Ringo kommt zurück

Il Ritorno Di Ringo

★★★ +++

  • Jahr: 1965
  • Regie: Duccio Tessari
  • Darsteller: Giuliano Gemma, Fernando Sancho, Lorella De Luca, George Martin, Nieves Navarro, Manuel Muñiz, Antonio Casas...

Story

Captain Montgomery Brown, genannt Ringo (Giuliano Gemma), kehrt aus dem Bürgerkrieg in sein Heimatstädtchen nahe der mexikanischen Grenze zurück. Hier hat sich jedoch einiges verändert. Eine Bande von mexikanischen Banditen unter der Führung von Esteban Fuentes (Fernando Sancho) und Don Fernando Paco Fuentes (George Martin) terrorisiert seit dem Fortgang der ganzen jungen Männer das Städtchen und sorgt dafür, dass keiner von diesen lebend zurückkehrt. Da Ringo aber ein schießfertiges Kerlchen ist, schleust er sich unter falschem Namen und Sombrero als Mexikaner in die ihm nun vollkommen fremde Stadt ein, um seine Frau Hally Fitzgerald Brown (Lorella De Luca) sowie Tochter Elizabeth (Mónica Sugranes) herauszuholen und mit ihnen zu fliehen. Erstere appelliert allerdings an sein Gewissen seinem Heimatort gegenüber und will wohl auch deswegen nicht einfach so mitkommen, weil sie die Verfolgung durch Don Fernando fürchtet, der ein Auge auf sie geworfen hat und sie demnächst heiraten will. Und so lässt sich Ringo umstimmen und crasht die erneute Hochzeit seiner Frau, um mit Hilfe des Gärtners Myosotis (Manuel Muñiz) und des Sheriffs Carson (Antonio Casas) den Kampf gegen die Bande aufzunehmen. Letzterer lässt dabei sein Leben. Die anderen beiden verfolgen die Spitzbuben bis zu deren Anwesen, auf dem es schließlich zum finalen Duell kommt, bei dem das Duo zusätzlich die Unterstützung der restlichen Stadtbewohner und sogar von Elizabeth erhält und so alle Fuentes und ihre Handlanger ins Jenseits befördern kann.

Worte zum Film

bizarre Version einer griechischen Tragödie im Western-Gewand; gut geschrieben, gut gespielt, sehr gut inszeniert und mit guter Musik unterlegt; hat mit dem Vorgänger bis auf den Namen der Titelfigur gar nichts zu tun

Bewertung

Zum Film:

