Sartana – Bete um deinen Tod

Se Incontri Sartana Prega Per La Tua Morte

★★★ ++

  • Jahr: 1968
  • Regie: Gianfranco Parolini
  • Darsteller: Gianni Garko, William Berger, Fernando Sancho, Gianni Rizzo, Sydney Chaplin, Franco Pesce, Heidi Fischer, Klaus Kinski...

Story

Der geheimnisvolle Sartana (Gianni Garko) beobachtet, wie der goldgierige Lasky (William Berger) seine eigenen Männer, mit denen er gerade eine Truhe voller Edelmetall erbeutet hat, über den Haufen ballert, nur um alleiniger Besitzer des Schatzes zu sein. Allerdings befinden sich in der Kiste nur Steine und so ist Sartanas Interesse geweckt. Aber nicht nur er und Lasky, sondern auch der Mexikaner Jose Manuel Mendoza, genannt General Tampico (Fernando Sancho), und seine Jungs, der Killer Morgan (Klaus Kinski), der Bankier Jeff Stewal (Sydney Chaplin), sein schmieriger Compagnon Alman (Gianni Rizzo) und dessen Frau Evelyn (Heidi Fischer), die aber zugleich auch Geliebte von Stewal als auch Lasky ist, sind hinter dem Zaster her. Nach einigem Hin und Her sowie vielen Toten stellt sich heraus, dass Stewal und Alman das Gold im Sarg des verstorbenen Ex-Bürgermeisters auf dem Friedhof versteckt hatten, um es für sich zu haben. Allerdings hintergeht Alman Stewal, der beim Versuch das Gold wieder auszubuddeln von Tampicos Leuten erlegt wird, und frachtet das Edelmetall unbemerkt in einen anderen Sarg, der bald in eine andere Stadt überführt werden soll. Als er das Evelyn erzählt, erschießt sie ihn, rennt zu Lasky und muss ihrerseits ihr Wissen mit dem Tod bezahlen. Tampico und Morgan wurden bis dahin unterwegs schon von Lasky beziehungsweise Sartana platt gemacht und so stehen sich jetzt nur noch diese beiden zum finalen Duell gegenüber, welches Letzterer natürlich für sich entscheiden und dann mit dem Gold abhauen kann.

Worte zum Film

großartige Darsteller, großartiger Titelheld mit vielen netten, kleinen Accessoires; interessante, aber ein wenig zu verworrene, bisweilen unnachvollziehbare Story; dafür ungemein unterhaltsam; gewöhnungsbedürftige, aber stimmige Locations; Sartana nimmt Fahrt auf

Bewertung

Zum Film:

Gianfranco Parolinis „Sartana“ (Untertitel „Bete um deinen Tod“, hä hä) war seinerzeit tatsächlich mein erster und das ist ganz cool so, finde ich. Ich mein, Alberto Cardones gerade erst besprochener „Sartana“ (der im Original bezeichnenderweise „Mille Dollari Sul Nero“ heißt) hat ja mit dem (Anti-)Helden, der hier geschaffen wurde, nichts zu tun, sondern Ernesto Gastaldi lieferte mit seinem zugehörigen Script nur den Namen desselben und so ist dieser hier in der Reihe der fünf offiziellen „Sartanas“ ja generell auch der Erstgedrehte (wobei ich finde, dass man Hiltons Auftritt da rauslassen sollte, aber das werde ich an entsprechender Stelle noch einmal genauer ausführen). Und ohne ihn würde es die vier Carnimeos ja auch nicht geben, denn der gute Giuliano hat sich für seine Filme ja nur des in diesem Streifen geprägten Charakters bedient und keinen neuen erschaffen. Was selbstredend auch völlig legitim ist, zumal ob der Qualität der von ihm gedrehten Genrebeiträge, aber es unterstreicht noch einmal die Wichtigkeit dieses Films. Und das ist mir ein Anliegen, denn „Se Incontri Sartana Prega Per La Tua Morte“ selbst ist zwar ein eindeutig überdurchschnittlicher Italowestern, aber diese Figur kann noch einiges mehr; Carnimeos „Sartanas“ sind da (in der Regel) dann doch noch ne Ecke besser.

