Winnetous Rückkehr

Winnetous Rückkehr

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  • Jahr: 1998
  • Regie: Marijan David Vajda
  • Darsteller: Pierre Brice, Candice Daly, Pierre Semmler, Juraj Kukura, Buffalo Child, Jonathan Joss, Manuel Trautsch, Lowell Raven, Calvin Burke, Patrice Martinez, Tobias Hoesl, Diego Wallraff, Jimmy Herman...

Story

Teil 1: Winnetou (Pierre Brice) hat Rollins‘ totbringenden Schuss doch überlebt und haust fortan zurückgezogen in den Bergen. Der Skalpjäger Spencer (Tobias Hoesl) und vor allem dessen schöne Freundin Mary (Candice Daly), in die er sich verliebt, ohne es sich selbst einzugestehen, locken ihn allerdings wieder aus seinem Versteck hervor und so läuft er Tah-Sha-Tunga (Jimmy Herman) über den Weg und überredet diesen, einen Treck Quäker unter der Führung des besonnenen John Mayotte (Pierre Semmler) auf dem Land der Assiniboine ihre kleine Siedlung aufbauen zu lassen. Da Winnetou zwischenzeitlich allerdings Marys kleinen Sohn David in die Obhut der Indianer gegeben hat, sie diesen aber natürlich gerne zurückhätte und ihren Mann folglich überredet, ihn zurückzuholen, gerät der Friede schnell ins Wanken, da Spencer bei diesem Versuch Tah-Sha-Tunga tötet (bzw. in den Quasi-Selbstmord treibt). Dessen Enkel Tanka (Buffalo Child) übernimmt fortan das Häuptlingsamt und schwört Rache. Als er Spencer jedoch töten will, bietet ihm dieser Mary als Gegenleistung für sein Leben an. Da Tanka in ihr die legendäre „Weiße Büffelfrau“ sieht, willigt er ein und gibt Mary nicht wieder her, obgleich diese, Tankas eigentliche Frau Kish-Kao-Ko (Patrice Martinez) und auch Winnetou alles unternehmen, um ihn von seiner Besessenheit zu befreien. Erst ein Angriff Spencers unter Unterstützung eines feindlichen Crow-Stammes kann ihn erlösen, da er hier im Zweikampf fällt. Winnetou, der heroisch seinen Platz einnimmt, kann die feindlichen Indianer mit seiner unfassbaren Präsenz dazu bringen, wieder abzuziehen, woraufhin die Assiniboine ihrerseits dem zurückgebliebenen Spencer seinen Skalp abziehen, auf dass er auf ewig ohne Seele durch die Staaten ziehen muss.

Teil 2: Unterdessen hat sich der Holzbaron Robert DeWill (Juraj Kukura) mit seinen Männern in der Gegend eingefunden und will die vorhandenen Wälder roden, wozu er auch die Quäker einspannt. Dies gefällt den Assiniboine unter der Führung ihres neuen Häuptlings Wash-Ti (Jonathan Joss) natürlich überhaupt nicht und so wollen sie alle eingedrungenen Weißen dem Erdboden gleich machen. Winnetou muss also nicht nur die Banditen bekämpfen, sondern ganz nebenbei auch noch die Indianer beruhigen. Dazu bedient er sich einer List und der Mithilfe von Mary, John, dessen Sohn Timmy (Manuel Trautsch), Kish-Kao-Ko, dem Indianerjungen Kleiner Biber (Lowell Raven) und dem ehemaligen Sklaven Balthasar (Calvin Burke). Gemeinsam hindern sie die Assiniboine am Angriff  und setzen anschließend DeWill und seine Leute fest. Nur durch Heimtücke gelingt es dem Boss der Schurken noch einmal zu entkommen. Winnetou und Wash-Ti verfolgen ihn aber und Letzterer erledigt ihn schlussendlich mit seinem Gewehr. Winnetou schlägt daraufhin den Rat des Medizinmannes, der ihn damals gesundgepflegt hatte, seine Liebe zu Mary leben zu lassen, in den Wind, verabschiedet sich von allen und kehrt nie wieder zurück – hoffentlich zumindest…

Worte zum Film

grottige Darsteller kämpfen sich durch eine nicht vorhandene Geschichte, der Titelheld spricht mit französischem Akzent, alles sieht billig aus und ist billig gemacht; Fremdschämfaktor = 10; ein Neuaufguss als Kinderfilm, den niemand gebraucht hätte geschweige denn haben wollte

Bewertung

Zum Film:

Zurückkehren durften im Genre Western ja schon so einige (zurückkehren durften generell schon viel zu viele, aber das soll hier nicht das Thema sein). Gut getan hat dies leider nur den wenigsten. Besonders schlimm wurde es meist dann, wenn diese „Rückkehr“ dann auch noch ihre Manifestation im Titel des entsprechenden Filmes fand. So gab es hiervor z. B. ja schon so halbgare Sachen wie „Die Rückkehr der glorreichen Sieben“ oder auch „Djangos Rückkehr“. Und da sich „Winnetous Rückkehr“ in diese Liste gnadenlos einreiht, kann ich euch nur raten: Passt bei Pferdeopern unbedingt auf, wenn das Wort „Rückkehr“ im Filmtitel erscheint! Das kann nur nach hinten losgehen! Und ja, zugegeben, „Return Of The Seven“ tue ich in diesem Zusammenhang fast schon ein wenig unrecht, da er zwar wirklich schwach, aber doch lange nicht so grottenschlecht ist, wie die beiden anderen genannten Vertreter, aber irgendwoher muss ich meine Beispiele ja nehmen, wenn ich so Schoten wie „Die Rückkehr der Mavericks“, „Die Rückkehr von Jesse James“ oder auch „Die Rückkehr der Semmelknödelbande“ (!) noch nicht gesehen habe, oder wie seht ihr das (ich habe das Gefühl, dass ich oben genannte Liste in – hoffentlich ferner – Zukunft noch um einige Werke ergänzen muss)? Und hups… Jetzt habe ich es schon verraten. Aber ganz ehrlich: Diesem Streifen eilt sein Ruf ja auch voraus und selbst wenn ihr vorher noch nie etwas von ihm gehört haben solltet, würdet ihr doch nie im Leben davon ausgehen, dass diese Schnapsidee zum Erfolg geführt haben könnte, oder (respektive sind es ja eigentlich zwei Teile, in die er sich aufteilt, aber wir wollen der Einfachheit halber mal lieber von „Winnetous Rückkehr“ als ganzer Einheit sprechen, ok)? Natürlich nicht und womit? Mit Recht! Schließlich ist der Apachenhäuptling in „Winnetou III“ gestorben. Ich bin zwar bei Horst Wendlandt oder auch Karl May höchstselbst, dass das nicht unbedingt bedeuten muss, dass man nicht noch zeitlich davor gelagerte Geschichten erzählen kann (Prequels würde man heute sagen), aber 30 Jahre später eine Revenant-Story mit demselben, entsprechend gealterten Hauptdarsteller anzubieten, ist genauso geschmacklos wie es klingt.

