10.000 blutige Dollar

10.000 Dollari Per Un Massacro

★★★ +

  • Jahr: 1967
  • Regie: Romolo Guerrieri
  • Darsteller: Gianni Garko, Claudio Camaso, Fidel Gonzáles, Fernando Sancho, Loredana Nusciak, Adriana Ambesi, Pinuccio Ardia, Franco Bettella, Ermelinda De Felice...

Story

Kopfgeldjäger Django (Gianni Garko) jagt keinen Verbrecher, der weniger als 10.000 Dollar wert ist. Und da der junge Manuel Vasquez (Claudio Camaso) erst 5.000 einbringen soll, macht er auch keine Anstalten ihn zu verfolgen. Erst als dieser die junge Dolores Mendoza (Adriana Ambesi) raubt und deren Vater (Franco Bettella) ihm noch zusätzliche 5.000 Scheine anbietet, reitet er los. Als er Manuel endlich bei dessen Vater Stardust (Fernando Sancho) aufgespürt hat, beschließen die beiden allerdings zusammen zu arbeiten und eine Postkutsche zu überfallen. Einzige Bedingung: Manuel darf niemanden töten. Natürlich aber spielt er ein falsches Spiel, schnappt sich allein das ganze Gold, das man zusammen erbeutet hat und bringt obendrein noch alle Insassen der Kutsche um. Zu dumm nur für ihn, dass sich in dieser ausgerechnet auch Djangos Freundin Mijanou (Loredana Nusciak) befand. Jetzt ist dieser nämlich auf kein Geld der Welt mehr scharf, sondern will nur noch seine Rache. Also setzt er hinterher, findet seine Feinde auch bald und lässt sich von diesen erstmal gefangen nehmen sowie kurz darauf von seinem Freund Fidelius (Fidel Gonzáles) wieder befreien. Da Letzterer dabei ebenfalls sein Leben lassen muss, macht der nun noch wütendere Django mit der kompletten Bande in einem finalen Showdown kurzen Prozess.

Worte zum Film

gute Darsteller, nette Musik und Kameraarbeit; sehr gute, kunstvolle Inszenierung, die das viel zu schwache Drehbuch allerdings nicht kaschieren kann; mit einem Wort: langweilig

Bewertung

Zum Film:

Also mal ganz ehrlich: Vor dem Erstkonsum von „10.000 Dollari Per Un Massacro“ hatte ich von Romolo Guerrieri wirklich noch nie etwas gehört. Ich mein, der hat ja außer dem doch ziemlich bekannten „Johnny Yuma“, den zu sehen mir bislang allerdings noch nicht vergönnt war, und dem doch ziemlich unbedeutenden „Sette Magnifice Pistole“ (den anzusehen ich mich bisher ob der nicht gerade überschwänglichen Kritiken nicht getraut habe) in diesem Genre nichts gemacht und war ja auch generell nicht gerade der produktivste Zeitgenosse im damaligen Italien. Mittlerweile ist mir sein Name zwar ein Begriff, aber für mehr als die ebenfalls nicht ganz unbekannten „Il Dolce Corpo Di Deborah“ und „Liberi Armati Pericolosi“ hat es bisher trotzdem nicht gereicht. Und diese sind mir – ganz unabhängig davon, dass sie in der Regel sowieso überbewertet werden – nicht durch eine besonders starke Regieleistung in Erinnerung geblieben.

Umso erstaunter war ich nun erneut, wie mich sein tatsächlich bereits letzter Genrebeitrag in Sachen Inszenierung umgehauen hat. Denn in dieser Hinsicht ist „10.000 blutige Dollar“ wirklich spitze. Für einen Regisseur, der so oder so nun wirklich keine großen Klassiker schuf, inszeniert Romolo Guerrieri wirklich großartig. Gerade in den ersten Minuten seines Films muss man das erstmal versuchen einzuordnen. Schon allein diese wunderbare, zynische Intro-Szene vor dem Meereshintergrund ist erstklassig. Eigentlich, weil normalerweise völlig unpassend (was soll schließlich das Meer in einem Subgenre, das seinen Reiz zu großen Teilen aus Wüsten-Darstellungen bezieht?), ein filmischer No-Go wird dieser Hintergrund von ihm so gekonnt in Szene gesetzt, dass es eine Augenweide ist und im Gegenteil absolut Sinn macht. Und das macht richtig Lust auf mehr, vor allem auch, wenn dann die Credits vor der wunderschönen Musik von Nora Orlandi erscheinen. Da beginnt man doch sofort zu hoffen, dass man die Lorbeeren, die dieser Film von anderen Fans immer wieder aufs Neue einheimst, auch endlich mal selbst bestätigen kann.

