Winnetou und das Halbblut Apanatschi

Winnetou und das Halbblut Apanatschi

★★★★

  • Jahr: 1966
  • Regie: Harald Philipp
  • Darsteller: Pierre Brice, Lex Barker, Götz George, Uschi Glas, Ralf Wolter, Miha Baloh, Ilija Dzuvalekovski, Walter Barnes...

Story

Der friedliebende Farmer Mac Haller (Walter Barnes) schenkt seiner Tochter Apanatschi (Uschi Glas) zum 21. Geburtstag eine Goldmine, die er vor Jahren entdeckt hat. Und obwohl diese das Edelmetall eigentlich gar nicht haben will, kommt die Sache über Umwege der berüchtigten Bande des Banditen Curly-Bill (Ilija Dzuvalekovski) zu Ohren. Und weil Haller inzwischen ermordet wurde, sucht seine Tochter auf Anraten ihres Freundes Jeff Brown (Götz George) daraufhin Schutz im Eisenbahnercamp bei Old Shatterhand (Lex Barker). Trotz der ebenso anwesenden Winnetou (Pierre Brice) und Sam Hawkens (Ralf Wolter) gelingt es den Banditen allerdings, sie und ihren Bruder Happy (Marinko Cosic) zu entführen. In einer spektakulären Aktion werden sie wieder befreit, aber Happy lässt sich leider nochmals fangen. Nun muss man sich fügen und Winnetou zeigt den Verbrechern den Weg zum Gold. Als Gegenleistung wird Happy freigelassen. Die Gangster beuten die Mine aus und machen sich auf Anraten des Unterbosses Judge (Miha Baloh), der um seinen Willen durchzusetzen kurzerhand den Chef abknallt, auf den Rückweg nach Rocky Town – die Stadt, die sie schon seit Wochen besetzen. Dort werden sie allerdings von Winnetou und Co. schon erwartet und ein für alle Mal vernichtet.

Worte zum Film

bis auf den Bandenchef erneut großartige Schauspieler vor herrlichen Kulissen, eine klasse Ausstattung und tolle Musik; Regie fällt dieses Mal etwas ab, ebenso wie das Drehbuch; trotz einer offensichtlich unter Zeitdruck entstandenen Produktion immer noch ein toller Action-Western

Bewertung

Zum Film:

Ok, ok, ich will es mal zugeben. Ich bin nach erneutem Ansehen selbst etwas enttäuscht (weil ich „nur“ vier Sterne vergeben kann) und muss dann auch einfach mal wahrheitsgemäß feststellen, dass „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“, ein absolutes Monument meiner Kindheit, meinen heutigen Qualitätsstandards tatsächlich nicht mehr komplett entspricht (wie es das „Old Surehand“ zuvor eben schönerweise doch noch tut). Leider nämlich merkt man dieser Produktion erneut die schnelle, billigere Machart an. Wenn man sagen würde, er wäre „heruntergekurbelt“ worden, trifft es das, zumal Harald Philipp hierfür erneut verantwortlich zeichnet, sicherlich ziemlich gut. Allerdings hat er hier ein wesentlich besseres Script als noch beim „Ölprinzen“ zur Verfügung und so muss man dann schon noch dazusagen, dass „heruntergekurbelt“ im Rahmen der „Winnetou“-Filmreihe eben doch noch etwas anderes bedeutet als unter normalen Umständen – ansonsten könnten se wegen mir alle kurbeln; es wäre ja die reinste Freude.