Bereits wenn der Vorspann des ersten Teils über Helikopter-Aufnahmen eines schneebedeckten Gebirges abläuft und dazu die altbekannte „Winnetou-Melodie“ von Martin Böttcher erklingt, der sich offensichtlich doch tatsächlich dazu herabgelassen hat, hierfür auch noch ein paar Noten zu Papier zu bringen, überkommt einen so ein komisches Gefühl. Denn obwohl es Pierre Brice ist, der da mit einem schwarzen Gaul am Zügel durch den Schnee stapft, wirkt das Ganze befremdlich. Zu „neu“ und „un-winnetou-like“ wirkt die Szenerie. Und wenn man sich dann durchliest, wer hieran alles mitgewirkt hat, fällt einem sofort auf, dass hier wirklich alles verpflichtet wurde, was nicht Rang und Namen hat (die beiden genannten, karl-may-erprobten Recken mal ausgenommen). Da kennt man ja wirklich keinen einzigen Namen von der Liste. Kann man auch nicht. Dafür müsste man sich schon im deutschen Fernsehfilm der 1990er Jahre auskennen; da war ein Großteil der Engagierten nämlich hauptsächlich beschäftigt (bei einer Fernsehproduktion des ZDF/ORF natürlich keine wirkliche Überraschung). Bei genauerem Hinsehen werden einem im weiteren Verlauf einige der Indianer-Darsteller zwar noch aus Kevin Costners „Der mit dem Wolf tanzt“ bekannt vorkommen, aber dazu später mehr.

An dieser Stelle habe ich jedenfalls einen entscheidenden Fehler gemacht und ich kann euch nur raten, diesen nicht zu wiederholen: Ich habe weitergeguckt. Nach diesen Erkenntnissen im Zusammenspiel mit den angestellten Vorüberlegungen sollte man allerdings sofort die Sichtung stoppen und sich einen vernünftigen Film fürs weitere Abendprogramm raussuchen. (Dies gilt selbstverständlich nicht für Komplettisten, aber die sind ja – genauso wie ich – selber schuld.) Denn was nun folgt, ist nicht nur das mit Abstand Schlechteste, das es im „Winnetou“-Universum jemals auf Zelluloid geschafft hat (und das war ob Artur Brauners „Old Shatterhand“ und vor allem Albert Camus‘ „Mein Freund Winnetou“ eigentlich schon gar nicht mehr so leicht), sondern auch generell ein Lehrstück darüber, wie man Film nicht machen sollte. Lektion eins: Man sollte eine Grundidee, die man hat (unabhängig davon, ob sie so schwachsinnig ist wie hier oder nicht), auch daraufhin überprüfen, ob sich auf ihr auch tatsächlich eine vernünftige Story aufbauen lässt. Wenn man dann am Ende nur die Grundidee präsentieren kann, hat das nicht ganz so viel. Aber genau so verhält es sich hier. „Winnetous Rückkehr“ ist nichts anderes als eine große Seifenblase um den Einfall, der berühmte Apache könnte den tödlichen Schuss von Rollins doch überlebt haben (muss für den Militärarzt von damals und vor allem auch Old Shatterhand echt frustrierend sein, dass es ihnen doch glatt durch die Lappen gegangen ist, dass sie einen noch Lebenden verbrannt haben (denn tote Indianer wurden doch immer verbrannt, oder?)). Selbst wenn wir uns mal blöd stellen und das glauben wollten; was passiert danach? Tja, diese Frage haben sich Werner Waldhoff (der Drehbuchautor dieses Machwerks) sowie Jean-Claude Deret und Pierre Brice höchstselbst (die Ideengeber dieser Farce, die uns mit „Winnetou Le Mescaléro“ offensichtlich noch nicht genug geärgert hatten und bestimmt echt lange beieinander saßen und grübelten, bevor ihnen dieser Geistesblitz kam – und dann wohl auch noch beiden gleichzeitig) nicht wirklich gestellt und offensichtlich einfach mal so an nem freien Sonntagnachmittag bei viel Wein, Whiskey und Südfrankreich-Sonne ein paar Handlungsfetzen in einen Topf geworfen, den sie dann ordentlich geschüttelt und wieder ausgekippt haben. Und so wie die Fetzen lagen, hat Waldhoff sie dann wohl wieder zusammengeklebt und ein paar Dialoge drumherum geschrieben, fertig. Denn eine Story oder einen Plot im eigentlichen Sinne finden wir hier nicht vor. Die ganzen drei Stunden sind ein Potpourri aus „Dances With Wolves“, einigen letzten Versatzstücken mayscher Erzählkultur bzw. dem, was Wendlandt und seine Leute in den 60ern daraus machten, und den letzten beiden Groschenromanen, die Waldhoff zum Thema Western gelesen hatte. Alles ist völlig unlogisch, folgt nur ganz lose einem roten Faden (dieser wird dann im zweiten Teil wieder etwas erkennbarer) und folgt einzig dem Prinzip des Zufalls (sprich dem umgekippten Topf). Dadurch haben wir im Endeffekt mal wieder einen Streifen vorliegen, von dem man wirklich jede einzelne Szene auseinandernehmen kann – und möchte. Ich möchte euch zwar nicht langweilen, aber man muss das ja mal loswerden. Außerdem würden es die, die es nicht gesehen haben, ohne Beispiele ja nie glauben können. Ich versuche mich daher kurz zu fassen, aber falls mir dies nicht gelingen sollte, beschwert euch bitte bei Waldhoff, Deret und Brice – oder am besten gleich bei Rik Battaglia! Der ist, wenn es um die deutschen Karl-May-Verfilmungen geht, schließlich immer an allem Schuld und hier natürlich besonders. Was schießt der denn auch nicht richtig? Dann hätten wir uns das hier ja sparen können.

