Spiel mir das Lied vom Tod

C'era Una Volta Il West

★★★★★★

  • Jahr: 1968
  • Regie: Sergio Leone
  • Darsteller: Charles Bronson, Henry Fonda, Claudia Cardinale, Jason Robards, Garbiele Ferzetti, Frank Wolff...

Story

Gerade an dem Tag, an dem die frisch verheiratete Jill McBain (Claudia Cardinale) nach Flagstone kommt, wo sie ihren jüngst angetrauten Ehemann Brett (Frank Wolff) treffen und dessen Kinder kennenlernen will, werden diese alle vom Banditen Frank (Henry Fonda) und seinen Leuten erschossen. Aber anstatt sofort wieder die Heimreise anzutreten, bleibt sie und tritt ihr Erbe an. Damit bleibt sie Frank ein Dorn im Auge, der es auf das Land des Farmers abgesehen hat, das dieser seinerzeit sehr vorausschauend kaufte, da es das einzige Wasserloch im Umkreis von 50 Meilen beherbergt und die Eisenbahn, die durch dieses Gebiet führen wird, nun einmal Wasser braucht. Dieses Geheimnis offenbart ihr allerdings erst der geheimnisvolle Harmonika (Charles Bronson), der Jill gemeinsam mit dem Kleinganoven Cheyenne (Jason Robards) und dessen Bande, denen Frank den Mord an den McBains in die Schuhe geschoben hat, beschützt. Gemeinsam sorgen die beiden dafür, dass Jill ihr Land behalten kann, auch wenn Harmonika Cheyenne, auf dessen Kopf mittlerweile eine Belohnung von 5.000 Dollar ausgesetzt ist, dafür beim Sheriff (Keenan Wynn) eintauschen muss. Beim Befreiungsversuch seiner Leute, stirbt nicht nur der Rest von Franks Bande, sondern auch der letzte Teil von Cheyennes Mannen. Er selbst kommt nur schwer verletzt davon, weil er sich in einem unachtsamen Moment von Franks Auftraggeber, dem Eisenbahnmogul Morton (Gabriele Ferzetti), anschießen lässt, den er selber nie hätte verletzen können, da dieser ein auf Krücken angewiesener „Krüppel“ ist. Immerhin aber lässt er ihn, wie kurze Zeit später auch Frank, alleine zum Sterben in der Einöde zurück, in der seine Männer den Gefangenen-Transport angehalten haben. Er reitet zurück zur McBain-Farm, wo er gerade noch Zeuge des finalen Duells zwischen Harmonika und Frank wird. Harmonika, der sich in die ganze Sache überhaupt nur eingemischt hatte, weil Frank vor Jahren seinen Bruder auf grausame Art und Weise hängen ließ, rächt sich an seinem früheren Peiniger und erledigt diesen. Daraufhin überlässt er Jill die Farm und gibt Cheyenne, der kurz darauf in der Umgegend seinen Verletzungen erliegt, das letzte Geleit, bevor er alleine weiterzieht.

Worte zum Film

ein perfekter, über jeden Zweifel erhabener Western und Film mit genialen Darstellern, großartiger Geschichte, überragenden Einstellungen, genialer Musik und vor allem natürlich genialer Regie

Bewertung

Zum Film:

