Der gebrochene Pfeil

Broken Arrow

★★★★

  • Jahr: 1950
  • Regie: Delmer Daves
  • Darsteller: James Stewart, Jeff Chandler, Debra Paget, Basil Ruysdael, Jay Silverheels, Arthur Hunnicutt, Will Geer...

Story

Arizona um 1870: Ex-Kurierreiter Tom Jeffords (James Stewart) versucht zwischen seinem Volk und den aufständischen Apachen unter Chochise (Jeff Chandler) zu vermitteln. Tatsächlich gelingt es ihm, dass der berühmte Häuptling sowie der weiße General Oliver Howard (Basil Ruysdael) einen Friedensvertrag aushandeln, der unterzeichnet werden soll, sofern beide Parteien für die nächsten 90 Tage Waffenruhe einhalten können. Und während Tom sein Indianermädchen Sonseeahray (Debra Paget) heiratet und Chochise sowie Howard sich an die Abmachung halten, formieren sich in beiden Lagern Gruppen, die keinen Frieden wollen. Auf indianischer Seite machen ein paar Abtrünnige unter der Führung Geronimos (Jay Silverheels) Ärger, während auf der der Weißen eine Handvoll Siedler ein Attentat auf den Häuptling plant. Tatsächlich gelingt es Letzteren auch, ihren Plan auszuführen, aber statt Cochise können sie nur Sonseeahray töten – Tom und der Apache entkommen teils schwer verletzt. Und während der berühmte Häuptling sowie General Howard die Vorkommnisse zum Anlass nehmen, ihr Gelübde nun erst recht zu halten, ist Jeffords natürlich so todunglücklich, dass er alleine in die Berge reitet und erst viel später begreift, welch große Rolle der Tod seiner Frau für den Frieden gespielt hat.

Worte zum Film

großartiges, auch heute noch gültiges Statement gegen Rassismus und Diskriminierung; aus heutiger Sicht reichlich naiv, aber weiterhin herrlich wirkungsvoll; sehr guter Hauptdarsteller; restliche Crew bleibt unter ihren Möglichkeiten; alles ordnet sich zu Recht der immens wertvollen Aussage unter

Bewertung

Zum Film:

Und wieder einmal heißt es (wie so oft in diesem Lexikon): Jimmy Stewart in einer seiner besten Rollen! Das wird selbstredend nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich das so sage und auch sagen muss, denn es ist ja einfach so. Auch in Delmer Daves‘ Genrelegende „Broken Arrow“ brilliert der sympathische Mann aus Indiana und wird uns daher als Tom Jeffords ebenso in schönster Erinnerung bleiben wie als Lin McAdam in im selben Jahr gedrehten „Winchester ’73“ von Anthony Mann. Und diese Verbindung ist schon erstaunlich, oder? Denn für Stewart war dies (korrigiert mich, wenn ich falsch liegen sollte) nach „Destry Rides Again“ (1939) und eben Manns Klassiker (gemessen an der Tatsache, dass dieser seinerzeit ca. anderthalb Monate eher in die Kinos kam) erst die dritte Rolle in einem Western überhaupt – und alle drei wurden sie zu unsterblichen Klassikern! Wobei es nicht weiter verwundert, dass es nach „Der große Bluff“ ganze elf Jahre dauern sollte, bis für ihn überhaupt mal wieder ein Engagement in diesem Genre herausspringen sollte, denn bis hierhin war der Ausnahmeschauspieler ja doch eher auf Komödien festgelegt. Und während „Winchester ’73“ ihm ob seiner Rollenanlage quasi überhaupt erst den Verbleib in Streifen dieses Sujets sichern und selbige ihn in der Folge gar zu einem der größten Stars dieser Spielart machen sollte („Adult-Western“ ist das Stichwort), könnte man seinen Auftritt in „Der gebrochene Pfeil“ als eine Art Bindeglied zwischen dieser und derjenigen, mittlerweile „veralteten“ vom Ende der 30er Jahre sehen (dazu später mehr). Der Unterschied zu seiner Performance in George Marshalls Beitrag ist jedoch in beiden Fällen: Während es in „Destry Rides Again“ durchaus gerade auch seine geniale Interpretation der Titelfigur war, die diesen zu einem solch lobenswerten Vertreter machte, tritt Stewarts Leistung in seinen Pferdeopern aus dem Jahr 1950 jeweils hinter der Bedeutung des Gesamtwerkes zurück – und das wiederum trifft in besonderem Maße auf „Broken Arrow“ zu.