Und Guerrieri selbst will einem diese Freude auch sichtlich machen, denn auch die weitere Inszenierung seines Streifens ist unkonventionell, interessant und einfach gut. Besonders sein Spiel mit Licht und Schatten ist in dieser Hinsicht hervorzuheben, das er hier einfach meisterhaft beherrscht. Er weiß genau, wo er seine Protagonisten hinsetzen muss, damit das Licht richtig auf sie fällt; sodass sie ganz oder nur teilweise beleuchtet werden. Je nachdem. Als Beispiel seien hier nur die Pokerszene genannt, in der Claudio Camasos Manuel Vasquez plötzlich aus dem Dunkel erscheint, oder diejenige, in der Selbiger Adriana Ambesis Dolores Mendoza in einer Hütte sitzen lässt und Guerrieri genau die Effekte einfängt, die das Öffnen und Schließen der Tür und der damit einhergehende Überschuss beziehungsweise Mangel an Licht erzeugen. Sieht nicht nur sehr gekonnt, sondern auch sehr routiniert aus, was der Regisseur zu diesem Zeitpunkt seiner ja nun auch nicht gerade glorreichen Karriere ja eigentlich noch gar nicht gewesen sein kann (schließlich handelt es sich bei „10.000 Dollari Per Un Massacro“ erst um seine vierte Regiearbeit (in der damaligen italienischen Kinoindustrie, um meinen Gedankengang zu verdeutlichen)).

Aber das ist ja auch egal. Fest steht, dass es geil aussieht und dass Guerrieri sogar noch mehr konnte. Denn auch mit Staub (vor allem mit diesem; wer den Film gesehen hat, weiß, was ich meine), betont langsamen Bewegungen und Abläufen (was mir grundsätzlich sehr gefällt, muss ich sagen) und auch wieder ausgefallenen, sehr gelungenen Kameraeinstellungen experimentiert er hier (Letzteres sicherlich unter freundlicher Mithilfe seines Kameramanns Federico Zanni) und lässt dabei immer mehr den Eindruck entstehen, dass man es hierbei tatsächlich mit einer echten kleinen Perle des Genres zu tun haben könnte. Da ist alles perfekt durchgestylt. Seht euch beispielsweise nur die Outfits der Figuren an! Explizit hervorzuheben sind diesbezüglich natürlich Djangos weißer Schal sowie Vasquez‘ in der Realität sicherlich völlig ungünstig platziertes Holster auf dem Rücken. Und sogar Regen, den wir im Italowestern ja eh nicht so häufig bestaunen dürfen, wird hier zur Augenweide. So was sieht man – zumal in diesem Subgenre – nicht alle Tage. Da war ich doch tatsächlich für einen Augenblick sprachlos.

Allerdings habe ich meine Spucke schnell wiedergefunden, als mir klar wurde, dass dieser Eindruck leider mal wieder täuscht. Denn so grandios die Inszenierung dieses Streifens auch sein mag, sein Drehbuch, geschrieben von Franco Fogagnolo, Ernesto Gastaldi und Luciano Martino sowie laut IMDb unter Mithilfe von Sauro Scavolini, ist es leider nicht. Und das obwohl die Grundidee dieses Streifens eigentlich sehr interessant ist. Denn auch in Sachen Story ist „10.000 blutige Dollar“ in einiger Hinsicht doch sehr unkonventionell (Spoiler) und beinhaltet unter anderem echte Liebe. Ja, tatsächlich. Echte Liebe in einem Italowestern. Zwischen Django und der von Loredana Nusciak verkörperten Saloonbetreiberin Mijanou (nun gut, bei Django ist man sich nicht sicher (und er sich selbst zuerst wohl auch nicht), aber wenn’s bei ihr keine Liebe ist, weiß ich es auch nicht). Mit richtigen Küssen! (Na gut, mit einem Filmkuss – bzw. dem, was man damals darunter halt so verstand.) Und da würde man sich doch normalerweise auch sofort wieder fragen: Kann beziehungsweise darf das überhaupt sein? Und die Antwort würde erneut lauten: Ja, es darf und muss hier und bei Guerrieris entsprechender Inszenierung sogar so sein. Das passt dazu wie die Faust auf das berühmte Auge. Denn selbst diese Kussszene hat Stil. Sieht einfach gut aus und passt zu diesem so seltsamen Streifen.