Wenn ich einen Film gucke, den ich noch nicht kenne, will ich vorher so wenig wie möglich über ihn wissen. Daher sollte es im Vorhinein maximal der Trailer sein, den ich von ihm zu sehen bekomme. Und das auch nur, wenn ich wirklich noch so gar nichts weiter mit ihm anfangen kann. Als aktuellstes Beispiel kann ich da nur „Und wer nimmt den Hund?“ nennen, bei dem ich den Titel einfach schon sehr witzig fand, mir darunter aber sonst nichts vorstellen konnte und bei einem aktuellen deutschen Film – Entschuldigung, aber so ist es nun mal – dann doch lieber „auf Nummer sicher“ gehen wollte, sodass ich die Vorschau durchaus brauchte und mich nach deren Ansicht auch für den Kinogang entschied (den ich absolut nicht bereue und jedem daher nur empfehlen kann!). Aber in aller Regel hat man von den Streifen, die man sehen will, ja schon mal was gehört oder gelesen und teilweise natürlich auch schon Ausschnitte gesehen (gerade bei den älteren), sodass es dazu in der Regel nicht kommen muss. Meist reicht es ja schon, sich die Liste der Cast- und Crew-Mitglieder durchzulesen, um auf den Geschmack zu kommen (wenn Christopher Nolan z. B. ein neues Werk in die Lichtspielhäuser dieser Welt bringt, will ich das sehen – einfach nur, weil er aktuell (Stand: November 2019) der aus meiner Sicht beste, aktive Regisseur dieses Planeten ist). Na und wenn es um das Thema Western geht, ist die Sachlage sowieso klar. Da bin ich Komplettist (so hart das auch manchmal ist), da will ich sowieso jeden sehen. Und mit dieser Einstellung bin ich auch immer gut gefahren. Als bestes Beispiel könnt ihr im jüngst eingestellten Review zu „The Revenant“ nachlesen, wozu es führen kann, wenn man die Ausgangsposition eines Films bereits vor dessen Beginn kennt. Man wartet dann einfach darauf, dass die Story bis zu diesem Punkt gelangt und man „endlich“ erfährt, wie es weitergeht (und kann dann eben vielleicht erst den zweiten Durchlauf so richtig genießen). Daher lese ich mir auch nie und unter gar keinen Umständen (das ist mit das Schlimmste, was man diesbezüglich tun kann) die Klappentexte meiner DVDs und BDs durch – die lassen ja teilweise nur noch die letzte Viertelstunde offen und dann brauche ich das Ding den Abend auch gar nicht mehr anfangen (eher in fünf Jahren wieder). Manchmal aber, ja manchmal – und genau da kommen wir nun zu „Il Ritorno Di Ringo“ – wäre ein wenig Vorinformation zu einer Pferdeoper doch ganz hilfreich, um sie vernünftig einordnen zu können. Sonst kann es einem passieren, dass man das Geschehen auf dem Bildschirm minutenlang ratlos mitverfolgt. Genau so ist es mir nämlich beim vorliegenden Werk ergangen, dass ich mir nach „Eine Pistole für Ringo“ natürlich sofort als nächstes reinpfeifen musste. Schließlich will man ja wissen wie’s weitergeht mit Giuliano Gemmas Paraderolle. Gerade vor dem Hintergrund, dass diese Fortsetzung mittlerweile ja ein fast ebenso großer Klassiker ist wie das im selben Jahr gedrehte „Original“. Also den Fernseher an, die Flipstüte aufgerissen und hoch die Füße, denn: „Ringo kommt zurück“.

Tja, aber genau da liegt der Hase schon im Pfeffer. Denn obwohl Duccio Tessari, der hier erneut die Regie und wieder mit Fernando Di Leo zusammen das Drehbuch übernahm, uns Bilder liefert, die optisch viel schöner nicht sein könnten (wie Ringo seine ersten beiden Gegner umlegt, ist z. B. große Klasse und interessanterweise um Längen besser als die bis Unkenntlichkeit verschnittenen Shootouts in Corbuccis ansonsten überragendem „Il Grande Silenzio“), verwirrte er mich mit deren Inhalt doch komplett. (Spoiler) Denn ich konnte vorerst nur bis zu der Tatsache folgen, dass Giuliano Gemma wieder Ringo ist. Damit haben sich die Gemeinsamkeiten in Rollen und Besetzungen der beiden Teile dann aber auch schon erledigt. Und selbst der Titelheld ist nicht mehr derselbe. Denn Gemma kehrt nun nicht nur auch für Tessari aus dem Bürgerkrieg zurück (was er zuvor ja bereits für Giorgio Ferroni in „Un Dollaro Bucato“ machen durfte), sondern dieser Ringo hat auch noch wasserstoffblond gefärbte Haare, während er im Vorgänger noch einen hellroten, fast orangenen Farbton trug. Das verwundert ebenso wie die Tatsache, dass er hier mit richtigem Namen Montgomery Brown heißt. Gut, da dieser in „Una Pistole Per Ringo“ ja aber nicht genannt wird, sondern der Revolverheld dort nur noch den Spitznamen „Engelsgesicht“ trägt, könnte es sein, dass man sich den auch noch dazu ausgedacht hat, um den Rang des Captains, den Ringo hier führt, besser vortragen zu können (Captain Ringo klingt schließlich ziemlich bescheuert), aber dann haben wir ja wieder das nächste Fragezeichen. Wieso sollte der kleine Gauner aus dem letzten Streifen plötzlich Captain im Bürgerkrieg gewesen sein (das Whiskey-Trinken scheint er dabei dann aber immerhin gelernt zu haben, denn Milch säuft er hier nicht mehr und kann nen ganz schönen Schluck ab)? Ganz davon abgesehen, dass Gemma hier nicht mehr von Christian Wolff, sondern von Thomas Eckelmann synchronisiert wird – das macht die Verwirrung dann perfekt. Zumindest könnte man das denken. Stimmt aber nicht, denn sobald man erfährt, dass Ringos Frau auf den Namen Hally hört, kann man sich ob der nicht gerade kreativen Namensvergabe von Tessari und Di Leo (Fernando Sancho hieß im ersten Teil ja auch nur Sancho und Gemmas zu dieser Zeit eigentlich schon nicht mehr gebräuchliches Pseudonym Montgomery Wood hat man in den Credits vorsichtshalber noch mal in Klammern gesetzt (so was hatte ich vorher auch noch nicht gesehen), damit ihn auch ja niemand verwechselt) schon sicher sein, dass diese wohl von Lorella De Luca verkörpert wird (Künstlername: Hally Hammond). Und die hieß vorher ja Ruby und war die designierte Braut des Sheriffs Ben. Tja und um es kurz zu machen: Auch diesen gibt es hier nicht mehr. Wenn Ringo kurz darauf auch wieder kurzzeitig verwirrend (aber nur kurzzeitig, denn das erklärt sich ja sofort) mit schwarzen Haaren und Bart verkleidet sein altes Heimatstädtchen aufsucht (das immerhin offensichtlich dasselbe ist wie in „Eine Pistole für Ringo“), erfahren wir ziemlich schnell, dass der Sheriff hier Carson heißt und von Antonio Casas gespielt wird. Aber der war eben doch noch der Haciendaro Major Clyde… George Martin gibt uns dafür den schmierigen Don Fernando Paco Fuentes, ist also auf die Gegenseite gewechselt. Sein Hilfssheriff Manuel Muñiz musste diesen Schritt immerhin nicht mitgehen, heißt hier allerdings ganz ausgefallen Myosotis (oder offensichtlich Morning Glory in der englischen Sprachfassung, was die Sache nicht besser macht ;D). Tja und bei all der Verwirrung verwundert es einen dann schon fast gar nicht mehr, dass sowohl Fernando Sancho als auch Nieves Navarro in – allerdings nur leicht – anderen Rollen ebenfalls wieder zu sehen sind. Sprich: Es gibt hier zwar alle wichtigen Schauspieler des ersten Teils noch, aber keine einzige der Figuren von „damals“. Alle spielen jemand anderen. (Spoilerende)

