Apachen

Apachen

★★★ ++

  • Jahr: 1973
  • Regie: Gottfried Kolditz
  • Darsteller: Gojko Mitić, Milan Beli, Colea Răutu, Leon Niemczyk, Gerry Wolff, Elsa Grube-Deister, Fred Ludwig, Hartmut Beer, Fred Delmare, Rolf Hoppe...

Story

Der Skalpjäger Johnson (Milan Beli) lässt von seinen Leuten fast einen ganzen Stamm der Mimbreño-Apache dahinschlachten. Nur wenige, darunter der junge, kluge Ulzana (Gojko Mitić), können entkommen. Aber sie schwören bittere Rache. Und nachdem sie Johnsons Männer erledigt und ihnen ihre Beute abgenommen, den Drahtzieher selbst aber erst einmal entkommen lassen haben, knöpfen sie sich die Einwohner von Santa Rita – dem Ort des Massakers – vor. Diese kriegen mindestens einen Denkzettel verpasst. Danach nehmen Ulzana und der alte Nana (Colea Răutu) mit ihren Kriegern wieder die Verfolgung von Johnson auf. Als sie den Verbrecher und seine neuen Kumpane endlich finden, machen sie keine halben Sachen mehr.

Worte zum Film

interessant und doch belanglos; atmosphärisch und doch lahm; starker Beginn und ein starker Leistungsabfall zum Ende; gute Darsteller, Ausstattung und Locations; Rache allein macht noch keinen Film

Bewertung

Zum Film:

Warum nun gerade „Apachen“ einer der bekanntesten und beliebtesten Western der DEFA werden sollte, erschließt sich mir nicht unbedingt. Zwar ist er definitiv kein schlechter Vertreter seiner Zunft, aber nach dem alles in den Schatten stellenden „Tecumseh“ hat er ähnliche Probleme wie sein Vorvorgänger „Osceola“ und ist daher lediglich als leicht überdurchschnittlich einzustufen. Und da das erneut bedeutet, dass auch hier wesentlich mehr drin gewesen wäre, ist dieses Ergebnis leider nicht ganz so zufriedenstellend wie es auf den ersten Blick aussieht.

Denn die zweite Regiearbeit innerhalb der DDR-Pferdeopern von Gottfried Kolditz nach seinem recht vielversprechenden (wenn auch bereits mit einigen vergebenen Chancen versehenen) Erstling „Spur des Falken“ beginnt erneut durchaus ansprechend. Seine – in Gemeinschaftsarbeit mit Kameramann Helmut Bergmann eingefangenen – Landschaftsaufnahmen machen ordentlich was her und die erneut so völlig anderen Locations lassen einen wieder einmal wundern, wo die DEFA-Scouts diese nur immer wieder auftreiben konnten. Denn „Apachen“ handelt – wer hätte das gedacht? – nun mal von dem hier in Deutschland dank Karl May so populären Indianerstamm gleichen Namens und dieser lebte nun mal im Südwesten der Vereinigten Staaten von Amerika sowie im Norden von Mexiko und da ist es nun mal heiß und gebirgig und sieht es dementsprechend ganz anders aus als in den Territorien, in denen die restlichen Ost-Western bisher angesiedelt waren. Daher hätte ich zu Anfang ob der für die Dreharbeiten zur Verfügung stehenden Bruderstaaten der DDR (die eben nicht die USA und kein Almeria beinhalteten) gezweifelt, ob das von Kolditz und seiner Crew dann auch so umgesetzt werden könnte, aber auch von den Bauten und Requisiten her braucht sich diese Produktion erneut nicht hinter den meisten europäischen Vertretern dieser Zeit, insbesondere vor den Italowestern, zu verstecken. Und wenn sich Gojko Mitić in seiner Rolle als Ulzana das erste Mal aufrichtet (was für ein Bild von einem Indianer!) und zusammen mit seinem Stammesgefährten dann wie ein Geist auf- und abtauchen darf, auf dass sich der sehr zu meiner Freude wieder mitwirkende Milan Beli als zuerst noch undurchsichtiger Johnson verwundert die Augen reibt, dann schnalzt man einmal vergnügt mit der Zunge und freut sich, dass wieder DEFA-Western-Zeit ist.

