstellen, dass das auch die Buchvorlage schon so hergegeben hat. Muss ja schließlich einen Grund dafür geben, warum gerade Gulicks Roman die Grundlage für Manns zweiten Psychowestern bilden sollte. Aber ob nun so oder so: In dieser Ausarbeitung ist mir das Ganze einfach ein wenig zu simpel und plakativ gehalten, als dass es mich wirklich überzeugen könnte. Und dabei bilden McLyntock und Cole hier eigentlich so ein tolles Gespann. Ihre sehr coole wie stimmungsvolle „Bergammer“-Jagd zu Beginn machte doch z. B. gleich Lust auf mehr (wenn das Bild der Indianer, das Chase und Mann dabei zeichnen, natürlich erneut ein katastrophales ist, aber so war das damals in der Regel leider immer noch). Und dass Emerson Glyn im Laufe der Story tatsächlich mindestens einmal zu viel das Leben rettet, ließ mich diesbezüglich in o. g. Szene mit dem blitzenden Messer ja wirklich kurz hoffen. Aber denkste. So bleibt es sein Geheimnis, warum er die Gunst der Stunde nicht in diesem Augenblick schon ergreift. Schlussendlich ist das aber auch völlig egal. Danach hat das Script noch ein paar gute (beispielsweise die Art wie McLyntock wieder zu einem Pferd kommt oder dass Cole in seiner Verzweiflung am Ende den coolen Einfall hat, die Goldgräber zur Hilfe zu holen) und ein paar weniger gute Ideen (ich muss wohl nicht extra betonen, wie unrealistisch es ist, dass Glyn den Wagen so eine weite Strecke zu Fuß folgt, ohne den Anschluss zu verlieren, oder? – und dass Laura am Schluss tatsächlich doch noch zu ihrem Helden auf den Bock klettert, ist ja wohl genauso unfassbar kitschig wie unnötig), aber das ist schon alles nicht mehr so wichtig. Ist man erstmal so raus, wie ich es an o. g. Stelle war, kann man die restliche Sichtung dann eigentlich nur noch als ein „Auslaufen lassen“ bezeichnen… (Spoilerende)

Bei der Stange halten einen immerhin die schönen Landschaftsaufnahmen dieses zweiten Filmteils. Die haben Mann und sein „Director Of Photography“ Irving Glassberg gut hinbekommen. Wurde zu diesem Zeitpunkt dann ehrlich gesagt aber auch mal langsam Zeit, denn im Gegensatz dazu ist mir die Inszenierung im ersten Part ein bisschen zu studio-eng. Für diese Szenen war die Crew seinerzeit nämlich ganz offensichtlich nicht allzu oft draußen in Oregon vor Ort. Diesbezüglich irrt in diesem Fall tatsächlich auch mal die Wikipedia, vor der ja immer als „unsicherer Quelle“ gewarnt wird, die in der Realität in der Regel aber sehr verlässlich ist. Im dortigen Artikel zu „Meuterei am Schlangenfluss“ steht jedoch „nur die Stadtaufnahmen von Portland entstanden im Studio“. Wenn man sich ganz zu Beginn allerdings mal die Sequenz im abendlichen Lager des Planwagentrecks anguckt, erkennt man ganz klar, dass diese ebenfalls nicht in der freien Natur, sondern in irgendeiner Halle vor einem gemalten Hintergrund gedreht wurde. Der sich ebenfalls in dieser Kulisse abspielende Schock-Moment, in dem Julie Adams Laura Baile den Pfeil in die Schulter geschossen bekommt, sowie die anschließende „Bergammer“-Jagd sind trotzdem cool! Und die Szenen in Portland? Zwar sieht die Kulisse mit der Hafenpromenade sehr nett aus, aber diese wird nur einmal im Establishing Shot in ihrer ganzen Pracht gezeigt und danach leider nur noch in Ausschnitten. Daher dürfte die Entwicklung im zweiten Abschnitt jeden Fan erfreuen (auch wenn Studio-Aufnahmen weiterhin eine Rolle spielen). Anthony Manns Regie kann man im Übrigen kaum mit der Glanzleistung aus „Winchester ’73“ vergleichen. Zwar sieht das hier alles absolut solide aus und gibt es keinen wirklichen Anlass zur Klage, aber wirklich memorabel ist das nicht. Das Bild von Stewart, Kennedy und Hudson nebeneinander mit gezückten Revolvern in der Saloontüre stehend bleibt ebenso hängen wie jenes kurz zuvor, wenn Erstgenannter tatsächlich schon 1952 wie Clint Eastwood später in den Dollar-Filmen schießt, indem er mit der einen Hand den Hahn seines Revolvers spannt und mit der anderen abdrückt, und generell diese ganze, große Schießerei in der Stadt, aber viel ist das nicht, oder? Der Rest ist auch inszenierungstechnisch Durchschnitt und sieht ehrlich gesagt kaum besser aus als bei einem Budd Boetticher beispielsweise.

