Der Mann aus Laramie

The Man From Laramie

★★★ +

  • Jahr: 1955
  • Regie: Anthony Mann
  • Darsteller: James Stewart, Arthur Kennedy, Donald Crisp, Cathy O’Donnell, Alex Nicol, Aline MacMahon, Wallace Ford, Jack Elam...

Story

Auf der Suche nach dem Mann, der den Apachen Repetiergewehre verkaufte, mit deren Hilfe diese dann eine Kavallerieeinheit erschossen, zu der unglücklicherweise sein kleiner Bruder gehörte, macht sich Captain Will Lockhart (James Stewart) von Laramie auf in das beschauliche Städtchen Coronado, in dem der betagte Großrancher Alec Waggoman (Donald Crisp) das Sagen hat. Da er sich aber weder von diesem noch von dessen Sohn Dave (Alex Nicol) noch von dessen Vorarbeiter Vic Hansbro (Arthur Kennedy) etwas gefallen lässt, versucht der Alte bald, ihn anzustellen. Stattdessen heuert Will allerdings bei dessen letzter Konkurrentin Kate Canaday (Aline MacMahon) an. Hier findet er heraus, dass Vic und Dave hinter Alecs Rücken eine Wagenladung Gewehre gekauft haben, die sie nach und nach an die Indianer verkaufen wollen. Als der Ranchersohn plötzlich alle Waffen auf einmal abstoßen will, erschießt Hansbro ihn und als dessen Vater daraufhin Nachforschungen anstellt, schmeißt er diesen einen Abhang hinunter. Waggoman überlebt schwer verletzt und Lockhart, von diesem mit den letzten Einzelheiten des Puzzles versorgt, die ihm noch fehlten, reitet dem flüchtenden Vorarbeiter nach, um ihn zu stellen. Letztendlich zerstört er mit diesem zusammen die restlichen Gewehre und lässt daraufhin die wütenden Apachen seine Rache vollführen. Statt sich nun um Vics einsame Verlobte Barbara Waggoman (Cathy O’Donnell) zu kümmern, reitet er lieber wieder zurück nach Laramie und bietet ihr an, ihn dort mal zu besuchen.

Worte zum Film

solide Darsteller und eine ebensolche Regie; Story viel zu verkopft, aufgeblasen, unnötig umständlich und stellenweise wirklich lahm bzw. hanebüchen; der Western-Wendepunkt in Anthony Manns Karriere

Bewertung

Zum Film:

„The Man From Laramie“ markiert einen entscheidenden Wendepunkt zumindest in der Western-Filmografie Anthony Manns (darüber hinaus kann ich es nicht hundertprozentig einschätzen). Damit hatte ich im Rahmen der fünf berühmten Pferdeopern, die er zusammen mit James Stewart drehte, tatsächlich gar nicht mehr gerechnet – schließlich war eine Neuausrichtung derselben nicht der Grund ihrer kurz darauf folgenden Trennung. Und vielleicht ist Neuausrichtung auch das passendere, weil weitaus weniger heftig klingende Wort als Wendepunkt (wieder Andere würden vielleicht behaupten, er hätte hiermit seinen endgültigen Stil gefunden), aber für mich trifft es Letzteres deswegen besser, weil seine Stiländerungen bzw. zumindest -anpassungen nicht nur die Ausgestaltung seiner Western beeinflussten, sondern leider ebenso deren Qualität. Deswegen sind diese auch der Grund dafür, warum ich mich mit meiner Aussage im „Bend Of The River“-Review, einen „schlechteren“ Vertreter als diesen könnten Mann und Stewart zusammen überhaupt nicht abliefern, doch noch getäuscht habe. Denn hier ist er…