Ähnlich ansprechend gestaltet sich die gesamte erste Hälfte dieses Werkes. Zwar mag man nicht nur ob der Dialoge, sondern auch ob der Kenntnis der „vorangegangenen“ Streifen recht bald ahnen, auf was die Feierlichkeiten in Santa Rita hinauslaufen werden, aber die Hinführung zu diesem ersten schaurigen Höhepunkt darf durchaus als routiniert bezeichnet werden – eine Tatsache, die ich angesichts der Drehbuchautoren Mitić und Kolditz nicht unbedingt erwartet hatte. Wie oft erlebt man es schließlich, dass der Star einer Reihe, der sich vom wachsenden Erfolg angestachelt plötzlich auch noch zum Schreiberling berufen fühlt, dieser in der Folge damit keinen großen Dienst erweist? Aber gehen wir mal davon aus, dass der Regisseur, der ja zuvor schon an dem einen oder anderen Buch mitschrieb, sowie der „wie immer“ als Dramaturg verpflichtete Hans-Joachim Wallstein diesbezüglich keine Allüren zuließen. Und ja, natürlich waren gerade die Scripts der DEFA-Westernautoren in der Vergangenheit alles andere als Karo einfach gewesen, weswegen man sich auch von „Apachen“ mehr erhofft hätte, als eine reine Rache-Pferdeoper, aber wenn’s doch gut gemacht ist?

Das allerdings bleibt dieser Beitrag über die gesamte Spielzeit nur in Bezug auf die erwähnte Ausstattung, die Locations und seine Schauspieler. Inhaltlich und inszenatorisch wird’s spätestens nach ungefähr einer Stunde, also beim Überfall der Indianer auf den Zug der flüchtenden Mexikaner, mau. (Spoiler) Kommen sieht man das Ganze allerdings bereits, wenn die rachedürstenden Apachen den nun definitiv als Fiesling ausgemachten Johnson nach gerade mal etwas mehr als einer halben, maximal einer Dreiviertelstunde nicht sofort wie seine Kumpane erschießen, sondern erstmal zum Gehirntrocknen in die Sonne hängen – und zwar mitten auf den Marktplatz von Santa Rita und unbewacht (als hätte man kein eigenes Dorf)… Trotzdem hätte man die Sache mit den Mexikanern ja mal für ein ähnlich heftiges Statement nutzen können wie das Massaker zu Beginn des Films, bei dem – gerade beim Skalpieren – nur das Allernötigste gezeigt wird und welches trotz oder gerade wegen dieser Herangehensweise voll in die Magengrube schlägt (davon könnten sich aktuelle Filmemacher gerne wieder ne Scheibe abschneiden). Oder – muss man nach Ansicht der Bilder feststellen – einfach ganz weglassen sollen. Denn hier betreiben die Verantwortlichen eine ähnliche Geschichtsbeschönigung wie ihre Vorgänger aus den USA früher, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Hier sind die amerikanischen Ureinwohner diejenigen, die trotzdem sie eine riesige Wut im Bauch haben die fliehenden Ex-Anwohner von Santa Rita nicht einfach so abschlachten, sondern ihnen nur das Leben schwer machen, indem sie ihnen das Wasser entziehen. Und da diese in Panik, wie sie sind, nun genau so reagieren, wie sich die Indianer das vielleicht erhofft haben, bringen die sich dann gegenseitig um. Weiter nach oben hätte man den moralischen Zeigefinger wohl nicht recken können (und ich glaube wie gesagt, dass das in Echt wohl ein wenig anders abgelaufen wäre)…

Und alles, was danach kommt, ist, wenn man ehrlich ist, nur noch dazu da diesen Streifen auf die benötigte Länge zu schrauben. Wie Ulzana, der offensichtlich gerne alleine reitet und ein unfassbar schnelles Pferd haben muss, da kurze Zeit später ausgerechnet wieder Johnson in die Hände fällt, der dann natürlich den gleichen Fehler macht wie sein Kontrahent zuvor, sich der daraufhin folgenden Indianerangriffe mit seiner Gurkentruppe zwar noch recht lange erwehren kann, dann aber irgendwann endlich und dazu noch recht unspektakulär das Zeitliche segnet, ist nicht gerade der Rede wert. (Spoilerende) Zwar kann man diese Fortführung ebenfalls als routiniert bezeichnen, sodass man sich immerhin nicht gleich schlafend verabschiedet, aber da hatte ich mir nach diesem starken Beginn doch einiges mehr ausgemalt.