Und das obwohl „Sartana – Bete um deinen Tod“ eigentlich schon alles hat, was man von einem Italowestern erwartet. Gute Darsteller, ne Menge Action (= die Untertreibung des Jahres), ein wenig Witz und n bisschen Story. Und Letztere scheint auf den ersten Blick auch geradezu ein Paradebeispiel für einen Italo-Plot zu sein. Sind sich hier doch alle Handelnden (und davon gibt es einige) im Grunde spinnefeind. Niemand traut dem anderen über den Weg, alle handeln nur für ihren eigenen Profit. Da wird sich pausenlos übers Ohr gehauen und nicht selten auch mehr (der Bodycount ist unglaublich, doch dazu später mehr). Ständig eröffnen sich neue Plottwists, wer jetzt doch ein ganz anderes Spiel spielt und wer wie zu wem in welcher Beziehung steht (und falls da jetzt noch keiner durchsteigen sollte: macht nix!). Mal ist das Gold da, mal hier, keiner weiß es so genau. Jeder betrügt jeden und im Endeffekt ist jeder ganz auf sich allein gestellt. Alles falsche Schweine und die Hauptfigur ist auch nicht besser. Im Grunde also so, wie man sich einen Italowestern vorstellt – oder zumindest die in ihm handelnden Figuren. Und es macht definitiv auch sehr viel Spaß dabei zuzusehen, wie die Geschichte hier bestimmt ein Dutzend Mal in die eine oder andere Richtung kippt. Wenn wir nun allerdings den Grund dafür suchen, warum Parolinis dritter Genrebeitrag nicht ganz die Qualität von Carnimeos späteren Arbeiten erreicht, gehört zur Wahrheit ebenso, dass die laut IMDb mal wieder sage und schreibe ganzen sechs (!) Leute, die hier am Drehbuch mitwirkten, in dieser Hinsicht ein wenig zu viel wollten (namentlich waren das Luigi De Santis, Fabio Piccioni und Adolfo Cagnacci als Ideengeber und Renato Izzo, Theo Maria Werner sowie natürlich der Regisseur selbst fürs Schreiben (es fällt auf, dass der Name Gianni Garko entgegen seiner Aussage im Bonusmaterial nirgendwo auftaucht)). Ich glaube, ich erzähle euch nicht unbedingt etwas Neues, wenn ich sage, dass es für unser gutes, altes Sprichwort „Manchmal ist weniger mehr.“ offensichtlich keine italienische Entsprechung zu geben scheint.

Und so bleibt „Sartana – Bete um deinen Tod“ mitunter ein wenig undurchschau-, vor allem aber unnachvollziehbar. Man versucht ja die ganze Zeit über am Geschehen dran zu bleiben und zu verstehen bzw. zu erraten, wer da nun grad wem warum eins ausgewischt bzw. wer nun das Gold hat. Aber das stellt sich als gar nicht so leicht heraus, da wir ja relativ früh mitbekommen, dass in der Kiste nur Steine sind und damit gleichzeitig, wer nicht weiß, wo das Edelmetall ist, allerdings keine Ahnung davon haben, wer es wissen könnte. Ein cleverer Schachzug von Parolini und Co., der das Ratefieber natürlich nur noch mehr anstachelt. Dass sie uns dann aber das komplette erste Drittel des Streifens darüber im Unklaren lassen, was es mit dem Gold nun eigentlich genau auf sich hat (über den Ausgangspunkt der Geschichte, wenn man so will), finde ich hingegen fast schon ein wenig zu lang. Nach der Explosion möchte man dann schon so langsam wissen, wie es weitergeht. Da dieser Wunsch sodann auch prompt erfüllt wird und „Frank Kramer“ bis dahin glänzend unterhält (selbst die offensichtlich überflüssige Pokerszene kriegt da im Nachhinein noch ihren Sinn), will ich an dieser Stelle noch nicht meckern, aber das gibt schon so ein wenig die Richtung vor. Denn sobald unsere Autorenrunde ihr Konstrukt dann peu a peu auflöst, lässt sie doch einige Fragen ungeklärt, die einen als Zuschauer dann schon noch interessiert hätten. (Anmerkung: Tatsächlich klärt sich ein Großteil davon, sobald man endlich mal in den Genuss der Uncut-Fassung kommt (mir war vor Colosseos Wohltat nur die verstümmelte deutsche Fernseh- bzw. DVD-Fassung bekannt), aber leider eben nicht ganz alle.)