Was also ist so anders an „Der Mann aus Laramie“ als an seinen vier Vorgängern? Nun, einen gewaltigen Teil der Antwort schleudert uns der Starregisseur in seiner allerersten Szene direkt ins Gesicht: Er, der er aus meiner Sicht für einen großen Könner der Pferdeoper trotz imposanter Landschaften im Hintergrund gefühlt immer relativ dicht und stellenweise sogar eng inszeniert hat, geht mit einem Male – leinwandtechnisch gesehen jetzt – in die Breite und liefert prächtig ausgefüllte und wirklich weit zu nennende Totalen und Landschaftsbilder. Ich kann und will nicht behaupten, dass ich das immer sofort erkennen würde (wahrscheinlich würde ich bei einem Test sogar kläglich versagen), aber in diesem Fall habe ich sofort gedacht „das müssen CinemaScope-Aufnahmen sein“. Und genau so ist es. Tatsächlich stellt „The Man From Laramie“ Manns diesbezügliches „Debüt“ dar. Dies sorgt natürlich gleich für einen ganz anderen Look, wenngleich es auch nichts damit zu tun hat, dass dieser Beitrag qualitativ so weit von seinen Vorgängern abfällt. Schließlich bleibt ein Könner ein Könner und weiß der gute, alte Anthony daher den neu gewonnenen Raum hervorragend auszufüllen. Ganz im Gegenteil tragen solch breite Panoramen ja eher zum Gelingen eines Western bei. Und – um das gleich vorwegzunehmen – auch ansonsten kann man sich auf seine inszenatorischen Stärken mal wieder verlassen. Die – erneut – nur spärlich gesäte Action verfehlt ihre Wirkung nicht ((Spoiler) sehen wir einmal von der wirklich unglücklich gestalteten Szene ab, in der Stewarts Figur die Hand zerschossen wird: so, wie der Typ, der ihn da festhält, steht, müsste er in echt selbst noch von er durchschlagenden Kugel getroffen werden (Spoilerende)), die Ästhetik und in diesem Fall sogar die Selbstreferenzen stimmen, wenn beispielsweise Stewart dieses Mal fast mit blitzendem Messer erstochen wird, und seine Darsteller gehorchen ihm wie eh und je.

Nein, so gesehen hat sich gar nicht so viel geändert. Und vielleicht ist es auch bloß ein Zufall, dass sich just bei diesem Film auch seine Art Geschichten zu erzählen nochmal, ich nenne es mal, verschärft hat, aber ich würde mich nicht wundern, wenn mit dem „groß denken“ auf der Leinwand in Mann auch ein anderer Anspruch an sein Drehbuch einhergegangen sein sollte. Denn rein von der Story her betrachtet will „Der Mann aus Laramie“ mehr sein als er ist und viel mehr als ihm guttut. Und natürlich ist Manns tatsächlicher Anteil an der letztendlichen Auslegung der Geschichte für mich nach bloßem Ansehen (und ohne Bonusmaterial) zu einem großen Teil Spekulation, aber Fakt ist, dass von den beiden Drehbuchautoren Philip Yordan und Frank Burt zumindest der Erstgenannte auch ein paar sehr brauchbare Beiträge in seiner Vita zu stehen hat. Dafür allerdings sollte er hiernach zu einer Art Stammschreiber von Mann werden; von daher hat es vielleicht auch einfach gut gepasst. Wie dem auch sei, das aufgeblasene Möchtegern-Epos um die Rancherfamilie Waggoman, das die drei nach der Saturday-Evening-Post-Geschichte von Thomas T. Flynn schufen, kann in einem sehr großen Ausnahmefall vielleicht mal zu einem Western passen – in der Regel und so wie hier allerdings nicht.