So aber müssen wir hier ein Füllhorn von Klischees über uns ergehen lassen. Nehmen wir beispielsweise die Charaktere. Die sind alle wandelnde Klischees. Klar, Winnetou sowieso (von dem ist man das ja auch gewohnt), aber auch der Rest. (Spoiler) Ein ultrafieser Sklapjäger, der ohne Rücksicht auf Verluste immer nur zu seinem eigenen Vorteil handelt und dabei in letzter Konsequenz sogar seine Frau verkauft. Die wiederum ist natürlich die Inkarnation von Unschuld. Könnte keiner Fliege was zu Leide tun. Mit blonden Haaren und hellem Köpfchen – sprich eine, von der man sofort denken würde, dass sie sich in so ein Arschloch verguckt und mit ihm ziellos durch die Lande streift, während er nach Indianern Ausschau hält, die er abschlachten kann… Und dann gibt es da noch den Trupp Quäker. Die sind natürlich alle total lieb (predigen ja auch nur das Wort Gottes), aber einer von ihnen ist natürlich auch ein Böser. Ein Neider, der gerne der Anführer wäre, der er nicht sein darf und daher vor keiner Intrige zurückschreckt, um dem eigentlichen Leader John, der eine Ausgeburt von Gottesfurcht und Rechtschaffenheit ist, „vom Thron zu stürzen“. Und klar, solche und ähnliche Figuren hat es natürlich schon immer im Winnetou-Kanon gegeben, aber so übertrieben „abgesteckt“ wie hier waren diese selten bis nie. Guckt euch nur die Intro-Szene der beiden eben genannten und das Spiel von Pierre Semmler und Christoph Moosbrugger in ihr an! Ekelhaft!

Wobei man dazusagen muss, dass gerade der Häuptling der Apachen hier doch sehr merkwürdig porträtiert wird. Wie gesagt ist er natürlich weiterhin der furchtlose, extrem aufrechte Kämpfer für Recht und Gesetz sowohl der weißen als auch der roten Männer, der er immer schon gewesen ist, aber ohne Blutsbruder Old Shatterhand oder einen anderen der alten Weggefährten (die spielen alle keinerlei Rolle mehr, da hat Brice aber aufgepasst, dass er der einzig große Name ist (vielleicht hat er dann auch an der Schauspielerauswahl etwas gedreht, um das auch weiterhin abzubilden, aber das ist reine Spekulation)) und extremst in die Jahre gekommen scheint er nicht nur altersmilde, sondern teilweise altersblind zu sein. Wieso z. B. gibt er Mary ganz zu Anfang der beiden Filme das Goldkorn (bzw. den Goldklumpen, das ist ja ein heftig großes Teil)? Klar, er sieht in ihr das Gute, aber er sieht doch auch was für ein Assi ihr Kerl ist. Und dass der früher oder später an das Gold gelangen und ihn dann erneut aufsuchen und ausquetschen wollen müsste, wie er an noch mehr davon gelangen könnte, versteht sich doch wohl von selber, oder? So wäre es nur logisch und so wäre es auch in den 60ern noch gewesen. 1998 aber dient das Goldkorn am Ende nur dazu, dass sich der eklige Spencer doch nochmal auf die Suche nach seinem Sohn macht und danach spielt es gar keine Rolle mehr. Kennt man ja aus vielen anderen Pferdeopern, diese Geschichte. Da wandert so’n Stück Gold erstmal in die Brusttasche eines Ganoven, da reitet der natürlich sofort los und sucht Kinder (im Übrigen weiß er selbstredend auch sofort, wo er nach dem Kind zu suchen hat, obwohl die beiden einfach nur fix ohne das Kind weggeritten sind und mit dem Jungen in der Zwischenzeit sonstwas passiert sein könnte; theoretisch hätte den auch ne Wölfin adoptieren können) und vergisst darüber hinaus ganz, dass er da ja noch viel mehr von bekommen könnte… Hat Winnetou wahrscheinlich vorausgesehen und daher so weise verschenkt, das Ding. Das war im ersten Teil. Eine andere weise Voraussicht von ihm tritt dann im zweiten Part der Parodie hier völlig unerwartet doch nicht ein. Da vertreiben die Assiniboine auf Anraten des Apachen nämlich DeWill und seine Leute von ihrem Land, schenken ihnen aber das Leben und sind sich natürlich ganz sicher, dass man so, ganz ohne Blutvergießen, die Invasion gestoppt hat. Machte bis dahin ja auch ganz den Eindruck als wolle er auf den erhofften Profit in so einer Situation gerne verzichten, der osteuropäische Holzmillionär. Der kehrt dann aber wie gesagt doch zurück und Winnetou grübelt erneut über einem Plan, bei dem auch ja kein Bösewicht sein Leben lassen muss. Der Rote scheint durch Johns Einfluss selbst zum Quäker geworden zu sein. Klar, er war auch früher schon gegen grundlose Gewalt, aber er hat doch durchaus den einen oder anderen Banditen umgepustet, wenn es um sein Leben ging. Hier aber lässt er sich locker von zwei der größten Heiopeis (unfassbar schlecht: Bernhard Bettermann mit dauernervendem Blattwerk im Mundwinkel und der aufgesetztesten Visage von allen sowie Diego Wallraff) seine Bude, pardon, Höhle ausräuchern, woraufhin er und seine neue Freundin Mary gerade so mit dem Leben davonkommen und schießt den Arschlöchern danach einfach nur die Kanonen aus der Hand (dass das dann auch noch unfassbar schlecht getrickst ist, kommt noch dazu, hat aber hiermit jetzt nichts zu tun). Dass er dann nochmal in absolute Lebensgefahr gerät und nur von einem Quäker gerettet werden kann? Der altersschwache Winnetou lächelt es einfach weg. Den ganzen Film über. Winnetou lächelt alles weg.