Von daher fühlte ich mich zu Beginn von „Il Ritorno Di Ringo“ (was heißt zu Beginn? – mindestens die erste halbe Stunde ging mir das so) wie zu Anfang in „Mulholland Drive“. Total surreal. So eine seltsame Fortsetzung hatte ich bis dahin auch noch nicht gesehen. Und daher will ich an dieser Stelle das Ganze für alle, die es in diesem Fall richtig machen und sich ihre Informationen vor der Sichtung einholen, mal auflösen. Sicherlich habt ihr es euch auch schon längst gedacht (kann ja nicht jeder so lange auf dem Schlauch stehen wie ich), aber zur Sicherheit formuliere ich es auch noch einmal aus: „Ringo kommt zurück“ ist mal wieder nichts weiter als reiner Etikettenschwindel! Also der Titel jetzt. Denn dieser Streifen hat mit seinem Vorgänger überhaupt nichts zu tun. Es handelt sich hierbei überhaupt nicht um eine Fortsetzung (weswegen es mich auch sehr stark wundert, dass die OFDb einem Selbiges noch immer suggeriert)! Stattdessen wurde hier mal wieder – wie so oft im damaligen Italien – der Erfolg des Vorgängers zum Anlass genommen mit so ziemlich genau derselben Crew und Besetzung einen weiteren Film ähnlicher Machart zu drehen, dem dann einfach wieder die gleiche Titelfigur übergebügelt wurde, um den erneuten Reibach an den Kinokassen zu garantieren. Würde die Hauptfigur einfach nicht Ringo heißen (sondern nur Montgomery Brown, ha, ha), wäre alles gut, so aber musste man bei diesem Titel doch denken, es handele sich hier um einen zweiten Teil und zu Anfang entsprechend verwirrt sein, oder nicht?