Denn so erstaunlich (wenngleich auch nicht unbedingt komplett überraschend) es auch ist, dass alles, was er in diesem Genre bis hierhin anfasste, zu Gold wurde, so klar ist für mich ebenso die Tatsache, dass Delmer Daves‘ Western-Debüt tatsächlich auch ohne ihn und mit jedem anderen, ähnlich talentierten Darsteller in der Hauptrolle funktionieren würde. Schließlich ist dieses nicht umsonst vor allem aufgrund seines Inhaltes bekannt geworden – als die erste, große Pferdeoper Hollywoods, die die Indianer ordentlich und nicht als gesichtslose Bestien darstellt. Oder, um in diesem Fall ausnahmsweise aus Wikipedias Artikel zu diesem Film zu zitieren, ist sie „ein frühes Beispiel von Western, in denen Indianer nicht kollektiv die negative Rolle in einer klar zwischen Gut und Böse polarisierenden Handlung übernehmen“ – denn besser, weil abstrakter, kann man es wahrscheinlich nicht ausdrücken. Ob „Der gebrochene Pfeil“ nun wirklich der allererste Vertreter war, auf den diese Beschreibung zutrifft, sei mal dahingestellt. Mag sein, dass es auch kurze Zeit vor ihm schon ein oder mehrere Beispiele gegeben hat, in denen die amerikanischen Ureinwohner zumindest nicht als wilde Tiere dargestellt werden, kann aber genauso gut sein, dass es diese nicht gibt. Ich für meinen Teil habe zumindest seit meiner ersten Sichtung dieses Klassikers (und die liegt bereits länger als zehn Jahre zurück) versucht, einen solchen Beitrag aufzuspüren, bin bisher aber nicht erfolgreich gewesen. Und es ist für die Bewertung dieses Streifens ja auch völlig egal, denn Daves‘ Genredebüt (übrigens ebenfalls eine Tatsache, die dieses mit Manns o. g. Vertreter gemein hat – zumindest, wenn man erneut nach dem Kinostart geht) war auf jeden Fall das erste Werk seiner Art, das bei Kritikern und Publikum von sich reden machte und damit den ersten Schritt weg von der bis dahin standardmäßigen Diskriminierung der Ur-Bevölkerung des amerikanischen Kontinents in der Kinogeschichte desselben bedeutete.

Und als solches ist „Broken Arrow“ leider, leider ja auch heute noch aktuell wie eh und je. Gerade diesen Zusatz schreibe ich nur äußerst ungern und hätte ich mir gerne gespart, da ich grundsätzlich versuche, alte Filme und gegenwärtige Politik zu trennen, aber wenn man sich gerade in dieser Zeit (Stand: Oktober 2020) auch wieder aktuelle Bilder aus den Vereinigten Staaten im Fernsehen oder Internet ansieht, muss man leider zu dem Schluss kommen, dass sich – auch wenn es heute in der Regel andere Ethnien betrifft – über die Jahrzehnte nicht wirklich etwas geändert hat. (Spoiler) Gerade die unglaublich starke Szene, in der Protagonist Tom Jeffords von seinen Landsleuten aufgrund seiner guten Beziehungen zu Cochise fast gehängt wird, konnte man sich in den letzten Monaten erstaunlicherweise wieder ziemlich gut vorstellen… (Spoilerende)