Im ersten Teil dieser Posse lächelt er dabei vor allem seine roten Brüder an. Der erste ist nämlich der „Dances With Wolves“-Part. Der hat mit originären Karl-May-Romanen oder wenigstens deren Verfilmungen der 1960er Jahre überhaupt nichts zu tun. Der ist einfach mal so ein bisschen was von allen Indianer-Filmen und ein bisschen was von keinem (der Wolf, der Winnetou hier folgt, ist z. B. ja mal eindeutig einfach nur geklaut – aber lange nicht die einzige Parallele zwischen diesem und Costners Werk). Der ist einfach da und muss mitgeguckt werden. Es gibt hier keine Banditenbande, die irgendwelches Geld klauen oder sonstwas Böses machen will, es gibt nur einen vertrottelten, hasenfüßigen Skalpjäger. Und für den braucht Winnetou einen ganzen Film, bevor er ihm lächelnd seine Platte rasieren lässt. Der muss nicht mal sterben! Das ist echt unfassbar schwach. Aber die Indsmen hier sind einfach nicht so. Sind einfach ein bisschen wie Winnetou. Lächeln zwar nicht alle, sind im Grunde aber alles nur große Kinder, die ein wenig Spaß haben wollen.

Und dieser erste Teil lehrt uns einiges über Amerikas Ureinwohner, das wir vorher noch nicht wussten. So ist es bei den Assiniboine z. B. seit Jahren Sitte, dass auf eine lange „Häuptlings-Regentschaft“ (heute würde man sagen, Tah-Sha-Tunga (der übrigens ziemlich dünn geworden ist über die Jahre) hat dort offensichtlich eine Ära geprägt) mehrere ganz kurze folgen müssen. Was hier an Stammesführern innerhalb eines 90-Minuten-Films verschlissen wird, ist sagenhaft! Höchstens noch vergleichbar mit dem Trainerkarussell beim HSV. Insgesamt sterben hier im ersten Teil der Handlung gleich drei Häuptlinge (wenn man Tah-Sha-Tungas Sohn (na nu, der hat nen Sohn? – ich dachte immer nur eine Tochter?), der ja der designierte Nachfolger seines Vaters war, aber sogar noch kurz vor ihm das Zeitliche segnet, mitzählt), sodass in Teil zwei mit Wash-Ti bereits der nächste Stammesfürst das Zepter übernehmen muss. So was habe ich vorher auch noch nicht gesehen. Immerhin erklärt das wenigstens leidlich, warum die Assiniboine hier nicht nur Winnetous Rat anhören und evtl. befolgen, sondern diesem völlig hörig sind. Der Apache ist immer noch vor den eigentlichen Häuptlingen ihr Quasi-Anführer und macht Wash-Ti in einer Szene im zweiten Durchgang innerhalb einer halben Minute vergessen. Allerdings hat einen Stamm ja auch selten so eine Todessehnsucht befallen wie die Assiniboine hier. So richtet sich der (eh viel zu dünn gewordene) Tah-Sha-Tunga einfach mal selber (weil er angeblich seine Ehre verloren hätte, da er sich anstatt des Kleinen Bibers von Spencer entführen lässt – was für ein Unsinn!) und sein Nachfolger Tanka führt freiwillig einen Todeskampf gegen ein paar feindliche Crows, den er nicht gewinnen kann, weil er vom Gedanken an die Weiße Büffelfrau beseelt ist und von diesem nicht wieder loskommen kann. Diese Art des Kampfes um ein Dorf (immer ein bis zwei feindliche, also quasi angreifende Krieger gegen einen tapferen Verteidiger des Heimat-Stammes bis dieser tot ist) habe ich so vorher auch noch nicht gekannt und ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass dies selbst bei den so wackeren Indianern praktiziert wurde, weil es einfach die Gefahr der Niederlage für den angreifenden Stamm birgt. Und so geschieht es hier auch. Nachdem Winnetou heroisch (und lächelnd) Tankas Platz eingenommen hat, erledigt er noch vier oder fünf Crows, auf dass der Häuptling der Attackierer sagt „Ok, Winnetou ist zu stark für uns, ihr könnt euer Dorf behalten. Wir suchen uns ein anderes zum Überfallen.“ (der Wortlaut stimmt natürlich nicht hundertprozentig) – obwohl die Crows zahlenmäßig deutlich überlegen sind. Entschuldigung, aber das ist einfach nur Leuteverdummung. Wer das glaubt, glaubt auch an die Weiße Büffelfrau. Überhaupt, dieser Unsinn. Ich mein, es scheint diese Sage ja wirklich irgendwie zu geben (sie kann auch das Konstrukt moderner, sternedeutender Spinner sein, die sie jedenfalls heutzutage für ihre Zwecke missbrauchen, aber ich könnte mir vorstellen, dass sie tatsächlich indianischen Ursprungs ist; hab dafür aber nicht lange genug recherchiert, da es mir ob der Fülle entsprechender heutiger Auslegungen zu mühselig war), aber dass die Indianer deswegen gleich jede weiße Frau für die Reinkarnation der Büffelfrau halten? Dann hätte ja jeder eine haben können. Zu blöd, dass darauf damals wohl keiner gekommen ist. Noch nicht mal Winnetou.

