Unter Geiern

Unter Geiern

★★★★

  • Jahr: 1964
  • Regie: Alfred Vohrer
  • Darsteller: Pierre Brice, Stewart Granger, Götz George, Elke Sommer, Sieghardt Rupp, Walter Barnes, Gojko Mitic, Milan Srdoc, Miha Baloh, Renato Baldini, Terence Hill...

Story

Nachdem weiße Banditen seine Frau ermordet haben, hegt Winnetous Freund, der Bärenjäger Baumann (Walter Barnes), fortan einen Groll gegen den benachbarten Stamm der Shoshone, weil er denkt, die Indianer wären es gewesen. Sein Sohn Martin (Götz George) aber, der sich nicht nur von seiner Trauer und seiner Wut leiten lässt, sucht mit Winnetou (Pierre Brice), Old Surehand (Stewart Granger), Old Wabble (Milan Srdoc), der jungen Annie Helmer (Elke Sommer) und den Shoshone unter der Führung ihres Häuptlings Wokadeh (Gojko Mitic) die wahren Schuldigen: die Geier-Bande mit ihrem Boss Preston (Sieghardt Rupp). Diese stellt man bei einem Siedlertreck, der von ihnen überfallen werden soll. Natürlich können die Helden, denen mittlerweile auch Baumann Senior beigetreten ist, dies verhindern und allen Banditen den Garaus machen. Und ganz am Ende hat auch Baumann eingesehen, wer der wahre Mörder seiner Liebsten war.

Worte zum Film

erneut großartige Darsteller bei einem mehr als gelungen Charaktertausch in der „Blutsbruder“-Rolle; Regiewechsel ohne Qualitätsabfall; erneut herausragende Kulissen, Bauten und Musiken – Story mit kleineren Abstrichen

Bewertung

Zum Film:

Es ist im Nachhinein und gerade als Fan sehr schwer einzuschätzen, aber ich denke, Horst Wendlandt hat der von ihm geschaffenen „Winnetou“-Filmreihe im für ihn vierten Beitrag (insgesamt ist es ja leider der fünfte, weil Konkurrent Brauner sich ja einmal mit seinem unsäglich schlechten „Old Shatterhand“ dazwischenschieben musste) genau zur richtigen Zeit eine Frischzellenkur verpasst. Denn klar, auch das alte Rezept hätte mit Sicherheit noch bei mindestens einem weiteren Teil sehr gut funktioniert, aber wäre die Serie sonst noch so lange fortgeführt worden? Ich denke fast nicht. So aber kamen der erste Regie- und der erste Hauptdarstellerwechsel exakt zu dem Zeitpunkt, an dem die Reihe ohne diese aufgrund der nachvollziehbaren Entscheidung, nicht sofort „Winnetou III“ hinterherzuschieben, durch entsprechende Abnutzungserscheinungen in der Präsentation Gefahr gelaufen wäre, ein wenig von ihrer Faszination und Strahlkraft zu verlieren und bewahrten diese so davor. Denn beides brachte wirklich frischen Wind in den Laden.

