Jane Got A Gun

Jane Got A Gun

★★★ +

  • Jahr: 2016
  • Regie: Gavin O’Connor
  • Darsteller: Natalie Portman, Joel Edgerton, Ewan McGregor, Noah Emmerich...

Story

Als Zuhälter John Bishop (Ewan McGregor) nach Jahren der Suche endlich seine ehemalige „Angestellte“ Jane Hammond (Natalie Portman) irgendwo in New Mexico wiederfindet, reist er mit allen seinen Männern persönlich an, um sie entweder zurückzuholen oder zu liquidieren. Gut, dass diese, die nicht auf ihren angeschossenen Mann Bill (Noah Emmerich) zurückgreifen kann, ihren Ex-Freund und Vater ihres ersten Kindes Dan Frost (Joel Edgerton) als Hilfe in der Nähe weiß…

Worte zum Film

ultraklassisch, will aber ganz besonders sein; unnötig umständlich erzählt; gute Actionmomente; unglaubwürdige Hauptdarstellerin, anbiedernder Regisseur

Bewertung

Ein A-Western aus Hollywood (quasi ein US-A-Western, ähem…) mit renommierten Hauptdarstellern, der obendrein noch nach einem Drehbuch entstand, das zwischenzeitlich auf der berühmten Black List stand, und den ein paar Jahre später trotzdem kein Schwanz kennt? Gibt es – und es gibt gute Gründe dafür, warum Gavin O’Connors bisher (und sicherlich für immer) einziger Genrebeitrag „Jane Got A Gun“ an den Kinokassen so katastrophal gefloppt ist (3 Mio. Dollar Einspielergebnis bei „gerade einmal“ 25 Mio. Dollar Produktionskosten…).

Zuerst einmal liegt das an besagtem Drehbuch, an dem sich nach Ursprungsautor Brian Duffield noch Anthony Tambakis und Hauptdarsteller Joel Edgerton beteiligten. Ob Letztere dabei nun noch so viel kaputtgeschrieben haben oder nicht, ist im Nachhinein natürlich nicht mehr zu sagen, aber seine selten unnötigen Form wird das Script auch schon vorher gehabt haben. Seine Besonderheit liegt nämlich in der modernen Erzählweise dieser eigentlich ultraklassischen Revenge- bzw. eher Defense-Geschichte. Wir beginnen also nicht am chronologischen, sondern am emotionalen Startpunkt der Handlung und bekommen in ihrem Laufe dann in etlichen, ziemlich öden Rückblenden die Vorgeschichte häppchenweise nachgeliefert. Und mal ganz davon abgesehen, dass das außerhalb des Westerngenres ja schon längst ein alter Hut ist und gefühlt mindestens jede zweite Netflix-Serie so funktioniert, passt das hier überhaupt nicht. Diese Geschichte will klassisch erzählt werden. So wird man durch die Zeitsprünge nämlich jedes Mal rausgerissen und geht in diesem Zuge jedwede Spannung verloren. Hätte man das Ganze linear erzählt, hätte einen das Geschehen durchaus packen können. So aber verhindert nur die sehr humane Laufzeit von knapp 100 Minuten, dass man geistig zwischendurch komplett abschaltet und so bis zum Schluss ganz vernünftig durchhält.

Mitunter hat „Jane Got A Gun“ dann durchaus auch starke Momente. So ist etwa die sehr spärlich eingestreute Action jedes Mal einen Blick wert und ist das große Finale daher ein absolutes Highlight. Das Ende ist dagegen dann sehr dick aufgetragen, geradezu kitschig (völlig unnötig obendrein) und hinterlässt daher ebenfalls einen faden Beigeschmack.

Ein weiteres großes Problem dieses Werks: Man nimmt Hauptdarstellerin Natalie Portman, als Interpretin der titelgebenden Protagonistin Jane Hammond der wichtigsten Person im ganzen Cast, ihre Rolle zu keiner ab. Zu Beginn nicht, aber da kennt man ihre Vorgeschichte ja auch noch nicht, aber auch im weiteren Verlauf mit Hintergrundwissen nicht. Und das liegt nicht nur daran, dass sie stets und ständig mit viel zu viel Make Up im makellosen Gesicht und immer in Kleidern durch die staubige Gegend läuft, das liegt auch an der Israelin selbst. Das ist keine Verbitterung in ihrem Gesicht, das ist (schauspielerische) Verkrampfung… Sie wirkt eben wie ein Schaufensterpüppchen im Wilden Westen und ist zudem stets und ständig auf die Hilfe ihrer männlichen Kollegen angewiesen. Wenn so die feministische Komponente dieses Werks aussehen sollte, dann hatte ich im Vorfeld definitiv andere Erwartungen an diese.

Leider hinterlässt der von mir sonst sehr geschätzte Ewan McGregor keinen wesentlich besseren Eindruck. Zwar kann man das so machen, aber von ihm hätte ich mehr erwartet als diesen Standard-Bösewicht. Interessant immerhin, dass man ihn in seiner Maske ohne Vorwissen sicherlich erst später erkennen würde. Und so kann in darstellerischer Hinsicht nur Joel Edgerton vollständig überzeugen, der das mit großer Coolness tut. Ehrlicherweise hat er dafür aber auch die einfachste Rolle abgegriffen.

Und Regisseur Gavin O’Connor, von dem ich ansonsten noch gar nichts gesehen und dessen Namen ich vorher also auch noch nie gehört hatte? Macht ebenso nicht wirklich etwas grob falsch, kann dem Western aber auch nun wirklich gar nichts hinzufügen. Im Gegenteil. Wie sehr er hier Genrevorbilder nachinszeniert, grenzt schon fast an Anbiederung. Und schöne Totalen sucht man bei ihm sowieso vergebens.

Erwartet ob des sehr ähnlichen Titels also bitte keinen „A Gun For Jennifer“ im Western-Gewand. „Jane Got A Gun“ ist nicht mal ein zweiter „Hannie Caulder“. „Jane Got A Gun“ ist ein ultraklassisch inszeniertes, in der Hauptrolle unzureichend, ansonsten ultraklassisch, aber immerhin ganz vernünftig gespieltes, ultraklassisches Western-Abenteuer, das versucht, seinen Charme aus seiner modernen Erzählweise zu ziehen, die nicht nur schwach umgesetzt wurde, sondern obendrein auch überhaupt nicht hierzu passen will. Ob der kurzen Laufzeit und wegen Joel Edgerton kann man das alles zwar noch ganz ordentlich aushalten, aber warum sich seinerzeit im Kino niemand dafür interessiert hat und der Streifen in dieser Folge an mir spurlos vorübergezogen ist, bis ich ihn rein zufällig im Internet für ganz kleines Geld nur aufgrund seiner Genrezugehörigkeit erstanden habe, wundert mich so gar nicht. Kann man sich mal angucken, kann man aber auch genauso gut sein lassen.

★★★ +

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