Immerhin schafft es Fred Denger hier mit seinem Drehbuch erneut eine superbe Grundlage für einen weiteren Hochgeschwindigkeits-Action-Westen deutscher Kajüte zu kreieren und somit der Tradition weitestgehend treu zu bleiben. Allerdings wie gesagt nur weitestgehend. Neue Wege beschreitet man nämlich insofern, als dass man zum ersten Mal innerhalb der Reihe – wenn man mal von Brauners Irrläufer „Old Shatterhand“ absieht, versteht sich – kein Drehbuch nach einer Romanvorlage von Karl May verfasste, sondern dieses nur noch auf seinen Figuren beruht. Eine gewagte Vorgehensweise könnte man meinen… Wenn man sich nicht der Tatsache bewusst wäre, dass bis auf „Winnetou I“ und in Teilen vielleicht noch „Der Schatz im Silbersee“ eigentlich kein Script je nach einer Mayschen Geschichte geschrieben wurde, sondern dass sie alle nur eine selbstständige Story zu einem bestehenden Titel des berühmten Autors ersannen (mit teilweise vereinzelten Versatzstückchen aus der jeweiligen Vorlage, ok, aber mehr auch nicht). Und außerdem hatte „Old Shatterhand“, wenn er auch filmisch eine Katastrophe war, nun ja zumindest das bewiesen: Selbst ein komplett eigenständiger Teil kann enorm erfolgreich sein. Und so hätte ich hier (sowohl damals, als der Streifen erschienen ist, als auch seinerzeit in meiner Kindheit als auch, wenn ich ihn jetzt das erste Mal gesehen hätte) nie nur deswegen bereits irgendwelche Bedenken gehegt oder das als Aufhänger für irgendwelche Kritik genommen (die diejenigen, die schon nach „Winnetou III“ das Ende der Serie forderten und danach bei „Old Surehand“ nur noch lauter wurden, hier natürlich sofort diesbezüglich loswerden mussten). Zumal Denger nun wie gesagt zumindest insofern nichts falsch macht, als dass er hier auf das altbewährte Modell der aufmüpfigen Banditen setzt, die armen Siedlern das Leben schwer machen und daher von Winnetou und Old Shatterhand bekämpft werden müssen sowie dass er diese Rahmenhandlung wie oben bereits erwähnt erneut so geschickt und flott mit Leben füllt, dass diese gefühlt schon wieder vorbei ist, bevor sie überhaupt erst richtig angefangen hat. Ein richtig schöner Wendlandt-„Winnetou“ eben, dieses „Halbblut Apanatschi“.

Und auch generell macht Denger hier sowieso nicht wirklich etwas falsch. Es scheint vielmehr so, dass man ihm hier dann doch etwas zu viele Freiheiten einräumte und die Gäule so dann doch etwas zu sehr mit ihm durchgingen während der Schreiberei. So wird er zum Beispiel etwas zu comichaft. Die von den Banditen komplett besetzte Stadt erinnert dann doch etwas mehr an „Lucky Luke“ als an „Winnetou“ und Götz Georges Charakter des Jeff Brown, hauptberuflich Fallensteller, aber im Nebengewerbe ein Zauberkünstler, der bei seinen bescheidenen Mitteln selbst Siegfried und Roy vor Neid hätte erblassen lassen, fand ich als kleiner Junge natürlich richtig klasse, aber als Erwachsener gefallen mir seine Showeinlagen nicht mehr wirklich. Gerade wie er Bandenchef Curly-Bill (warum der sich nun gerade mit diesem seltsamen Bindestrich in der Mitte schreiben soll, verstehe, wer will, aber ich habe mich dann mal an die Autoren der heiligen Wikipedia und IMDb gehalten) bei seiner Ankunft in Rocky Town verhöhnt, indem er einen Gag nach dem anderen an ihm vorführt, ist dann doch etwas zu viel des Guten. Und dann kommt noch einer und noch einer… Das ist tatsächlich ein wenig albern. Genauso wie der Name der Wilden Horde. Da sagt doch einer der „Spitzbuben“ wortwörtlich „Wir sind die berüchtigte Curly-Bande!“ (hier halte ich einen Bindestrich wiederum für angebracht). Wow, das macht sicherlich Eindruck auf potenzielle Mitglieder und Gegner… (Und einen Witz mit dem Wortspiel an„locken“ erspare ich euch jetzt mal. ;) ) Das klingt doch völlig bescheuert.