Na ja, wenn man das dann aber endlich mal geschnallt hat (der eine schneller, ich etwas später), kann man sich ja auch endlich mal inhaltlich mit Tessaris zweitem Genrebeitrag auseinandersetzen (auch in diesem Fall wird das zweite Angucken in diesem Wissen eine Wohltat sein, da bin ich mir jetzt schon sicher). Diesen haben die beiden Drehbuchautoren eigentlich ja auch so weit wie nur irgend möglich vom Vorgänger entfernt. Vorbei ist es mit der fröhlich-kurzweiligen Gute-Laune-Ballerei von „Una Pistola Per Ringo“. Diese musste dem theatralischen Unterboden einer griechischen Tragödie weichen, der zwangsläufig auch das Tempo merklich verlangsamt. Zwar gehen Tessari und Di Leo diesen Schritt nicht ganz so konsequent wie andere Vertreter und lassen alles bierernst vortragen (laut Lorella De Luca konnte Ersterer schließlich gar nicht ohne Humor), aber die Stimmung ist schon wesentlich gedämpfter. Ringo hat hier ganz im Gegensatz zu seinem Alter Ego von noch vor ein paar Monaten (kinokassentechnisch gesehen jetzt) ja aber auch ein ganz schönes Päckchen zu tragen. (Spoiler) Seine titelgebende Rückkehr aus dem Bürgerkrieg, die von Odysseus Heimkehr nach seinen Irrfahrten inspiriert ist, lässt ihn sowohl sein Heimatörtchen als auch seine Frau in den Händen von Verbrechern wiederfinden. Interessant hierbei wie die gängigen „Rassentheorien“ vom Script an dieser Stelle einfach mal auf den Kopf gestellt werden. Die Mexikaner sind die Ausbeuter und die Amerikaner die Unterdrückten, die nichts wert sind. Und das ist nicht das Einzige, das in diesem generell schon sehr bizarren Setting wirklich surreal anmutet. So reibt sich der geneigte Italo-Konsument auch ein paar Minuten später verwundert die Augen, wenn plötzlich herauskommt, dass dieser Ringo eine Tochter hat! Wo hat man denn so was schon mal von einem solchen Antihelden gesehen? Und die Einführungsszene von selbiger ist nicht gerade leichte Kost. Da hat der gehörnte Ringo nämlich gerade die Faxen dicke und will die eigene Ehefrau richten, als er es sich aufgrund des offensichtlich gemeinsamen Kindes noch einmal anders überlegt. Und dann rennt dieses Kind zu dem Busch, hinter dem er sich versteckt und man fragt sich, was er nun wohl tun wird. Eine Szene, die wir eher in einem Giallo ein paar Jahre später erwartet hätten. Das ist schon ziemlich viel Familienzirkus für einen Italowestern. Da man sich aber sowieso die ganze Zeit in einer Fantasie-Parallel-Welt wähnt (ich jedenfalls konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Story nur zufällig im Wilden Westen gelandet ist – sie hätte auch zu jeder anderen Zeit an jedem anderen Ort spielen können), macht das nun wirklich absolut nichts aus. (Spoilerende) Und Tessari konnte sich dies auch locker so erlauben, da die italienische Pferdeoper regeltechnisch noch nicht viel weiter war als bei seinem Genre-Erstling. Ein paar Jahre später, als sich die Vorzeichen diesbezüglich bereits geändert hatten, hätte dieser Film so wohl nicht mehr gedreht werden können.