Wenn man sich über vier Filme hinweg stetig und gefühlt jedes Mal stärker gesteigert hat, wenn man nach nur vier Filmen, zu denen man die alleinige Regie geführt hat, publikumsreaktionstechnisch das Gefühl haben muss, bereits auf seinem Zenit angekommen zu sein, wenn man ein ganzes Subgenre mit nur einem Film aus der Taufe gehoben und diesem mit den folgenden beiden Streifen zwei Klassiker hinzugefügt hat, von denen man den letzten mit Fug und Recht als einen Meilenstein bezeichnen darf, als der er in Europa sofort nach Erscheinen auch galt, wenn man sich durch diese beständig gute Arbeit also auf einmal als einer der besten Regisseure der Welt etabliert hat, dann darf man sich einige Fragen stellen. Zum Beispiel die, ob man noch einmal einen so guten Film wird inszenieren können wie insbesondere die letzten drei abgelieferten. Bzw. ob ein Film wie „Il Buono, Il Brutto, Il Cattivo“ überhaupt noch getoppt werden kann. Oder die, ob es vor diesem Hintergrund überhaupt Sinn macht, noch einen Western zu drehen, weil man diesen ja mit Sicherheit mit den Vorgängern vergleichen wird. Und bekanntermaßen hat auch Sergio Leone dies nach seiner über die Maßen guten wie erfolgreichen Dollar-Trilogie getan und hätte ja auch zu gerne sogleich schon einen Gangster-Film gemacht, aber man kann heutzutage nur der Paramount danken, dass sie ihn sozusagen gezwungen hat, noch einen Western zu drehen. Denn die Antwort auf alle oben gestellten Fragen ist so einfach wie genial und hört auf den wundervollen Titel „Spiel mir das Lied vom Tod“ – zugegebenermaßen in diesem Fall dem großartigen Originaltitel „C’era Una Volta Il West“ (auch was Griffigkeit und Einprägsamkeit angeht) nicht wirklich nachstehend, was ja auch selten genug ist.

Mit diesem wahrhaften Meisterwerk zeigte er allen, die es bis dahin noch nicht begriffen hatten, dass er der größte Regisseur war, den diese Welt jemals hervorgebracht hat – eine Aussage, an der sich meiner Meinung nach bis heute nichts geändert hat. War „Zwei glorreiche Halunken“ bereits ein Film, an dem man nichts mehr verbessern wollte, so ist „Spiel mir das Lied vom Tod“ der Film, an dem man nichts mehr verbessern kann. Hier passt einfach jedes Detail, steckt in jeder Einstellung soviel Herzblut und Inspiration, dass man hiernach denken musste, dass es nun wirklich nicht mehr besser gehen würde (und in der Tat ist ein noch stärkerer Streifen im Genre Western aus meiner (heutigen) Sicht ja auch nur Leone selbst noch einmal gelungen). Das ist wirklich Kino in Vollendung!