Allen voran einer machte „Unter Geiern“ zu „seinem Film“ und die Serie somit auf Anhieb zu „seiner“: Stewart Granger. Denn ja, Lex Barker ist die perfekte Besetzung des Old Shatterhand gewesen und ohne seine Ernsthaftigkeit wäre der Erfolg der ersten Beiträge überhaupt nicht möglich gewesen. Aber Granger mit seiner frechen, unverbrauchten Art lockert das Ganze doch erheblich auf und sorgt so für auf dieser Position absolut willkommene Abwechslung. Und niemand außer ihm hätte das wohl so in dieser Form durchsetzen können. Schließlich weiß man um den schwierigen Charakter des Briten und kann sich vorstellen, dass er die Rolle einfach so vorgespielt hat, wie er sie hier spielt, sich Änderungen oder gar Kritik daran verbeten hat und man ihm diese Frechheit aus Angst vor seinem Absprung sogar durchgehen ließ. Wie sonst ist es zu erklären, dass dieser Old Surehand, den er hier verkörpert, quasi alles darf? Der spricht mit dem Häuptling der Apachen, immerhin dem Titelhelden und absoluten Zugpferd der Reihe, wie mit einem alten Schulkumpel und teilweise sogar wie mit einem Schuljungen. Er ist die erste und einzige Figur, die Winnetou sogar verarschen darf (auch wenn das dem Apachen naturgemäß so manches Mal nicht gefällt) und haut Brice zur Bekräftigung noch einmal kräftig in den Bauch, womit der sichtlich nicht einverstanden ist. Wer außer Granger, offensichtlich privat ein Unsympath, aber eben ein absoluter Wunschkandidat von Horst Wendlandt, hätte das bringen können? Und das Heftigste daran: Man kann denjenigen, die ihm dieses Verhalten durchgehen ließen, dazu am Ende nur ganz herzlich gratulieren. Denn wie gesagt kommt er damit zumindest bei mir hervorragend an und war damit schon immer mein Lieblingscharakter der „Winnetou“-Filme. Wie er sein Gewehr lässig über der Schulter trägt und auch sonst so gar nichts vom zugeknöpften Duktus einiger seiner Mitstreiter hält (Zitat: „Könnt ihr vielleicht auch wie ein normaler Mensch reden?“)… Großartig! Ok, zugegeben, gegen Ende übertreibt er es dann ein wenig und muss quasi jedes seiner Worte mit einer Geste begleiten, aber alles in allem bleibt er wie gesagt eine echte Erfrischung.

Das Zusammenspiel mit Pierre Brice leidet darunter aber natürlich etwas. Er, der seine Rolle zu diesem Zeitpunkt ja bereits perfektioniert und sich auf Barker eingestellt hatte, hat mit dieser frechen Herangehensweise offensichtlich so seine Problemchen (und es würde mich nicht wundern, wenn diese auch hinter der Kamera bestanden haben sollten) und schafft es nicht immer, seine Verwunderung darüber im Zaum zu halten. Gerade das allerdings darf man von einem stolzen Apachen-Häuptling, der mit so einem aufgeweckten Westmann konfrontiert wird, aber auch erwarten und somit gerät das Aufeinandertreffen der beiden am Ende gar nicht mal unrealistisch. Es waren einfach beide wirklich gute Schauspieler, allerdings bleibt das Gefühl über, dass diese hier nur neben- statt miteinander agieren. Ob der Qualität von Grangers Auftritt und des sich daraus ergebenden interessanten Kontrastes kann ich darüber aber leicht hinwegsehen.

Der Rest der Crew fügt sich nahtlos und ohne großartige Besonderheiten in den Karl-May-Kanon ein und war ja zu einem Großteil auch nicht zum ersten Mal dabei. Götz George ist hier noch besser als im „Schatz im Silbersee“ und annähernd so gut wie im „Halbblut Apanatschi“, Walter Barnes ist der perfekte Mann für die Rolle des gebrochenen, hasserfüllten und später wieder lammfrommen Ranchers (und sieht ganz nebenbei bemerkt auch einfach aus wie ein „Bärenjäger“), Gojko Mitic ist natürlich ein ebenso perfekter Wokadeh (selbst wenn er hier unter dem Namen Georg Mitic geführt wird) und Renato Baldini und Terence Hill spielen gekonnt eine Variation ihres ersten Karl-May-Auftritts. Mit Miha Baloh betritt ein weiterer begabter junger Mann die Bühne, der sich noch des Öfteren in Wendlandts Reihe blicken lassen sollte. Elke Sommer dagegen hat hier ihren einzigen Auftritt in einem Karl-May-Western, was der Tatsache geschuldet ist, dass sie ja bei Brauner unter Vertrag stand und er sie nur im Tausch gegen Brice‘ Auftritt in „Old Shatterhand“ „hergab“. Und da man wusste, dass es kein zweites Mal geben würde, versäumt man es hier natürlich auch nicht, sie gleich im Unterrock zu zeigen. Mehr zu sehen gibt es allerdings nicht. Ihre Schönheit und ihr Sexappeal kommen in anderen Produktionen deutlich besser zur Geltung. Was das angeht, wird sie hier ähnlich verheizt wie Olga Schoberová in „Die Goldsucher von Arkansas“ und „Die schwarzen Adler von Santa Fe“. Nett anzusehen bleiben sie und ihre Leistung jedoch dennoch. Und last but not least hat auch Sieghardt Rupp hiernach nie wieder in einem Karl-May-Western agiert. Dass man ihn allerdings gleich nach seinem Auftritt in „Für eine Handvoll Dollar“ als nächsten Oberschurken der Reihe (die ja nun mal ständig wechseln mussten) engagiert hat, ist nur zu konsequent. Er schießt in seiner ersten Szene dann auch gleich mal so, wie er es bei Leone gelernt hat und beweist uns somit sogleich, dass die Revolver hier nicht mehr von alleine spannen sollen. Und ich mag seine Art einfach, ich finde ihn auch hier klasse. Er kommt zwar nicht an die ganz großen Bosse Lom und vor allem Adorf heran, aber Anthony Steel (und für alle, die es ganz genau nehmen wollen, natürlich auch Guy Madison) steckt er locker in die Tasche.

