Die Gewaltigen

The War Wagon

★★★★★

  • Jahr: 1967
  • Regie: Burt Kennedy
  • Darsteller: John Wayne, Kirk Douglas, Bruce Cabot, Howard Keel, Robert Walker Jr., Keenan Wynn, Valora Noland...

Story

Durch einen Trick sorgt der fiese Pierce (Bruce Cabot) dafür, dass der Rancher Taw Jackson (John Wayne) ins Gefängnis geht und er sich dafür dessen Ranch und vor allem dessen Goldmine unter den Nagel reißen kann. Wieder draußen sinnt Jackson auf Rache. Er will Pierce das Gold, das jede Woche in einem speziell gepanzerten und von 28 Reitern eskortierten Wagen quer durch die Gegend transportiert wird, abjagen und anschließend seine Farm zurückerobern. Dafür trommelt er einen kleinen Trupp Spezialisten zusammen: den Revolverhelden und Panzerknacker Lomax (Kirk Douglas), den Sprengstoffexperten Billy Hyatt (Robert Walker Jr.), den Indianer Levi Laufender Bär (Howard Keel) und den alten Wes Fletcher (Keenan Wynn), der für Pierce arbeitet. Weil aber Lomax ein Perfektionist und Realist ist, Billy dagegen ein Säufer und Wes ein falscher Hund, kommt es unter den Gefährten ziemlich schnell zu Reibereien. Aber Jackson gelingt es immer irgendwie zu schlichten und so wird der Plan mit Hilfe eines Indianerstammes, den Pierce vertreiben will, durchgeführt. Und obwohl Pierce mit seinem just auf seinem „Kriegswagen“ montierten Maschinengewehr gute Gegenwehr leisten kann, wird ihm das Gold schlussendlich abgenommen, wobei er selbst umkommt. Jetzt allerdings rebellieren die Indianer und wollen für ihren Einsatz wesentlich mehr Entlohnung haben als ausgemacht und geliefert. Bei dem Versuch ihnen das Edelmetall wieder abzunehmen, stirbt Wes und kippt der Wagen mit dem als Mehl getarnten Goldstaub um und genau vor die Füße der Ureinwohner, die das für reines Mehl und ein Geschenk des Himmels halten. So bleibt den übrigen Gewaltigen nur noch der Teil des Goldes, den Wes für sich alleine abzweigen wollte und daher gesondert versteckt hatte. Den will man in sechs Monaten dann auch teilen und ausgeben.

Worte zum Film

an sich banale Action-Western-Story perfekt umgesetzt – rasant, bleihaltig, kurzweilig, charmant; grandiose Hauptdarsteller, gute Nebendarsteller, tolle Landschaften und Bilder; Burt Kennedys bester Film

Bewertung

Zum Film:

„Ich habe schon viele Western gemacht, aber noch keinen wie „The War Wagon“.“ So oder so ähnlich lässt John Wayne es im Trailer zu „Die Gewaltigen“ verlauten. Und wenn man sich mal des Dukes Rolle hier anguckt, stimmt das meiner Meinung nach sogar, denn die ist wirklich nicht unbedingt typisch für ihn. Aber dazu später mehr. Guckt man sich dagegen nur den Film an sich an, muss man sagen, dass in dieser Aussage nicht viel Wahres drinsteckt. Denn „The War Wagon“ ist ein Duke-Western wie die meisten anderen auch, die er nach „The Searchers“ gemacht hat. Bildgewaltig, darstellergewaltig, urgewaltig, mit einer nicht sonderlich neuen Geschichte und nicht besonders innovativ, dafür aber sehr unterhaltsam, charmant, lustig und kurzweilig. Ebenso ist er ähnlich anderen Wayne-Vertretern dieser Tage für seine Entstehungszeit eigentlich zu klassisch. Im selben Jahr wie die schon eindeutig vom Italowestern beeinflussten „Waterhole #3“ und „Hour Of The Gun“ gedreht, möchte er das Rad einfach nicht neu erfinden, sondern es genügt ihm auf die bekannt-bewährten Rezepte setzend einen lehrbuchmäßigen Western der alten Schule auf die Leinwand zu bringen. Dass dieser bedeutend besser als die ziemlich unausgegoren mit den damals noch neuen Stilmitteln experimentierenden anderen beiden Streifen geworden ist, verwundert mich dabei nur wenig. Schließlich waren die Amerikaner nach den Neuerungen der Italiener erst einmal dazu gezwungen, überhaupt erst wieder einen gemeinsamen neuen Stil zu finden und ihre Konsequenz aus all dem, ihr Neo-Western, ist jetzt auch nicht unbedingt mein Favorit. Ich hätte mir damals im Kino sicher auch lieber so eine Pferdeoper wie „Die Gewaltigen“ angeguckt als „Die fünf Geächteten“. So ein Festhalten an „veralteten“ Werten tut nämlich gar nicht weh, wenn man die richtigen Leute für eine fesselnde Umsetzung an Bord hat. Und die hatte man hier sicher.