Und natürlich reden wir hier über Nuancen, über „Kritik auf ganz hohem Niveau“, wie man im Business-Jargon heute wohl sagen würde, aber er fühlt sich dadurch einfach auch noch einmal so viel besser an als seine Vorgänger (insbesondere die letzten beiden), das ist wirklich erstaunlich. Sein Hauptvorteil und damit ein großes Stück seines Erfolgsgeheimnisses liegt dabei in der Umkehr der gängigen Film- bzw. Plotstruktur begründet. Denn wenn man das Haar in der Suppe von „Per Qualche Dollaro In Piu“ und „Il Buono, Il Brutto, Il Cattivo“ suchen will, so findet man es am ehesten jeweils wohl gegen Ende des Films, wo sich dann doch ein, zwei Sequenzen eingeschlichen haben (bei Erstgenanntem relativ offensichtlich, bei Letzterem sich eher unterschwellig bemerkbar machend), die man selbst wohl ein wenig zusammengestaucht hätte, wenn man die Entscheidung gehabt hätte. Diese sind, gerade im Fall von „Zwei glorreiche Halunken“, überhaupt nicht schlimm und stören wirklich nur, wenn man sich an irgendetwas stören will, aber sie sind existent. Und weil sie existent sind, hinterlassen sie am Ende von diesen Filmen, gerade wenn man diese am Nachmittag oder am ganz späten Abend guckt, also dann, wenn man müde werden kann, manchmal so ein wenig ein ungutes Gefühl, als ob der Film dann eben doch nicht komplett perfekt ist – wovon man ob der jeweilig genialen Eröffnungen dieser Streifen jedes Mal überzeugt ist. Natürlich fällt sowas nur im Vergleich mit anderen, ähnlich bahnbrechenden Filmen auf, es ist aber auch beileibe keine Seltenheit, dass selbst guten Filmen zum Ende des zweiten Drittels manchmal so ein wenig die Luft wegbleibt. Natürlich atmen diese dann wieder durch und holen nochmal richtig schön zum Schlag aus, weswegen man diese Sequenzen in aller Regel nicht weiter thematisiert und das auch gar nicht muss, aber wenn wir „C’era Una Volta Il West“ hier nun als Gegenbeispiel heranziehen wollen, dann fällt hier wirklich auf, dass es Leone in diesem Fall andersherum macht. Ob er das absichtlich getan hat oder nicht, weiß ich nicht. Ich denke es nicht, aber es macht auch keinen Unterschied. Aber hier kann man dem Maestro wenn überhaupt nur im ersten Drittel des Films Kleinigkeiten vorwerfen. Hier vielleicht mal etwas zu lange draufgehalten, dort vielleicht mal eine Sekunde zu lange verweilt oder eine Sequenz etwas zu verspielt – für mich, der ich diesen Film verehre, überhaupt kein Problem, ich will das sogar so haben (und ganz ehrlich: nach diesem denkwürdigen Beginn, bei dem Leone sein eigenes Schema ja mal wieder nur leicht, aber eben absolut effektiv abwandelt und der darauffolgenden Exekutionsszene der McBains, die für mich das Beste ist, was Kino jemals hervorgebracht hat (das ist der absolute Olymp, das ist Perfektion, besser geht es nicht!), hätte er mir theoretisch auch zwei Affen beim Boxen zeigen können, ich hätte wahrscheinlich alles geil gefunden), aber wer – um beim Wortspiel von oben zu bleiben – hier das Haar in der Suppe sucht, wird es höchstens dort finden. Spätestens aber, wenn die etwas umständliche, weil mehrfache Einführung aller Charaktere hier abgeschlossen ist und wir so ziemlich zu wissen meinen, um was es hier geht (um was genau, erschließt sich wunderbarerweise ja erst nach und nach ganz langsam während des Schauens in behutsam aufgebauten und immer wieder absichtlich unterbrochenen Szenen, die dann langsam aber sicher den Blick auf das ganze Puzzle freigeben), dann lassen Leone und das Script, das er zusammen mit Sergio Donati (nach einer Idee, die er zusammen mit Dario Argento und Bernardo Bertolucci ausgearbeitet hatte) verfasst hat, absolut nichts mehr anbrennen. Ab da jagt ein Höhepunkt den anderen, überbietet sich das Genie immer wieder selber in unglaublichen, so noch nie gesehenen Sequenzen und Einstellungen und steuert bei aller Ruhe in der Inszenierung und der daraus resultierenden Länge von zweieinhalb Stunden so unglaublich zielgerichtet auf das große Finale zu, dass man absolut null Längen (und nicht die kleinsten) ausmachen kann und sich am Ende fragt, ob es das wirklich schon gewesen sein soll. Und wenn ein Film so rum abläuft, dann ist das wirklich das Höchste der Gefühle!

Zu diesem perfekten Timing und Leones unglaublichem Gespür für den Moment gesellen sich auch hier wieder sein geschulter Blick sowie das Glück, mit den richtigen Leuten zusammenzuarbeiten. Und ich spreche in diesem Fall lange nicht nur vom bereits mehrfach für seine Bilder mitgelobten, erneut überragenden Kameramann Tonino Delli Colli, sondern vor allem von Chefausstatter und -dekorateur Carlo Simi. Dieser Mann war einfach großartig! Niemand sonst hätte Leones Visionen wohl mit solch perfekten Bauten und Kostümen ausstatten können. Das geht doch schon zu Beginn mit diesem endgeilen Bahnhof mit dem viel zu großen, dem wohl größten Western-Bahnsteig überhaupt los, geht bei der großartig gewählten Location für die liebevoll aufgebaute Sweetwater-Ranch weiter, die ich allein aufgrund der für mich wie gesagt unvergesslichen zweiten Film-Sequenz nie wieder aus meinem Kopf gelöscht bekommen werde und führt über die ebenfalls überdimensionalen Kneipen, Bahnwagons und Stadtaufbauten hin zum bis zum Schluss gut versteckten Finalaustragungsort, der dann unerwarteterweise tatsächlich wieder ein Kreis ist und selbigen somit irgendwo schließt. All diese Orte werden von Simi mit so viel Liebe zum Detail mit Leben gefüllt (allein die Staubmäntel von Cheyennes Bande sind ja wohl Kinogeschichte), wie es sonst wohl nur der Maestro selbst vermocht hätte. Das ist wahrlich eine Augenweide!

