Django der Bastard

Per 100.000 Dollari T’Ammazzo

★★★ +

  • Jahr: 1967
  • Regie: Giovanni Fago
  • Darsteller: Gianni Garko, Claudio Camaso, Carlo Gaddi, Bruno Corazzari, Claudie Lange, Piero Lulli, Fernando Sancho...

Story

Als er erfährt, dass sein Bruder Johnny, genannt Django (im Original nur Johnny (Gianni Garko)), ein Bastard ist, nutzt der eifersüchtige Clint Forest (Claudio Camaso) die Gelegenheit den verhassten Verwandten loszuwerden: Er tötet ihrer beider Vater und schiebt die Schuld Django in die Schuhe, der dafür 10 Jahre ins Gefängnis geht. Wieder draußen wird Django Kopfgeldjäger und Clint ein Deserteur und Bandit, auf dessen Schädel bald eine hübsche Belohnung ausgesetzt ist. Also heftet sich Django an die Fersen seines Halbbruders. Er findet ihn, darf ihn aber nicht umlegen, da ihre Mutter sich das vor ihrem Tod noch so wünschte. Also versucht er Clint lebendig abzuliefern, aber man versagt ihm das Kopfgeld. Von Clint überredet versucht er schließlich, diesem einen Start in ein neues, sündenfreies Leben zu ermöglichen,  aber er muss – spätestens nachdem dieser seine Freundin Anne (Claudie Lange) erschießt – einsehen, dass sein Bruder sich niemals ändern wird. Also muss Django ihn am Ende dann ebenfalls töten.

Worte zum Film

durchwachsene Darstellerleistungen, gute Musik und Kameraarbeit; solide Regiearbeit mit Ausreißern nach oben; Story zum co-gedrehten „10.000 blutige Dollar“ sehr ähnlich, aber wesentlich unterhaltsamer; qualitativ eindeutig ein Stück besser als „10.000 blutige Dollar“

Bewertung

Zum Film:

Die Italiener haben ja schon viel übertrieben, auf die Spitze getrieben und sowieso viel getrieben, sodass man sich bei ihnen so langsam ja über gar nichts mehr wundert. So zum Beispiel auch nicht über die Tatsache, dass sie beim Dreh von „10.000 blutige Dollar“ und „Django der Bastard“ auch das Sprichwort „Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“ bis aufs Äußerste ausgereizt haben. Gut, es gibt dafür bestimmt noch andere Beispiele (auch wenn mir jetzt gerade kein weiteres einfallen will), aber das hier dürfte wohl so ziemlich das prominenteste im Italowestern-Bereich sein. Mit Gianni Garko und Claudio Camaso haben wir hier die gleichen Schauspieler in den Hauptrollen wie in „10.000 Dollari Per Un Massacro“ (und selbst Fernando Sancho gibt sich die Ehre – dieses Mal als Kanonenfutter), mit Ernesto Gastaldi den gleichen Drehbuchautor, mit Luciano Martino den gleichen Produzenten, mit Nora Orlandi die gleiche Komponistin, mit Federico Zanni den gleichen Kameramann, mit… Diese Liste ließe sich noch in einigen Punkten fortsetzen, aber die genannten Mitarbeiter sind ja so ziemlich die wichtigsten Fixpunkte für einen Film (und auf den, der ganz offensichtlich fehlt, kommen wir gleich noch zu sprechen). Und schon allein deswegen gehören diese beiden Filme ja irgendwie zusammen und wollen irgendwie auch miteinander verglichen werden, nich? Was natürlich durch den Fakt, dass sie hier in Deutschland beide zusammen in der „Django Italo-Western Box“ von (damals noch) Koch Media erschienen sind und sich daher auch dvd-qualitätsmäßig keine Unterschiede abzeichnen, nur noch interessanter wird (denn das beeinflusst zumindest mich unterschwellig immer und ich gehe stark davon aus, dass ich damit nicht der einzige bin). Außerdem lassen sich auch in den Storys beider Filme (sicherlich gerade weil sie vom gleichen Autor und aus der gleichen Zeit stammen) genug Gemeinsamkeiten finden, die einen Vergleich geradezu aufdrängen.