Und da es vor mittlerweile 70 Jahren in den USA tatsächlich noch ein wenig schlimmer ausgesehen haben dürfte, kann man nur zu gut verstehen, weshalb es Regisseur Daves ein solches Anliegen war, endlich mal einen Beitrag gegen den typischen Hollywood-Rassismus dieser Periode zu drehen. Laut Evangelischem Filmbeobachter von 1966 war ihm „die Verwirklichung dieser Absicht [sogar] wichtiger als dramaturgische und gestalterische Vollkommenheit“ – (auch wenn ich dem Blatt sonst ja nie etwas abgewinnen kann, aber das ist) Lob und gleichzeitige Kritik, geschickt verpackt. Und in diesem Ausnahmefall kann man das sogar ziemlich so unterschreiben. Es kann zwar genauso gut sein, dass Daves, einer meiner absoluten Lieblingsregisseure, damals einfach noch nicht so weit war, aber Fakt ist, dass „Der gebrochene Pfeil“, gerade auch vor dem Hintergrund der Kenntnis seines folgenden Werkes, einfach noch nicht ganz dessen Klasse hat. Zwar gibt es ein paar Szenen wie etwa eben genannte oder die diejenige ganz zu Beginn, in der die Indianer die weißen Eindringlinge einen nach dem anderen von hinten abschießen (wollen) (ganz zu schweigen von der folgenden, in Deutschland ehemals geschnittenen), die bereits ganz groß sind, aber diese sind hier tatsächlich noch die willkommene Ausnahme. In der Regel sehen seine Aufnahmen eher nach einem Durchschnittsvertreter dieser Zeit aus (auch mit dem entsprechenden Gelb- und Rotstich) und beinhalten sogar einige Ausreißer nach unten. (Spoiler) Als heftigster in dieser Hinsicht ist hier eindeutig die Ermordung des indianischen „Verräters“, der Jeffords in der Nacht überfällt und abstechen will, durch Cochise zu nennen (ihr könnt es auch als ein Richten des Apachen-Führers bezeichnen, aber ich finde, Ermordung trifft es schon ziemlich gut) – das sieht regelrecht schäbig und ja, vollkommen altbacken aus, wenn die Kamera erst nur Jeff Chandler, der uns den Nantan hier gibt, und sein Gewehr zeigt, dann etwas dichter fährt, sodass wir nur noch dessen seltsam versteinertes Gesicht sehen und dann der Schuss erklingt. Grausam! (Spoilerende) Auch sein Kameramann Ernest Palmer ist Daves diesbezüglich keine große Hilfe. Ganz im Gegenteil wundert man sich über solch inszenatorische Mittel ja schon fast gar nicht mehr, wenn man bedenkt, dass die Arbeit an „Broken Arrow“ für ihn die drittletzte seiner vier Dekaden umfassenden Karriere war und man sich folglich allein anhand dieser Aussage denken kann, wo er herkommt und zu welcher Zeit er die meisten seiner insgesamt ca. 140 Filme fotografierte. Daher muss man leider damit leben, dass Daves erster Western lange nicht so virtuos bebildert ist wie beispielsweise die sechs Jahre später entstandenen „Jubal“ und „The Last Wagon“. Allerdings sei zur Ehrenrettung der beiden Herren immerhin angeführt, dass von Genuss bei der unfassbar (und völlig unerwartet) schwachen Bildqualität der 2005er-DVD von Koch Media (zumindest hießen se damals noch so) sowieso keine Rede sein kann und von daher zumindest die Action-Sequenzen sowieso nicht wirklich zu bewerten sind (weil man kaum etwas erkennen kann)…

Ebenso wie der Regie und der Kamera muss man natürlich auch der Geschichte von „Der gebrochene Pfeil“ aus heutiger Sicht ein, zwei, sagen wir mal, Ungereimtheiten nachsehen. Schließlich kann nicht jede Story einer Pferdeoper von 1950 gleichzeitig so dermaßen innovativ (und das ist diese ja allein schon wegen ihres radikal neuen Ansatzes die Darstellung der Indianer betreffend) und dabei zeitlos sein wie die des vorhin bereits angesprochenen „Winchester ’73“. Denn wo diesem gerade auch seine Standard-Laufzeit von 90 Minuten erkennbar gut tut, wäre bei „Broken Arrow“ ein wenig mehr Staffage und Ausschmückung wünschenswert gewesen. Vor allem, wo man ja weiß, dass Epen, wenn sie entsprechend gut gemacht sind, in der Regel noch wesentlich mehr Eindruck hinterlassen als Filme durchschnittlicher Länge. Und damit meine ich jetzt nicht, dass man diese Story wer weiß wie hätte künstlich aufbauschen sollen, aber eine Lauflänge von ca. zwei Stunden wäre sicherlich nicht verkehrt gewesen. Dann hätte man den Anfang und das Ende auch nicht einfach nur so hinschmeißen müssen. Denn genauso abrupt wie dieses Werk beginnt, endet es auch und hinterlässt dabei jeweils einen halbfertigen Eindruck. (Spoiler) Zu Beginn gibt es keine richtige Exposition, sondern werden die drei Punkte auf der Liste, die zu Jeffords „Indianerzuneigung“ führen, einfach nur ganz flott abgehakt (Tom pflegt den kranken Indianer – Tom wird Zeuge des Indianerüberfalls und kehrt trotzdem unversehrt zurück – Tom muss sich deswegen sofort bei seiner ersten Station nach seiner Rückkehr mit seinen Landsleuten um seine Zugehörigkeit streiten) und seine daraus resultierende Idee der Unterredung mit dem berühmten Cochise ist daher eher eine Kurzschlussreaktion zu nennen. Na und zum Abschluss wirft Daves dann einfach nur ein Bild des davonreitenden Protagonisten hinterher, zu dem dieser dann in etwa sagt „So kam es also zum Frieden und ich habe erst viel später realisiert, welch wichtige Rolle der Tod meiner Frau dabei gespielt hat.“. Und dann ist Ende im Gelände. Beides hätte man wohl auch etwas weicher und angenehmer gestalten können. (Spoilerende)