Das geht schon allein damit los, dass man dessen gesamten Ablauf, wollte man ihn zusammenfassend zu Papier bringen, wohl kaum auf eine DIN-A4-Seite kriegen würde, wollte man alle Irrungen und Wendungen berücksichtigen. Mögen diese für sich genommen auf die Dauer und gerade in ihrer Vielzahl schon nervig genug sein, störte mich an ihnen jedoch vor allem die Tatsache, dass sie am Ende zu überhaupt nichts führen. (Spoiler) James Stewarts Protagonist Will Lockhart kommt eigentlich nach Coronado (wo die Waggomans hausen), um den Mörder seines kleinen Bruders zu suchen (ich setze selbst das bewusst schon in den Spoiler, da selbst das zu Anfang noch ein Geheimnis ist und man erst eine Weile zappeln gelassen wird, bevor man es erfahren darf). Klingt nach einer guten Idee? Sogar mal wieder nach einem Kriminal-Western ähnlich „The Last Of The Fast Guns“? Jap, klingt so, ist es aber nicht. Lockharts „Suche“ nach dem Übeltäter gerät, sogleich wir davon erfahren haben, wieder vollkommen in Vergessenheit. Und wie es scheint nicht nur beim Zuschauer. Will selbst ist zuerst einmal, mal mehr, mal weniger freiwillig, nur mit den Waggomans beschäftigt. Ich mein, das sind aber auch, ähm, interessante Familienverhältnisse da… Mit Dave (Alex Nicol), einem Einfaltspinsel, der einmal die riesige Ranch erben soll, streitet er sich (wegen eines Salztransports – das haben wir in einem Western ja auch nicht so oft), mit Witwer Alec (Donald Crisp), der als Familienoberhaupt noch das Sagen hat, einigt er sich und der schönen Barbara (Cathy O‘Donnell), die mit dem ganzen Firlefanz eigentlich schon abgeschlossen hat, sich das aber noch nicht ganz eingestehen kann oder will, macht er ebensolche Augen. Ach ja, und mit Vormann Vic Hansbro (Arthur Kennedy), der sich für Alec wie ein zweiter Sohn sein halbes Leben lang den Arsch aufgerissen hat und nun so langsam seinen verdienten Lohn dafür einfordert, prügelt er sich inmitten einer Rinderschar – wer soll da noch an den toten Bruder denken können?

Tatsächlich ist dieser Bruder eine Art MacGuffin: Zwar wird sein Schicksal am Ende doch noch aufgelöst, aber dieses ist so dermaßen banal und daher für die Handlung eigentlich unwichtig, dass man bei Auflösung desselben einen Schreikrampf kriegen könnte (aber dazu gleich mehr)… In Wahrheit geht es nämlich die ganze Zeit nur um die verrückten Machenschaften der Waggomans, über die Lockhart zu einem späteren Zeitpunkt sagen soll: „Ich kann mir nicht helfen, aber diese Waggomans sind eine komische Familie.“. Und ich kann nur sagen: Recht hat er! Dass er seine Suche überhaupt zu einem Abschluss bringen kann, hat er einzig und allein dem Zufall zu verdanken. Denn zuerst bietet sich ihm sein ehemaliger Treckführer Charley O’Leary (Wallace Ford), der laut eigener Aussage mit Will während der ganzen Fahrt von Laramie nach Coronado gerade mal zehn Wörter gesprochen haben will, einfach mal so aus einer Laune heraus als Gehilfe bei eben jener an und dann ist es, weil Will selbst ja wie gesagt nur von einem Schlamassel in den anderen stolpert und überhaupt nicht vorankommt, eben dieser, der ihm zweimal aus dem Nichts heraus wichtige Informationen zukommen lässt, ohne die er überhaupt nicht weiterzumachen brauchte. Und danach verschwindet der Typ einfach von der Bildfläche und ward nicht mehr gesehen. Wie unwahrscheinlich ist das denn? Also man kann es sich auch zu einfach machen. Das gleiche Prinzip wendet man übrigens auch auf Jack Elams Chris Boldt an. Wer den da kurz nach seinem mehr als halbherzigen Attentat auf Will Lockhart nun eigentlich umgebracht hat, wird nicht mehr aufgelöst und soll uns Zuschauer auch wohl besser nicht interessieren. Hauptsache der Angeklagte Will nimmt endlich mal die Stellung als Vorarbeiter auf der kleinen Ranch der resoluten Kate Canaday (Aline MacMahon) an, die er vorher vehement abgelehnt hat. Das ist ebenso zu einfach (und dauert ganz nebenbei bemerkt auch noch viel zu lange, bis das endlich mal geschieht).