Klar, die Story, die Clair Huffaker nach seinem eigenen Buch „Badman“ in ein Drehbuch umschrieb (und ja, ich habe lange überlegt, ob ich an dieser Stelle einen Kalauer ob der Lautähnlichkeit dieses Titels mit einer sehr bekannten Comic-Figur loslasse, mich dann aber doch dagegen entschieden – ich will ja auch mal seriös wirken), ist jetzt wie gesagt nicht unbedingt die innovativste (was stellenweise noch milde ausgedrückt ist) und das absolute Gegenteil von komplex (um ehrlich zu sein, könnte man sie theoretisch in einem Satz zusammenfassen) – aber sie erfüllt absolut ihren Zweck. So macht sie keine Gefangenen und erklärt uns sofort in der ersten Szene die Situation von John Waynes Protagonist Taw Jackson und ebenso, was dieser nun vorhat. Und auch die Gegenseite kommt in Person von Bruce Cabots Bösewicht Pierce sogleich danach zu Wort und darf ebenfalls direkt mal ihren Standpunkt klarmachen. Auf diese Weise ist man von Anfang an mitten in der Story drin und muss sich von deren Tempo mitreißen lassen. Und auch wenn der Film die erste halbe bis vielleicht sogar Dreiviertelstunde einzig damit verbringt seine Charaktere einzuführen und vorzustellen: Er tut dies stets auf genau diese charmante Art und Weise und lässt es sich dabei nicht anmerken, dass man diese Szenen an sich auch hätte weglassen beziehungsweise kürzen können. Ganz im Gegenteil präsentiert er zum Beispiel die Befreiungsaktion von Levi Walking Bear derart unterhaltsam und kurzweilig, dass man einfach gar nicht weiter darüber nachdenkt, sondern sich einfach mitnehmen lässt.

Und das sollte man auch tun, denn zu viele nachfragende Gedanken wären dem Filmerlebnis in diesem Fall abträglich, würde ich meinen. Mit der Authentizität hält es dieser Streifen nämlich nicht so. (Spoiler) Da ist zum Beispiel der Goldtransport an sich, der einem reichlich unnütz vorkommt. Man weiß gar nicht genau, von wo das Gold jetzt wohin gebracht werden soll. Man sollte ja meinen, von der Mine in die Stadt, aber wenn dem so wäre, wieso fahren Cabot und seine Jungs dann von der Stadt aus los? Laden sie das Edelmetall vielleicht irgendwo auf? Und wieso greift da eigentlich sonst so überhaupt keiner in diese umständliche Kutschfahrt ein? Hmm, keine Ahnung. Und wie konnte Pierce überhaupt an Jacksons gesamten Besitz kommen? Die Umstände, die diesen in Gefängnis brachten, werden hier gleich zu Beginn in einem Satz erwähnt (danach nie wieder) und wirken nicht recht glaubhaft. Ebenso die Tatsache, dass Robert Walker Juniors Billy Hyatt ein Trinker sein soll. Ist in der einen Szene stinkbesoffen und plaudert fast die Namen der Beteiligten aus, lässt sich in der nächsten dann von Jackson den Marsch blasen, reißt sich daraufhin sofort zusammen und arbeitet bei seinen Sprengstoffgeschichten danach ohne Entzugserscheinungen und mit so viel Fingerspitzengefühl, wie ich es nüchtern nicht mal habe. Und dass und auf welche Weise man hier dann auch noch die Indianer mit eingebaut hat, ist wirklich sehr, sehr seltsam und kein bisschen realistisch. (Spoilerende) Also nein, mit Denken und schon gar nicht mit Nachdenken sollte hier keiner kommen.