Allerdings ist „Il Ritorno Di Ringo“ wie schon sein Vorgänger erneut wieder ein Streifen, der viele Regeln innerhalb dieses Subgenres bestätigt, gefestigt bzw. aufgestellt hat. Noch viel mehr als „Eine Pistole für Ringo“ ist er vom Aufbau und den stilistischen Merkmalen her ein klassischer Spaghetti-Western. Von den amerikanischen Einflüssen dort ist hier nichts mehr zu sehen. Er ist nicht mehr so grün und kann nur noch italo-typische Charaktere vorweisen. So ist aus dem ach so sauberen Sheriff z. B. ein Trunkenbold geworden oder führt dieses Script den Indianer-Sidekick ein (auch wenn der hier nicht mal ein Sidekick des Helden, sondern eines seiner Freunde mit sehr wenig Screentime ist und seine Daseinsberechtigung hier folglich noch mehr hinterfragt werden darf als bei späteren Nachahmern) oder durfte selbst Giuliano Gemma sich hierfür mal den Bart stehenlassen (auch wenn das weiterhin nicht besonders aussieht bei ihm). (Spoiler) Und während der Plot-Ablauf beim ersten „Ringo“ ja schon absolut genrekonform war (Antiheld kommt – Antiheld hat eine Aufgabe – Antiheld zeigt, was er so alles kann – Antiheld wird kurz vor Ende zusammengeschlagen und muss daraufhin wieder auf(er)stehen – Antiheld bringt seine Arbeit zu Ende), so erweitern Tessari und Di Leo ihn hier sogar noch um den kurz darauf obligatorischen letzten großen Shootout. Dieses Finale, das dann ja doch einige Schießereien mehr bietet als die der bisherigen Genre-Ikonen „Per Un Pugno Di Dollari“ und „Una Pistola Per Ringo“ und hiernach dann ja von so ziemlich jedem anderen Italowestern übernommen wurde, ist hier allerdings dann auch das, was es sein sollte: der große Höhepunkt zum Schluss. Wir müssen uns vorher keine weiteren endlosen Ballereien mit ansehen, auf dass wir das am Ende des Streifens dann schon nicht mehr sehen können. Hier sind 20 gegen einen, was sonst ja kein Verhältnis für einen echten Italo-Pistolero ist, zu viel für den Einzelkämpfer. Hier muss er sich dann Hilfe holen. Das hat „Ringo kommt zurück“ seinen Nacheiferern voraus und das hebt ihn über die meisten dieser hinweg. Und auch die Tragödien-Story selber wurde ja noch erstaunlich oft von anderen Vertretern kopiert (ähnlich angelegt sind beispielsweise „Seine Kugeln pfeifen das Todeslied“, „Django – Die Totengräber warten schon“, „Django – Die Geier stehen Schlange“, „Django – Nacht der langen Messer“, „Django – Sein Gesangbuch war der Colt“, „Django der Bastard“, „Glut der Sonne“ und bestimmt noch einige andere, die ich noch nicht gesehen habe). (Spoilerende) Kurz gesagt: Die beiden Italiener haben die Pferdeoper aus ihren Landen mit diesem Drehbuch-Beitrag auf dem Weg zu einer einheitlichen Form erneut ein ganzes Stück weiter gebracht. Und ganz nebenbei noch eine sehr interessante, durchdachte, runde Geschichte abgeliefert, die man sich gerne einmal anguckt.

Für Duccio Tessari gilt dieses Lob uneingeschränkt auch für seine erneut wirklich gute Regieleistung hier. Wieder hat er seine Schauspieler fest im Griff, zeigt – wie vorhin bereits angesprochen – tolle Shootouts und weiß, mit dem Licht zu spielen. Das sieht alles klasse aus. Und guckt euch nur mal an, wie der Mann Zigarettenrauch hier inszeniert – Jahre, bevor man überhaupt das erste Mal daran dachte, dies als Stilmittel einzusetzen. Großartig! Auch Maestro Morricones Musik ist erneut sehr vorzeigbar gelungen. Zwar kommt er – erwartbarerweise – nicht ganz an den Vorgänger-Score heran, aber wie er sich selbst zu Beginn zitiert oder wie er vor allem die theatralischen Momente mit Gänsehaut-Musik unterlegt, ist mal wieder unnachahmlich.