Vor allem möchte ich in diesem Zusammenhang die Empfehlung aussprechen, dieses Werk nicht zweimal kurz hintereinander zu gucken (wie ich es gerne mache, wenn mir ein Film besonders gut gefallen hat, ich ihn besser verstehen möchte oder oder…). Denn dann fallen einem auch im eigentlich ziemlich stimmigen ersten Teil kleinere Längen und Ungereimtheiten auf, „die vorher noch nicht da waren“. Kolditz‘ generell sehr ruhige, mitunter fast schon langsame Erzählweise fällt einem dann auf die Füße, während sie einem sonst dabei hilft, die gefühlt noch einmal düstere Darstellungsweise zu verdauen. Sollte man also einfach lassen. Generell gefällt mir Kolditz‘ Regie aber bereits wesentlich besser als noch bei der „Spur des Falken“, bei dem er ein um einiges besseres Drehbuch umsetzen durfte. Kein Vergleich mit Hans Kratzerts Leistung im „Vorgänger“ „Tecumseh“, aber ebenfalls sehr atmosphärisch.

In so gut wie jeder Hinsicht positiv sind auch die Darsteller zu bewerten. Gojko Mitić ist nicht nur von der Statur her beeindruckend, sondern verleiht der von ihm mitgeformten Figur auch mimisch das nötige Charisma sowie den richtigen Ausdruck. Milan Beli dagegen direkt nach seiner so sympathischen Rolle in „Tecumseh“ als Badguy zu besetzen, war eine großartige Idee! Er zeigt, dass er auch dieses Metier beherrscht, wenngleich auch ihm gegen Ende so langsam die Puste ausgeht. Colea Răutu wirkt in seiner Rolle zwar manchmal ein wenig begrenzt, bringt eben das aber einwandfrei rüber. Die weiteren üblichen Verdächtigen (Leon Niemczyk beispielsweise oder Gerry Wolff) lassen auch nichts anbrennen (Hartmut Beer etwa ist richtig schön fies) und einzig Fred Delmare kann als mal vollkommen tölpelhafter und dann wieder vollkommen ernst zu nehmender Goldsucher zu keiner Sekunde überzeugen (das ist wirklich schon fast zum Fremdschämen). Bezüglich Rolf Hoppe darf man nur hoffen, dass er in seiner Winzrolle hier nicht verheizt wurde, sondern in der sich anschließenden Fortsetzung „Ulzana“ noch ein Wörtchen mitzureden hat.

Die handwerkliche Seite passt (wie in Teilen bereits angesprochen) so weit. Auch in diesem Punkt darf man der DEFA bei ihrem achten Western mittlerweile eine gewisse Routine unterstellen. Für ein wenig Verwirrung sorgt höchstens wieder der Komponist. In diesem Fall durfte sich der vorher noch für keine andere Ost-Pferdeoper und hinterher nicht mal für die Fortsetzung „Ulzana“ verpflichtete Hans-Dieter Hosalla versuchen. Und größtenteils macht er das auch gar nicht verkehrt; die meisten wiederkehrenden Themen sich recht hörbar. Aber ein, zwei fallen schon ab und vor allem diese seltsame, so vorher noch nie gesehene bzw. gehörte Untermalung der Aufbruchsszene der Indianer zur Jagd auf die Weißen lässt einen unschönerweise aufhorchen. Da spricht nämlich der Synchronsprecher des alten Nana plötzlich zu einer ansonsten kaum vorhandenen Hintergrundmusik irgendwelchen unpassenden, unsinnigen Quatsch von der Sonne und der Weite des Landes der Apachen usw. Höchst mysteriös (vor allem, wie so was nicht von einem Produzenten oder jemand ähnlichem rausgeschmissen werden konnte).

Und so unterhält „Apachen“ fast eine Stunde lang ziemlich gut, um dann irgendwo in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Und ja, das ist angesichts der Tatsache, dass man ihn – gerade im Vergleich mit so einigen Italowestern – immer noch sehr vernünftig gucken kann, ein ziemlich hartes Urteil, aber das ist eben meiner mittlerweile doch recht hohen Erwartungshaltung gegenüber den DDR-Western und dem dementsprechenden Frust geschuldet. Denn selbst als einfache Rache-Pferdeoper hätte diese hier noch einiges mehr gekonnt, hätte man sich inhaltlich nur noch ein wenig mehr getraut sowie ein wenig mehr auf einen guten Abschluss geachtet. Handwerklich ist „Apachen“ jedenfalls eine sehr solide Arbeit geworden. Auf diesen Feststellungen aufbauend hoffe ich jetzt einfach mal, dass es sich bei ihm einfach nur um die Vorarbeit für einen dann noch viel besseren „Ulzana“ gehandelt hat – schauen wir mal…