Wobei der die „Büffelfrau“ ja auch so haben könnte (sie bietet sich ihm oft genug an, am Ende ist das fast schon peinlich) – der will aber einfach nicht. Lehnt sie ab und lächelt dabei. Und das nach der Badeszene von ihr im ersten Teil. Nicht zu fassen. Wird wirklich wunderlich auf seine alten Tage, der Knabe. Ich für meinen Teil glaube ja, dass das einfach eins der Elemente der „alten Reihe“ ist, die man unbedingt aufgreifen wollte (eine Liebe, die sich nicht erfüllt). Dass er sich dieses Mal dann aber selbst und zwar so was von im Weg steht, beweist wieder nur, wie selten dämlich Waldhoff hier gearbeitet hat. Da vergeht einem ja glatt jedes Lächeln.

Aber auch das schien ein Auftrag von ihm hier zu sein, den er erfüllen musste und dem er nicht gewachsen war. So finden sich hier einige klassische Handlungselemente der Karl-May-Western der 60er Jahre wieder, die offensichtlich auf Teufel komm raus mit reingeschrieben werden sollten und daher in der Regel so logisch erscheinen wie ein Vegetarier vor der Frischfleischtheke. So musste offensichtlich auch ein Zweikampf enthalten sein (wie bereits vorhanden in „Der Schatz im Silbersee“, „Old Shatterhand“, „Unter Geiern“ oder „Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten“). Da Waldhoff nichts Besseres eingefallen ist, lässt er den dauerlächelnden Winnetou gegen Tanka um die „Weiße Büffelfrau“ antreten – der Sieger soll sie haben. Das klingt zwar genauso bescheuert wie es ist, aber früher hätte das wenigstens noch Spannung bedeutet. Nicht aber in diesem Film. Hier verkommt der Zweikampf tatsächlich zu einer Parodie eines solchen. Winnetou lächelt hier nicht nur, er lacht beinahe und ist seinem Gegner, trotzdem dieser um Jahre jünger ist, haushoch überlegen und nutzt das auch aus. Er wirft seine Waffen nach einer Benutzung sofort weg und erwartet seinen Kontrahenten schlussendlich mit dem Messer in der Hand. Kommt der dann endlich angesprungen, duckt er sich einfach weg und hat gewonnen. Lächerlich! Hier bleibt einem aber auch nichts erspart. Dies leider genauso wenig wie die erneute Blutsbruderschaft des Apachen (ohne ging ja wohl auch nicht) – dieses Mal allerdings mit zwei pubertierenden Jungs! Das ist schon ein kleiner Gipfel der Unverschämtheit ehrlich gesagt. Allerdings sollte man wohl eher noch dankbar dafür sein, dass hier dann keine schmalzigen Rückblenden vorher verwendet wurden. Dafür muss der Apachenhäuptling eine der beiden Nervensägen dann allerdings davor bewahren über einen Abgrund in die Tiefe zu stürzen – genauso wie bei Happy in „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“. Das ist dann ja schon fast so was wie ne Rückblende.

Und generell muss Winnetou jedes der drei Kinder hier (David, Timmy und Kleiner Biber) mindestens einmal retten. Und tolle Ratschläge muss er ihnen mitgeben und sie vor ihren Eltern in Schutz nehmen, wenn er sie viel zu spät am nächsten Tag erst ins Camp bringt. Das hat sich der gute Pierre wohl auch selbst ins Drehbuch geschrieben. Schließlich ist ja bekannt, dass er nicht nur seinen „Winnetou“-Ruhm generell, sondern auch die Freude der ganz kleinen Zuschauer, die er damit auslösen konnte, immer sehr genossen hat. Ist ja überhaupt für einen eigentlich ernst gemeinten Western (wobei, hat man das hier wirklich alles ernst gemeint?) super ungewöhnlich, dass so viele kleine Darsteller dabei sind und Timmy und Kleiner Biber haben ja auch keine kleinen Rollen. Gerade der zweite Teil ist ihrer. Da haben sie unfassbar viel Screentime, dürfen sie Blutsbrüderschaft mit dem großen Häuptling schließen und sind am Ende auch wichtige Puzzlestücke in Winnetous Plan zur erneuten Bekämpfung von DeWill und seinen Leuten. „Winnetous Rückkehr“ ist dann schlicht und ergreifend nichts anderes als ein ganz billiger Kinderfilm. Und der im Gewand einer Pferdeoper hat ja so gut wie noch nie geklappt (mit Schrecken denke ich weiterhin an Disneys Versuch „One Little Indian“ zurück). Hier kann das Ganze natürlich allein deswegen schon überhaupt nicht gefallen, weil die Karl-May-Verfilmungen der 60er Jahre zwar stets Streifen für die ganze Familie waren, aber einfach aufgrund ihrer gewaltarmen, gerechten Philosophie und nicht, weil sie klassische Kinderfilme gewesen wären. Auch hier macht man aus Mays und Wendlandts Erbe einfach mal so mir nichts, dir nichts etwas Neues und denkt sich gar nichts weiter dabei. Ganz im Gegenteil. Winnetou lächelt dazu.