Aber so funktioniert „The Man From Laramie“ eben: Alles wird einfach nur angerissen. Wills Anklage wird so nur angerissen, seine Suche wie gesagt ebenso, die Thematik mit den Apachen, die aufgrund der ihnen verkauften Gewehre angeblich ach so gefährlich sind, wird nur angerissen (bis auf ein paar Vereinzelte zum Schluss lassen die sich nie blicken oder spielen auch mal Zufall), die (Fast-)Blindheit Alec Waggomans wird nur angerissen (da kommt eine coole Szene bei raus, in der er auf Lockhart zureitet, ohne ihn richtig sehen zu können, aber ansonsten hat das keinerlei Bewandtnis), sein Traum vom großen Mann und der damit einhergehende Mystery-Charakter werden nur angerissen (das Ganze hat letztendlich ebenfalls keinerlei Bewandtnis und wird wie so vieles nicht wieder aufgegriffen), die Sache mit Wills zerschossener Hand wird nur angerissen (die braucht er – im Gegensatz zu Django etwa – im finalen „Duell“ nämlich quasi gar nicht) usw. usw. Es werden einfach immer mehr bedeutungsbeladene Bilder in den Topf geschmissen, aber es wird weiter nur gerührt und nicht gewürzt. So richtig was passiert eigentlich gar nicht und spannend ist es im Prinzip nie. Zwischenzeitlich weiß man daher gar nicht so genau zu sagen, was einen hier noch bei der Stange hält. Auf der anderen Seite weiß man aber auch noch nicht richtig zu benennen, was einem hieran eigentlich nicht gefällt, denn man muss bei dieser Geschichte einfach auf das Ende warten. Vorher kann man kein Urteil fällen. Irgendwann hatte ich dann das Gefühl, zu wissen, worauf es hinauslaufen wird (schließlich ist Arthur Kennedy so gut wie immer wirklich ein Böser und Donald Crisp den ganzen Streifen über schon viel zu lieb zu Stewart). Und dann fällt einem plötzlich auf, wie unnötig umständlich sowie dramatisch das Ganze erzählt ist. An diesem Punkt will man dann nur noch wissen, wie der Spaß ausgeht (schließlich ist der Film einem da noch die Auflösung des MacGuffins schuldig). Tja und wisst ihr, wie? Tatsächlich ist es so, dass Lockharts kleiner Bruder zu einem Kavallerietrupp gehörte, den die Apachen platt gemacht haben. Wieso er seinen Mörder dann aber unter den Weißen sucht? Weil er der Meinung ist, dass die Indianer dies nur fertiggebracht haben, weil sie Repetiergewehre hatten. Folglich ist für ihn der Verkäufer dieser Waffen der eigentliche Mörder seines Bruders. Und jetzt mal ganz unabhängig davon, dass man schon eine sehr spezielle Denke haben muss, um dieser Logik folgen zu können (und noch mehr Glück, um bei diesem Unterfangen auch Erfolg zu haben, aber das hatten wir ja schon mal), er in diesem Fall damit aber ja eindeutig dem richtigen an den Kragen geht: Was ist das schon wieder für ein Bild, dass da von den amerikanischen Ureinwohnen gezeichnet wird? Die waren also zu blöd zum Kämpfen, außer der weiße Mann hat ihnen Waffen gegeben? Und sie haben natürlich zuerst geschossen! Zitat: „Ich weiß nicht, wer zuerst geschossen hat. Wissen Sie es?“ – „Ich kenne die Kavallerie der Vereinigten Staaten!“ (Will Lockhart zu Alec Waggoman). Bäh, widerlich! Und als ob das alles nicht schon schlimm genug wäre, kommen diese vom dreimal die Decke über einem Lagerfeuer anheben natürlich auch sofort angerauscht (haben nämlich sonst nichts zu tun, außer darauf zu achten, dass sie auch ja ihre Repetiergewehre bekommen) und erledigen Hansbro ohne ihn noch einmal anzuhören sofort mit grimmigen Gesichtern – stinkesauer darüber, dass der auf Lockharts Geheiß kurz zuvor mit diesem ihre Flinten zerstört hat. Mehr Klischee ging wohl nicht. (Spoilerende) Mit so einem schwachen Ende hat der Film nach diesem Vorlauf bei mir dann aber nochmal ein paar Punkte verloren…