Aber darum geht’s ja auch gar nicht. Schließlich will auch „The War Wagon“ nur eins: unterhalten. Und dafür reicht das Bisschen an rudimentärer Story, das wir hier vorfinden, einfach auch vollkommen aus. Gerade wenn es auf diese Weise aufgehübscht und an die Gegebenheiten von 1967 angepasst wird. Denn irgendwo ist auch dieser Streifen ein Kind seiner Zeit. Soll heißen, er beschert uns hier eine wirklich bunte Mischung, denn ein bisschen Exotik, in diesem Fall wie so oft ein wenig Fernost, ein paar schräge Typen und ein paar Indianer in ebenso schräger Rolle dürfen auch nicht fehlen. Und dann muss auf den titelgebenden „Kriegswagen“ natürlich auch noch eine Gatling Gun aufgepflanzt werden. Dann hat „Die Gewaltigen“ mit den seinerzeit in Europa vornehmlich gedrehten Brüdern immerhin eins gemein: seine comicartige Inszenierung. Und ganz ehrlich, vor diesem Hintergrund scheiß ich doch (wie bei den italienischen Vertretern dieser Zeit eben auch) auf den Realitäts-Gehalt so einer Story, wenn’s nebenbei noch ordentlich bumst und knallt und es ab und an auch mal was auf die Fresse gibt. Und damit versorgt einen „The War Wagon“ wirklich vorzüglich. Geballert wird reichlich, quasi bei jeder sich bietenden Gelegenheit (schließlich gibt’s für Douglas Charakter Lomax ja auch 500 Dollar pro Schuss), die Dialoge können sich hören lassen und eine große Saloon-Keilerei ähnlich der in „Dogde City“ (nur besser) haben wir hier auch noch. Na und der Showdown hat’s erwartungsgemäß in sich.

Ja, es ist tatsächlich erstaunlich, wie man dieses eigentliche Nichts an Geschichte so weit und auf hundert Minuten aufblähen kann und wie es mit den richtigen Inszenierung und den richtigen Darstellern trotzdem so unfassbar viel Spaß machen kann. Und was dabei wirklich erstaunlich ist: Genre-Veteran Burt Kennedy, von dem wir bis zu diesem Streifen eigentlich Schlechteres gewohnt waren, hat das alles auch wirklich vorzüglich umgesetzt. Ganz wie ein Großer – wie ein ganz Großer! Die Prügelei zum Beispiel ist gut choreographiert und ähnlich lustig wie die aus einem unserer geliebten Spencer-Hill-Vehikel (und die gab’s zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht! (natürlich ist das am Ende auch kein Vergleich mit Barbonis späteren Variationen, aber das ist auch was anderes)). Ebenso macht der finale Überfall auf den Goldtransport richtig Laune (wenn man drehbuchtechnisch auch an dieser Stelle noch einmal anmerken sollte, dass man beim Ab- und Verlauf des Coups an sich auch wieder keine lästigen Fragen stellen sollte, sonst knallt das natürlich nicht halb so doll – aber wir waren ja eben auch bei der Regie, nich?). Das ist alles so flott und spaßig umgesetzt – so gut war der alte Burt nie wieder (und er hat danach ja durchaus noch ein, zwei nette Sachen gemacht). Und vor allem sahen seine Streifen selten so nach Edelwestern aus wie „Die Gewaltigen“. Auf diesen Look stehe ich ja; der rundet das Ganze am Ende perfekt ab. Wobei man in dieser Hinsicht davon ausgehen darf, dass einen Löwenanteil daran Kamera-Spezialist William H. Clothier gehabt haben dürfte, der ja bei etlichen großen John-Wayne-Pferdeopern hinter der Kamera stand. Die Farben sind super, die Landschaften wunderschön und die dabei herausgekommenen Aufnahmen einfach herrlich. Da möchte man sich einzelne Frames herauspicken und an die Wand hängen. Exzellent! „The War Wagon“ stellt damit definitiv Kennedys Übergang vom kleinen zum großen Sujet-Spezialisten und darüber hinaus vom durchschnittlichen zum sicherlich nicht ganz perfekten, aber immer wieder gern gesehenen Genre-Regisseur dar.