Und Manns Darsteller? Nun ja, James Stewart ist wie gesagt wie immer sehr sympathisch und macht seine Sache daher grundsätzlich auch gut, hat aber wie ebenfalls bereits erwähnt dieses Glaubwürdigkeitsproblem. (Spoiler) Seinen Ex-Ganoven nehme ich ihm jedenfalls nicht ab. Seine unsicheren, teilweise ausweichenden Blicke sind für mich nicht diejenigen eines Mannes, der versucht mit sich selbst wieder ins Reine zu kommen und in die Gesellschaft zurückzukehren, sondern vielmehr diejenigen eines Mannes, der generell eher unsicher, schüchtern und zurückhaltend ist. Eben die seiner Paraderolle. (Spoilerende) Von daher haben wir hier ausnahmsweise mal eine Leistung von ihm, die man nicht nur in den Himmel loben kann. Trotzdem guckt man ihm wie immer gerne bei der Arbeit zu. Durch seine „Schwierigkeiten“ hier findet man an seinen Co-Stars Rock Hudson und vor allem Arthur Kennedy aber fast noch mehr Gefallen. Ersterer hat ja sowieso noch nicht den größten Part (und mit Sicherheit denjenigen, der einem am schnellsten und sichersten die Zuschauersympathien garantiert), aber man sieht eben schon, warum es bis zu seinem absoluten Durchbruch nicht mehr lange dauern sollte. Und Kennedy ist schlicht überragend mit seinem selbstherrlichen Grinsen und war sicherlich selten besser. Ihnen zur Seite stehen ein wie erwartet gut aufgelegter Jay C. Flippen im Grummel-Kumpel-Gewand, ein wie gesagt erwähnenswerter Howard Petrie, ein Chubby Johnson in einer absoluten Paraderolle (auch wenn der ständig geäußerte Wunsch seines Charakters, zum Mississippi zurückkehren zu wollen, auf die Dauer sehr nervt) sowie das oben bereits genannte, phänomenal zusammengestellte Galgenvogel-Dreigestirn. Ach und Julie Adams wollen wir natürlich nicht vergessen, aber... Ihre Rolle ist doch sehr klein und beschränkt sich aufs sich in den Falschen und letztendlich in den Richtigen verlieben. Klar macht sie das gut, aber das durfte man wohl auch erwarten…

Womit wir wieder beim Thema Erwartungen wären. Ich für meinen Teil bleibe dabei: Sollte man es so wie ich machen und versuchen, die Anthony-Mann/James-Stewart-Kollaborationen dieses Genres in Entstehungsreihenfolge zu gucken, sollte man selbige (also die Erwartungen jetzt) trotz des gerade zuvor erlebten Höhenfluges mit „Winchester ’73“ nicht allzu hoch hängen. Denn mit „Bend Of The River“ fallen die beiden auf Durchschnitts-Niveau zurück. Als mehr kann man diese Handlung – den unnötigen moralischen Twist hin oder her – beim besten Willen nicht bezeichnen. Zwar wird es nie wirklich langweilig und ist das Ganze aus der Hand von Anthony Mann durchaus nett anzusehen, aber selbst wenn die Hauptfigur aus meiner Sicht glaubwürdig wäre und es diesen Abschaltmoment für mich in der Mitte nicht geben würde, würde es unter dem Strich für nicht viel mehr reichen, schätze ich. Dafür ist dieses Werk – ganz im Gegensatz zu Manns Genredebüt – einfach nicht eigenständig genug. Und wäre dies hier ein B-Western wäre ich damit trotzdem noch hochzufrieden, aber von einem Klassiker erhofft man sich einfach ein wenig mehr. Immerhin: Auch wenn ich es nicht hundertprozentig einzuschätzen vermag, da ich „The Man From Laramie“ tatsächlich bisher noch nie gesehen habe (ich bin also schon sehr gespannt), glaube ich fest daran behaupten zu können, dass es mit diesen beiden Protagonisten in der Crew in diesem Genre wenigstens auch kein schlechteres Ergebnis als dieses geben wird.

Zur DVD:

Nette „Western Collection“, die Universal vor über zehn Jahren (Stand: Oktober 2020) in witzig-braunen Amarays auf den Markt geworfen hatte. Gab’s in einigen Läden zum Teil sehr billig, weswegen ich zuschlug. Hab die Scheibe jetzt nicht wieder beguckt, aber das Bild fand ich damals absolut in Ordnung (und wenn ich mir ansehe, was Koch und Explosive daraus gemacht haben, glaube ich das auch heute noch gern) und den Ton auch. Nur die extra angefertigte Neu-Synchro stieß mir damals sauer auf. Extras waren damals keine mit drauf.