Und diese Liebe ist ein ganz wichtiges Element der Story. Denn Kopfgeldjäger Django (Gianni Garko), der sich eigentlich nur für Geld interessiert und unter 10.000 Dollar Belohnung gar nicht erst anfängt, will, nachdem ihn Amors Pfeil getroffen hat, nur noch einen Auftrag ausführen. Dabei jedoch wird er getäuscht, Mijanou wird (vorhersehbar, zum entsprechenden Zeitpunkt für mich dann aber doch überraschend) getötet und er steht mit leeren Händen da, die weder das Gold noch die Liebe festhalten konnten. Und nun wandelt sich sein Motiv Vasquez zu erledigen von „Geld“ in „Rache“. Und diese Grundidee halte ich wie erwähnt für sehr gelungen. Allerdings haben die vier Drehbuchautoren daraus für meinen Geschmack dann nichts Brauchbares gemacht. Denn anstatt gleich die Fronten zu klären, Django von Anfang an verliebt sein zu lassen, die erste Viertelstunde seine Fähigkeiten in einem Kopfgeldjäger-Western darzustellen, um daraus dann einen richtig guten Rachewestern zu machen (denn das ist „10.000 Dollari Per Un Massacro“ dann ja eigentlich), muss Django sich erst das Herz der etwas hitzköpfigen und rauen Mijanou erobern und das allein dauert schon mal die erste halbe Stunde des Films. Die wird dann aufgefüllt mit zum Beispiel der Film-Tötung von Aldo Cecconi, die auch nur aufgrund ihrer Inszenierung interessiert, ansonsten aber völlig überflüssig wäre (sie soll den Streifen schlicht ein wenig länger machen), und dem fast schon lächerlichen Überfall von Manuel auf die Mendoza-Ranch, den es auch nicht unbedingt und auf jeden Fall nicht in der Länge gebraucht hätte (und der obendrein eine der wenigen Szenen ist, die Guerrieri auch inszenatorisch nicht so gut gelangen). Auch bei der Pokerszene fehlt schon die letzte Spannung, ganz zu schweigen davon, dass „10.000 blutige Dollar“ im Anschluss daran dann wohl der erste (oder zumindest einer von nur ganz wenigen) Western ist, in dem ein Mord im Saloon dessen Ende bedeutet. Aber daraufhin flüchten hier auf einmal alle Barmädchen von Mijanou aus der Stadt und kommt kein Mensch mehr zu Besuch, sodass sie den Laden schließen muss. Das ist selbstredend ebenso lächerlich, in dem Mikrokosmos, den sich der Streifen erschafft, aber gerade so noch hinnehmbar. Immerhin bringt das die Geschehnisse endlich ins Rollen.

Jedoch fehlt auch bei den folgenden Szenen, nachdem Django und Mijanou sich endlich lieben und Django endlich seinen letzten Auftrag ausführen will, er sich dann aber doch den Bösewichtern anschließt, die nötige Spannung. Bei Djangos Erscheinen in der Residenz von Stardust kann Guerrieri zwar mit seiner Inszenierung der Szenerie an sich noch Spannung verleihen, aber so wirklich interessant in Bezug auf den Filmausgang ist das alles nicht (mal ganz davon abgesehen, dass man vom Tanz der „dicken Hummel“ Ermelinda De Felice ja Augenkrebs bekommen kann; der steht ganz im Gegensatz zur sonstigen Ästhetik dieses Werkes). Und das wird es leider auch nicht mehr, wenn Mijanou dann „endlich“ von Manuel hingerichtet wurde (übrigens ist die Szene, in der Garko die tote Nusciak auffindet, die vielleicht stärkste des ganzen Films, vor allem natürlich wieder inszenatorisch gesehen). Wer dann nämlich denkt, dass die große Rächer-Show losgeht, hat sich gewaltig geschnitten. Da spielt der gute Django mit den Bösewichtern nämlich erstmal ein lustiges Versteckspiel und gibt ihnen ihren Anteil der Beute zurück. Wie fies und irre spannend…

