Der Schatz der Azteken

Der Schatz der Azteken

★★★

  • Jahr: 1965
  • Regie: Robert Siodmak
  • Darsteller: Lex Barker, Rik Battaglia, Gérard Barray, Michèle Girardon, Gustavo Rojo, Ralf Wolter, Theresa Lorca...

Bewertung

Ok, entschuldigt bitte, aber ich muss es schon wieder tun… Ich scheine mit meiner Meinung zwar erneut völlig alleine dazustehen (außer ich halte mich an zeitgenössische Kritik, aber wie so oft scheint auch bei diesem Streifen mit dem Alter die Milde der Rezensenten zu wachsen), aber es tut mir leid, diesen Schwachsinn kann sich kein denkender Mensch mit angucken. Ich muss auch Robert Siodmaks zweiten Versuch, eine sehenswerte Karl-May-Verfilmung zu inszenieren, verreißen… Und dabei hatte ich das bei „Der Schatz der Azteken“ natürlich erneut nicht vor und vor allem auch überhaupt nicht damit gerechnet, da Brauner sich hier bei der Ideenfindung ja erneut sehr clever angestellt und mit „Waldröschen“ einen Roman bzw. Roman-Zyklus des Schriftstellers ausgesucht hat, der zwar keine Wild-West-Reiseerzählung ist, dafür aber zu einem Großteil im Mexiko der 1860er Jahre spielt – also nur unweit vor und nur unweit abgelegen von Zeit und Ort der Geschehnisse der Filme seines Konkurrenten Wendlandt. Das ist nicht dumm. So ließ er zwar einen Abenteuerfilm drehen, aber einen mit so vielen Western-Elementen, dass er nicht befürchten brauchte, damit an den Kinokassen durchzufallen. Und das ist er mit Sicherheit auch wieder nicht (wir Deutschen haben zu dem Zeitpunkt ja scheinbar alles bedenkenlos gefressen, wo „Karl May“ draufstand), aber wenn der Durchschnitts-Zuschauer von damals auch nur halbwegs genau hingesehen hätte, hätte ihm eigentlich auffallen müssen, dass das hier nicht nur ewig weit von den „Winnetou“-Verfilmungen der Rialto weg ist, sondern mal wieder einfach nur schnell, schnell und höchst dilettantisch umgesetzt wurde.

So musste auch ich, der ich zugegebenermaßen schon auf ein wenig mehr Wild-West-Flair gehofft hatte, dann aber auch gleich in der Intro-Szene, in der mal wieder die letzten Überlebenden ihrer Rasse darüber diskutieren, was sie mit den unendlichen Reichtümern machen sollen, die ihre Vorfahren angehäuft haben, erkennen, dass sich dieses hier nur schwerlich einstellen wird. Und mein Gott, ist ja auch überhaupt nicht schlimm. Auch nen gut gemachten Abenteuer-Streifen gucke ich mir gerne mal an, aber davon kann hier einfach keine Rede sein.