Allerdings muss man trotzdem zugeben, dass Teil zwei insgesamt gesehen der wesentlich bessere Streifen ist und das Gesamtwerk am Ende auch irgendwo rettet. Denn den kann man sich ja wenigstens fast noch als Kind seiner Zunft vorstellen, wenn man die Bälger mal weglässt. Schließlich haben wir hier endlich die längst vermisste Banditenbande (wenn natürlich auch wieder mit Abstrichen: DeWill ist der mit Abstand lächerlichste Boss in einem „Winnetou“ und muss sich seine Söldner auch erst anheuern (wenn er das tut, erinnert das übrigens nicht zufällig an Terence Hills „Lucky Luke“, schließlich ist auch das ein Kinderfilm)) und auch die Geschichte wird, wenn sie inhaltlich auch hanebüchen bleibt, wieder etwas nachvollziehbarer vom Ablauf her. Bis auf Davids Tod natürlich. Der kommt genauso überraschend wie er einem aufgrund der Tatsache, wie er präsentiert wird, nicht nahe geht. Selten einen Kindstod in einem Film erlebt, der mich dermaßen kalt ließ. Und natürlich ist es absoluter Schwachsinn, dass Winnetou mit Hilfe eines jungen und eines alten Mannes, zweier Kinder und zweier Frauen ein ganzes Regiment von Söldnern (und dann auch noch mit dem uralten „Wir machen euch besoffen.“-Trick) aus den Angeln hebt, aber es ist immerhin konsequent. Was will man von nem Kinderfilm denn anderes erwarten? Winnetou jedenfalls findet’s gut und lächelt. Dass er seine Mary dann doch nicht haben will und alleine davonreitet, bleibt wie gesagt Käse, aber man wollte es ja so. Nur die Aussage vom Kleinen Biber, die die allerletzte des Streifens ist, lässt einen nochmal kurz zusammenzucken. Da sagt der doch glatt über den sich entfernenden großen Häuptling der Apachen: „Er wird wiederkommen.“. Das klingt vor dem Hintergrund des restlichen Machwerks hier natürlich wie eine Drohung – nur dass man sich heutzutage natürlich sicher sein kann, dass es dazu nicht mehr kommen wird. Kann höchstens sein, dass einen Pierre Brice im Reich der Toten mit einem Male grinsend von der Seite anspringt und nochmal den Winnetou machen möchte – wenn es mich erwischen sollte, darf er das dann aber wieder gerne; dann habe ich schließlich wieder jede Menge Zeit. (Spoilerende)

Tja, schade kann man da nur sagen, dass Marijan David Vajda damals nicht schreiend davongelaufen ist, als ihm der Regiejob für diesen Murks angeboten wurde. Aber ich mein, der hatte vorher immerhin schon so Sachen wie „Otto – Der Außerfriesische“ oder „Champagner und Kamillentee“ gemacht. Da war also klar, dass der sich vor nix ekelt und garantiert nicht abspringen würde. Nen richtigen Abenteuer-Streifen hatte er vorher noch nicht gedreht, aber selbst wenn, würde es hier wohl nicht viel besser aussehen. Denn als ob Waldhoffs selten dämliches Script nicht schon genug wäre, versucht Vajda mit seiner Inszenierung hier ständig, dieses an Blödheit noch zu übertreffen bzw. ergänzen sich die beiden „kongenial“. So ist das Drehbuch – wie erwähnt – ja nun schon wirklich langweilig verfasst und bietet so schon genug Durststrecken, aber durch die völlig uninspirierte und lahme Regie, zieht sich das hier noch mehr in die Länge. Da muss man den Leuten dann z. B. ewig dabei zugucken, wie sie sich Kaffee einschenken lassen, bevor sie dann endlich mal anfangen, was zu sagen. Stellenweise passiert hier wirklich minutenlang gar nichts. Und dann sieht das alles so schlecht aus. Die Leute sterben wie im Schülertheater, indem sie sich vor dem Ableben sekundenlang die Brust halten und ganz theatralisch fallen. Und warum denen dabei ständig Blut aus dem Mund läuft, habe ich mich auch gefragt… Überhaupt die Tötungen hier. Gibt es ja schon kaum und wenn, versucht Vajda manchmal tatsächlich, das Ganze noch durch Slowmotion aufzuhübschen. Als ob er das könnte. Sieht grausam aus. Auch seine relativ blutige Inszenierung der Kämpfe des ersten Teils und die völlig unblutigen Auseinandersetzungen im zweiten Teil wollen einfach nicht zueinanderpassen. Desweiteren sieht man, wie hier „getrickst“ wurde. Die Pferde der Indianer z. B. haben auch Steigbügel und einen ganz schlecht unter den Decken versteckten Sattel. Und die Hasen müssen auf LSD sein. Die laufen überhaupt nicht weg, wenn man mit dem Messer nach ihnen wirft, sondern lassen sich sogar streicheln. „Prinzessin Fantaghirò“ lässt grüßen…

Die ganze Sache (zum Negativen) rund machen dann die Darsteller hier. Mann, was sind das bloß alles für Heiopeis? Da hätte man wirklich nicht viel schlechter besetzen können. Und Pierre Brice ist dieses Mal absolut keine Ausnahme! Der hatte ja früher auch schon mal schwache Tage dabei, aber hier ist auch er ein einziger Totalausfall. Und das liegt nicht nur daran, dass er in diesem Zweiteiler der Lächler der Nation ist. Nein, der Mann ist auch einfach (zu) alt geworden. Mit Thrombosestrümpfen unter dem Lederwams humpelt er hier durchs „Gebirge“ und muss höllisch aufpassen, dass er auch ja keinen falschen Tritt setzt, denn sonst hätte diese Produktion sicherlich eine mehrmonatige Pause einlegen können. Auch seiner Altersschwäche ist es zu verdanken, dass seine „Actionszenen“ (wie etwa der Kampf mit Tanka) zur Farce verkommen, da er sich einfach nicht mehr behände bewegen kann und die Gegner sich daher zwangsläufig an ihn anpassen und sich quasi in Zeitlupe bewegen müssen. Nicht ohne Grund hat er offensichtlich darauf geachtet, dass in diesem Streifen überdurchschnittlich viele alte Indianer auftauchen, damit es nicht so auffällt. Aber die können alle nicht davon ablenken, dass der ungelenkeste unter ihnen Winnetou heißt. War es ihm das wirklich wert? Und als wäre das nicht alles schon genug, hat der Mann sich hier auch noch selbst synchronisiert! Ja, der Häuptling der Apachen spricht plötzlich mit einem französischen Akzent und gibt sich damit endgültig der Lächerlichkeit preis. Tut mir leid, aber das geht gar nicht. Wenn man so gut Deutsch spricht wie Herbert Lom, ist das in Ordnung und würde Brice einen Franzosen spielen, ok, aber so… Altern muss in einigen Fällen wirklich ein wenig blind machen, denn sonst hätte es ihm eigentlich auffallen müssen, dass er hiermit fast sein eigenes Denkmal umgeworfen hätte…