Und hier kippt das Ganze dann vollständig. War es bisher alles eher uninteressant, was auf dem Bildschirm passierte, ist es ab da schlicht nur noch langweilig. Völlig langweilig sind beispielsweise die Szenen, in denen die fünf schweren Verbrecher um Manuel dem Gold bis in die Höhle nachsetzen und sich dort wie kleine Jungs auf das Metall stürzen. Und dann wird Django von den Drehbuchautoren als völlig dämlich hingestellt, als er denkt, dass die vermeintlich geraubte Dolores auch gegen Manuel wäre, diese tatsächlich aber natürlich in ihn verliebt ist. Wenn sich eine so bescheuert gibt wie die und sich nicht über ihre Rettung freut, muss doch was faul sein. Das muss Django doch auffallen. Nun kann man ihm natürlich zugutehalten, dass auch man selbst dieses Mal zwar diese Vermutung hatte, sie aber in Bildern nie bestätigt, sondern anscheinend widerlegt fand (ich mein, man soll ja immer denken, dass die Geraubte wieder zurück will). Das ist eine der wenigen Sachen, die Guerrieri hier nicht geglückt sind, denn so wie Dolores hier benimmt sich niemand, der in Manuel verliebt ist. So benimmt sie sich erst, nachdem sie sich filmisch geoutet hat und das passt einfach nicht zusammen. Entweder lasse ich die Szenen mit der Gefangenen dann von Anfang an weg (so wie zum Beispiel in dem noch viel schlechteren, aber auch anders angelegten, nur ein Jahr eher erschienenen „The Professionals“) oder ich stelle die stetig wachsende Zuneigung von Dolores gegenüber Manuel von Anfang an richtig dar, gehe dann aber das Risiko ein, dass es für die Zuschauer keine Überraschung mehr ist, wenn sie Fidelius (Fidel Gonzáles) plötzlich davon läuft. So, wie’s hier läuft, ist es jedenfalls mindestens mal merkwürdig, aber egal. Schließlich sind diese ganzen folgenden Wüsten-Szenen nicht so der Burner und wenn Django dann in einer unglaublich unglaubwürdigen, geradezu schwachsinnigen Szene von Fidelius ausgebuddelt wird (bei dessen Tötung hatte Stardusts Knarre anscheinend keinen Linksdrall), um sodann seine Rache in der Geisterstadt zu vollstrecken, bin ich mit den Gedanken schon gar nicht mehr so richtig dabei, so uninteressant und langweilig ist das Ganze geworden (bzw. war es realistisch gesehen ja bereits von Anfang an). Und dieser finale Showdown, bei dem Django seine Gegner ja fast schon exekutiert und diese Tötungen zelebriert, ist dann auch inszenatorisch gesehen nicht mehr so stark, als dass er von daher punkten könnte (er ist schlichtweg lahm, weil er sich zu sehr hinzieht) und so sehnt man dann einfach nur noch das Ende herbei. (Spoilerende) Und somit finde ich, dass das Potenzial, dass diese ungewöhnliche Story eigentlich gehabt hätte, hier jämmerlich verpuffen muss, weil die Drehbuch-Crew nicht in der Lage war, daraus ein interessantes Script zusammenzuschreiben. Guerrieri schafft es zwar durch seine Inszenierung immer mal wieder ein wenig Spannung in die ein oder andere Szene zu bringen, aber insgesamt schafft es die Story nicht einmal wirkliches Interesse zu wecken und das bricht „10.000 blutige Dollar“ letztendlich das Genick.