Aber wie ihr merkt: Kritik auf hohem Niveau ist das hier, das sind wirklich Kleinigkeiten, die dem Spaß keinen Abbruch tun. Auch kein Abbruch desselben, aber zumindest eine interessante Randnotiz ist, dass Denger „seinem“ Winnetou und „seinem“ Old Shatterhand – wenn auch nur in ganz geringem Umfang – ähnlich wie Brauners völlig unfähige Drehbuchautoren Ladislas Fodor und Robert A. Stemmle ihrerzeit neue Eigenschaften verpasst, die sie so vorher noch in keinem Teil der Reihe an den Tag gelegt hatten. (Spoiler) So würden die beiden Blutsbrüder doch normalerweise nie im Leben den Menschen in Rocky Town damit „helfen“, dass sie die Banditen zwar aus der Stadt vertreiben, dafür aber so ziemlich alle Häuser derselben in die Luft jagen. So viel Wiederaufbau verträgt die vermutlich nicht gerade solvente Gemeinde doch sicherlich nicht. Klar, Shatterhand hat mal auf Anraten eine Lok in einen Saloon umgeleitet, aber da konnte man sich das ja immer noch so hinreden, dass der Barbetreiber ja offensichtlich gemeinsame Sachen mit den Banditen gemacht hat. Aber hier ist ja nicht nur der Saloon betroffen, sondern zwangsläufig mehr als die halbe Stadt. Und dann werden die Buden hier auch ohne mit der Wimper zu zucken zum Teufel geschickt, egal ob sich darin vielleicht noch ein standhafter Städter befand oder nicht. Allerdings muss man hierbei am Ende einfach einsehen, dass dies offensichtlich ein Auswuchs eines „höher, schneller, weiter“-Gedankens war, der Denger bei seinem bereits dritten Script der Reihe antrieb und dem er sich damit offenbar ergab. Solche Sprengungen und generell eine solch wichtige Rolle von Dynamit gab es in den Vorgängern einfach noch nicht; da wollte er noch einen obendrauf setzen. (Spoilerende) Dass er damit im wahrsten Sinne des Wortes ein wenig übers Ziel hinausgeschossen ist, ist klar, aber ich sage auch, dass das erstens verschmerzbar ist, zweitens selbst bei Harald Philipps Inszenierung ziemlich cool aussieht und drittens im Rahmen der immer stärker werdenden Konkurrenz durch die noch actionbetonteren Western der Italiener auch einfach ein wenig dem Zeitgeist entsprach.

Das einzige, was man Denger hier wirklich vorwerfen kann, ist, dass er sich hier doch einige Unachtsamkeiten bzgl. der Story-Logik geleistet hat. Wahrscheinlich aber ist auch das zum Großteil gar nicht seine Schuld, sondern dem Zeitdruck geschuldet, unter dem er auch dieses Buch verfassen musste, aber nichtsdestotrotz kratzt man sich hier doch das eine oder andere Mal verwundert am Kopf. (Spoiler) So macht die Grundidee hier schon relativ wenig Sinn. Denn wieso sitzt Mac Haller jahrelang auf einer Goldmine und buddelt sie nicht aus? Jau, ihm macht Reichtum vielleicht nicht viel aus, aber seinen Kindern soll es ja mal besser gehen, sagt er. Na ja, dann hätte er mit dem Edelmetall ja schon längst mal mehr Land und Komfort für die beiden kaufen können. Hätte ja auch noch einen großen Teil für sie zurücklassen können, aber jahrelang davon wissen und nichts tun? Klingt ziemlich absurd. Ebenso fragwürdig sind die Freunde, die er hat. Pinckys und Sloans Reaktion auf das Gold hier ist nämlich nur damit zu erklären, dass die beiden schon immer Aasgeier und Scheißkerle gewesen sind. Warum umgibt sich Haller, der ja das genaue Gegenteil ist, also mit solchen Leuten? Dass das mal nach hinten losgehen musste, war doch wohl klar. Aber gut, immerhin scheint der gute Mac generell nicht der Hellste zu sein…