Und die sind auch nicht wieder aufzuholen. So eine unnötig aufgebauschte Familiensaga wirkt nach. Da kann man (oder Mann) dann nur von Glück sagen, dass der Rest mal wieder durch die Bank überzeugt. Und damit meine ich nicht nur Manns Regie, Charles Langs Fotografie oder George Dunings Musik, sondern vor allem natürlich seine Schauspieler. Zwar hat ausgerechnet James Stewart mal nicht seinen Sahnetag erwischt, aber selbst diese für ihn eher durchschnittliche Leistung reicht aus, um in diesem konfusen Beziehungsgeflecht zu überzeugen. Ebenso kann man Donald Crisp, Cathy O’Donnell und Aline MacMahon keinerlei Vorwurf machen; so sehen gute Nebendarsteller aus. Und für Arthur Kennedy gilt Ähnliches wie für Stewart: Von einem großartigen Mimen wie ihm erwartet man eigentlich noch ein wenig mehr (und vielleicht auch ein wenig zu viel), aber für diesen Hokuspokus reicht auch seine Performance absolut aus. Einzig und allein Alex Nicol hätte nun wirklich nicht sein müssen. Er, den man so ein bisschen als den amerikanischen Massimo Righi bezeichnen könnte, ist ein wenig übertrieben und aufgesetzt. Nicht viel und in einem B-Western hätte man das vielleicht sogar erwartet, in einem A-Vehikel wie diesem wirkt er allerdings ziemlich deplatziert.

Deplatziert ist überhaupt das Stichwort. So fühlte ich mich während der Ansicht dieses weiteren Klassikers von Anthony Mann und ebenso kommt mir dieser innerhalb seiner fünf Pferdeopern mit James Stewart vor. Denn während der Rest fast ausnahmslos zu empfehlen und selbst „Meuterei am Schlangenfluss“ verglichen mit einem durchschnittlichen Film immer noch „gut genug“ ist, ist „Der Mann aus Laramie“ eben das nicht mehr. Klar, allein aufgrund von Manns erneut guter Regie und seiner ebenso aufgelegten Crew, insbesondere der Darsteller, fällt es einem als Fan schwer, diesem Streifen nicht wenigstens ein wenig was abzugewinnen, aber das war’s dann eben auch schon fast wieder. Und auch seine überladene Story ist ja nun nicht komplett neu und vor allem auch nicht komplett schlecht, aber sie ist eben genau den Tick, nennen wir es, ambitionierter, auf Deutsch also dramatischer und verstockter, der das Fass sozusagen zum Überlaufen bringt. Waren Manns psychologische Inhalte mir vielleicht vorher schon das eine oder andere Mal ein wenig zu übertrieben dargestellt worden (was logischerweise vor allem auf „Bend Of The River“ zutrifft), so hat man hier zusätzlich noch das Gefühl, dass der Film einen belehren wollte. So und so und so geht es nicht. Und wer mag das schon? Zumal, wenn das mit den oben geschilderten, schlichtweg nicht zu Ende gedachten Inhalten passiert? Und das Schlimmste daran ist: Genau dieses Gefühl habe ich früher immer schon bei seinen Western gehabt. Daher habe ich Mann auch nie zu meinen Favoriten gezählt. Ich hab nämlich dummerweise nicht mit seinen großen Klassikern, sondern (weil die TV-Ausstrahlungen damals es so hergaben) mit seinen späteren Werken angefangen. Aus der Erfahrung von damals würde ich sagen: Das soeben geschilderte Gefühl zieht sich ab hier durch all seine weiteren Pferdeopern (Ausnahme eventuell: „The Tin Star“, denn den kenne ich noch gar nicht). Damals habe ich es so empfunden. Ich hoffe bloß, daran hat sich mittlerweile etwas geändert. Ansonsten bleibe ich bei meiner Aussage vom Beginn: „The Man From Laramie“ markiert einen entscheidenden Wendepunkt zumindest in der Western-Filmografie Anthony Manns – vom Regisseur außergewöhnliche Genrebeiträge hin zu einem, der zu verkopft zu überambitionierte Projekte verwirklichte. „Der Mann aus Laramie“ jedenfalls ist exakt das, sodass zumindest ich nicht besonders traurig darüber bin, dass Mann und Stewart sich hierauf so verkrachten, dass dies ihr letzter gemeinsamer Film bleiben sollte.