So zum Beispiel jagt Garkos Protagonist Django (beziehungsweise in diesem Fall ja eigentlich Johnny Forest, was uns selbst die deutsche Fassung nicht verschweigt, wohl aber einen Grund für den seltsamen, natürlich völlig bescheuerten Namenswechsel) in seiner Eigenart als Kopfgeldjäger in beiden Filmen einer Bruderfigur hinterher (hier spielt Camaso tatsächlich den Halbbruder von „Gary Hudson“, aber auch in „10.000 blutige Dollar“ könnte man fast den Eindruck gewinnen, die beiden Antagonisten wären verwandt – so gut, wie die sich verstehen und eigentlich auf einer Wellenlänge funken (wäre da nicht der kleine Unterschied wie sie zu Gesetzesübertretungen stehen)), (Spoiler) mit der er sich dann mehr oder weniger freiwillig zusammentut (hier weniger, weil seine Mutter es sich ja gewünscht hat, dass Django Clint Forest nicht umbringt und die Regierung ihm kein Geld für den Verbrecher zahlen kann), um etwas mehr oder weniger Ungesetzliches zu tun (hier wieder weniger, denn das Geld, das Django Clint bestimmt überlassen hätte, ist zwar gestohlen, aber das ist ja nun mal schon längst geschehen und soll es nicht erst noch wie in „10.000 Dollari Per Un Massacro“). In beiden Fällen wird Garko von Camaso gehörnt, bringt Letzterer die Freundin von Ersterem um (ich mein, wie viele Italowestern gibt es überhaupt nur, in denen der Protagonist eine Freundin hat?) und wird Django so gefoltert, dass er eigentlich sterben müsste, doch beide Male verhilft ihm eine, na sagen wir mal, zu mindestens 90 Prozent tote Person doch noch zur Flucht, sodass er letztendlich seine Peiniger doch noch richten kann. Django ist beide Male eine Person, die an das Gute im Menschen glaubt (ein Motiv, das es in den italienischen Pferdeopern bald nicht mehr geben sollte) und daraufhin bitter enttäuscht wird (was dann ja nur allzu logisch ist). (Spoilerende) Man sieht also: Auch die Plots beider Filme ähneln sich doch sehr und selbst wenn das Ganze in „Per 100.000 Dollari T’Ammazzo“ vor einem sehr interessant in die Handlung eingewobenem Bürgerkriegs-Hintergrund spielt („Il Buono, Il Brutto, Il Cattivo“ lässt mehrfach überdeutlich grüßen) sowie das Familiendrama hier erst voll ausgespielt wird (was natürlich – und sonst wäre es ja auch gar schlimm – dazu führen dürfte, dass einem diese Ähnlichkeiten bei etwas weiter auseinanderliegenden Sichtungen gar nicht so sehr ins Auge stechen dürften), hat Gastaldi hat für mich eigentlich mehr oder weniger nur seine Handlung aus „10.000 blutige Dollar“ noch einmal variiert, um zu diesem Nachfolger zu gelangen. Selbst die markante Dreiteilung des Geschehens (jeder Part ziemlich genau eine halbe Stunde lang) hat er ganz augenscheinlich beibehalten.