(Spoiler) So tut der erfrischende, spritzige Anfang mit Sartanas (Gianni Garko) ikonischer Einführungsszene, in der er Morgan (Klaus Kinski) einen Plan durchkreuzt, indem er gleich mal ein paar Männer von ihm umpustet (und die man einfach nicht vergessen kann), so richtig gut, allerdings kommt nachher nie raus, was das eigentlich mit der Geschichte an sich zu tun hatte. Morgan kehr zwar wieder und wird von Sartana dann auch recht fix in die ewigen Jagdgründe befördert, aber was dieses Stück Papier, das er da erbeuten wollte (offensichtlich eine Versicherungspolice), mit dem folgenden Goldtransport zu tun haben soll, bleibt im Dunkeln. Ähnlich verhält es sich mit den nachfolgenden Sequenzen. Hab ich mich zu Anfang noch köstlich darüber amüsiert, wie erst die Mexikaner die Kutsche überfallen und alles umnieten, nur um dann selber von Lasky (William Berger) und seinen Leuten über den Haufen geballert zu werden, wonach Letztere von ihrem Boss dann auch noch mit einer Gatling abserviert werden, wirft genau das im späteren Verlauf des Films Fragen auf. So kommt ja irgendwann raus, dass es nun mal die Bankiers Stewal (Sydney Chaplin) und Alman (Gianni Rizzo) waren, die das Gold beiseite und damit aus der Kutsche gebracht haben. Das Gold bedeutet die Goldreserven der Stadt (offensichtlich inklusive der Spareinlagen der Bürger) als auch jene von General Tampico (Fernando Sancho), einem in der Nähe beheimateten Mexikaner-Führer. Und weil die beiden wussten, dass der Südländer versuchen würde, sich bei einem Überfall das komplette Edelmetall zu krallen, engagierten sie Lasky, damit dieser seinerseits dessen Leute ausschalten könnte. Zumindest, wenn ich das jetzt richtig gedeutet habe, denn so ganz wird das leider nie gesagt, aber es wäre für mich logisch. Na ja und dann zwingt sich doch die Frage auf, warum die beiden sich erst dem Risiko von gleich zwei so schießwütigen Gegnern aussetzen, um dem einen der beiden (nämlich Tampico) das Versteck des Goldes kurze Zeit später dann völlig grundlos doch zu verraten. Das begreife ich einfach nicht, denn wenn die Mexikaner auch eine Kiste Steine hätten erbeuten können, hätte es Lasky ja nicht gebraucht… Mal ganz davon abgesehen, dass Stewal und Alman auch einfach alles hätten abstreiten können, wo die beiden ja nun wirklich keine Kinder von Traurigkeit sind und keinerlei Furcht zu kennen scheinen.