Was für ein Glück für ihn, dass der Rest der Crew quasi durch die Bank mindestens genauso schlecht, in vielen Fällen sogar noch schlechter ist. Pierre Semmler macht seinem Namen alle Ehre und (entschuldigt bitte den Wortwitz, aber der muss in diesem Fall ja wohl sein) versemmelt seinen Auftritt total (das Ganze gipfelt in einer unfassbar schlechten Szene, in der seine Filmfigur ihren ersten Totschlag bereut). Christoph Moosbrugger an seiner Seite? Über dessen aufgesetzte Performance lassen wir besser Gras wachsen… Der Schurke hier, Juraj Kukura (zu dem fällt mir jetzt leider kein Wortspiel ein, aber ihr werdet das sicherlich verzeihen können, denke ich, oder?): Wenn es für das Wort „aufgesetzt“ einer Vorlage bedurft hätte, so hätte er sie hiermit geliefert. Gegen den ist selbst eine Flachzange wie Curly-Bill ein furchteinflößendes Monster. Sein Handlanger Diego Wallraff kam mir die ganze Zeit so vor, als hätte er hier was falsch verstanden. Als ob er in Bad Segeberg Theater spielen würde und keinen Film. Im Fernsehen muss man nicht jede Geste und Mimik ins Unendliche übersteigern. Nicht zu vergessen natürlich die unsägliche Leistung von Tobias Hoesl hier. Der hat sonst fast nur so Sachen wie „Schwarzwaldklinik“, „Traumschiff“, „Der Arzt vom Wörthersee“ oder „Klinik unter Palmen“ gespielt und da hätte er auch bleiben sollen! Und obwohl er nicht die mega Rolle hat, muss ich auch unbedingt noch ein Wort zu Bernhard Bettermann verlieren. Der ist ja eigentlich ein ganz seriöser Schauspieler, aber hier so unendlich schlimm. Wenn man’s nicht gesehen hat, glaubt man das nicht. Hat die ganze Zeit so nen unglaublich nervigen Stengel im Mundwinkel hängen und fühlt sich offenbar obercool damit. Und dann soll er offensichtlich so aufgesetzt agieren, dass man hier wirklich die ganze Zeit das Gefühl hat, man guckt nicht ihm, sondern Thorsten Nindel zu – allerdings in dessen Rolle als Rüdiger von „Das Amt“! So was Bescheuertes habe ich seit „Lucky Luke“ nicht mehr gesehen. Und Tschuldigung, wenn ich das jetzt mal so sagen muss, aber Calvin Burke ist in diesem Machwerk einfach nur der Prototyp des Quoten… Ähm, wie sagt man das heute politisch halbwegs korrekt? Also desjenigen Darstellers schwarzer Hautfarbe, der nur aus dem Grunde gecastet wurde, um die Quote dieser Darsteller zu erfüllen. Ihr wisst schon, oder? Hätte er sich klemmen können zuzusagen. Schade, denn er ist bestimmt ein furchtbar netter Kerl…

Die Indianer neben Winnetou hier sind auch nicht gerade top besetzt. Jimmy Herman macht einen 08/15-Bauchklatscher inklusive grausamer Sterbe-Szene, Buffalo Child overacted komplett (mein persönliches Highlight; der ist echt das schwächste Mitglied dieser sehr schwachen Crew, würde ich sagen) und Jonathan Joss macht es ja eigentlich ganz ok (wenn auch ein wenig zu theatralisch), aber er sieht einfach mal überhaupt nicht wie ein Roter aus…

Und damit sind die einzigen, die man halbwegs ertragen kann, hier tatsächlich die Frauen und die Kinder. Candice Daly z. B. Sicherlich, es gab schon wesentlich aussagekräftigere Performances und schon viel besser aussehende Frauen in Western, aber im Vergleich zu den Kerlen hier kommt einem zumindest nicht gleich die Galle hoch. Selbiges passiert erst recht nicht bei Patrice Martinez. Ihre Leistung ist ok und vor allem sieht sie auch wirklich gut aus. Vielleicht ein wenig zu sehr wie des Indianers feuchter Nachttraum, aber da will ich mich hier nun wirklich nicht beschweren. Und Manuel Trautsch und Lowell Raven kann man nun auch keinen Vorwurf machen. Für ihr Alter und gerade im Vergleich mit den Erwachsenen machen sie ihre Sache wirklich gut, auch wenn Letzterer ebenfalls ein wenig zu sehr wie aus dem Katalog aussieht – aber da kann er ja auch nichts dafür.