Und so muss es auch sein, denn einen Komplett-Umbruch wollte natürlich auch niemand haben. Granger als neues, belebendes Element reichte auf schauspielerischer Seite vollkommen aus und schlug wie gesagt bombastisch ein. Um der Serie dann aber auch optisch mal wieder einen neuen Anstrich zu verpassen, tauschte man zum ersten Mal (wenn man Brauner und den von ihm eingesetzten Fregonese mal weglässt, versteht sich) auch den Regisseur aus – eine Sache, die sich im Laufe der Edgar-Wallace-Reihe ja bereits bewährt hatte. Mit Alfred Vohrer wählte man dann auch denjenigen deutschen Regisseur aus, der Wendlandts zweitem Vermächtnis am besten gestanden hatte. Genau wie Reinl ein Action-Filmer durch und durch und somit bestens mit den Vorstellungen des Produzenten vertraut. Dass dieser Schuss daher nicht nach hinten losging, verwundert also wenig. Mehr noch als das erweist sich Vohrer, den Wendlandt ja eigentlich von Anfang an für die Karl-May-Serie haben wollte, hier allerdings als ein wahrer Künstler: Ihm gelingt der notwendige Spagat zwischen der Bildsprache, die Reinl bereits etabliert hatte und von der man nun also nicht komplett abweichen konnte, und eigener Note hervorragend. Dass er dabei noch einen Tick mehr auf die Action setzt, sehe zumindest ich dabei nicht als Problem an.

Mit Karl Löb wurde ihm dann auch gleich noch ein anderer Kameramann zur Seite gestellt und was die beiden in Sachen „die Landschaft als einen weiteren Schauspieler einsetzen“ leisten, übertrifft im ersten Drittel die vorherigen Beiträge spielend. Das sieht unfassbar gut aus. Nicht zuletzt natürlich auch wieder dank Vladimir Tadejs Bauten. „Baumann’s Ranch“ sieht so geil aus! Ebenso wie seine Geisterstadt und selbstverständlich erneut sein Indianerdorf, auch wenn dieses natürlich zum Großteil aus den Resten des Assiniboine-Dorfes des Vorgängers recycelt wurde. Im Gegensatz zu ihm schwächeln die ausgesuchten Locations zum Ende hin etwas (zum Beispiel wurde der Mali Alan, der in „Winnetou I“ auch als Nugget Tsil diente, von Reinl seinerzeit wesentlich spektakulärer in Szene gesetzt als hier und auch den Llano Estacado hatte man wesentlich besser treffen können), aber dafür haben wir hier einen Kampf um eine Wagenburg als Highlight am Ende des Streifens – das entschädigt dann wieder dafür.