Und auch das Ewige Hin und Her zwischen den Schauplätzen (Eisenbahnercamp (übrigens ein Wort, das nur ein Deutscher erfinden kann), Rocky Town, Goldfelsen, Tal der schwarzen Biber, zwischenzeitliches Banditen-Lager, Indianerlager…) erweist sich irgendwann als kleiner Bumerang. Wie die Banditen nun z. B. aus Rocky Town, bei dessen „erster Sprengung“ entkommen konnten, wird nicht aufgelöst (die spurten da aus dem Stollen, ballern ein wenig in der Gegend rum, dann kommt ein Schnitt und sie sind weg). Wieso Jeffs Plan, sich wieder bei den Gaunern einzuschleusen, ohne dass die was von seiner wahren Identität mitkriegen (was ja in vorherigen Teilen schon viel zu oft zu Recht schiefgegangen ist und hier ganz nebenbei bemerkt in einer späteren Szene auch auffliegt), von Old Shatterhand mit dem Prädikat „totsicher“ abgesegnet wird, ist auch unerklärlich und woher die Halunken dann wieder wissen, dass Apanatschi zu den Indianer gebracht werden soll, ist eigentlich auch nicht logisch erklärbar. Sicherlich, jetzt werdet ihr sagen, dass sie ja wieder einen Spitzel eingeschleust haben (den nehmen Jeff und Sam Hawkens kurze Zeit später schließlich hopp), aber gerade das ist doch völlig unwahrscheinlich, nachdem die Helden nach Jeffs erstem Einsatz in der Gang ja nun wussten, dass es einen Verräter gab. Da müssten solch erfahrene Westmänner wie sie sich doch erst recht nach Unbekannten in den eigenen Reihen umsehen. Mal ganz davon abgesehen, dass das wieder eine Sache ist, die den Figuren in den Romanen nie passiert wäre.

Im weiteren Verlauf mutet es dann zumindest komisch an, dass die Banditen sich nur Happy, nicht aber Apanatschi „angeln“, warum sie beim Anblick eines einfachen Felsens, der Gold enthalten kann oder auch nicht, sofort ihr Wort halten und Winnetou und den Jungen wieder laufen lassen (was sie immerhin sofort danach wieder korrigieren wollen) und warum der Apachenhäuptling die Ganoven überhaupt dahin führt. Schließlich haben sie vorher sogar Apanatschi und Happy aus den Händen der Bande befreit, die sich zu diesem Zeitpunkt noch in einer Stadt versteckt befand. Und jetzt können sie den Jungen aus deren „Feld, Wald und Wiesen“-Versteck nicht auch wieder zurückholen? (Spoilerende) Na ja, aber wie gesagt, es mutet komisch an – wenn man will, kann man sich das alles vernünftig hinreden. Und ganz ehrlich: In diesem Falle will ich das auf jeden Fall auch!

Und außerdem: Am Ende ist Dengers Geschichte eine in ihrem Kosmos logische, runde Sache. Alles greift am Ende ineinander und macht auf seine Art Sinn (wenn man von den Indianern am Ende, die offensichtlich noch unbedingt ins Drehbuch geschrieben werden mussten, mal absieht). Vor allem sorgt der Autor durch seine unbekümmerte Herangehensweise dafür, dass eine weitere Eigenart der deutschen Karl-May-Western hier nicht nur überdeutlich zu Tage tritt, sondern tatsächlich bereits auf das nächste Level gehoben wird. Gemeint ist die Stellung des Indianers innerhalb der gezeigten Gesellschaft. War dieser – und vorrangig natürlich Winnetou selbst – bisher schon unter seinen Kampfgefährten gleichgestellt und genauso angesehen wie ein Weißer (nur eben, wie es der Realität entspricht, vom Rest der Gemeinschaft noch nicht als gleichwertig akzeptiert), folgt hier durch Dengers comichafte Überzeichnung nun die vollständige Angleichung des Ansehens sowie der Akzeptanz der Rassen. Die amerikanischen Ureinwohner sind somit plötzlich keine Menschen zweiter Klasse mehr und kämpfen nur wie selbstverständlich mit ihren „weißen Brüdern“, sondern bewegen sich auch unter ihnen „ganz normal“ – ohne jegliche Bedenken, Einschränkungen oder gar Anfeindungen. Dass die titelgebende Farmerstochter Apanatschi zum Beispiel ein Halbblut ist, wird nie weiter thematisiert – weder positiv noch negativ. Auch Winnetou wird von Curly-Bill und seinen Leuten zu gegebener Zeit nur wegen seines Wissens um das Gold festgenommen, nicht weil er ein Indianer ist. Und wenn der Häuptling der Apachen dem Lokführer des Eisenbahnercamps kurz vor Schluss zu verstehen gibt, was dieser zu tun hat, wundert der sich nicht eine Sekunde darüber, dass er Befehle von einem „Roten“ entgegennehmen muss, oder legt gar Einspruch ein, sondern sagt schlicht „Wird gemacht, Winnetou!“. So kann man’s doch auch machen. Sicherlich geht das wieder vollkommen an jeglicher damaliger Realität vorbei, aber in Dengers Comic-Universum macht eben auch das komplett Sinn und ist es für den Zuschauer sehr angenehm das Rassenproblem mal völlig ausgeblendet zu erleben.