Für John Wayne allerdings ist dieser Film wie gesagt eine doch eher ungewöhnliche Angelegenheit. Wir deutschen Fans werden ja als erstes davon in unserem prä-filmischen Enthusiasmus gebremst, dass der Duke hier nicht eine seiner Standardstimmen hat (also Engelmann oder Marquis (und zu diesem Zeitpunkt eher Marquis)), sondern von Hans W. Hamacher synchronisiert wurde (was dieser hiervor einzig und allein in „Donovan’s Reef“ und danach auch nie wieder tun sollte). Und der macht seine Sache an sich auch gar nicht schlecht, aber er „gehört“ eben eigentlich nicht zu Wayne und von daher hat es bei mir ewig gedauert, mich daran zu gewöhnen. Mittlerweile geht’s, aber ich höre eben doch lieber Marquis zu. Getoppt wird das Ganze dann allerdings noch davon, dass der „König der Synchronsprecher“ hier trotzdem zur Verfügung stand und sogar eine Sprechrolle abbekam – allerdings die von Kirk Douglas! Und das ist schon echt eine Sache, die so niemand erwarten konnte und die mir auch nicht so richtig in den Kopf will. Schaut man dann allerdings den Streifen zu Ende, stellt man verwundert fest: Vielleicht war diese Synchron-Besetzungsentscheidung gar nicht mal so verkehrt. Weil dieser Taw Jackson eben keine wirkliche John-Wayne-Standardfigur ist (denn die gibt es). Über den darf man sich das eine oder andere Mal schon wirklich wundern. So zum Beispiel über die Wahl seiner Gefolgsleute. Normalerweise ist Waynes Charakter derjenige, der von seinen Mitstreitern nicht einen Ausfall erduldet sowie höchste Disziplin verlangt und der Co-Star derjenige, der über sowas auch schon mal hinwegsieht und dann an Waynes Gefühl oder Gewissen oder was auch immer appelliert (des Dukes Kriegsfilme sind nicht selten Paradebeispiele dafür). Hier aber verhält es sich genau andersherum und Taw Jackson ist der teilweise etwas blauäugig wirkende Typ und Douglas‘ Lomax derjenige, der ihm aufzeigt, was seine Leute falsch machen und dass sie damit die Aktion gefährden. Sicherlich stapft der Duke dann auch sofort los und redet ein Machtwort, aber so richtig „vertraut“ kommt einem das nicht vor. Das ist nicht der John Wayne, den wir normalerweise kennen. Und das jetzt bitte nicht falsch verstehen! Es ist dies ja tatsächlich mal eine leichte Abwandlung in der langen Liste, der sich doch sehr ähnelnden Figuren, die der Duke im Laufe seiner Karriere gemimt hat und von daher auch eine willkommene Abwechslung, aber man hat mitunter das Gefühl, dass diese andere Herangehensweise ihm selbst evtl. nicht so sehr gefiel, denn das färbt auf seine darstellerische Leistung hier ab. Er ist nicht so stark wie sonst. Sicherlich immer noch eine Bank (denn das hier soll bitte als das verstanden werden, was es ist: Kritik auf allerhöchstem Niveau), aber tatsächlich mal mit ein, zwei Abstrichen. Und vor allem verliert er dadurch in Sachen Zuschauer-Sympathien hier ja ganz klar und wahrscheinlich das einzige Mal in seiner Karriere gegen seinen Co-Star, sprich in diesem Fall gegen Kirk Douglas. Genau das lässt mich auch wundern, warum er diesen Part überhaupt an diesen „abgegeben“ hat. Das lässt sich schließlich auch nicht damit erklären, dass es sich dabei um eine echte Jungspundrolle handelt, denn Douglas war ja zum Zeitpunkt des Drehs auch bereits 50 Jahre alt war. Das allerdings sieht man ihm in keiner Szene an. Jedes einzelne Mal findet er einen neuen Weg auf sein Pferd zu hüpfen, er bezirzt die Mädels wie kein zweiter hier (und hat diesbezüglich eine herrlich frauenfeindliche Szene) und ist so cool, wie wir ihn lieben (der kann sogar mit Colt und Schnur telegrafieren!). Es ist nur ein wenig seltsam wie seine Figur Lomax Geldschränke knackt. Dreht so’n bisschen am Rad da rum und schon springt die Kiste auf. Sehr seltsam. Egon Olsen wäre wahrscheinlich fürchterlich beleidigt, könnte er das sehen. Aber da sind wir wieder beim Thema comicartige Inszenierung. Von daher kann der Streifen sich das erlauben und solch ein klasse Schauspieler wie Kirk Douglas sowieso. Er war eben ein echtes Ass, ein echter Ausnahme-Könner, der hier Wayne die Schau stiehlt und wenn man es genau nimmt, die heimliche Hauptrolle spielt. Ist wie gesagt ein wenig seltsam, aber so macht wenigstens die Besetzung von Arnold Marquis für diesen Lomax Sinn.