Und trotzdem die Geschichte von „Django der Bastard“ vor diesem Hintergrund auch in ihrer Entfaltung somit eigentlich (und uneigentlich) keine wirklichen Überraschungen mehr für den Zuschauer bereit hält, gewinnt der Streifen von Regisseur Giovanni Fago das Duell gegen seinen Bruder (;-)). Und das sogar ziemlich eindeutig. Denn eins hat Gastaldi diesem Script mitgegeben, was dem Vorgänger komplett fehlte: Spannung und die nötige Würze. Ok, zugegeben, den ersten Teil dieses Werkes muss man erstmal verdauen. Denn nach einer wahrhaft superben, knallharten Kopfgeldjäger-Einleitung (ein wahres Glanzlicht dieses Genres), die einen Gott weiß was erahnen lässt, folgt leider eine komplette Kehrtwende und „Per 100.000 Dollari T’Ammazzo“ wird zur wahren Schnulze. (Spoiler) In sagenhaft schmalzigen Rückblenden (das Meer, das Romolo Guerrieri bereits im Vorgänger verwendete gibt’s hier auch – ober dieses Mal in Slowmotion!) erzählt er uns daraufhin, wie er zu seinem deutschen Titel kam, breitet also seine Intrige vor uns aus (Clint erschießt den gemeinsamen Vater und schiebt „Bastard“ Django den Mord in die Schuhe). Diese kommt einem natürlich mal wieder sehr dürftig vor, aber besser haben es die Amerikaner in Filmen wie „Saddle The Wind“ oder „Duel In The Sun“ ja auch nicht hingekriegt. Ich persönlich hatte für solche Geschichten allerdings noch nie sehr viel über und daran hat auch dieses Beispiel nichts geändert. Ich mein, man weiß ja, dass die Italiener schon immer einen Hang zum Theatralischen hatten und dass daher vielleicht auch ihre – sogar historisch eindrucksvoll belegte – Vorliebe für die griechische Mythologie, Sagen- und Theaterwelt rührt. Und dass davon nicht nur die alten Römer beeindruckt waren, belegen Italowestern wie „Il Ritorno Di Ringo“ zwei Jahre zuvor oder „Il Pistolero Dell’Ave Maria“ zwei Jahre danach ebenfalls eindrucksvoll, aber von deren Qualitäten ist ein offensichtlich ähnlich motivierter „Django der Bastard“ dann doch recht weit entfernt. Dafür folgen in diesem Teil einfach zu viele, zu lange Rückblenden zu schnell aufeinander. Und zwischendurch sehen wir Django im Beziehungsdrama mit seiner Freundin Anne (Claudie Lange), die – ganz modern – alleinerziehend ist (und obendrein noch richtig vernünftig daherredet, weswegen es unfassbar ist, wie der Protagonist mit dieser Frau umgeht). (Spoilerende) Wow, das kriegt man im Subgenre des Italowestern sonst nun wirklich nicht geboten (und es ist nicht das einzige Mal, dass einem mal wieder bewusst wird, dass selbiges 1967 in seinen Spielregeln und Rahmen immer noch nicht ganz gefestigt war, was 1968 eigentlich erst so richtig erfolgte).

Das muss, wenn es nach mir geht, dann aber auch wirklich nicht immer so sein. Da nehme ich lieber jedes Mal einen solchen Mittelteil wie hier, denn der ist endlich wieder sehr unterhaltsam und hat mit Piero Lullis Jurago zusätzlich eine ziemlich coole Nebenfigur im Angebot. Wer sonst muss seine Männer völlig entsetzt fragen „Habt ihr einen Mann mit einem Teppich gesehen?“? Denn so interessant „10.000 Dollari Per Un Massacro“ auch beginnen und so gut er auch inszeniert sein mag, so sehr fehlt ihm eben genau das: eine Story, die einen bei Laune hält. Das letzte Filmdrittel ist dann wieder von mittlerer Qualität ((Spoiler) und hält mit Annes Ermordung leider einen eindeutigst vom Drehbuchautor gewollten, selten unnötigen Filmtod vor), unterhält aber weiterhin ganz ordentlich und hat spätestens im Finale auch optisch wieder einiges zu bieten. Allein wie Django sich befreit, ist unheimlich spannend und die folgende Rache an seinen drei Peinigern von Fago sehr ansehnlich in Szene gesetzt worden. (Spoilerende) Der Regisseur schlägt damit die Brücke zu den bereits erwähnten, von ihm ebenso famos angeleiteten Intro-Sequenzen in der Kirche, die alles in allem aber leider tatsächlich das beste Stück „Per 100.000 Dollari T’Ammazzo“ darstellen.