Und wie immer kommt der oben bereits erwähnte Bonus des Action-Westerns hinzu, der „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ mal wieder geworden ist. Hier bleibt einfach kaum Luft zum Atmen und zum Nachdenken, alles greift so schnell ineinander über, dass man es einfach geschehen lassen und genießen sollte. Und das sogar obwohl Harald Philipp hier wieder am Ruder saß. Oder gerade wegen ihm? Nun ja, obwohl von seinen Filmen (die ich gesehen habe) bis auf diesen hier keiner wirklich gut ist, glaube ich, dass er an und für sich gar kein so schlechter Auftragsregisseur war. Er hat eigentlich ganz solide Arbeit gemacht und wenn er sich nicht auch noch am Drehbuch vergriffen hat, wie beim „Ölprinzen“, dann lässt sich das Ergebnis auch durchaus ansehen. Ganz nebenbei würde diese These auch noch erklären, warum Autor Denger nur eben beim ersten Beitrag Philipps zur Reihe so schlecht abschneidet. Aber ein Vohrer oder gar ein Reinl ist der Hamburger eben nicht, einige Schwächen leistet er sich hier durchaus. (Spoiler) So sehen sowohl Mac Hallers Tod ziemlich zu Beginn als auch Judges Dahinscheiden ganz am Ende ziemlich bescheuert und vermeidbar aus. Der eine scheint erschossen, der andere überfahren werden zu wollen… Allerdings muss man Philipp ebenso zugutehalten, dass er sich hier erstens offensichtlich ziemlich zurückgehalten hat, was das Umschreiben des Scripts angeht, und dass er zweitens genau an der wichtigsten Stelle eben doch etwas geändert hat. Nämlich hat er hier offensichtlich erkannt, dass der ganz schwache Ilija Dzuvalekovski eben kein guter Banditenboss ist – und ließ ihn prompt von seinem Unterboss erschießen. Dieser Storykniff ist ganz nebenbei auch noch mal etwas völlig Neues innerhalb der Reihe und damit ein doppelter Triumph des Regisseurs. Generell gibt es ja nicht sonderlich viele Filme, die so etwas anbieten und von daher darf man ihm hier schon dankbar sein, dass er einem diesen coolen Einfall und die dazugehörigen Szenen geschenkt hat. (Spoilerende)

Denn der alte Ilija Dzuvalekovski ist zwar nicht grottenschlecht (da gab’s ja dann tatsächlich schon ganz andere Performances) – aber als Banditenboss leider eine absolute Witzfigur. Er hat keinen bösen Blick, sondern immer so einen ungläubig-dämlichen, der ihn eher als Karikatur der Figur auszeichnet, die er eigentlich darstellen soll. Dazu noch dieser Schnauzbart und wie er Jeff im Verlauf des Films laufen lässt, nachdem er ihn enttarnt hat… Eine totale Witzfigur! Damit ist er tatsächlich noch vor Guy Madison und dessen blutleeren Auftritt in „Old Shatterhand“ der schwächste Bösewicht der Reihe. Ach und muss ich eigentlich erwähnen, dass er natürlich keine Locken trägt?... Sein Unterboss Judge alias Miha Baloh ist da schon um einiges fieser und charismatischer. Ihm nimmt man die Rolle zu jeder Zeit ab und ist wie gesagt am Ende heilfroh über Philipps großartigen Einfall.