Und a pro pos Augenweide: Mit das größte Highlight an „Spiel mir das Lied vom Tod“ blieb ja bislang unerwähnt – seine wahnsinnig talentierte Schauspieler-Crew. Und natürlich kann und will ich gar nicht erst verheimlichen, dass ich beim Wort „Augenweide“ sofort, zuerst und am liebsten an Claudia Cardinale denken muss. Meine Güte, was war diese Frau schön – selbst mit roten Haaren! So schön und so zerbrechlich auf der einen Seite schafft sie es hier trotzdem mit Leichtigkeit nicht nur mit optischen Reizen zu punkten (auch wenn Leone und seine Charaktere dankenswerterweise keine Möglichkeit ungenutzt lassen, um diese ins rechte Licht zu rücken), sondern auch ihr schauspielerisches Talent voll zu entfalten und uns somit auch die vom Leben gegerbte, erkaltete Seite ihrer Figur nahezubringen. Nur in Viscontis „Il Gattopardo“ war sie besser – und vielleicht auch noch einen Tick hübscher, was aber ein Kunststück ist, wo dieser doch fünf Jahre vor „C’era Una Volat Il West“ gedreht wurde. Und sie beweist auf jeden Fall erneut, dass sie zu ihrer Zeit die schönste Frau auf diesem Planeten war. Eine Göttin – und als nichts anderes wird sie hier von Leone auch zu recht inszeniert!

Dagegen haben es die Herren der Schöpfung hier natürlich ungleich schwerer zu bestehen, aber auch wenn Leone tatsächlich mal andere Hauptdarsteller besetzen konnte als in den Dollar-Filmen – er konnte natürlich erst recht aus dem Vollen schöpfen. Allen voran seinen Bösewicht hat er hier natürlich prominent und vor allem passend besetzt. Gerade weil man Fonda bis dato (zumindest so weit mir bekannt) noch nie in einer solchen Rolle erlebt hatte, zündet seine diabolische Ruhe und Arroganz so gut. Er hätte durchaus öfter ein solches Ekel spielen dürfen – dann aber gerne auch ohne Kautabak. Jason Robards steht ihm in Sachen Klasse in absolut nichts nach und auch für seinen Cheyenne könnte man sich keinen passenderen Mimen vorstellen. Super sympathisch wie authentisch. Der einzige, der aus diesem Führungsquartett etwas abfällt, ist Charles Bronson – aber auch nur, wenn man diese Leistungen wieder auf allerhöchstem Niveau vergleichen möchte. Auch er macht seine Sache großartig und war selten so gut wie hier. Man hat halt bei ihm nur als einzigem das Gefühl, dass er nicht unersetzlich gewesen wäre. Vielleicht hätte es Schauspieler gegeben, die den Harmonika ebenso klasse umgesetzt hätten wie er – und dabei vielleicht noch etwas authentischer die Mundharmonika selber im Mund hin und her hätten schieben können. Vielleicht. Vervollständigt wird der Cast credited sowie uncredited von heute so namhaften Akteuren wie Gabriele Ferzetti, Frank Wolff, Paolo Stoppa, Keenan Wynn, Woody Strode, Jack Elam, Aldo Sambrell, Lionel Stander, Benito Stefanelli, Frank Brana, Spartaco Conversi und und und. Allesamt großartige Schauspieler, auf die ein Sergio Leone sich verlassen konnte.

Und wenn wir schon über Zuverlässigkeit reden, dann dürfen wir als letztes natürlich auch Leones kongenialen Partner Ennio Morricone nicht vergessen, der dieses Mal ja sogar die Ehre bekam und vor dem Dreh komponieren durfte. Passt diese, seine erneut einfach nur geniale (anders kann man es einfach nicht in Worte fassen) Filmmusik also hier so gut zum Film, obwohl er ihn vorher noch nicht kannte oder eben weil Leone folglich dazu inszenieren konnte? Beim Genie der beiden wohl ein bisschen was von beidem, aber Fakt ist: Ein solches Füllhorn an unterschiedlichen, aber durch die Bank überragenden Melodien ist auch Morricone nur sehr selten gelungen und sein Hauptthema wird meiner Meinung nach nur noch von dem des Nachfolgers hierzu, „Todesmelodie“, übertroffen.