Eine weitere Frage ist die nach Laskys Angst vor dieser kleinen Taschenuhrmelodie, die er so gar nicht hören kann. Warum ist das so, woher kommt das? Das macht die Sache anfangs richtig interessant, wird dann aber nie aufgelöst und so was ist ärgerlich… Die Uhr gehört eigentlich dem von Sal Borgese gespielten mexikanischen Unterführer El Moreno, der von Lasky aber direkt zu Beginn erschossen wird. Es könnte sich bei dessen Reaktion also allerhöchstens um ein schlechtes Gewissen ob der Mitwisserschaft von Sartana handeln, was allerdings ob seines sonstigen Gemüts überhaupt keinen Sinn machen würde. Außerdem hat El Moreno die Uhr während des Überfalls überhaupt nicht spielen lassen, sodass der Rotschopf überhaupt keinen Bezug dazu haben dürfte. Erst Sartana findet sie spielend vor. Wie gesagt, so was ärgert mich. Das sich in späterer Folge an das Wiederauftauchen der Uhr anschließende Intermezzo auf Tampicos Besitz, in dessen Verlauf Sartana Lasky vor der Rache der Mexikaner schützt, erschließt sich mir aber generell nicht so wirklich. Ebenso wie Sartanas verschachtelte Forderung nach 50 Prozent Anteil am Gold angesichts seiner – zumindest in der deutschen Fassung – sehr seltsamen Formulierungen so eindeutig nicht zu verstehen ist… (Spoilerende)

Ganz zu schweigen von den selbstverständlichen Kuriositäten, die sich in so ziemlich jedem Italowestern finden. Zum Beispiel dass Lasky immer wieder einfach so zwanzig Männer aus dem Boden stampft, wo man vorher noch gemeint hätte, er hätte sie alle verloren. Oder dass Lasky Sartana irgendwann einfach so anfängt mit Namen anzusprechen, obwohl der den vorher meiner Meinung nach nie gesagt hat. Oder dass die Taschenuhr offensichtlich 120 Dezibel hat (das ist – je nach Fasson – echt schon ein wenig lustig oder einfach nur peinlich). Und dann dieses dämliche Gequatsche von Franco Pesces (eh recht nervigem) Dusty von wegen „Wer bist du denn eigentlich?“ (zu Sartana jetzt), als ob der irgendwas Besonderes sein müsse. Er ist Sartana, er ist ein Einzelkämpfer und er ist gut. Das reicht doch. Was soll die Fragerei also? Ich frag den Mann ohne Namen ja auch nicht, wie er heißt…

Ihr merkt also: Wie so oft im italienischen Genrekino dieser Tage ist diese wechselvolle Goldhatz an etlichen Stellen mehr Schein als Sein. Aber wie so oft sollte man sich ins Gedächtnis rufen, dass diesen Werken mit Logik nicht unbedingt beizukommen ist und nur weil es mir bei ihnen mal besser und mal schlechter gelingt, meinen Verstand abzuschalten, heißt das nicht, dass man mit ihnen nicht trotzdem eine Menge Spaß haben kann. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Und das – das kann man Parolinis Werk nun wirklich nicht absprechen – tun sie in diesem Fall. Die handwerkliche Umsetzung passt, seine schnelle Gangart lässt einen sowieso kaum zum Nachdenken kommen und die Darsteller sind exquisit.

Also der Reihe nach: Parolini hat das Ding hier sicherlich nicht wie ein Sergio Leone in Szene gesetzt, aber eindeutig überdurchschnittlich, sodass ich kaum etwas zu meckern finde. Die Schauspieler haben offensichtlich auf ihn gehört, die Shootouts sind nicht der helle Wahnsinn, aber absolut ok (so’n bisschen auf Rafael-Romero-Marchent-Level, bis auf die Szene vielleicht, in der Lasky das Haus in die Luft jagt), vor allem aber in ihrer Abfolge und Abwechslung einfach schwer unterhaltsam und die Atmosphäre mag ich irgendwie. Man muss sich zwar erst an die Locations um Rom mit ihren Sandbergen und so weiter gewöhnen, aber irgendwie schafft Parolini es, diese billigen Drehorte stimmig wirken zu lassen (und man kennt wirklich jeden einzelnen von ihnen, angefangen vom Saloon, über das Büro von Stewal und Alman, über die Straße, auf der die Postkutsche überfallen wird, über die Ranch von General Tampico, über eben jenes Häuschen, das Lasky in die Luft sprengt, bis hin zu den Sandbergen). So macht sein Saloon z. B. deswegen Eindruck, weil er herrlich verraucht ist, oder sind seine Innenszenen generell eindrucksvoll, weil er sich von Leone immerhin die riesigen Innenräume abgeschaut hat. Und so ist einzig der ziemlich billige Trick, Schnelligkeit sowie Undurchsichtigkeit in Sartanas Handlungen mit seinem kleinen Derringer durch den Einsatz von Zeitraffer bringen zu wollen, zum Scheitern verurteilt. Da gab’s in diesem Subgenre allerdings schon schlimmere Fehlgriffe.