Zur DVD:

Also, ich weiß nicht. Ich hab den Streifen als Teil der uralten „Legend Diary By James Stewart“-Collection von Sony. Und ich find die Dinger ja weiterhin ziemlich cool, vor allem von der Idee und der Aufmachung her (es ärgert mich nur, dass ich als Sammler, der ich von diesen fast alle besitze, dadurch etliche Filme doppelt habe), aber beim Bild gibt es mittlerweile eindeutig Abzüge. Das sieht zwar soweit ganz gut aus, aber zumindest auf meinem Fernseher sehen die Dinger durch die Bank alle aus, als würden sich kleine Streifen durch das Bild ziehen bzw. eben so, als wäre dieses aus mehreren kleinen Fragmenten aufgebaut. Mindert das Filmvergnügen bei mir ungemein. Zusätzlich ist bei „The Man From Laramie“ auch der Ton nicht sonderlich prächtig. An Bonusmaterial packte man damals ein einziges Kinoplakat (quasi eine Bildergalerie mit einem Bild) sowie den Trailer mit rauf. Bezeichnend an Letzterem vor allem, dass er von den drei insgesamt enthaltenen Vorschauen nach denen zu „Alvarez Kelly“ und „Mackenna’s Gold“ (in dieser Reihenfolge) eindeutig der uninteressanteste ist… Schätze auf die Werke selbst wird ähnliches zutreffen. Von daher wenn, dann würde ich ihn mir heute nur noch auf BD kaufen.

Zitate

„Das Leben eines Menschen darf nicht nur aus Arbeit bestehen.“(Barbara Waggoman hat ja so Recht und wenn der Konjunktiv nicht wäre…)

„Sie sind wohl Junggeselle, Mr. Lockhart?“ – „Äh, woher wissen Sie das?“ – „Wenn Sie verheiratet wären, würde es Ihnen keinen Spaß mehr machen einer Frau beim Aufräumen zuzusehen.“(Barbara Holmes kombiniert und räumt nebenbei auf)

„Dass die Apachen zwölf Mann erschossen haben, gehört das auch zu dem Vertrag?“ – „Ich weiß nicht, wer zuerst geschossen hat. Wissen Sie es?“ – „Ich kenne die Kavallerie der Vereinigten Staaten!“(Will Lockhart ist der Traum eines jeden Arbeitgebers)

„Ich habe noch nie einen Hektar Land besessen; ich will auch gar keins. Sie könnten nicht leben, wenn Sie auch nur einen Hektar weniger hätten. Wie sollten wir uns da wohl einigen?“(Will Lockhart tut sich mit Kompromissen schwer)

„Eine Ranch, die nicht mehr wächst, liegt eigentlich schon im Sterben.“(Vic Hansbro ist ein guter Kapitalist und nebenbei Ranch-Doktor)

„Man hält kein Gebiet von 50.000 Hektar zusammen, nur wenn man darin spazieren reitet.“(Alec Waggoman weiß, dass Eigentum verpflichtet)

„Du bist wie deine Mutter. Die hat auch immer zugehört, aber mich nie verstanden.“(Alec Waggoman hat, mit seinem Sohn redend, plötzlich ein Déjà-vu)

„Jeder, der versucht uns Land wegzunehmen, bekommt genau so viel, wie er für sein Grab braucht.“(Vic Hansbro ist dafür, Eindringlingen wenigstens die Friedhofsgebühren zu ersparen)

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