Und das liegt zum einen erneut an Siodmak, vor allem aber an seiner fürchterlichen Drehbuch-Crew um Ladislas Fodor, Robert A. Stemmle (die beiden hatten zusammen ja auch schon das grausige „Old Shatterhand“-Script verfasst) sowie Georg Marischka (der widerum zusammen mit dem Regisseur ja bereits den „Schut“ versaubeutelt hatte). Diese drei Stümper (die mögen ja vielleicht auch mal nen guten Tag gehabt haben, aber nach allem, was ich bislang von denen kenne, kann ich da leider keine andere Formulierung wählen) haben für diesen ersten Teil einer von Anfang an auf zwei Filme angelegten Doppelproduktion – sicherlich mal wieder unter immensem Druck innerhalb kürzester Zeit – einen Plot ersonnen, der nicht nur offensichtlich mal wieder nicht allzu viel mit seiner bzw. seinen Romanvorlagen zu tun hat, sondern der auch holpriger nicht vorgetragen werden könnte. Denn das größte Problem von „Der Schatz der Azteken“ ist leider erneut, dass er nur ein Flickenteppich aus einzelnen Episoden ist. Los geht’s nach dem grausamen Introdialog der „Azteken“ mit einer Unterredung zwischen Präsident Abe Lincoln (köstlich: Jeff Corey, der uns eher als Schurke Tom Chaney aus „True Grit“ ein Begriff ist) mit dem Held der Story, Dr. Karl Sternau (Lex Barker). Was Letzterer sich nun eigentlich genau von diesem Treffen erhofft und was ihm der Wisch bringen soll, den Lincoln im ausstellt und unterzeichnet (inhaltlich, nach dem Filmgespräch zu urteilen, frei formuliert in etwa: „Werter Herr Juarez, ich habe zwar auch keine finanziellen Mittel zur Unterstützung Ihrer Revolution über, da ich mich selbst gerade im Bürgerkrieg befinde, finde Ihre Sache sonst aber gut und unterstützenswert.“), kann mir sicherlich auch niemand von euch sagen, aber so hat man immerhin ein wenig USA mit drin gehabt und den Protagonisten dem Zuschauer immerhin schon mal vorgestellt. Zieht den Streifen zwar nur unnötig in die Länge, ist dann aber auch schon wieder vorbei und wir müssen in der nächsten Episode den schwäbischen Kuckucksuhren-Vertreter Andreas Hasenpfeffer (Ralf Wolter) kennenlernen. Der geht einem mit seinem Gesabbel zwar sofort von der ersten Minute an auf die Eier, aber immerhin fährt ihm Rik Battaglias Lazoro Verdoja da fix dazwischen. Der will Sternau dann auch gleich völlig übermotivierterweise erschießen lassen, wird aber vom lieben Offizier Potoca (Gustavo Rojo) zurückgehalten, wodurch der Doktor am Leben bleiben darf und wir dann doch Benito Juarez persönlich kennenlernen dürfen, den uns hier niemand Geringerer als Fausto Tozzi gibt. Und der ist zwar ne richtig coole Socke, mit den absolut richtigen Einstellungen, hat Sternau, wenn er ihm sagt, dass er kein Geld hat, aber auch nichts Neues zu erzählen. Also muss der los, um uns in der nächsten Episode dann erst kurz den Haciendaro Don Pedro Arbellez (interessant: Hans Nielsen) sowie im ersten etwas längeren Part des Films dann den Grafen Don Fernando di Rodriganda y Sevilla (ebenfalls interessant: Friedrich von Ledebur) sowie dessen missratenen Sprössling Alfonso (Gérard Barray) vorzustellen.

(Spoiler) Diese Episode ist dann tatsächlich das einzige Stück Film, dass mich so ein wenig der Stange halten konnte, was ob der völlig übertrieben konstruierten Ablebe-Umstände des Grafen kein Kompliment für eben dieses ist, sondern erneut zeigt, was für eine Bankrott-Erklärung der Rest dieser Farce ist. Denn ganz ehrlich: Don Fernando ist doch selbst schuld, wenn er sich erst maßlos über seinen Sohn aufregt, weil er weiß, wie der sein Leben führt und daher auch wissen muss, wie es zu dem Duell kommen konnte und dann doch selbst diese Verabredung für seinen nichtsnutzigen Abkömmling wahrnimmt, weil er natürlich trotzdem fürchtet, dass diesem etwas zustoßen könnte. Anstatt aber die 10.000 dann vielleicht zu bezahlen und sich seinen Sohn noch ein letztes Mal zur Brust zu nehmen und vielleicht ein Ultimatum zu stellen, will er sich unbedingt selbst mit dessen Herausforderer duellieren und somit ja offensichtlich erschossen werden. Was für ein Unsinn! Und wie konnte es dazu kommen? Weil Alfonsos Geliebte Josefa (Michèle Girardon) während des Liebesspiels (!) die Uhr zurückgestellt hat! Wie billig ist das denn bitte schön? Und das Schlimmste hieran wie gesagt: Was dann folgt, ist alles nur noch viel nerviger.

Ihr merkt also schon: Das Problem von „Der Schatz der Azteken“ ist dieses Mal nicht, dass er völlig in die Länge gezogen wäre. Das ist er nämlich ganz im Gegenteil. Nein, in seinen – endlich mal – nur 100 Minuten passiert ständig etwas. Nur ist leider so gut wie nichts davon wirklich von Interesse und hat man zudem das Gefühl, dass der Streifen erst nachdem Verdoja dann nach der nächsten, äußerst lahmen Episode um das Fest, das Don Pedro auf seiner Hacienda gibt, von Juarez aus der Armee geschmissen wird, so richtig losgeht (ärgerlich hierbei übrigens außerdem: Sternau will den Fast-Vergewaltiger auch noch schützen…). Da sind aber mindestens zwei Drittel der Spielzeit bereits rum. Und klar, hätte man aus den zwei Filmen einen gemacht, wäre das dann wohl auch ganz ok so, aber da hier dann ja gar nicht mehr wirklich was passieren kann, bevor dann wirklich endlich Feierabend ist, folgt dann nur noch ein wirklich selten dämlicher Gefängnis-Aufenthalt von Sternau mit anschließender, noch viel dämlicherer Befreiungsaktion durch Hasenpfeffer und des Arztes Freund Frank Wilson (kennt zurecht kein Mensch: Kelo Henderson) sowie der dämlichste Schlusspunkt überhaupt: ein mega langweiliges Duell zwischen Verdojas und Potocas Leuten, an dessen Ende der deutsche Arzt natürlich ausgerechnet genau vor den Eingang der Höhle fällt, in deren Innerem der „Schatz der Azteken“ lagert und in dem gerade die beiden Hüter zugange sind, die sich dann auch erstmal auskäsen müssen, ob sie dem blonden Kerl dafür, dass sie ihn gerettet haben, auch das Licht ausknipsen müssen. Gähn! Und dann ist endlich Schluss. Gott sei Dank! (Spoilerende) Und nur für den Fall, dass das jetzt noch nicht durchgekommen sein sollte: Ein viel dämlicheres, abstruseres und weltfremderes Drehbuch hätten sich die drei Möchtegern-Autoren meiner Meinung nach nun wirklich nicht ausdenken können.