Und damit wären wir beim Regisseur. Ein cleverer Zug von Produzent Martino war es sicherlich, diesen wichtigsten Posten in beiden Filmen mit einem anderen Mann zu besetzen, da sich die Atmosphäre eines Streifens in den meisten Fällen ja nur über diesen einen Mann definiert. Und nur durch eben jene unterscheiden sich diese beiden Italos eigentlich auch nur so richtig und sehen nicht „wie aus einem Guss“ aus. Und auch Fago macht seine Sache wirklich gut. Das Problem, das er aber natürlich bekommt, wenn man seine Leistung direkt mit der von Guerrieri vergleicht, ist: Castellaris Onkel wirkte beim Vorgänger ja regelrecht wie ein Visionär. Tatsächlich war er das, das beweisen seine späteren Arbeiten, keinesfalls, aber diese ist ihm einfach vortrefflich gelungen. Und während Guerrieri es so mit seiner glatt wegweisend anmutenden, stellenweise wirklich genialen Inszenierung verstand „10.000 blutige Dollar“ zumindest optisch sichtbar aus der Menge anderer Italos abzuheben, ihn sogar zu einer Art Kunst-Film zu machen und die genretechnischen „Mängel“ von Gastaldis Drehbuch dadurch verblassen beziehungsweise sogar korrekt erscheinen zu lassen, gelingt Fago dieser Kunstgriff (logischerweise, sonst wäre Martino ja bald als Genie einzustufen) nicht, sodass „seine Variante“ der Story nie den Eindruck erwecken kann etwas wirklich Besonderes innerhalb des Genres zu sein und somit auch nie wirklich die Impression abschütteln kann, dass das mit der Liebe und so weiter in der Geschichte ein wenig zu viel des Guten ist. Der Vorzug von Fago nicht unbedingt gegenüber Guerrieri, aber gegenüber anderen eventuell für diesen Film in Frage kommenden Regisseuren aber ist: Seine Inszenierung lässt zumindest optisch keinen Zweifel daran, dass wir uns hier in einem Italo befinden. Da sieht nix nach US-Western aus, sodass man den Eindruck, den man durch die absolut unpassenden Rückblenden erst gewinnt, auch genauso schnell wieder verliert, wie er gekommen war. Nein, auch wenn das vorhin vielleicht kurz anklang, aber „Django der Bastard“ orientiert sich erfreulicherweise nicht mehr am US-Western. Und dadurch, dass Gastaldi dem guten Giovanni, der ansonsten wie erwähnt keinen schlechten Job macht, hier auch wesentlich mehr Action zu inszenieren gibt als Guerrieri beim „Vorgänger“ und damit seinem Stil ja irgendwo und wohl auch ungewollt entspricht, schaut sich „Django der Bastard“ – vor allem in der Mitte wie gesagt – trotzdem ziemlich locker weg. Und das konnte man von Guerrieris Film ja eben nicht behaupten. Da schleppte sich aufgrund der Plätte des Gastaldi-Scripts, die Castellaris Onkel in ihrer Gänze eben nicht in der Lage war aufzufangen, alles mehr oder weniger dem unfuriosen Ende entgegen. Und dann reicht mir eine ordentliche Leistung ehrlich gesagt auch aus und nehme ich diese lieber als eine sonstwie künstlerische, die keine Geschichte zu erzählen hat.

Ein weiterer Unterschied zwischen diesen beiden martino-produzierten Filmen: Die Darstellerleistungen. Vor allem Garko und Camaso schwächeln deutlich gegenüber dem „Vorgänger“. Während Ersterer trotz desselben coolen Halstuchs absolut nicht die Präsenz erreicht, die er in „10.000 Dollari Per Un Massacro“ hatte, scheint Letzterer sich diese durch unglaubliche Übertreibungen erarbeiten zu wollen, was allerdings genauso fehl schlägt. Da sieht man den Unterschied zwischen ihm und seinem Bruder. Der hatte ja auch einen deutlichen Hang zum Theatralischen, glitt dabei aber (so gut wie) nie in Overacting oder Unglaubwürdigkeit ab, was Camaso hier beides absolut unterstellt werden muss. Ebenso ist Carlo Gaddi mit seiner aufgesetzten Coolness nicht gerade mein Favorit. Richtig schön sind dagegen die Nebencharaktere anzuschauen, die uns Fernando Sancho, Bruno Corazzari und vor allem Piero Lulli liefern (der für mich der heimliche Star des Films ist, auch wenn sein Auftritt natürlich wirklich kurz ist). Und Claudie Lange ist eine wirklich schön anzusehende weibliche Bereicherung für den Streifen. Alles in allem sind diese Darstellerleistungen also sehr durchwachsen.

Nochmal eindeutig gesteigert haben sich dagegen Nora Orlandi und Federico Zanni, die ja zuvor schon gut waren. Frau Orlandis Score ist sehr viel einprägsamer und cooler als der von „10.000 blutige Dollar“. Sogar einen extra Bürgerkriegs-Song über einen „Captain Brown“ hat sie für Fago geschrieben (wie dieser „intoniert“ wird (nämlich gar nicht, da er zum Zeitpunkt des Drehs offensichtlich noch nicht existierte), ist selbstverständlich selten lächerlich, aber so arbeitete man damals eben oft). Und Zannis Kameraarbeit, dessen Karriere ja leider erst so richtig Fahrt aufnehmen sollte, als der Italowestern sich schon so gut wie wieder erledigt hatte, hält einige hervorragende Einstellungen bereit und ist meiner Meinung nach weit über dem Durchschnitt angesiedelt.