So und zusammenfassend für alle, die es jetzt noch nicht verstanden haben sollten: „Spiel mir das Lied vom Tod“ ist einer jener seltenen Glücksfälle im Leben, wo einfach alles stimmt. Ein Film, für den Kino erfunden wurde und der auf die große Leinwand gehört. Ein echter Leone mit all den Merkmalen (heute würde man wohl Trademarks sagen), die er sich über die Jahre zu Eigen gemacht hat und die er hier zu absoluter Perfektion führt (kein anderer Regisseur wäre zu so einem Film in der Lage gewesen). Einer der wirklich allerbesten Filme aller Zeiten, den er – zumindest im Genre Western – erwartungsgemäß auch tatsächlich (fast) nur selber noch in der Lage war, zu überbieten. Hier treten wirklich alle – die gesamte geniale Crew um Morricone, Delli Colli, Simi, Donati, Cardinale, Fonda, Bronson und Robards – vor der Gesamtleistung des Genies Leone in den Hintergrund. Ein Film, den man sich immer und immer wieder anschauen kann, ohne dass er langweilig werden würde oder dass man nicht noch ein neues Detail entdecken würde. Und genau das würde ich jetzt am liebsten auch gleich wieder tun, aber es wartet ja bereits eine andere Pferdeoper auf mich. Aber eigentlich… „Irgendeiner wartet immer.“, oder?

Zur DVD:

Wieder mal ’ne sehr schöne Veröffentlichung von Paramount (die ja drei der sechs Leone-Filme rausgebracht haben), die Doppel-DVD von 2003. Sie besticht durch hervorragende Bild- und vor allem Ton-Qualität. Allerdings weiß ich nicht genau: An zwei Stellen während des Hauptfilms und an diversen Stellen im Bonusmaterial weist das Material beim Schauen so komische Streifen auf, die aussehen als hätte ein Amateur seine Handy-Videos digitalisiert… Keine Ahnung, ob’s am Upscale meiner PS liegt oder ob das ein generelles Problem ist, aber da es im Film selber ja so selten auftritt, geht’s. Im Bonusmaterial kann das aber auf die Dauer nervig sein. Auf der Filmdisc befindet sich auch bei diesem Film ein Audiokommentar und so eine Art superschnell, aber ganz fetzig geschnittener Trailer; weiß aber nicht, was das ist. Ist außerdem nur über den Titel-Schriftzug anwählbar, also erst nicht so richtig als Menüpunkt zu erkennen. Ob das jetzt ein Easter Egg sein soll, weiß ich nicht, kann man sich aber mal geben. Außerdem gibt’s noch ein mehrseitiges Booklet, das aber mal wieder nur die ganzen Aussagen der Dokumentationen zusammenfasst und um ein, zwei neue Fakten ergänzt, also alles in allem ziemlich überflüssig ist.

Bonus-Material:

  1. „Eine Oper der Gewalt“ (29 min.),
  2. „Der Preis der Sünde“ (20 min.) und
  3. „Dem Tode nah“ (18 min.) sind eigentlich eine megageile, zusammenhängende Dokumentation, die aus Interviews mit Sir Christopher Frayling, Claudia Cardinale, Gabriele Ferzetti, Bernardo Bertolucci, Tonino Delli Colli, Alex Cox, John Carpenter und John Milius, sowie aus zwei Interviewausschnitten mit Sergio Leone und Henry Fonda genial zusammen gebastelt wurde. Habe ich auf der Gold Edition zu „Zwei glorreiche Halunken“ noch gesagt, dass man die Haupt-Dokus da ganz gut schauen kann, so muss man hier sagen, man liebt es einfach nur zuzuhören. Hier geht es wirklich ausschließlich um „C’era Una Volta Il West“ und nicht noch um irgendwelche anderen Leones (höchstens zu Erklärungszwecken am Rande natürlich). Alle Akteure hier haben auch wirklich etwas zu Erzählen und unterhalten nicht nur. Die Anekdoten sind lustig und die erwähnten Spezialitäten Leones kann man am Film klasse nachvollziehen, das macht Spaß. Und nicht nur das! Am Spannendsten ist es, dass Paramount es hier sogar zulässt, dass einzelne Redner ihre Vorredner berichtigen, wenn diese mal wieder etwas zu sehr ausgeholt haben, was ihre eigene Person oder ihr Hörensagen angeht. Sehr geil, das habe ich so noch nicht gesehen! Und unter Schauspielern kommt es ja gerne mal vor, dass diese mal etwas übertreiben. Hier aber ist es eher so, dass die Protagonisten wohl eher unfreiwillig etwas Unwahres oder zumindest nicht ganz Korrektes hier und da einstreuen, weil sie sich einfach nicht mehr richtig erinnern, denn man hat wirklich nur sympathische Sprecher hier versammelt. Warum genau John Carpenter und vor allem John Milius und Alex Cox zur Sprache kommen, erschließt sich mir jetzt zwar nicht wirklich, aber egal – sie outen sich mal mehr, mal weniger als Fans und in Person von Carpenter gibt endlich mal ein Regisseur zu, dass er Fellinis Filme nicht versteht (wenn er sie, warum auch immer, trotzdem gerne sieht)! Schwach hierbei leider aber die deutschen Untertitel, die des Öfteren nicht das oder nicht alles wiedergeben, was der Sprechende gerade gesagt hat und damit einige Aussagen für Leute, die des Englischen nicht so mächtig sind, ziemlich kaputt machen können, aber gut, in der Hinsicht habe ich Glück, dafür reicht’s bei mir Gott sei Dank.
  4. „Die Eisenbahn – Revolution des Westens“: Ziemlich langweiliges, uninspiriertes und dann glücklicherweise auch nur sechs Minuten langes Featurette über die Bedeutung der Eisenbahn im Film und in der Wirklichkeit des Westens.
  5. „Location Damals und Heute“: Keine Ahnung, warum Paramount diesen Drehortvergleich nicht so gemacht hat, wie auf der „Für eine Handvoll Dollar“-DVD. Das war doch sehr gut. Stattdessen gibt’s jetzt Durchschnitts-Drehortvergleiche, die ich gleich weggedrückt habe.
  6. „Produktion – Fotogalerie“: Sind ’n paar sehr interessante Fotos vom Set dabei, mehr aber auch nicht.
  7. „Darstellerprofile“: Kurze, knappe Infos (leider noch nicht mal ’ne halbe Biografie) zu Bronson, Fonda, Cardinale, Robards und Ferzetti. Hätte man sich klemmen können.
  8. „Original Kinotrailer“

Und ich muss jetzt nicht mehr dazuschreiben, dass man diesen Film in irgendeiner Form zu Hause haben muss, oder?

Zitate

„Habt ihr ein Pferd für mich?“ – „Also wenn ich mich hier so umsehe, sehe ich nur drei Pferde. Und sollten wir denn tatsächlich eins vergessen haben?“ – „Ihr habt zwei zuviel!“(Harmonika versucht Jack Elams Filmbösewicht das Rechnen beizubringen)

„Haben wir die richtigen erwischt, Frank?“ – „Du sollst nicht meinen Namen nennen!“(Frank muss die Verhaltensregeln für seine Leute leider wiederholen)

„Wenn man damit umgehen kann, ist es die stärkste Waffe der Welt.“(Morton über Geld)

„Einen Traum, den man ein Leben lang geträumt hat, verkauft man nicht.“(Harmonika ist einmal mehr extrem empathisch)

„Und sie haben dem Dreckskerl auch noch geholfen.“ – „Ich hab’ nur verhindert, dass man ihn umlegt, das is’ was anderes.“(Harmonika weißt Jill auf die kleinen Unterschiede im Leben hin)

„Irgendeiner wartet immer.“(Harmonika zum Abschluss absolut unempathisch zu Jill)

★★★★★★

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