Leider kann der Streifen seine sehr gute und zu Anfang gar überragende Qualität nicht nur, was die Örtlichkeiten betrifft, nicht ganz bis zum Ende halten. Denn auch die ebenfalls neu eingesetzten Drehbuchautoren Eberhard Keindorff und Johanna Sibelius treffen nicht immer hundertprozentig meinen Geschmack. (Spoiler) So ist die Bildfolge im Unterschlupf der Geier der „Turning Point“ hier, wie man auf Neudeutsch sagen würde; danach wird’s etwas unspektakulärer. Nicht nur, dass der Auftritt von Martin Baumann im Saloon natürlich vollkommen unrealistisch ist (er ballert einfach so’n bisschen zur Schau rum und schon schießen die restlichen Banditen den Laden fast auseinander) – die folgende Rettungsaktion ist es nur noch mehr. Im Folgenden darf Old Surehand sich dann wieder beweisen und Granger zeigt einmal mehr seine Klasse, bis er dann schließlich am Marterpfahl angebunden eine ähnliche Prüfung über sich ergehen lassen muss, wie es Old Shatterhand im „Schatz im Silbersee“ seinerzeit auch musste. Damit wiederholt sich storytechnisch natürlich etwas, aber das ist wie bei Reinl so kurzweilig inszeniert, dass man gar nicht anders kann, als wieder gebannt auf den Fernseher zu starren. Der Ritt der Banditen danach durch das Tal des Todes ist dagegen ziemlich überflüssig und hätte überhaupt nicht sein gemusst – der zeigt nur, wie böse diese Geier sind und hat ansonsten weder inszenatorischen noch inhaltlichen Wert. Das könnte man fast als Tiefpunkt bezeichnen – wenn das Ganze nicht nur zwei Minuten dauern würde. Tja und gegen Ende darf man sich dann schon etwas wundern, dass in einem Karl-May-Film mit einem Male ein Geständnis, das unter Androhung eines „Lochs im Hirn“ gemacht wurde, von Wert ist. Anders haben es die beiden Autoren dann wohl nicht aufzulösen gewusst. Und wenn dann ganz am Schluss, wenn eigentlich alles bereits vorbei ist und die führenden Geier froh sein könnten, mit dem Leben davongekommen zu sein und folglich wegreiten müssten, diese Old Surehand nochmal zu sich zitieren, weil sie ihm unbedingt eine Kugel verpassen wollen und Stewart Granger dann der erste Hauptdarsteller in einem Karl-May-Western wird, der einen Banditenboss selber erschießen darf, dann fragt man sich schon, ob das nicht eine der Szenen ist, die der Brite für sich und seine Rolle umgeschrieben haben soll. Zuzutrauen wäre es ihm und so an und für sich widersinnig, wie sich das Ganze abspielt, würde es noch weniger wundern. Allerdings hat man dann immerhin nicht versäumt, seinem roten Bruder noch einen coolen Abschiedsspruch auf eine erneute flapsige Floskel seinerseits ins Buch zu schreiben – das stimmt mich zumindest wieder gnädig. Wie überhaupt die Tatsache, dass man nicht oft genug sagen kann, wie kurzweilig Vohrer hier inszeniert hat und wie schnell benannte Drehbucheigenarten im Film daher auch untergehen. (Spoilerende)

Dementsprechend schafft es „Unter Geiern“ trotz einer wirklich hervorragenden Anlage nicht, Reinls bis hier hin besten Streifen der Reihe, „Winnetou I“ (den mit dem besten Drehbuch), zu toppen, reiht sich aber nach diesem vorerst auf Platz zwei ein. Zwar kosten ihn die am Ende dann doch einmal zu oft auftretenden unrealistischen Storyschnitzer ärgerlicherweise knapp die fünf Sterne, ansonsten kann man trotz der vielen neuen Leute im Stab aber keinen Bruch mit dem bisherigen Schaffen erkennen. Das ist allen voran Vohrers Werk, der die Zügel hier fest in der Hand hielt und sie offensichtlich nur bei einem Mann etwas lockerer ließ. Dass man Stewart Granger diese Freiheiten gewährte, beschert uns einen weiteren, unvergesslichen Auftritt seinerseits und einen weiteren, großartig adaptierten Helden aus dem Karl-May-Universum (auch wenn dieser in der Buch-Vorlage natürlich komplett andere Züge trägt als die Filmfigur des Briten). Und auch wenn die Chemie zwischen Brice und Barker natürlich unerreicht ist und bleiben wird, so konnte man hiernach ruhigen Gewissens noch einen obendrauf setzen und einen weiteren Beitrag folgen lassen. „Unter Geiern“ war seinerzeit der letzte „Winnetou“, den ich sah – in meinem Herzen wird er allerdings nie der Letzte sein.