Aber so machte man das damals eben. Ich bin wirklich absolut kein Freund davon, älteren Filmen alles zu verzeihen, nur „weil diese aufgrund ihres Baujahrs dieses und jenes ja gar nicht anders hätten machen können“, sondern bin im Gegenteil der Überzeugung, dass ein wirklich guter Streifen auch nach Jahren noch vernünftig guckbar sein muss (und es gibt in jeder Periode der Kinogeschichte genug Beispiele dafür, dass es jeweils auch anders gegangen wäre), aber manchmal muss man die Produktionsumstände dann eben doch mit berücksichtigen. Denn genauso kann man von Elliott Arnolds Buchvorlage „Blood Brother“ selbstverständlich auch nicht verlangen, dass diese, obwohl sie sich die Nacherzählung historischer Ereignisse auf die Fahnen schreibt, alles tatsächlich exakt so widergibt, wie es sich damals im „Wilden Westen“ zugetragen hat. Denn klar hat dieser seinen Roman entsprechend des Leserinteresses nach Dramatik und Spannung (und wie es seit jeher der Fall ist) ausgeschmückt und sich die geschichtlichen Fakten entsprechend des Zeitgeistes bestimmt noch ein wenig mehr hingedreht als es ein heutiger Spätwestern tun müsste, aber in diesem Ausnahmefall muss man ihm und damit natürlich auch den Drehbuchautoren Albert Maltz und Michael Blankfort ja bereits dafür unendlich dankbar sein, denn – wie sagt man so schön? – einer musste ja mal den Anfang machen. Und dafür ist seine Trefferquote, wenn es um historische Korrektheit geht, doch schon ganz ordentlich.

(Spoiler) Zwar ist, wie ihr euch sicherlich schon gedacht haben werdet, die Liebesgeschichte zwischen Debra Pagets Sonseeahray und Tom Jeffords frei erfunden (oder sagen wir lieber: es gibt, wenn ich es richtig sehe, keinerlei Aufzeichnungen, die auf eine derartige Beziehung hindeuten würden), aber der ehemalige Armeekurier und Cochise lernten sich tatsächlich auf die im Film dargestellte Art und Weise kennen, wurden Freunde und später sogar Blutsbrüder. Auch ging es bei Jeffords erstem Besuch bei dem berühmten Anführer der Chihuicahui-Chokonen (eine Lokalgruppe der berühmten Chiricahua-Apachen) wirklich um das Wohl der damaligen Postreiter – allerdings war das Interesse des Weißen daran absolut persönlicherer Natur und daher nicht ganz so nobel wie im Film dargestellt. Der gute Tom war damals nämlich schlicht und ergreifend der Leiter der Pony-Express-Linie zwischen Fort Bowie und Tucson und stand aufgrund von Cochises ständigen Angriffen kurz vor dem Ruin. Dass die Indianer daraufhin aber nicht nur seine Reiter verschonten, sondern diesen im Zweifel sogar helfend zur Seite standen, scheint ebenso historisch gesichert zu sein. Arnold verlegt diesen Fakt in seinem Buch nur etwas nach hinten und lässt die Apachen nach Aushandlung des Friedensvertrages zwischen Cochise und dem – ebenso nach geschichtlichem Vorbild gestalteten – General Oliver Otis Howard gegen ihre eigenen, abtrünnigen Leute unter Geronimo kämpfen. Für all diejenigen unter euch also, die so wie ich annahmen, dass das die historische Wahrheit dann doch ein wenig weit dehnen würde: Es ist zumindest nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Geronimos Abspaltung von Cochise dürfte allerdings Blödsinn sein. Erstens hatte Letzterer Ersterem grundsätzlich nichts zu sagen, da dieser einer anderen Lokalgruppe der Chiricahua angehörte, welche in der Regel völlig autark agierten (weswegen im Übrigen auch die – von mir in der Inhaltsangabe jedoch trotzdem gewählte – Bezeichnung „Häuptling“ für die Anführer dieser Verbände irreführend ist, die als Nantan bezeichnet wurden – aber einfacher ist es) und zweitens wurde Gokhlayeh nach Cochises Tod 1874 – unter anderem von dessen Sohn Naiche – zum Kriegshäuptling aller Chiricahua gewählt – eine Entwicklung, die sich nach einem Zerwürfnis wie in „Der gebrochene Pfeil“ dargestellt, so wohl nicht vollzogen hätte. Aber Genaueres konnte ich diesbezüglich ohne tiefergehende Recherche auch nicht herausfinden und hätte nichts gegen ein entsprechendes Update meines Wissensstandes, wenn das jemand leisten könnte. Ebenso halte ich – ohne es entsprechend überprüfen zu können – den 90tägigen Probelauf des Friedens (der dann ja erst zu Sonseeahrays Tod und dem noch viel festeren Friedenswillen der Beteiligten führt) für ausgedacht. Historisch korrekt dürfte sein, dass Jeffords wichtige Arbeit für die gegenseitige Unterzeichnung eines (erneuten) Friedensvertrages leistete und Cochise, der sich an die Abmachungen hielt, mit seiner Gruppe daraufhin in ein Reservat zog, in dem er starb. Später wurde dieser Frieden von den Weißen wieder gebrochen. Alles andere, etwa die Tatsache, dass Tom General Howard zur Aushandlung der Bedingungen direkt in das Lager der Apachen führen durfte, halte ich für spekulativ. Ich weiß auch nicht, ob die Indianer dadurch tatsächlich zu Ackerbauern und Viehzüchtern wurden – meist waren die Bedingungen in den Reservaten ja eher kläglich. Von daher könnte es natürlich auch gut sein, dass die Armee sich damals in diesen Gebieten tatsächlich anmaßte den dort lebenden „Roten“ die Gerichtsbarkeit zu entziehen und auf sich zu übertragen, aber auch das kann ich nicht beurteilen. Es erscheint zumindest zweifelhaft, dass die Apachen das als Vorteil für sich erkannt und daher einfach so hingenommen haben sollten. Und ich habe keine Ahnung, ob der titelgebende „Broken Arrow“ für die amerikanischen Ureinwohner generell ein Friedenszeichen war – ich jedenfalls halte diese Geste für nur bedingt aussagekräftig…