Als unnachahmlich würde ich Giuliano Gemmas Schauspielkunst dieses Mal allerdings nicht bezeichnen. Zwar zeigt er hier größtenteils erneut seine Klasse und macht auch die olle Gesichtsbehaarung vergessen, aber wenn es theatralisch wird, versagt er hier regelmäßig. Sein starrer Blick ziemlich zu Anfang ist ein Beleg dafür, vor allem aber der erste Teil der „Gesicht-Beleuchtungs-Szene“. Sorry, aber da bekommt man ja das Gefühl, man hätte den armen Giuliano beim Sch***** gefilmt. Wenn er den „dummen Mexikaner“ oder den überlegenen Pistolero raushängen lassen kann, ist er gut wie immer, aber das ist hier leider nicht alles. Eine verpasste Chance seinerseits (die meiner Sympathie ihm gegenüber allerdings nicht sonderlich abträglich ist). Ähnlich durchwachsen ist George Martins Auftritt hier. Zwar spielt er für Tessari erneut wesentlich besser als sonst, aber so richtig will ihm der fiese Mexikaner nicht gelingen. Ganz im Gegensatz zu Fernando Sancho natürlich, der die Szenerie hier fest im Griff hat und entsprechend gefällt. Und auch Manuel Muñiz muss an dieser Stelle noch einmal lobend erwähnt werden. Er tut natürlich nichts anderes, als das, was er im ersten Teil schon perfektioniert hatte, aber das kann er eben auch hervorragend. Antonio Casas hat leider viel zu wenig Screentime, um sich zu entfalten und Lorella De Luca ist hier bedauerlicherweise nicht mehr als ein netter Blickfang. Und selbst dabei hat sie Probleme Schritt zu halten, denn Nieves Navarro ist im zweiten „Ringo“ scharf wie selten – und das liegt nicht nur an der richtigen Haarfarbe (richtig im Sinne von „man kennt sie so“; ob das nun wirklich ihr richtiger Farbton ist, kann ich natürlich nicht sagen). Dazu spielt sie ihre Luderrolle noch richtig verführerisch gut. Die haut einen hier echt um und ist bei mir am Ende witzigerweise tatsächlich diejenige, die vom Cast am meisten im Gedächtnis bleibt.

Im Gedächtnis bleibt „Il Ritorno Di Ringo“ auch definitiv. Und zwar als ein wirklich andersartiger, bizarrer, klug zusammengesetzter Italowestern, der einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg zur Definition dieses Subgenres bedeutete. Anders als sein Vorgänger „Eine Pistole für Ringo“, mit dem er sonst aber wie gesagt überhaupt nichts zu tun hat, ist er auch bereits ein vollwertiger Vertreter desselben und macht als solcher fast ebenso viel Spaß wie dieser. Am Ende bleibt zwar nicht alles restlos logisch ((Spoiler) wie der Sheriff kurz vor Schluss beispielsweise mit einem Male sofort weiß, wer Ringo wirklich ist, erschloss sich mir nicht ganz und auch die Tatsache, dass Rosita „ihren“ Esteban, von dem sie zwischenzeitlich zu wissen scheint, dass er ein Arschloch ist, aus dem Gefängnis befreit, sieht sehr danach aus, was es ist – nämlich reingeschrieben (Spoilerende)) und auch das doch sehr gemächliche Tempo hätte man an der einen oder anderen Stelle durchaus ein wenig anziehen dürfen, sodass Tessaris Zweiter seinen Erstling in punkto Qualität am Ende leider nicht ganz erreichen kann (auch wenn Quentin Tarantino und Wolfgang Luley das anders sehen mögen, aber die haben ja nun auch lange, lange nicht immer Recht), aber die allermeisten der hierdurch inspirierten Nachfolger steckt „Ringo kommt zurück“ locker in die Tasche. Und das bei dieser nun wirklich völlig differenten Geschichte im Vergleich zum vorhergehenden Kassenschlager. Hut ab, das muss man erstmal so hinkriegen. Da ist jemand ein Risiko eingegangen und es hat sich ausgezahlt. Wenn alle 1965 schon so weit gewesen wären, wären uns eine Menge halbgarer Beiträge erspart geblieben.

Übrigens: Gegen Ende merkt man hierbei dann doch, dass Tessari auch am Script von „Für eine Handvoll Dollar“ beteiligt war, aber das darf man ja auch, oder?

Zur DVD:

Mit dieser Nummer 13 ihrer mittlerweile ja leider längst wieder eingestellten „Western Collection“ (eigentlich ja Italowestern Collection, wurde aber warum auch immer damals nicht so benannt) als auch mit der vorhergehenden Veröffentlichung Nummer 12 zum Vorgänger „Eine Pistole für Ringo“ haben uns die Jungs von Koch Media (damals noch um Ulrich P. Bruckner) mal wieder eine Riesenfreude gemacht, würde ich sagen. Das Bild dieser DVD ist meiner Meinung nach sogar noch besser als das der letzten Scheibe und damit einfach perfekt. Und beim Ton ist mir jetzt auch nichts negativ aufgefallen. Das Bonusmaterial hat es ebenso erneut in sich:

  1. Featurette „A Western Greek Tragedy“: Ein ca. 25minütiger Zusammenschnitt aus Interviews mit Tessaris Ehefrau Lorella De Luca und Sergio D’Offizi. Also endlich mal kein einziges Fitzelchen des Gemma-Interviews, das wir nun schon so oft gesehen haben. Super! Auch von der Länge her sehr angenehm. Bei Frau De Luca ist man ja regelrecht überrascht, dass sie doch mal mit einer Person vom Set (namentlich in diesem Fall Nieves Navarro) nicht so gut klarkam. Und Sergio D’Offizi ist echt ein komischer Kauz. Sagt immer, er will nicht arrogant rüberkommen, lobt sich dann aber selbst über den grünen Klee und tut genau das. Aber einiges Interessante kann man hiervon mitnehmen.
  2. Italienischer und englischer Trailer
  3. Englischer Vorspann
  4. Bildergalerie: Zum Durchklicken, wie das damals immer noch so schön war.
  5. dreiseitiger Inlay-Text von Wolfgang Luley: Auch hier gibt’s von ihm nichts Erwähnenswertes und stimme ich mit seinen Ansichten wie so oft nicht überein. Am besten zeigt sich das wohl am Bsp. von Navarros Charakter Rosita. Während er ihren mit Abstand schlechtesten Spruch hier als ihren besten preist und rezitiert (und sie hat tatsächlich einige gute in „Ringo kommt zurück“, immerhin damit hat er recht), wäre ich in diesem Falle eher für Zitat Nr. 2. Und dann seine Aussage, dass es sich hierbei um ein Prequel zu „Eine Pistole für Ringo“ handeln würde… Aus meiner Sicht absolut nicht haltbar, diese These. Als Abrundung einer insgesamt hervorragenden Veröffentlichung nehmen wir aber auch das gerne mit.

Und so muss man die Nummer 13 als ein absolutes Glanzlicht der Reihe sehen, von denen wir uns noch einige mehr gewünscht hätten. Dabei ist es für den Film an sich am Ende aber natürlich egal, ob man diese Version oder die vier Jahre später erschienene Neuauflage der „Western Unchained“ Collection sein Eigen nennt. Diese hier sieht aber einfach wesentlich netter aus. Nur schade, dass die Reihe im Gegensatz zu den „Western Legenden“ nicht mehr fortgesetzt wurde…

Zitat

„Suchst wohl Arbeit, ja?“ – „Heute nicht, Señor. Heute habe ich schon gegessen.“(Ringo lässt Agentur-Sachbearbeiter Esteban Fuentes abblitzen)

„Wenn du möchtest, lese ich dir gern die Karten. Ich kann gut Karten lesen. Ich versprech dir eine schöne Gegenwart und eine noch bessere Zukunft. Mehr kannst du vom Leben wirklich nicht erwarten.“(Rosita spricht eine der schönsten Einladungen zum Sex aus, die dieses Genre zu bieten hat – mehr kann man von einem Western wirklich nicht erwarten)

„Es ist doch so Sheriff: Keiner will gerne sterben. Aber wenn man Angst hat, dann stirbt man 100 Tode. Aber wenn man keine Angst hat, dann stirbt man bloß einen.“(Ringo hebelt mal wieder die biologischen Gesetzmäßigkeiten auseinander)

„Angeblich ist er an einem Herzleiden gestorben. Na ja, eigentlich stimmt’s ja auch. Das Herz muss ja leiden, wenn man eine Kugel reinbekommt.“(Myosotis war früher mal Pathologe)

„Für einen Ehemann ist es besser, wenn er nicht alles weiß.“(Myosotis war auch mal verheiratet)

„Wenn ein Mann bei mir nicht will, dann gibt es dafür nur zwei Gründe: Er hat es entweder gerade mal wieder hinter sich oder er ist ernsthaft verliebt.“(Rosita weiß um ihre Qualitäten und betätigt sich daher als Hobby-Psychologin)

„Ein Mann, der keine Angst hat, ist ein Mann, der auf nichts mehr hofft. Auf die Zukunft ist man aber nur dann neugierig, wenn man doch noch auf etwas hofft. Und wenn man hofft, hat man auch Angst.“(Rosita ist auch keine schlechte Hobby-Psychologin)

„Blumen auf der Schwelle, Freude im ganzen Haus.“(Gärtner Myosotis macht Werbung für seine Arbeit)

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