Neben diesen beiden Recken in diesem Cast überhaupt noch zur Geltung zu kommen, ist da natürlich super schwierig, weswegen man nur froh sein darf, dass man einen Veteranen wie Bruce Cabot für die Rolle des Bösen gewinnen konnte. Sicherlich ist sein Auftritt hier nicht sonderlich denkwürdig, aber er macht seine Sache gut und man wünscht seiner Figur den Tod. Das passt doch. Die weiteren „Gewaltigen“, namentlich also Robert Walker Jr., Howard Keel und Keenan Wynn, waren ja trotz ihrer mitunter überwältigend umfassenden Filmografien doch eher Schauspieler aus der zweiten Reihe, was man ihnen hier allerdings nur sehr bedingt anmerkt. Sie liefern nämlich alle wirklich vernünftige Leistungen ab. Da sticht keiner sonderlich hervor oder fällt sonderlich ab, das ist alles im grünen Rahmen und so, wie wir das haben wollen. Und von den ganz spärlich gesäten Frauen hier brauchen wir aus genau diesem Grunde gar nicht anzufangen.

Und ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob ich das richtig rübergebracht habe, da ich mal wieder versucht habe, so objektiv wie möglich, alle Eigenarten dieses Films (und so auch jene, die man ihm negativ auslegen könnte, wenn man damit ein Problem haben sollte) darzustellen und somit betonen musste und es jetzt auch noch einmal betonen möchte, dass es sich bei „The War Wagon“ um einen reinen Action-Western handelt, aber bevor das jetzt falsch ankommt, will ich abschließend ebenso noch einmal unterstreichen, wie sehr ich genau diese Kategorie Pferdeopern liebe, wenn ihre Vertreter denn gut gemacht sind. Klar, wenn ein solch recht handlungsarmer Versuch nach hinten losgeht, gibt es nicht mehr viel, was den Streifen retten kann, aber wenn man die Sache richtig anpackt, kann dabei auch ein wahrer Klassiker herauskommen. Und nichts anderes ist „Die Gewaltigen“ geworden. Ein Streifen, den ich über die Maßen unterhaltsam und immer unterhaltsamer finde und dem ich daher mittlerweile nichts anderes mehr als fünf Sterne geben kann (denn auch er ist eines dieser Werke, die mit jedem Mal Schauen besser werden). Denn trotz seiner etwas gewöhnungsbedürftigen Synchronstimme (und vielleicht eben auch Rolle) bleibt John Wayne immer noch der Duke und trotz der seichten, damals modernen Einflüsse überall bleibt dieser Film immer noch ein klassischer Western wie aus dem Lehrbuch. Und er bietet diesbezüglich wirklich alles! Großartige Schauspieler (allen voran wie gesagt Kirk Douglas), eine gute, gerade ausreichende Story, wunderschöne Landschaften, saftige Action, schöne Dialoge, sogar ein paar Indianer und das alles im echten, unverkennbaren Edelwestern-Look. Damit ist und bleibt er ein urklassisches Vehikel aus sich ändernden Zeiten. Eben doch ein typischer „John Wayne“ und mit Sicherheit Kennedys bester Western (und da man ihn meiner Meinung nach durchaus auf seine Pferdeopern reduzieren kann, ist diese Aussage gleichbedeutend mit seinem besten Film überhaupt)! Quasi, wie sag ich immer so schön, genau das, was man erwartet, wenn man einen Western in den Player schmeißt, dessen Hauptdarsteller der Duke ist und im weiteren Sinne auch genau das, was man erwartet, wenn man sich eine Pferdeoper mit Herstellungsland USA in das Abspielgerät legt. Das ist halt so und daran wird sich auch nichts mehr ändern; da können auch die paar guten Neo-Western nichts gegen machen. Ich bleib lieber bei dieser Art Film und „The War Wagon“ ist eben ein absolutes Paradebeispiel dafür. Meine klarste Empfehlung!