Auf der guten Seite haben Pierre Brice und Lex Barker bestimmt nicht ihren allerbesten Tag der Serie erwischt, tragen den Film aber ohne große Mühe. Ralf Wolter glänzt daneben wieder in der Rolle des Komikers und Walter Barnes erneut in seiner Paraderolle des einfältigen Gutmenschen. Uschi Glas ist in der Rolle des titelgebenden Halbbluts Apanatschi unerwartet spielfreudig und gewitzt. Da gibt es nichts zu meckern. Ihr Film-Liebhaber Götz George steht ihr in nichts nach und ihr Filmbruder Marinko Cosic macht einfach nur Spaß. Happy und sein Pony fetzen!

Und so möchte ich am Ende zu „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ trotzdem das gleiche Fazit ziehen, dass ich schon bei „Old Surehand“ zog: Wäre das hier ein Italowestern, würde kein Mensch was sagen, sondern nur den Ideenreichtum und die immer noch gute Handwerklichkeit loben. Da wir es hier aber mit einer Karl-May-Pferdeoper zu tun haben, liegt der Maßstab einfach etwas höher. Und ja, daher fällt dieser Streifen im Vergleich zu seinen Vorgängern auch tatsächlich merklich ab, aber er macht einfach immer noch sehr viel Spaß; das muss man dann auch mal so festhalten. Der Adler zu Anfang zum Beispiel ist sauschlecht getrickst? Ja, ist er auch, aber die Szene hat auf mich damals als Kind Eindruck gemacht und sie tut es auch heute noch. Ebenso wie die weiterhin tollen Darsteller-Leistungen (sehen wir mal von Curly-Bill ab), die weiterhin großartigen Landschaften des heutigen Kroatiens, Martin Böttchers weiterhin tolle Musik sowie Vladimir Tadejs weiterhin superbe Bauten (Rocky Town ist ja wohl ein echtes Highlight innerhalb der Reihe!) weiterhin einen großen Eindruck auf mich machen. Eingebettet in Fred Dengers sicherlich nicht erstklassiges, aber immerhin doch schlichtweg gutes Action-Western-Script bedeuten all diese Zutaten weiterhin richtig gute, teutonische Wildwest-Unterhaltung, die nur eben schon etwas von ihrem Zenit entfernt ist und sich ihre überhastete Entstehungsweise zu sehr anmerken lässt. Und ja, vielleicht ist „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ auch derjenige „Winnetou“, der am meisten von seinem Kindheitsbonus zehrt, aber ich kann mich seines Reizes einfach nicht entziehen. Er bleibt großartig! (Spoiler)  – Nur eine Sache geht natürlich gar nicht: Old Shatterhand sich am Ende erst als Trauzeuge anbieten und dann schnell wegreiten lassen. So was gehört sich nicht. Haben wir ja schließlich auch nicht gemacht, nech? (Spoilerende)

Übrigens: Dank dieses Films weiß ich erst, dass man, wenn man eine Kettensprengung will, eine Pulverschnur von Kiste zu Kiste legen muss. Old Shatterhand sagt, das ist eine totsichere Sache! Und könnt ihr euch vorstellen, wie oft ich schon von dem Fallensteller-Song hier einen Ohrwurm hatte? – Unzählige Male! Nettes Ding.

Vergleich zum Buch:

Dieser Film ist, weil Artur Brauner seinerzeit ja noch sein Machwerk „Old Shatterhand“ an den Mann bringen musste, der zweite der Reihe, dem überhaupt kein Roman des sächsischen Schriftstellers zugrunde liegt – folglich entfällt ein Vergleich.