Übrigens: Es ist eigentlich unglaublich, aber auch auf Synchron-Ebene hat man einen Wechsel vorgenommen bzw. jemanden weggelassen, nämlich Rainer Brandt. Und so mutet es zuerst tatsächlich etwas ungewöhnlich an, wenn Sieghardt Rupp hier den zweiten Banditenboss in einem „Winnetou“ gibt, der sich selbst synchronisiert. Dass man sich natürlich sofort daran gewöhnen mag und es eine absolut willkommene Abwechslung ist, ist auch klar und außerdem verwöhnt uns hier dann ja Arnold Marquis als Bärenjäger. Und a pro pos Bär: Dass man nach der Lachnummer mit dem Bären zu Beginn von „Winnetou II“ sich tatsächlich sofort wieder an eine Bären-Szene getraut hat, ist schon erstaunlich. Mutig ebenso, dass man es hier jetzt komplett mit einem echten Tier versuchen wollte und das auch durchgezogen hat. Schwach, dass das schon wieder lächerlich aussieht, angesichts des Jungtieres, das man hierfür offensichtlich genommen hat. Bei Wikipedia steht dazu, dass man anstatt Grizzlybären einheimische Bären genommen hätte (weil man mit Ersteren beim Vorgänger schlechte Erfahrungen gemacht hätte – wüsste gerne mal, wo da ein echter Grizzly zu sehen gewesen sein soll). Na ja, mag sein und die mögen sicherlich kleiner sein als ein Grizzlybär, aber ausgewachsen werden die ja wohl größer sein als ein Hund, oder?

Vergleich zum Buch:

Für den Vergleich dieses Films mit der Romanvorlage verweise ich auf meine Ausführungen im Review zu „Der Schatz im Silbersee“. Kurz gesagt: Es kann sich nur noch um Jahre handeln.

Zur DVD/BD:

Supergeile DVD-Collection, die die Universum Film seinerzeit mit genialem Bild und Ton rausgebracht hat („Unter Geiern“ befindet sich in der „Karl May DVD Collection II“, zusammen mit „Der Ölprinz“ und „Old Surehand“); die musste ich mir damals sofort zulegen. Und hat auch richtig Asche gekostet. Nur, um heutzutage festzustellen, dass es die Dinger mittlerweile in natürlich noch wesentlich besserer HD-Qualität auf Blu-ray gibt. Na ja, bei diesen Filmen darf man nun wirklich nicht knauserig sein, die müssen in der wirklich besten Qualität vorliegen, sodass ich mir dann auch noch die „Karl May Klassikeredition“ der Universum auf BD zugelegt habe. Nett daran ist vor allem, dass man die ganzen verschiedenen Boxen (denn nach den „Karl May DVD Collections“ I-III (!) musste man sich seinerzeit ja auch noch die Shatterhand-, die Orient- und die Mexiko-Box extra zulegen) von damals nicht mehr braucht und alle 16 Karl-May-Verfilmungen der 60er Jahre (die „echten“ also, ohne diesen seltsamen „Das Vermächtnis des Inka“, von dem ich, bis ich’s für den „Schatz im Silbersee“  nachgelesen habe, noch nie etwas gehört hatte) in einem großen Schuber zusammen hat. Auch schön alle einzeln in nem Amaray und nicht auf ner Spindel oder so, wie sich das gehört. Als einzige Schwierigkeit erweist es sich dann den jeweiligen Film aus der Box rutschen zu lassen, ohne die 15 anderen ebenfalls sofort in Händen zu halten – gerade, wenn man einen Film aus der Mitte sehen will. Tja, man kann nicht alles haben.