Das ist besonders auch um die schauspielerischen Leistungen schade, denn auch die sind passend zu Regie ziemlich gut. So geht Django Gianni Garko (Gary Hudson sach ich nur) zum Beispiel sehr auf in seiner Rolle und liefert eine so starke Performance, dass es nur die logische Konsequenz war, dass er nur kurz darauf Rollen wie seinen „Sartana“ spielen sollte. Die vielen gemischten Gefühle, die diese Figur während dieses Films durchlebt, vermag er glaubhaft auf die Leinwand zu bringen (Synchronsprecher Gert Günther Hoffmann hingegen passte zum Original-Django Franco Nero wesentlich besser). Schade nur, dass man trotz dieser guten Leistung kaum mit seinem Django mitfiebern kann, da der ein ausgemachter Schweinehund ist. Völlig gefühlskalt ((Spoiler) wie gesagt ist es zuerst höchst fraglich, ob er seine Mijanou auch liebt (Spoilerende)) und fast ohne jede menschliche Regung. Selbst der sonst so typische Zynismus geht ihm immer mehr flöten. Ein Antiheld ist das eine, aber der hier… (Spoiler) Der stachelt den aus seiner Sicht immer noch zu „billigen“ Manuel Vasquez tatsächlich zum Mord auf, damit die Prämie auf dessen Kopf steigt, lässt Selbigem am Ende nicht die klassische „faire Chance“ im Schlussduell und wenn er sich ihm zwischendurch anschließt, hat man erst das Gefühl, dass diese Aktion aus Berechnung geschieht, muss dann aber einsehen, dass er das offensichtlich doch nur wegen der in Aussicht stehenden Beute tut. Gut, der Typ, den Manuel im Saloon umbringt, hat tatsächlich falsch gespielt, er selbst hätte (wie die meisten Filmschurken) am Schluss auch keine faire Chance verdient gehabt (weswegen wenigstens das mehr als verständlich ist) und Django besteht beim gemeinsamen Raubzug immerhin darauf, dass niemand getötet wird. (Spoilerende) Man kann ihn sich also hinreden, wenn man das will – oder es ob der schwachen Rahmengeschichte, in die diese Hauptfigur eingebettet wurde, einfach gar nicht so schlimm finden, dass sie einem nicht sympathisch wird…

Gut als Bösewicht vom Dienst ist hier auch Claudio Camaso, wenn man allerdings auch anmerken sollte, dass er an der einen oder anderen Stelle ein wenig übertreibt. Dass er nicht an die Qualitäten seines Bruders herankommt, versteht sich fast von selbst und das hatte man ja auch nicht erwartet. Fernando Sancho jedoch ist erwartet gut in seiner Stardust-Nebenrolle und auch Loredana Nusciak, von der ich sonst nicht so erbaut bin, spielt hier gut und ist vor allem schön, was man von ihr ja gar nicht gewohnt ist. Zusätzlich bekommt ihr Auftritt durch die Benennung der Hauptfigur mit „Django“ (von der ich ehrlich gesagt gedacht hätte, dass das mal wieder eine Erfindung des deutschen Verleihs gewesen wäre) eine besondere Note. Nervig können auf die Dauer allerdings Fidel Gonzáles und Pinuccio Ardia werden, die beide zwar vollkommen typische Italowestern-Nebenrollen besetzen und diese auch mit der nötigen Qualität spielen, deren Charaktere mir mit zunehmender Spielzeit aber einfach nur auf die Eier gingen. Ardias „Sieben Dollar“ mit seinem ständigen Wettaufgeschreibe, obwohl gar keiner mit ihm wettet (man kann auch wirklich kreativer sein, finde ich), und Gonzáles‘ Fidelius (bei dem ich nach Ansicht der deutschen Fassung jedes Mal der Meinung bin, bei uns hieße er Fidelio, aber egal…) mit seinen ständigen doofen Sprüchen und seinem stetig doofen Blick…

Nora Orlandis Musik ist – ich sagte es schon einmal – zwar auch nett (vor allem die singende Säge), aber insgesamt wirkt „10.000 Dollari Per Un Massacro“ viel zu konstruiert und ich mein, das ist ja schließlich auch jeder Film, aber nur diejenigen sind schlecht beziehungsweise schwach, die sich das auch anmerken lassen. Das Drehbuch schafft es konstant nicht, ein wirkliches Interesse an der Story zu wecken und braucht obendrein noch hundert Jahre, bis es überhaupt mal loslegt, sodass Romolo Guerrieris großartige Inszenierung, die teilweise wirklich was Intimes hat, hierbei völlig verpufft. Und das ist doch sch…, also sehr schade… Da kann man in diesem Subgenre endlich mal was Großes sehen und dann wird einem das durch so ein Script so gründlich vermiest. Das ist echt ärgerlich; da wäre mal wieder so viel mehr drin gewesen. Allerdings auch nicht zu ändern und somit sage ich: Unbedingt anschauen und sich selbst ein Urteil bilden, denn meine Meinung hierzu steht so ziemlich für sich!