Zur DVD/BD:

Supergeile DVD-Collection, die die Universum Film seinerzeit mit genialem Bild und Ton rausgebracht hat („Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ befindet sich in der „Karl May DVD Collection I“, zusammen mit „Der Schatz im Silbersee“ und „Winnetou und sein Freund Old Firehand“); die musste ich mir damals sofort zulegen. Und hat auch richtig Asche gekostet. Nur, um heutzutage festzustellen, dass es die Dinger mittlerweile in natürlich noch wesentlich besserer HD-Qualität auf Blu-ray gibt. Na ja, bei diesen Filmen darf man nun wirklich nicht knauserig sein, die müssen in der wirklich besten Qualität vorliegen, sodass ich mir dann auch noch die „Karl May Klassikeredition“ der Universum auf BD zugelegt habe. Nett daran ist vor allem, dass man die ganzen verschiedenen Boxen (denn nach den „Karl May DVD Collections“ I-III (!) musste man sich seinerzeit ja auch noch die Shatterhand-, die Orient- und die Mexiko-Box extra zulegen) von damals nicht mehr braucht und alle 16 Karl-May-Verfilmungen der 60er Jahre (die „echten“ also, ohne diesen seltsamen „Das Vermächtnis des Inka“, von dem ich, bis ich’s für den „Schatz im Silbersee“  nachgelesen habe, noch nie etwas gehört hatte) in einem großen Schuber zusammen hat. Auch schön alle einzeln in nem Amaray und nicht auf ner Spindel oder so, wie sich das gehört. Als einzige Schwierigkeit erweist es sich dann den jeweiligen Film aus der Box rutschen zu lassen, ohne die 15 anderen ebenfalls sofort in Händen zu halten – gerade, wenn man einen Film aus der Mitte sehen will. Tja, man kann nicht alles haben.

Am Bild und Ton hat man hier jedenfalls noch mal mächtig geschraubt; das sieht richtig gut aus! Allerdings schwankt die Qualität von gerade diesem Film leider ziemlich deutlich. Ungefähr ab der Mitte des Films bis zum Ende wird dieser immer mal wieder ziemlich blaustichig und das nervt schon ziemlich. Hoffentlich hat die UFA nicht gedacht, dass den eh keiner mehr gerne gucken würde. Aber so ein wenig sieht auch das Bonusmaterial danach aus:

  1. Interview-Dokumentation ohne Titel (eine Seltenheit heutzutage, selbst im Bonusmaterial (dass der Titel fehlt, meine ich)): Tja und dann ist es eben doch passiert. Was Götz George und Co. hier in ca. 3,5 Minuten erzählen, haben wir auf der „Der Schatz im Silbersee“-Scheibe alles gerade erst gesehen. Das ist nämlich ein Teil der ursprünglich 20minütigen Dokumentation, die man für die damalige Dreier-Box herstellte, eben jener zu „Apanatschi“. Hier hat man also nichts anderes mehr zur Hand gehabt und sich damit „beholfen“. Unbeholfen würde ich das aber nennen, denn das ist ziemlich blödsinnig.
  2. Ausschnitt aus der Wochenshow „Dreharbeiten ,Winnetou und das Halbblut Apanatschi‘“: Nicht mal ne Minute lang dieses Mal, aber wie immer nett.
  3. Filmfehler-Quiz: Es bleibt ein nettes Gimmick.
  4. Trailer
  5. Das Booklet der Edition von damals zum Lesen auf dem Bildschirm: Da da ganz nette Sachen drinstanden damals, macht das schon Sinn, das getan zu haben und sich das nochmal durchzulesen.

Tja und so ist die BD zu „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ gemessen an der exzellenten Qualität der anderen Scheiben (ausgenommen „Der Ölprinz“, Philipps Filme scheinen es in dieser Hinsicht schwer zu haben) dann doch etwas schlechter einzustufen. Das „fehlende“ Bonusmaterial fällt da gar nicht so sehr ins Gewicht, das ist man von Universum auf den anderen Discs einfach auch zu sehr verwöhnt worden, aber der Blaustich mindert das Seherlebnis schon ordentlich.

Unabhängig davon gibt’s aber natürlich auch hierfür die dickste Kaufempfehlung im ganzen Lexikon. Allein schon wegen des grundsätzlichen Upscales und der Klasse der anderen Scheiben. Ist ja schließlich ne Box, um die es hier geht. Und die muss man haben! :)

Zitate

Fehlanzeige

★★★★

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