Die Kameraarbeit von Sandro Mancori fand ich auch ganz nett, allerdings nichts weltbewegend und manchmal dann doch ein wenig zu verspielt und zu hektisch-verwackelt (auch wenn das Absicht gewesen sein dürfte, aber mir sagt es nicht zu). Und die Musik von Piero Piccioni bleibt auch relativ blass. Man kann sich nicht großartig beschweren, aber er ist eben auch kein Morricone (das merkt man allein schon, wenn man die beiden Taschenuhr-Melodien vergleicht). Allerdings haben wir auch das alles schon viel schlechter gesehen und gehört und sollten daher mit dieser vernünftigen Leistung zufrieden sein.

Zumal das Tempo dieses Streifens wirklich einiges an Storyungereimtheiten und Co. wieder wett macht. Denn hier ist ständig was im Gange und meistens wird einfach nur drauf los geballert. Stellvertretend dafür wirklich die Einleitung dieses Werkes, die in dieser Hinsicht gelungener nicht sein könnte und einfach nur Spaß macht. Und das ändert sich den Film über auch nicht wirklich. Die ganze Zeit über werden irgendwo mehr oder weniger sinnlos Leute über den Haufen geschossen, erstochen oder sonst wie ermordet, ohne dass einem dabei langweilig würde. Zwischendurch kommt man dabei dann gar nicht groß zum Atmen (und wie gesagt auch nicht wirklich zum Nachdenken, was ob der Story wohl so geplant gewesen sein dürfte) und wird, eine Affinität für diese Art der „Storyführung“ selbstverständlich vorausgesetzt, einfach nur gut unterhalten.

Das ist nicht zuletzt auch das Verdienst der wie bereits erwähnt exzellenten Darsteller. Gianni Garko, der hier ja noch relativ am Anfang seiner Italowesternkarriere stand, war zwar noch nicht ganz auf seinem Zenit angelangt und hat daher ein, zwei Male Mühe, seine Lässigkeit nicht aufgesetzt wirken zu lassen, aber das fällt erstens kaum auf und zweitens ist er darüber hinaus so unglaublich liebenswürdig in dieser Rolle (also ihr wisst schon, wie ich das meine), dass man ihn einfach gut finden muss. Und außerdem sieht er in seiner Verkleidung natürlich anbetungswürdig aus, mit seinem wehenden Umhang und so. Ich empfinde und empfand Sartana schon immer als coolsten aller Italo-Revolverhelden und Garko war für diesen Part schlicht die perfekte Wahl (auch wenn er auch das in den Nachfolgern noch mehr unterstreichen sollte). Aufgrund seiner zwei Wackler ist William Berger hier aber tatsächlich der eindeutig Beste und so unglaublich durchgeknallt, dass es einfach nur eine Freude ist, ihm bei der Arbeit zuzugucken. Ich liebe seinen Lasky, ähnlich wie ich seinen Banjo ein paar Jahre später liebe (das mit der Taschenuhrmelodie ist natürlich blöd gelaufen für ihn, aber das hat er sich ja auch nicht ausgesucht). Als nächstes sollte man als alter Italofan dann wahrscheinlich Fernando Sancho anführen, auch wenn er leider gar keine so große Rolle hat, wie man das gerne hätte (es gibt hier ja so viele wichtige Figuren). Der spielt seinen Mexikaner-General gewohnt gut wie immer (und zwar wirklich wie immer), ohne dabei groß zu glänzen oder zu schwächeln, aber dafür hat er hier eben auch nicht die Zeit. Es ist einfach immer wieder schön, ihn zu sehen.