Zur DVD:

Auch die dritte Koch „Italo-Western Box“ (wieder in der sehr eigenwilligen Schreibweise) überzeugt durch ein 1A-Bild, einen – in diesem Fall nur ganz kurzzeitig nicht – 1A-Ton und 1A-Bonusmaterial. Natürlich sind die Filme nicht mehr solche Magneten wie die der „Sergio Sollima -“ oder „Halleluja Italo-Western Box“, aber dafür bekommt man hier die schöne Gelegenheit die beiden Garko-Frühwerke „10.000 blutige Dollar“ und „Django der Bastard“ auf einmal zu erstehen, denn die wurden ja nun mal fast mit dem gleichen Stab gemacht und ähneln sich auch ansonsten sehr, sodass es sich anbietet sie beide auch nacheinander zu konsumieren. Auf der DVD zu „10.000 Dollari Per Un Massacro“ befinden sich als Bonus noch:

  1. der deutsche und italienische Trailer,
  2. die obligatorische Bildergalerie (zum Durchklicken),
  3. und der erste Teil der Dokumentation „Mondo Garko“, in der Gianni Garko nicht nur über die seine beiden Filme in dieser Box, sondern auch über die Sartanas und Co. berichtet. Und dass diese Doku. top ist, brauche ich bei Koch Media ja wohl nicht zu betonen. Allerdings macht sie mehr noch als viele andere Einzelinterviews (auch dieses Labels) Spaß, da hier viel Zeit auf das Einarbeiten der Filmausschnitte verwendet wurde, bzw. hier sowieso der Vorteil besteht, dass eigentlich überall zu auch Filmausschnitte gezeigt werden. Außerdem hört man Garko einfach gern zu, weil er einer der wenigen ist, die man sofort auch als Privatmenschen gut leiden kann. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass auch er an der einen oder anderen Stelle ein wenig übertreibt; etwa, wenn er angibt am Drehbuch zum ersten „Sartana“ von Parolini entscheidend mit beteiligt gewesen zu sein, in den Credits dort aber nirgendwo aufgeführt wird.

Und natürlich darf eine solche Box eigentlich in keiner Sammlung fehlen, zumal als Bonus ja noch das dicke Booklet und die Audio-CD mit den Soundtracks zu den beiden Garko-Filmen hinzukommen, aber mittlerweile dürfte das Ding neu wohl nicht mehr zu haben sein. Da Koch die entsprechenden Filme warum auch immer noch nicht auf BD veröffentlicht hat, lohnt sich aus meiner Sicht also der Versuch, ein gebrauchtes Exemplar zu einem halbwegs humanen Preis zu ergattern.

Zitat

[nach dem Raub seiner Tochter durch Manuel sucht Papa Mendoza gleich mal Django auf, damit sich dieser um den Banditen kümmert] „Ich würde die Prämie, die auf seinen Kopf ausgesetzt ist, um 500 Dollar erhöhen – wenn Django Dolores zu mir zurückbringt.“ – „Ihre Tochter ist Ihnen nicht viel wert, merke ich.“(Django weiß, was ein Menschenleben wert ist)

„Für mich bist du eine Ranch, die in der Gegend spazieren geht.“(Django zeigt Manuel, dass er als Kopfgeldjäger die Welt mit anderen Augen sieht)

„Geh und lass dich umbringen, wenn dir so viel daran liegt!“(Mijanou lässt ihrem Django als gute Freundin seine Freiheiten)

„Wer bist du überhaupt?“ – „Fragst du das immer erst, nachdem du geschossen hast?“ – „Selbstverständlich.“(Stardust gesteht Django, dass er mit den Leuten nicht oft ins Gespräch kommt)

„Solange man friert, lebt man wenigstens noch.“(Sieben Dollar (Pinuccio Ardia) macht Dolores warme Gedanken)

„Die Rache ist eine Speise, die kalt gegessen wird.“(Fidelius braucht keine Mikrowelle)

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