Ansonsten aber kann man sich Arnolds Geschichte in diesem Rahmen gut vorstellen (und selbst seine Lovestory könnte sich rein theoretisch ja so oder so ähnlich abgespielt haben – wer würde das heutzutage schon widerlegen können?). Veränderungen an der historischen Wahrheit in diesem Ausmaß würde man ja selbst heute noch recht billigend hinnehmen. Die Naivität, mit der er sowie im Rahmen des Umschreibungsprozesses dann wohl auch Maltz und Blankfort hier zu Werke gehen, allerdings nicht unbedingt. Allein die einleitenden Worte des Voice-Over-Erzählers (Tom Jeffords höchstpersönlich) regen im Jahr 2020 zum Schmunzeln an. So spricht dieser dort nicht nur davon, dass sich die folgenden Ereignisse in den 1870er Jahren des „vorigen Jahrhunderts“ abspielen würden (was man nach über 100 Jahren Kinogeschichte in Zukunft wohl nie wieder tun wird), sondern beteuert ebenso, dass sich alles genau so zugetragen hätte, allerdings mit dem Unterschied, dass die Indianer hier „unsere Sprache sprechen“ würden. Das ist schon wirklich kurios und würde einen Kevin Costner mit seinen Untertiteln wohl nur zum Lachen bringen. Folglich ist auch die Völkerverständigung, wie sie anschließend – und gerade zwischen den Liebenden – gezeigt wird, schon arg vereinfacht. Jeffords lernt in Windeseile sowohl Sprache als auch Gebräuche der „roten Männer“, es gibt bei der Kommunikation daher überhaupt keine Probleme und er und Cochise sind sowieso sofort auf einer Wellenlänge. Von der „Eroberung“ Sonseeahrays ganz zu schweigen (und völlig unabhängig davon, dass ich keinen Schimmer habe, ob es diese Art von Seherin, die sie hier darstellt, bei den Apachen gegeben hat und ob diese, wenn ja, dann auch so lächerlich ausstaffiert waren). Und genauso wie auf dieser Seite des Zauns also von Anfang an Friede, Freude, Eierkuchen vorherrschen, gibt es auf der anderen so gut wie gar keinen vernünftigen Menschen außer Tom selbst. Nur Rassisten, Sadisten, Egoisten… Niemand hört sich seine Aussagen auch nur mal halb an, sondern natürlich wollen alle immer gleich mit dem Knüppel draufhauen. Das führt zwar immerhin dazu, dass dieser hier im Gegensatz zu anderen Protagonisten dieser Zeit zeigen darf, dass er sich absolut nicht unterbuttern lässt, aber diese Weltsicht ist damals wie heute wie gesagt ein wenig naiv. Ein paar mehr Charaktere wie General Howard oder Geronimo hüben wie drüben und sehr gerne auch ein paar, die charakterlich nicht klar schwarz oder weiß einzuordnen sind, würde man von einer aktuellen Produktion schon erwarten. Aber genau das meine ich: Heute würde ich einem Film diese Naivität negativ ankreiden, aber für 1950 waren selbst die hier gezeigten Zustände schon sehr gewagt und von daher muss man das dann auch einfach mal berücksichtigen und mit dem Ergebnis zufrieden sein. Ich jedenfalls bin es.