Und so ist und bleibt das Hauptproblem von „Per 100.000 Dollari T’Ammazzo“ ebenfalls sein nicht gerade weltbewegendes und vor allem im Vergleich mit „10.000 Dollari Per Un Massacro“ auch nicht gerade originelles Drehbuch, das das Rad nun wahrlich nicht neu erfindet. Wenn man diesen Vergleich aber weiterführt, kommt man immerhin zu dem Schluss, dass es trotzdem um einiges besser unterhält. Und damit auch Fagos Film als solcher, der dann vielleicht nicht von der gleichen Inszenierungs-Güte ist, aber von Debütant Giovanni durchaus ansprechend bis gut in Szene gesetzt wurde. Zusätzlich haben wir hier gegenüber „10.000 blutige Dollar“ ein Plus an schön anzusehender Action, was den Qualitätsunterschied nur noch mehr verdeutlicht. Da ändern auch die – vergleichsweise – durchwachsenen Darstellerleistungen nichts dran. Früher habe ich das ein wenig anders gesehen und bevorzugte tatsächlich Guerrieris Film immer noch leicht, weil mir das Directing dort einfach zu gut gefiel. Aber je öfter man den sieht, desto weniger vermag das die nicht vorhandene Story zu überdecken und desto schwächer kommt einem der Streifen vor. Bei „Django der Bastard“ ist das genau andersherum. Der scheint mit jeder Sichtung ein kleines Stückchen besser zu werden und kratzt mittlerweile eindeutig am zweiten Plus. Wer weiß, beim nächsten Mal gebe ich es ihm vielleicht sogar. Allerdings ist das auch nicht so wichtig. Am wichtigsten ist die ernüchternde Erkenntnis, dass keiner dieser beiden Filme, die vor allem im Zusammenhang gesehen ja fast schon einen kleinen Kultstatus genießen (was nicht zuletzt auch an ihrer DVD-Veröffentlichung hierzulande liegen dürfte), so richtig durchschlagen kann und das ist sehr, sehr schade. Aber bildet euch selbst ein Urteil (viel falsch machen kann man hiermit ja immerhin nicht)!

Übrigens: Cool ist mittendrin, wenn Lullis Jurago feststellt „Da hat uns der Alte ja wenigstens was Neues beigebracht.“. Gemeint ist der Sheriff des Örtchens (Silvio Bagolini), der – um den Banditen zu schaden – eine Whiskey-Flasche als Molotowcocktail benutzt und danach von selbigen erschossen wird. Und dann übernehmen die halt seinen Trick. Ziemlich gerissene Äser also. Gibt’s in solchen Filmen ja viel zu selten, dass sich Menschen dort von anderen Menschen was abgucken.

Und nochmal übrigens: (Spoiler) Der Baum, an dem Django das geraubte Gold vergraben hat, ist doch ne Birke und keine Weide… Oder guck ich schief? (Spoilerende)

Zur DVD:

Das Coole an der „Django Italo-Western Box“ von Koch  Media ist ja wie gesagt, dass man „Django der Bastard“ und „10.000 blutige Dollar“, die wie auch schon gesagt einfach zusammen gehören, gleich zusammen erstehen und gucken kann. Und zu den Bild- und Ton-Verhältnisse sagte ich auch schon: Allererste Sahne – besser ging’s damals nicht. Und auch das Bonusmaterial ist erneut grandios, denn auch das hat man bei beiden Filmen ja recht gleich gehalten. So haben wir hier:

  1. Den deutschen und den italienischen Trailer,
  2. die obligatorische Bildergalerie (zum Durchklicken)
  3. und den zweiten Teil der Dokumentation „Mondo Garko“, in der Gianni Garko nicht nur über seine zwei Filme in dieser Box, sondern auch über die Sartanas und Co. berichtet. Und dass diese Doku. top ist, sagte ich bei der „10.000 Dollari Per Un Massacro“-Bewertung ja schon. Allerdings macht sie mehr noch als viele andere Einzelinterviews (auch dieses Labels) Spaß, da hier viel Zeit auf das Einarbeiten der Filmausschnitte verwendet wurde, bzw. hier sowieso der Vorteil besteht, dass eigentlich überall zu auch Filmausschnitte gezeigt werden. Außerdem hört man Garko einfach gern zu, weil er einer der wenigen ist, die man sofort auch als Privatmenschen gut leiden kann. Zudem scheint er nicht nur nett, sondern auch sehr reflektiert zu sein. Er ist einer der wenigen Akteure von damals, die sich heute noch mit dem beschäftigen, was seinerzeit so abging und sogar damit, was das für Auswirkungen auf die heutige Gesellschaft hat. Ich war doch wieder einmal sehr erstaunt von diesem Klasse-Mimen. Im zweiten Teil bekommt man dann auch noch mal Giuliano Carnimeo und Guglielmo Spoletini zu sehen und zu hören, die auch noch mal was Passendes wie Interessantes zum Besten geben, wenn ich bei Carnimeo allerdings auch der Meinung bin, dass man da Material des „Ein Halleluja für Giuliano Carnimeo“-Featurettes aus der „Halleluja Italo-Western Box“ wiederverwendet hat. Aber auch das ist ja völlig in Ordnung.

Und natürlich darf eine solche Box eigentlich in keiner Sammlung fehlen, zumal als Bonus ja noch das dicke Booklet und die Audio-CD mit den Soundtracks zu den beiden Garko-Filmen hinzukommen, aber mittlerweile dürfte das Ding neu wohl nicht mehr zu haben sein. Da Koch die entsprechenden Filme warum auch immer noch nicht auf BD veröffentlicht hat, lohnt sich aus meiner Sicht also der Versuch, ein gebrauchtes Exemplar zu einem halbwegs humanen Preis zu ergattern.

Zitat

[der Sheriff eines Örtchens (Silvio Bagolini) inspiziert zu Zeiten des Bürgerkriegs die toten Outlaws, die Django ihm gerade gebracht hat] „Hallo Will, da bist du ja. Du hast deinen Vater übertrumpft; du bist 1.000 Dollar wert. Er hat es damals nur auf lumpige 800 gebracht. Aber bei der Geldentwertung kommt das aufs Selbe hinaus.“(der Sheriff macht nebenbei gerade ein Fernstudium im Bereich Wirtschaft)

[gleicher Sheriff zählt das Geld, das Django von ihm für die Outlaws bekommt, zusammen] „Also schön, da hätten wir 1.000, 1.000, 1.000 und 2.000.“ – „Das macht 5.000 Dollar, Opa.“ – „Hast du das so schnell im Kopf ausgerechnet?“(der Sheriff könnte Django als Nachhilfelehrer für sein Fernstudium gebrauchen)

„Du weißt doch, man sagt oft Dinge, die man im Moment ernst meint, aber später bleibt doch alles beim Alten.“ – „Eine sehr bequeme Philosophie.“(Django zu seinem alten Freund, einem Armee-Arzt)

„Habt ihr einen Mann mit einem Teppich gesehen?“(Jurago (Piero Lulli) kümmert sich auf der Suche nach Django und Clint nebenbei noch um den Wocheneinkauf)

[Django will das Kopfgeld für Clint kassieren] „Der Staat schuldet mir 6.000 Dollar.“ – „Mit dem Staat ist kein Staat mehr zu machen – wir haben den Krieg verloren.“(der oben genannte Sheriff unterrichtet Django über seine Fortschritte im Fernstudium)

„Warum machst du eigentlich keine Anstalten von hier abzuhauen, Sheriff?“ – „Ach, ich bin zu klapprig, um noch auf Reisen zu gehen. Außerdem habe ich dem Besitzer des Saloons versprochen, keinen Tropfen Whiskey für die Yankees übrig zu lassen.“(der Sheriff weiß als alter Student, seine Prioritäten zu setzen)

„Jedes Geld ist irgendwann, irgendwo, irgendwem gestohlen worden.“(Clint beweist seinem Bruder Django, dass jeder Bandit sich seinen Werdegang irgendwann, irgendwo, irgendwie schönredet)

„Gewisse Dinge erledigt man auch sehr gerne gratis.“(Django weist auf Ausnahmen in seinem Tarifvertrag hin)

„Der Weg zur Hölle führt bei mir vorbei.“(Django betätigt sich neuerdings nebenberuflich als Türsteher)

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