Bei Sydney Chaplin muss ich zugeben, dass ich zwar daran gedacht, es aber nicht wirklich geglaubt hatte, dass er wirklich der Sohn des großen Charles Chaplin sein könnte (wobei das „groß“ sich jetzt auf seine Bedeutung für die Filmgeschichte und nicht auf meine Meinung über ihn bezieht; das sei mal dazugesagt), aber er ist es tatsächlich. Keine Schönheit und mit nicht viel Talent gesegnet zwar, aber dafür hat er wenigstens Italowestern gespielt. Dieses auch nicht sonderlich einprägsam, aber es reicht. Gianni Rizzo dagegen ist total cool, wie wir ihn lieben; so unglaublich schleimig, dass man ihn sofort in den Boden rammen möchte und widerlich wie Sau. Sehr gut! Franco Pesce spielt seinen Part ohne Einwände (nur seine Figur selbst nervt eben ein wenig) und die Deutsche Heidi Fischer, die die Evelyn spielt, kann man getrost vergessen. Hat als Darstellerin außer dem hier nur noch zwei andere Filmchen gemacht und man sieht’s. Ach ja und ich bin nicht der Erste und ich werde auch nicht der Letzte sein, der sagt, dass Klaus Kinskis Rolle hierin natürlich viel zu klein angelegt ist, denn er ist einfach mal wieder obercool.

Summa summarum reichen die handwerklichen wie schauspielerischen Qualitäten eines „Se Incontri Sartana Prega Per La Tua Morte“ letztendlich aus, um seine nicht unbedingt zahlreichen, aber eben doch vorhandenen, quasi erwartbaren und daher noch ärgerlicheren kleinen Fragezeichen hinter gewissen Storypunkten im Prinzip auszumerzen. Das reicht dann natürlich nicht mehr für die erste Liga und selbst für einen Vergleich mit dem Großteil der folgenden Carnimeos nicht aus (obwohl – und das wiederhole ich gerne nochmal – dabei nicht vergessen werden sollte, dass es letztere Streifen ohne diesen hier gar nicht gegeben hätte), ansonsten aber darf man diesen Streifen innerhalb seines Subgenres eindeutig zu den besseren, eigentlich schon zu den guten Vertretern zählen. Aber obwohl die ungeschnittene Fassung, die ich nun endlich begutachten durfte, wie gesagt die meisten der vorher bestehenden Fragen beantworten kann, reicht es leider immer noch ganz knapp nicht für die nächsthöhere Bewertungsstufe (auch wenn ich mir das manchmal gerne einreden würde). Trotzdem: Eine Affinität zum Baller-Western vorausgesetzt (denn das ist „Sartana – Bete um deinen Tod“ in Reinform), bekommt man hiermit einen der besten Beiträge zu diesem „Thema“ geliefert, dessen Hauptheld es geradezu herausforderte, dass man seine Geschichte fortschrieb…

Übrigens: Köstlich die Szene, in der Stewall zum hier beständig Pralinen naschenden Alman sagt „Pfleg deinen Bauch!“, als er ihn zur Ruhe aufrufen will.