Zumal die ganze Sache in ihrem Kosmos ja auch durchgehend stimmig bleibt, stets flott und spannend vorgetragen wird (wenn man kurz vor Ende schon meint, dass die Friedensstimmung nun doch fast überhand nimmt, kommt der große Knall) und sich mit ihrem Ausgang ja zudem noch weit aus dem Fenster lehnte. Denn klar ist diese Geschichte dafür prädestiniert so zu enden, wie sie endet (oder anders ausgedrückt: es gibt eigentlich kein glaubhafteres als das hier präsentierte Ende), aber das muss man dann ja auch erstmal so durchziehen. Und auch wenn man gerade auch diese Schlussakkorde wieder viel lieber von dem Delmer Daves des Jahres 1956 in Szene gesetzt gesehen hätte: Sie verfehlen ihre Wirkung nicht und bestürzen einen selbst dann, wenn man sie vorausgesehen hat. Nur dann kann ein Streifen wie „Der gebrochene Pfeil“ nämlich auch so aufrütteln, wie er es getan hat und heute noch ebenso tut. (Spoilerende)

Und daher – um mal so langsam einen Bogen zurück zum Ausgangspunkt dieser Bewertung zu schlagen – bleibe ich dabei, dass er diese aufrüttelnde Wirkung auch entfaltet hätte, wenn sein Hauptdarsteller nicht James Stewart geheißen hätte. Aber man kann natürlich trotzdem nur froh sein, dass er die Rolle des Tom Jeffords übernehmen durfte. Denn wie gesagt gehört auch dieser Auftritt hier zu seinen besten. Man mag von Lin McAdam und diesen ganzen Adult-Figuren, die er und vor allem wie er sie danach gespielt hat (und die ihm meiner Meinung nach wie erwähnt überhaupt erst weitere, regelmäßige Besuche in diesem Genre ermöglich sollten), halten, was man will, aber das hier, dieser kleine Mann, der im Gegensatz zu seinem realen Vorbild aus innerstem (und nicht monetärem) Antrieb heraus ein Unrecht bekämpfen will, entspricht noch viel mehr meinem Bild von seiner Paraderolle. (Und ja, ich bin mir durchaus bewusst, dass auch „Broken Arrow“ je nach Definition ebenfalls als Adult-Western gewertet werden kann, aber mir hat immer die deutsche Entsprechung „Psychowestern“ gefallen und genau danach ordne ich Vertreter dieser Gattung dann auch zu – oder wie in diesem Fall eben nicht.) Und eben jene spielt ein Mann wie James Stewart dann eben auch erwartungsgemäß großartig. Hinter ihm wird’s in diesem Cast allerdings relativ dünn. Sein zumindest in diesem Streifen dann doch nicht Blutsbruder Cochise alias Jeff Chandler zum Beispiel kann bei so viel Klasse überhaupt nicht mithalten. Ich persönlich halte ihn sowieso für heillos überschätzt und auch hier zeigt er wieder, warum. Den ganzen Film über hat er genau einen Blick drauf. Selbstredend ist das der „Ich bin ein ganz stolzer, in mich gekehrter Indianerhäuptling.“-Blick, der schon so viele „weiße“ Kollegen vor ihm und selbstredend auch danach nicht zu glaubwürdigen Leinwand-Ureinwohnern hat werden lassen. Er reiht sich da in eine ewig lange Liste großer Namen ein, die unter vielen anderen beispielsweise noch diejenigen von Anthony Quinn („They Died With Their Boots On“), Rock Hudson („Winchester ’73“), Burt Lancaster („Apache“), Victor Mature („Chief Crazy Horse“) oder Chuck Connors („Geronimo“ (1962)) enthält (und ja, ich kann mir den Spaß machen diese bei Gelegenheit noch weiter zu ergänzen und tue das vielleicht auch, aber für den Moment fällt mir nicht mehr ein und sollen fünf weitere Beispiele dann ja wohl auch genügen)… Was für ein Segen ist es da doch gleich zu Anfang zu sehen zu bekommen, dass lange nicht alle Indianer hier so schlecht aussehen wie Chandler (der für seine „Leistung“ sogar eine Oscar-Nominierung einheimste – ich sag da einfach nichts weiter zu, ok?). Denn tatsächlich hat man ja auch im Jahre 1950 schon etliche Rollen von „Roten“ mit echten Nachfahren amerikanischer Ureinwohner besetzt. Ein immer gern gesehener solcher ist Jay Silverheels, (den der eine oder andere vielleicht noch als „Lone Ranger“-Assistent „Tonto“ in Erinnerung hat und) der uns hier den Geronimo gibt. Und nicht nur ist es erstaunlich, wie viel mehr Eindruck er als dieser als der Cochise-Chandler schinden kann, sondern vielmehr, wie sehr er seinem filmischen Nachfolger von 1993, Wes Studi, ähnelt. Ansonsten ist Basil Ruysdael, der für mich ein völlig unbeschriebenes Blatt war und ehrlich gesagt weiterhin ist, ein ebenso ordentlicher wie austauschbarer General Howard, Debra Paget zwar sehr angenehm fürs Auge, ansonsten aber viel zu brav und unterwürfig, und Arthur Hunnicutt hier komplett rasiert fast nicht wiederzuerkennen. Alle drei eint die vielsagende Tatsache, dass sie sich jeweils noch relativ bis ganz am Anfang ihrer Karrieren befanden.