Und so taugt „Winnetous Rückkehr“ am Ende höchstens als eines: als Party-Trash-Granate. Wenn ihr den nächsten Karl-May-DVD-Abend veranstaltet und eure Kumpels sind nach „Winnetou III“ schon so besoffen, dass es sowieso eine Schande wäre, jetzt mit „Der Schatz im Silbersee“ weiterzumachen (oder was immer sonst auf eurer Agenda stehen sollte), dann legt doch einfach mal diesen bescheuerten Zweiteiler ein und erfreut euch alle zusammen daran, wie Pierre Brice seinen Ruhm vergangener Tage nutzt, um ihn höchstpersönlich zu zerstören. Denn diesen lahmen und sowieso völlig sinnlosen Käse kann man auch locker betrunken noch verfolgen. Und so langweilig wie Marijan David Vajda hier inszeniert hat, muss man sich ja mit etwas anderem bei Laune halten. Ich habe es nicht getan und mir dieses Elend somit bei vollem Bewusstsein mitangeguckt und kann jedem denkenden Menschen nur davon abraten, es mir gleich zu tun. Wollt ihr eure Schwiegermutter ein wenig foltern? Gut, dann vielleicht, aber ansonsten behandelt man „Winnetous Rückkehr“ besser als das, was er ist, nämlich als ein Kinderfilm im Westerngewand und dazu noch ein wahnsinnig schlechter. Als Kind konnte ich mir die beiden Teile tatsächlich einmal öfter angucken. Heute weiß ich nicht mehr, wie ich das damals durchgehalten habe, so völlig ohne Branntwein… Denn wenn er auch nicht den Tiefpunkt des Genres darstellt, so ist er doch zumindest in einer Kategorie unangefochten: im Fremdschämen! Dafür heimst dieser Murks nämlich zehn von zehn Punkten auf der entsprechenden Skala ein. Das ist wirklich oberpeinlich. Die ganze Zeit über möchte man sich dafür entschuldigen, was die Schauspieler auf dem Bildschirm da für eine Schau abziehen (komisch, bei wem eigentlich?; bei der Schwiegermutter bestimmt nicht).

Die einzige Frage, die jetzt natürlich noch überbleibt, will ich gerne beantworten. Warum ist die Bewertung dieses Machwerks dann nicht noch wesentlich schlechter ausgefallen? Warum stimme ich dann nicht in den Kanon der Hasser dieses Streifens mit ein, die ihm ob ihrer zerstörten Kindheitserinnerungen nur einen mickrigen Stern geben können? Nun, am Ende muss ich ganz ehrlich sagen, hat Brice seinem Image hiermit zwar wirklich sehr geschadet, aber zerstört hat er bei mir damit nicht wirklich etwas. Ich kann diesen Film gut losgelöst von den anderen betrachten. Und er tut ja auch keinem so richtig weh. Klar zieht er seine Paraderolle in den Schmutz, wenn Winnetou seine Silberbüchse hier eher als Gehstütze denn als Waffe gebraucht, aber das tut er ja nicht vorsätzlich. „Seine“ Farce hier ist unfreiwillig komisch und nicht etwa gewollt denunzierend wie etwa Terence Hills „Lucky Luke“ und Konsorten. Und ganz ehrlich (ich muss das jetzt einfach mal so loswerden): Ich habe direkt hiernach Álex de la Iglesias unterirdischen „Mad Circus“ gesehen (das ist für mich ein Zwei-Sterne-Film) und wusste sofort wieder, wie tief man noch hätte sinken können. Von daher ok, das hier ist natürlich das mit Abstand schlechteste Vehikel der Reihe (bzw. wollen wir es lieber wirklich als etwas Eigenständiges und nicht dazugehörig betrachten), aber doch nicht der schlechteste Film aller Zeiten. Oder Zweiteiler. Oder wie auch immer. Aber auch so taugt er als Film nun einfach mal gar nichts und daher kann man es bei „Winnetou“ nicht so machen wie bei der „Olsenbande“, deren Reihe sich durch „Der wirklich allerletzte Streich der Olsenbande“, der zwar auch schon einiges an Rost angesetzt hat, aber immer noch guckbar ist, immer wieder gerne um einen weiteren Streifen erweitern lässt, sondern sollte nach „Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten“ dann auch wirklich aufhören – oder sofort wieder von vorne beginnen. Dann kehrt das Lächeln nämlich auch in das eigene Gesicht zurück.

Vergleich zum Buch:

Dass diese hanebüchene Grundidee nicht aus Karl Mays Feder stammt, dürfte klar sein, oder? Folglich entfällt auch in diesem Fall Gott sei Dank ein Vergleich.

Zur DVD:

Da die Universum Film die Rechte an diesem Schund hier offensichtlich nicht kaufen konnte oder wollte (ich tippe allerdings stark auf Letzteres), verschandelt dieses Machwerk schönerweise nicht die schicke „Karl May Klassikeredition“. Dafür kann man den Streifen, so wie ich es getan habe, auf DVD von New KSM erwerben. Beim Kauf wusste ich davon zwar noch nichts, aber ich habe mir wohl die Neuauflage, die als Single Disc erschien, zugelegt. Diese beinhaltet weniger Bonusmaterial und ich kann heute nur froh darüber sein. Zu diesem Murks muss ich nicht auch noch ein Making Of sehen. Das Interview mit Pierre Brice wäre sicherlich interessant gewesen, aber geschenkt. Ich war auch so froh, als ich mit dem Ding durch war gestern. Hier ist als Bonus nur noch geblieben:

  1. Vorwort von Pierre Brice: Pierre bedankt sich artig für den Kauf der Scheibe und das ist bei der Qualität des Films ja wohl auch mehr als angebracht.
  2. Fotogalerie: Zum Vergessen.
  3. Biografien der Darsteller Brice, Semmler, Daly und Buffalo Child: Braucht auch kein Mensch.
  4. Trailer

Alles in allem also höchstens die fünf Euronen wert, die ich dafür gezahlt habe, aber ob man diesen hier wirklich in seiner Sammlung braucht, sollte man sich gut überlegen. Eigentlich verschandelt er das Gesamtbild nur…

Zitate

„Wie viel wert sind alle Probleme der Menschen gegen einen einzigen Moment der Liebe?“(der alte Medizinmann, der Winnetou gesund gepflegt hat, hat im Zwiegespräch mit seinem ehemaligen Schützling plötzlich seinen schwulen Moment)

„Mir ist egal wie die Roten heißen. Tot sehen sie alle gleich aus.“(Bernhard Bettermanns Gunslinger konnte hier einfach nicht ableben, ohne vorher noch mal nen richtig coolen Spruch abgelassen zu haben)

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