Übrigens: Ich bin ja nicht der größte Freund von Dimitri Tiomkin, aber hiermit, mit seinem tatsächlich vorletzten Score, hat er noch einmal eine wirklich sehr hörbare Musik abgeliefert. Vor allem sein cooler Titelsong beeindruckt. Das passte aber irgendwie nicht mehr in die obige Bewertung mit rein. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass ich meine, dass die Stadt aus diesem Film mindestens einmal später in der Karriere des Dukes, nämlich bei „Chisum“, erneut Verwendung fand. Das sieht so gleich aus, das kann eigentlich kein Zufall sein – auch wenn man hier das Gefühl hat, dass diese aus mehr als nur einem Straßenzug besteht, denn das scheint sie gefühlt in Andrew McLaglens drei Jahre später gedrehtem Streifen zu tun.

Zur DVD:

Die DVD hierzu gibt’s ja auch schon seit ewigen Zeiten. Ich hab sie mir zusammen mit „Reap The Wild Wind“ und „Rooster Cogburn“ in der John Wayne Collection von Universal gekauft und bereue das sicherlich nicht. Ist ein Top-Preis (10 Euro kostete das Ding seinerzeit normalerweise und wenn es das heute noch im Handel geben sollte, ist der Preis ja vielleicht sogar noch ein wenig gesunken) für diese Scheibe, die mit super Bild- und Ton-Qualität aufwartet und als Bonus sogar noch den Trailer an Bord hat (ist ja heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich, s. u.). Was will man mehr? (Einzig die Menümusik nervt ziemlich, weil sie nicht aus dem Film stammt – eine Unart, die Sony zum Beispiel auch öfter mal macht, aber von Universal war’s mir neu.) Aber egal woher ihr den Film holt, ob einzeln oder in der Collection: Holt ihn euch auf jeden Fall!

Zur BD:

Mein BD-Upgrade zu „The War Wagon“, das ich mir letztes Jahr gegönnt habe, weil es für fünf Euro zu haben war, unterscheidet sich von der DVD-Version nur minimal. Die Bildqualität ist hier natürlich nochmal merklich besser, der Sound stimmt weiterhin. Allerdings muss ich neben dem absolut hässlichen Menü (so eines, was nur solche Auswahlbutton beinhaltet und nicht mehr (keine Schrift oder ähnliches); ich dachte eigentlich, so was würde man im Zeitalter der BDs überhaupt nicht mehr einsetzen, aber da man mittlerweile ja auch Scheiben kennt, die überhaupt kein Menü mehr haben, muss man darüber ja fast noch froh sein – es bleibt allerdings eine Zumutung) auch noch bemängeln, dass man das Bonusmaterial, sprich den Trailer, entfernt hat. Das kann ich absolut nicht verstehen, aber es scheint ja mittlerweile so Sitte zu werden (s. die letzten BD-Bewertungen zu Filmen des Dukes). Schade, dass auch Universal da mitmacht. Gegen den Streifen als solchen und ein BD-Update desselben gibt es grundsätzlich aber natürlich nichts zu einzuwenden.