Und mehr ist im Cast von „Der gebrochene Pfeil“ auch nicht zu holen. Alle anderen reißen weder nach unten noch nach oben aus, was für einen Klassiker zwar erstaunlich sein mag, aber es bleibt eben dabei, dass Stewart den Streifen auch ganz alleine tragen kann und ein Jeff Chandler zwar wirklich nicht gut, aber Gott sei Dank auch lange nicht so nervig ist wie etwa ein Burt Lancaster vier Jahre später bei seinem Apachen-Auftritt. Und es bleibt dabei, dass das in diesem Fall eben auch gar nicht der Punkt ist. Der Punkt an „Broken Arrow“ ist heute wie damals seine Rassismus- sowie Diskriminierungskritik. Und nicht nur weil diese in diesen Tagen wieder so aktuell wie lange nicht mehr erscheint, sondern vor allem weil er diesbezüglich – vor dem Hintergrund dessen, was man sich damals erlauben konnte – absolut den richtigen Ton trifft und gerade mit seinem Ausgang auch nachhaltig berührt, ist er in dieser Hinsicht so wertvoll. Er war also nicht nur der erste Major-Western, der sich dieses Versäumnisses der Hollywood-Vergangenheit endlich mal annahm, sondern ist auch weiterhin einer der allerbesten dieses Themenfeldes. Und in seinem Fall bin ich wie gesagt sogar absolut bereit, dieser Aussage und damit dieser zwar mitunter naiven und historisch selbstredend nicht immer vollständig korrekten, aber dafür jederzeit gelungenen, weil spannenden und wirkungsvollen Geschichte alles unterzuordnen. Delmer Daves im Vergleich zu seinen späteren Werken noch fehlende Extraklasse ebenso wie das Fehlen eines wirklich guten Kameramannes ebenso wie Hugo Friedhofers austauschbare Musik ebenso wie den nun ausführlich genug thematisierten Mangel an großen Darstellern. Wie gesagt: Im Zweifel ist die Story eines Films für mich eben das Wichtigste. Selten tritt das für mich so deutlich zu Tage wie bei vorliegendem Beispiel. Aber wenn wir uns an die Worte des Evangelischen Filmbeobachters erinnern, scheine ich in diesem Fall ja nicht der erste zu sein, der diese Erkenntnis gewinnt. „Der gebrochene Pfeil“ ist einer der wichtigsten und besten Filme dieses Genres, weil er verdammt wirkungsvoll an die tatsächlichen geschichtlichen Abläufe erinnert und damit den richtigen Umgang mit der amerikanischen Vergangenheit sowie natürlich auch den amerikanischen Ureinwohnern anmahnt. Alles andere passt schon!

Übrigens: Die (wenn ich jetzt nicht daneben liege erste) deutsche Synchronisation (gibt natürlich wie so oft zwei) geht so. Die Sprecher sind allesamt in Ordnung, auch wenn man Siegmar Schneider für Stewart natürlich vermisst. Fast schon standardmäßig wird hier aus Tucson „Tuck-son“, was mich grundsätzlich immer nervt, aber noch viel schlimmer ist dieser Knaller: Da sagt doch Basil Ruysdael als General Howard an einer Stelle zu einem Kavallerie-Kollegen, dass er der Meinung wäre, dass „unser Zug die Apachen regelrecht zu einem Überfall einladet“! „Einladet“! Das muss man sich mal vorstellen! Gott sei Dank sind mir Vergewaltigungen der deutschen Sprache in dieser Form nicht weiter aufgefallen, aber so was durfte und darf ehrlich gesagt einfach nicht passieren.