Am Bild und Ton hat man hier jedenfalls noch mal mächtig geschraubt; das sieht einfach perfekt aus! Das hätte ich echt nicht gedacht. Von daher lohnt es sich allein schon deswegen, auf diese Box umzusteigen und das Bonusmaterial macht es einem da nur noch einfacher zuzugreifen:

  1. Interview-Dokumentation ohne Titel (eine Seltenheit heutzutage, selbst im Bonusmaterial (dass der Titel fehlt, meine ich)): Eva Ebner, Götz George, Pierre Brice, Vladimir Tadej und Dunja Rajter erzählen uns ein bisschen was zu den Dreharbeiten und das ist aufgrund des Mannes, der nicht zu Wort kommt, nämlich Stewart Granger, so interessant wie selten. Am eindrucksvollsten ist übrigens Götz Georges Aussage zu diesem Thema, der klar und glaubhaft seine Meinung zum Menschen James Lablache Stewart schildert, ohne die darstellerische Qualität des Schauspielers Stewart Granger in Frage zu stellen.
  2. Fotogalerie: Braucht mal wieder kein Mensch. Hier schleichen sich in die teilweise sogar ganz interessante Foto-Sammlung zu „Unter Geiern“ regelmäßig Bilder aus „Winnetou II“ oder „Der Schatz im Silbersee“.
  3. Deleted Scenes: Wieder andere Aufnahmen, deren Alternativen es in den Film geschafft haben. Ohne Kommentar und ohne Ton. Wem’s gefällt.
  4. Trailer auf Deutsch, Englisch und Türkisch
  5. Filmfehler-Quiz: Hier nicht ganz so nett aufbereitet wie in den bisherigen Fällen und vor allem mit dem „Filmfehler“, dass Old Surehand zwei Mal durchlädt, obwohl er zwischendurch nicht geschossen hat. Wenn dieser „Sicherheitsnachlader“ in einem Kampf auf Leben und Tod ein Filmfehler ist, dann ist „Unter Geiern“ lange nicht der einzige Film, der ihn aufweist.
  6. Digitales Booklet der damaligen DVD-Box: Auch hier sind die Texte zu Grangers Verhalten während der Drehs wieder sehr interessant. Es macht also auch wieder Sinn, dass es drauf ist, ist so aber natürlich schlecht zu lesen.

Also auch vom Bonusmaterial her wieder sehr stimmig, was hier drauf ist; das ist eine runde Sache. Da die Interview-Doku. „nur“ zwölf Minuten lang ist, denke ich, dass da für „Der Ölprinz“ und „Old Surehand“ sogar noch was übrig sein müsste. Ich bin gespannt.

Unabhängig davon gibt’s auf jeden Fall die dickste Kaufempfehlung im ganzen Lexikon hierfür. Allein schon wegen des Upscales. Das sieht so geil aus. Muss man haben! :)

Zitate

„Die Ungeduld ist das Vorrecht der Jugend.“(Winnetou kann selbst Schwächen noch wie Stärken klingen lassen)

„Betsy, ich brauch Verbandszeug.“ – „Du brauchst gar nichts mehr!“(Preston denkt schon etwas weiter als sein fehlerbehafteter Mitarbeiter)

„Ein echter Indianer, ja?“ – „Ihr merkt auch alles.“(Old Surehand verteilt Komplimente auf seine Art)

„Das hier ist mein Freund Winnetou! Großer Häuptling der Apachen, großer Jäger, großer Freund der Weißen und vor allem n netter Kerl.“(trotz einiger Sticheleien mag Old Surehand seinen Winnetou)

 „Du triffst nicht mal n Haus. Nicht mal n Doppelhaus…“(Old Surehand über Wabbles Schießkünste)

[Winnetou erschießt einen Banditen hoch oben von einem Felsen aus und hilft Surehand damit aus der Patsche] „Den Schuss macht Euch keiner nach.“ – „Doch, mein berühmter Lehrer.“ – „Aber nicht mit dem Ding! Ich hab gar nicht gewusst, das man damit überhaupt schießen kann.“ – „Man kann sogar damit treffen.“(Winnetou trifft mit Worten wie mit Kugeln)

★★★★

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