Zur DVD:

Ich hab die DVD von 101 Pixel, aber ich glaub die dürfte auch nicht viel anders sein als die von ZYX Music. Das Bild ist für so eine Billig-Veröffentlichung erstaunlich gut (natürlich kein Vergleich zu Koch oder so, aber immerhin). Der Ton interessiert mich nicht so, fand ich nichts bei. Bonusmaterial ist mit einer Bildergalerie und dem Trailer auch noch mit drauf. Hätte man sich seinerzeit für 5 Euro oder so also durchaus zulegen können, wäre da nicht die Geschichte mit der Cut-Frage. Da diese aber ja nun geklärt ist (und nach Ansicht der Colosseo-BD würde ich sagen, ist diese DVD hundertprozentig geschnitten), ebenso wie jene nach einem HD-Bild, kann sich die Frage nach einem Erwerb dieser Scheibe meiner Meinung nach nicht mehr stellen. Einfach zu BD greifen und glücklich werden!

Zur BD:

Denn diese BD aus dem Hause Colosseo ist einfach kolossal gut! Das Bild, das von einem 4k-Transfer stammt, ist der Hammer (gerade im Menü mit dem drüber gelegten Filter, der dann auch die letzten Unsauberkeiten des alten Films überdeckt, fällt einem glatt die Kinnlade runter)! Dazu wie gesagt endlich uncut mit einem Ton, bei dem mir natürlich erneut nichts aufgefallen ist. Was kann man als Fan mehr wollen? Zusätzlich hat man sich bei diesem Label natürlich auch nicht lumpen lassen und noch ein wenig Bonusmaterial an Land gezogen. Dieses kommt einem allerdings sehr bekannt vor:

  1. „Gianni Garko im Interview“: Der abgeänderte Titel sollte nicht darüber hinwegtäuschen, mit was wir es hier eigentlich zu tun haben: Mit einem Zusammenschnitt der alten „Mondo Garko“-Features von Koch Media, enthalten auf den Scheiben zu „10.000 Dollari Per Un Massacro“ und „Per 100.000 Dollari Ti Ammazzo“ der „Django Italowestern-Box“ (unter Auslassung gewisser Teile, in denen es nach meiner Schätzung wohl um „10.000 blutige Dollar“ sowie „Django der Bastard“ gegangen sein dürfte). Sollte mich doch sehr wundern, wenn dem nicht so wäre, zumal das Ganze auf dem Backcover auch als „Mondo Garko“ gekennzeichnet ist. Ging ja schon erstaunlich viel um „Sartana“ damals… Meine Meinung zu dem Ganzen werde ich dann bei der Besprechung der beiden DVDs zum Besten geben, denn ich habe gestern Abend nochmal wieder reingeguckt und hätte es mir wohl auch wieder komplett reingezogen, aber als Garko dann anfing „Sartana kommt“ zu spoilern, den ich mir ja demnächst wieder geben will, musste ich ausmachen. Für alle, die das Ganze tatsächlich noch nicht kennen sollten (weil sie die elementare „Django Italowestern-Box“ z. B. tatsächlich nicht mehr ergattert haben sollten), sollte es natürlich eine reine Freude sein. Auch wenn Garko hier behauptet die Story zu diesem Film geliefert zu haben, dies aber in keinen Credits der Welt auftaucht. ;)
  2. Bildergalerie (selbstablaufend)

Und ja, es ist natürlich sehr schwach, dass der Trailer fehlt, aber man kann manchmal offensichtlich nicht alles haben. Dafür ist der Rest dieser superben Veröffentlichung aber dermaßen überzeugend, dass mir das am Ende dann auch völlig egal ist. Ich bin jedenfalls überglücklich diesen Klassiker endlich in dieser adäquaten Form bestaunen zu dürfen und würde immer wieder zugreifen!

Zitat

„Du siehst wie eine Vogelscheuche aus.“ – „Ich bin aber euer Totengräber.“(Sartana sollte noch einmal über seine Garderobe nachdenken)

„Hey, du hast immer noch nicht gesagt, wer du bist…“ – „Ich bin auch ein Totengräber, aber spitzenklasse!“(Sartana ist seine eigene Rating-Agentur)

★★★ ++

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