Zur DVD:

Es ist doch erstaunlich, wie sich die Ansprüche und damit Ansichten ändern können, oder? Zu diesem Streifen besitze ich nämlich tatsächlich noch die alte DVD von 2005 von Koch Media (wie gesagt, damals hießen se noch so), die aus der damaligen „Reihe“ „Classic Western Collection“. Ihr wisst schon, das sind die mit den alten, vergilbten Aushangfotos als Cover, mit dem coolen, alten Artwork-Schriftzug vorne drauf und dem ansonsten in weiß gehaltenen Rest. So viele Streifen habe ich in dieser Aufmachung nicht gekauft und teilweise tatsächlich schon wieder durch die folgende Blu-ray ersetzt. Aber zu „Broken Arrow“ gibt es ja weiterhin kein Update und das dürfte seinen Grund haben. Denn was ich mit der einleitenden Frage meine, ist Folgendes: Fand ich damals, beim ersten Ansehen vor wie gesagt über 10 Jahren die Bildqualität noch absolut super, frage ich mich heute, wie schief ich da wohl geguckt haben mag. Denn man muss es aus heutiger Sicht einfach mal so sagen (und sei es auch nur aus heutiger, ändert ja nichts): Diese Bildqualität ist unterirdisch! Was sie daran remastert haben wollen, weiß ich nicht, aber möglicherweise war das Master ja in einem noch viel schlechteren Zustand als dieses Endergebnis einen glauben lässt. Jedenfalls reicht das heutzutage absolut nicht mehr aus; heute will man mehr und vor dem Hintergrund dieser Qualität, rücken später erschienene Titel wie die „Amigos“-Scheibe der „Italowestern-Enzyklopädie Nr. 1“, die ich ja auch schon wegen schlechterer Bildqualität als gewohnt gerügt hatte, in ein ganz anderes Licht. Am Ton fiel mir hier mal wieder nicht wirklich etwas Schlechtes auf und das Bonusmaterial liest sich wie folgt:

  1. Trailer
  2. selbstablaufende Bildergalerie: Die alten Artikel von damals sind in diesem Fall weiterhin sehr interessant, weil sie ein wenig Hintergrundinformationen zu den tatsächlichen historischen Begebenheiten parat halten. Da lohnt sich der Druck auf die Pause-Taste. ;)
  3. Booklet: Zwei Seiten Text von Richard Oehmann. Habe ich in diesem Fall tatsächlich mal erst nach Erstellen meiner eigenen Kritik gelesen (passt ja immer mal so oder mal so besser, wenn ich in der Regel auch versuche, erst den ganzen Bonus noch in mir aufzusaugen) und war erstaunt festzustellen, dass er, wenn ich es richtig sehe, gar keine großartig andere Meinung vertritt als ich selbst und man seinen Text daher fast als kurze Zusammenfassung meiner obigen Gedanken sehen kann. Sehr nett geschrieben.

Alles in allem also nicht viel mit dabei, aber man kann auch nicht immer die Welt erwarten. Das geht schon vollkommen in Ordnung, aber angesichts der Bildqualität muss ich sagen: Noch einmal schaue ich diese DVD bestimmt nicht; da warte ich lieber darauf, dass es hoffentlich irgendwann mal etwas Ansehnlicheres auf BD gibt…

Zitate

„Nie wäre ich auf den Gedanken gekommen, dass eine Apachenmutter um ihren Sohn weinen könne…“(Tom Jeffords merkt sofort, wie die Begegnung mit den Indianern seinem Denkapparat neuen Schwung gibt)

„Du solltest nach dem Essen deine Hände an den Armen abwischen – das fettet sie gut ein.“ – „Wir Weißen waschen uns die Hände nach dem Essen…“ – „Verschwendung!“(Cochise hält für Tom Jeffords – und damit selbstverständlich auch für den Zuschauer – ein paar sehr gute Haushaltstipps bereit)

[Cochise erklärt sich bereit, für Tom und Sonseeahray die Frage der Machbarkeit einer Ehe zwischen den beiden zu klären] „Du wartest in deinem Wigwam! Und gehe ein bisschen auf und ab – das ist gut für Verliebte!“(Cochise hält für Tom Jeffords – und damit selbstverständlich auch für den Zuschauer – auch ein paar sehr gute sonstige Alltagstipps bereit)

„Von Frieden zu reden ist leicht – aber es ist schwer, ihn zu halten.“(Cochise hat bereits einen Frieden erlebt und weiß daher, wie schwer dieser wiegt)

„Dein Schmerz ist groß. Du musst ihn ertragen! Er wurde euch von Männern angetan, die euch verraten haben, genau wie Geronimo uns – aber deswegen dürfen wir unsere Völker nicht nach seinen Verrätern beurteilen!“(Cochise versucht gegenüber Tom sofort, Sonseeahrays Tod in den richtigen Kontext zu rücken)

★★★★

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die Nutzung der Kommentarfunktion erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten gemäß meiner Datenschutzerklärung einverstanden.