Zur DVD:

Ich habe mir seinerzeit die komplette „Gojko Mitić – Sammleredition“ von Icestorm Entertainment gekauft (insgesamt drei Boxen à vier Streifen). Dieser Film ist in der „Vol. 1“ zu finden, zusammen mit „Die Söhne der großen Bärin“, „Tecumseh“ und „Ulzana“ (eine sehr eigenwillige Zusammenstellung, ich weiß). Tatsächlich liegt auch diesem ein zweiseitiges Booklet mit Hintergrundinformationen bei. Darüber hinaus waren Extras mal wieder Mangelware – also zumindest in qualitativer Hinsicht. Denn den zehnminütigen „DEFA-Indianer-Trailer“, die eine Bildergalerie, das TV-Schnipselchen „Der Augenzeuge 10/72/4: Gojko Mitić auf der Verleihung der Filmpreise des Jugendmagazins ,Neues Leben‘“ sowie wie immer die Bio- sowie Filmografie von Gojko Mitić hätte man sich wie so oft komplett klemmen können. Immerhin fand ich die Bildqualität damals ganz gut. Das würde ich heute wohl auch komplett anders sehen. Vom falschen Bildformat mal ganz abgesehen. Von daher: Holt euch die BD hierzu!

Zur BD:

Um das Ganze wieder in einem Rutsch abzufrühstücken, habe ich mir erneut die BD-Box von Icestorm Entertainment zugelegt. Diese firmiert unter dem erneut sehr sperrigen Titel „Gojko Mitić – Alle DEFA-Indianerfilme Gesamtedition“. In ihr sind dann selbstredend alle zwölf klassischen Indianer-Western der DEFA enthalten. Jeder in seinem eigenen Amaray, wie sich das gehört. Und das sieht auch alles ganz schick aus und hat, ähnlich wie die „Karl May Klassikeredition“ der Universum, dann den einzigen Nachteil, dass man schon ein wenig aufpassen muss, dass einem bei der Entnahme nicht gleich die ganze Box entgegengerutscht kommt, gerade wenn man einen Streifen aus der „Mitte“ sehen will. Aber diese Scheibe ist wie gesagt ihr Geld wert. An Bild und Ton gibt es kaum etwas auszusetzen und auch das Bonusmaterial kann sich dieses Mal wirklich sehen lassen, besteht es doch nicht nur aus der erkenn- und hörbar alten, mehr als zwanzigminütigen DEFA-Dokumentation „Begegnung mit Gojko“ (bei der man zwar nicht viel verstehen kann und obendrein nicht besonders erhellende Einblicke in Gojko Mitićs Leben von damals erhält, welche aber eindeutig einen nostalgischen Charme hat und als Zeitdokument einfach interessant ist), sondern ebenso aus dem Original Kino-Trailer zu „Apachen“. Und was bei anderen Labels Standard sein mag, ist für Icestorm schon ziemlich gut, denn die haben in der Regel keinen Trailer an Bord. Viel interessanter ist allerdings, dass eben dieser Trailer zusätzlich zu der normalen Filmvorschau am Ende auch noch eine Reihe von Outtakes enthält, die so natürlich im Streifen selbst nicht vorkommen. So was habe ich echt noch nie gesehen und allein deswegen würde sich die Anschaffung dieser Scheibe meiner Meinung nach schon rechtfertigen. Und somit ist nach „Tecumseh“ auch dieser Silberling ein eindeutiges Prachtstück, das meine Empfehlung für die gesamte Box nur noch einmal unterstreicht.

Zitate

„Wo ein Toter liegt, sollte kein Streit sein!“(Mexikanerin Theresa (Elsa Grube-Deister) aus Santa Rita nimmt es mit der letzten Ruhe ganz genau)

„Die Sonne geht ihren Weg. Wer will sie aufhalten? Die Rache der Apachen ist wie der Weg der Sonne.“(Ulzana rührt für seinen kommenden Rachefeldzug ein wenig die Werbetrommel)

★★★ ++

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die Nutzung der Kommentarfunktion erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten gemäß meiner Datenschutzerklärung einverstanden.