Zur BD:

Die, wenn ich es richtig sehe, bisher (Stand: Oktober 2020) einzige BD zu diesem Streifen haben Explosive und Koch Media vor gut drei Jahren zusammen auf die Beine gestellt. Mit dem Label „James Stewart Western Collection“ drauf. Und da ich auch diese zufällig günstig schießen konnte, habe ich letztes Jahr tatsächlich mal ein Upgrade gewagt. Und rein technisch gesehen war das auch die absolut beste Entscheidung. Denn das Bild ist wirklich großartig geworden! Zwar sind ein paar kleine Verschmutzungen natürlich immer noch zu erkennen, aber das ist bei diesem Alter dann ja wohl auch wirklich mal zu erwarten. Also da finde ich – ebenso wie beim Ton – nichts dran zu meckern. Und, wie man es aus diesen Häusern erwartet, kommt das Ding dann selbstredend auch endlich mit ein wenig Bonus um die Ecke:

  1. Trailer: Da sieht die Schrift ja aus wie nachträglich (nämlich heute) reingesetzt, aber der englische Text und der Ton sind es definitiv nicht (und so was machen, so weit ich weiß, weder Explosive noch Koch)…
  2. Artwork-Galerie: Selbstablaufend, aber in einer solchen Geschwindigkeit, dass es wohl zum Auf-die-Pause-Taste-Drücken konzipiert ist.
  3. Fotogalerie: Für diese Galerie gilt das gleiche wie für die Artwork-Galerie. Warum man da nicht gleich eine von gemacht hat, weiß ich nicht.

Das mag zwar nicht viel sein, aber es ist immerhin etwas. Und außerdem hat man uns endlich wieder die alte Kino-Synchronisation zurückgegeben. Vielen Dank dafür! Die neue, von Universal extra angefertigte ist aber natürlich auch auswählbar. Und so ist der einzige Wehrmutstropfen einer, für den die Labels nix können. Denn „Bend Of The River“ wurde damals offensichtlich im 4:3-Format gedreht… Das ist selbstverständlich nicht ganz so angenehm zu gucken, aber bei dieser Bildqualität absolut annehmbar. Würde ich also jederzeit wiederholen, das Ding; klare Kaufempfehlung!

Zitate

[Glyn McLyntock beschwert sich darüber, dass Marjie Baile (Lori Nelson) ihm nicht seine Hemden wäscht, woraufhin sich deren Vater einschaltet] „Deine Mutter hat früher zehn Hemden gewaschen… Zwanzig! Und obendrein die Hosen…“ – [darauf meint auch Laura Baile etwas sagen zu müssen] „So viel hat er gar nicht. Hab ich Recht?“ – „Genau! Eins an, eins aus, eins in der Wäsche.“(Glyn McLyntock hat einen recht übersichtlichen Kleiderschrank)

„Haben Ihre Leute Gewehre?“ – „Hmm…“ – „Können sie auch damit umgehen?“ – „Nein.“ – „Wie sind Sie dann lebendig durch die Black Hills gekommen?“ – „Reine Glückssache.“(Glyn McLyntock verrät Emerson Cole sein Erfolgsrezept)

„Sie sind unausstehlich! Ihre zukünftige Frau muss man ja jetzt schon bedauern…“(Laura Baile redet gegenüber Glyn von Selbstmitleid)

„Vor wem laufen Sie eigentlich weg?“ – „Vor einem Mann namens Glyn McLyntock.“ – „Na und was passiert, wenn er sie erwischt?“ – „Ich glaube nicht, dass er mich jemals erwischen wird. Ich habe ihn an der Grenze zu Missouri beerdigt.“(Glyn McLyntock outet sich gegenüber Emerson Cole als Untoter)

„Oh, Sie sind wirklich sehr hübsch. Nur eben schon etwas älter…“(Marjie Baile ersetzt Glyn den Spiegel)

„Sie folgen weiter den Sternen?“ – „Das ist besser, als wenn der Sheriff mit seinem Stern einem folgt.“(Emerson Coles witzige Sternstunde)

„Wenn ein Apfel faul ist, dann muss man ihn wegwerfen, sonst verdirbt er die anderen.“ – „Es gibt einen Unterschied zwischen Äpfeln und Menschen.“(Glyn McLyntock beweist Jeremy Baile, dass er noch gut gucken kann)

„Heiraten und Spielen passt nicht zusammen! Der Prozentsatz ist gegen einen.“(Emerson Cole hat nachgerechnet)

[um ein paar Hilfskräfte zu engagieren, versucht es McLyntock erst mit lauteren und dann mit unlauteren Mitteln] „Sie verstoßen gegen das Gesetz, wenn Sie uns zwingen.“ – „Welches Gesetz?“(Glyn McLyntock kann auch nicht alles lesen)

[McLyntock und Co. schießen ihre Verfolger zusammen und töten mitten im Gefecht deren Anführer] „Lasst den Rest laufen! Die haben genug.“ – „Warum?“ – „Wenn ihr’s nicht wisst, kann ich euch’s nicht sagen…“(Glyn McLyntock hat keine Lust, Trey Wilson Nachhilfestunden zu geben)

★★★ ++

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