Zitate

„Dann müsst ihr Lomax finden. Ich möchte, dass er Taw Jackson umlegt. Ich werde ihm dafür bezahlen, so viel er will.“ – „So viel er will, Sir?“ – „Ich zahle ihm 10.000 Dollar.“ – „Wir zwei würden für die Kleinigkeit jeder nur nen Tausender verlangen…“ – „Das wäre rausgeschmissenes Geld.“(Pierce kennt den Markt für Auftragskiller genau)

„Ich sag Ihnen mal was! Macht Menschen liebenswert und erträglich: Der Humor.“(Taw Jackson legt Lomax bei seiner Anwerbung gleich mal sein Anforderungsprofil für Goldtransporträuber dar)

„Bin ich froh, dass Sie nicht tot sind – sie haben ja Humor!“(Lomax macht Taw Jackson nach der Anhörung von dessen waghalsigem Plan klar, dass er ähnliche Maßstäbe an seine Partner anlegt)

[Lomax platzt in Taw Jacksons Zimmer, als der gerade beim Rasieren ist] „Sieht hübsch aus – tragen sie immer die Waffe über der Unterhose?“ – „Ja, das ist das Neueste.“(Taw Jackson gibt gegenüber Lomax zu, sich auch in der Modebranche sehr gut auszukennen)

[Taw Jackson und Lomax erledigen in Gemeinschaftsarbeit zwei von Pierces Leuten, die es auf den Ex-Rancher abgesehen hatten] „Meiner lag zuerst unten.“ – „Dafür war meiner länger.“(Taw Jackson und Lomax ermitteln auf sehr erwachsene Art und Weise, wer der schnellere Schütze ist)

„Sie müssen den Frauen oft geistig kommen.“(Lomax gibt Jackson einen Tipp, nachdem er gerade einer Mexikanerin eine Information entlockt hat, indem er ihre innersten Geister angesprochen hat)

[Jackson entwaffnet einen von Pierce Männern, weil dessen Pistole früher ihm gehört hat und er sich auf diese Weise sein Eigentum zurückholt] „Die Kugeln gehören selbstverständlich ihm. Er kann sie sich abholen; ich geb sie ihm wieder. Einzeln, in die Rippen!“(Taw Jackson kennt den Unterschied zwischen mein und dein)

„Einem Trinker traut man nicht.“(Lomax zitiert eine schon hundert Mal gehörte Weisheit, die aber eben wahr bleibt)

„Beleidigt ist nur, wer sich beleidigt fühlen will.“(Lomax ist nebenberuflich auch Seelenklempner)

„Dürfen Sie denn mit niemand sprechen?“ – „Mit niemand!“ – „Dann dürfen Sie mit mir reden. Ich bin niemand…“(Billy Hyatt wird, wenn es um Wes Fletschers schöne Frau Kate (Valora Noland) geht, mit einem Male zum Wortakrobaten)

[nachdem die Indianer den mit Mehl vermischten Goldstaub für ein Geschenk der Götter halten und ihn nicht mehr hergeben wollen, macht Jackson Lomax auch noch darauf aufmerksam, dass sie ihn mit dem Mehl zu Brot machen werden] „Da wird mein ganzer Anteil im Ofen goldgelb verbacken!“(Lomax wird vor dem Hintergrund dieser Katastrophe mit einem Male ebenfalls zum Wortakrobaten)

[somit stellt sich die Frage, was Lomax angesichts des denkbar schlechtesten Ausgangs der gesamten Aktion nun tun wird] „Ich werd‘ doch nicht zu den Indianern ziehen und ne Bäckerei aufmachen!“(Lomax beweist vor dem Hintergrund dieser Katastrophe aber ebenfalls, dass er den von Jackson und ihm selbst so hochgelobten Humor nicht verloren hat)

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