Hinzu kommt Siodmaks offensichtliche Unfähigkeit, einen Film interessant zu gestalten. Denn sorry, aber nachdem das jetzt nicht mehr mein erster Streifen von ihm, sondern der insgesamt dritte ist (zwischendurch gab ich mir auch noch den ebenfalls grottenlangweiligen „Christmas Holiday“), ist da ja langsam ein Muster, pardon, ich meinte kein Muster zu erkennen. Der rotzt das da einfach alles nur so hin, scheint sich um Schauspielerführung einen Dreck zu scheren und hatte offensichtlich auch nie vor, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Null Inspiration, null Handschrift, null Eindruck…

Ebenso kann Erwin Halletz‘ Musik, die fröhlich irgendwelche bekannten Melodien rezitiert, gar nicht überzeugen. Das einzige, was man der Produktion zugute halten kann und muss, ist, dass die jugoslawischen Drehorte in Kombination mit den ganz netten Aufbauten immerhin ein ganz passables Mexiko ergaben. Das fühlt sich nicht so falsch an wie die Drehorte des „Schuts“.

Von den Darstellerleistungen her hat „Der Schatz der Azteken“ aber leicht die Nase vorn. Auch wenn es wie angesprochen nicht großartig in Siodmaks Sinne gewesen zu sein scheint, da weisend einzugreifen. Und so darf Barker in erneuter Abwesenheit eines Stars, der ihm auch nur halbwegs das Wasser reichen kann, wieder den großen Helden raushängen lassen – ist dabei aber nur halb so überheblich unterwegs wie noch im letzten Beitrag von Brauner. Das rechne ich ihm hoch an. Ebenso macht Rik Battaglia seine Sache (natürlich) wieder bereits ziemlich gut, ohne auch nur ein einziges Mal an seine Darstellung für Reinl heranzureichen. Gustavo Rojo kann man auch keinen Vorwurf machen, der ist wirklich sympathisch. Gérard Barray ist nicht wirklich schlecht – aber leider komplett austauschbar. Ebenso seine Geliebte Michèle Girardon. Ihrem Gegenpart auf der guten Seite, Theresa Lorca, geht es ebenso; diese sieht allerdings um einiges besser aus. Alles in allem also kein großer Wurf dieser Cast – angesichts Siodmaks offensichtlicher Verweigerung diesen ordentlich anzuleiten allerdings ganz passabel. Vor allem, da er durch die interessanten Gastauftritte von Hans Nielsen, Friedrich von Ledebur und vor allem Fausto Tozzi ein wenig aufgehübscht wird. Kelo Henderson allerdings… Lassen wir das. Und über Ralf Wolter habe ich deswegen kein weiteres Wort verloren, weil mir seine Rolle so sehr auf den Senkel ging, dass eine seriöse Bewertung seiner Leistung hier von mir überhaupt nicht möglich ist. Schließlich mag ich ihn sonst sehr, aber dieser Hadschi Halef Omar mit schwäbischem Dialekt (denn nichts anderes ist der chronisch flunkernde Hasenpfeffer) geht einfach gar nicht.

Und am Ende geht auch „Der Schatz der Azteken“ als Film gar nicht. Mögen die Darsteller und Settings auch ganz passabel sein – das Drehbuch ist es mal so gar nicht. Dies reiht, obwohl ständig etwas passiert, leider nur eine langweilige, sinnfreie Episode an die nächste und ist damit unterm Strich auch nicht besser als das des „Vorgängerfilms“ „Der Schut“. Ganz im Gegenteil hab ich dessen 120minütige Tour de Force besser durchgestanden als dieses Flickwerk – eben weil es einen roten Faden und eine abgeschlossene Geschichte gab. Daher empfinde ich den „Schatz der Azteken“ sogar noch ein wenig schlechter und habe nun ganz arge Befürchtungen für dessen Fortsetzung „Die Pyramide des Sonnengottes“…

★★★

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