Die fünf Gefürchteten

Un Esercito Di 5 Uomini!

★★★★★

  • Jahr: 1969
  • Regie: Don Taylor, Italo Zingarelli
  • Darsteller: Peter Graves, Nino Castelnuovo, James Daly, Bud Spencer, Tetsurō Tamba, Claudio Gora, Daniela Giordano...

Story

Kurzfassung (offenes Ende)

Der Dutchman (Peter Graves) ruft seine alten Freunde und Weggefährten Mesito (Bud Spencer), Augustus (James Daly) und Samurai (Tetsurō Tamba) sowie den Jungspund Luis Dominguez (Nino Castelnuovo) zusammen, um mit ihrer Hilfe im Auftrag des Revolutionsführer Esteban (Claudio Gora) einen Militär-Zug mit einer Ladung von 500.000 Dollar in Gold zu überfallen. Die Schwierigkeit bei der Sache: Der Zug scheint der am besten bewachte, gesicherte und eskortierte in ganz Mexiko zu sein…

Kurzfassung (komplett)

Der Dutchman (Peter Graves) ruft seine alten Freunde und Weggefährten Mesito (Bud Spencer), Augustus (James Daly) und Samurai (Tetsurō Tamba) sowie den Jungspund Luis Dominguez (Nino Castelnuovo) zusammen, um mit ihrer Hilfe im Auftrag des Revolutionsführer Esteban (Claudio Gora) einen Militär-Zug mit einer Ladung von 500.000 Dollar in Gold zu überfallen. Trotz einiger Widrigkeiten im Vorfeld und obwohl der Zug unglaublich gut bewacht und eskortiert wird, gelingt es ihnen mit viel Geschick, List, Können und etwas Glück ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Wieder am Ausgangspunkt angekommen erleben Mesito, Augustus und Samurai erstmal eine Überraschung. Sie kriegen nämlich jeder nur die ihnen anfangs versprochenen 1.000 Dollar und nicht wie erwartet ein Fünftel der Beute, denn der Dutchman und Luis haben von Anfang an zusammen gearbeitet. Aber auch Letzterer staunt nicht schlecht, als er erfährt, dass auch er nur 1.000 Dollar bekommen soll. Der Dutchman will den Rest nämlich wirklich den Revolutionären geben. Und wie bestellt fahren die auch gleich vor, der Ärger der anderen vier Gefürchteten verfliegt beim Anblick der lachenden Gesichter und alles ist in Butter.

Worte zum Film

super spannend, sympathisch und im richtigen Tempo; großartige Darsteller, gute Inszenierung und geniale Musik

Bewertung

Auch „Die fünf Gefürchteten“ ist einer von diesen Filmen, die mir sehr am Herzen liegen. In seinem Fall deswegen, weil er tatsächlich der allererste Italowestern war, den ich je gesehen habe (seinerzeit natürlich, ohne überhaupt von diesem Subgenre zu wissen). Und wo andere Italos, die ich in meiner Jugend abgefeiert habe, über die Jahre durchaus an Faszination verloren haben (s. etwa die „Sartana“-Streifen), habe ich „Un Esercito Di 5 Uomini“ stets als einen der ganz großen seiner Zunft empfunden – woran sich bis heute nichts geändert hat.

Das dürfte zu einem großen Teil an seiner, sagen wir mal, sehr professionellen Inszenierung liegen. Wo die Italiener selbst ihr Hauptaugenmerk auf die Action legten und den Rest „vergaßen“, reichte in diesem Fall der ehemalige amerikanische Schauspieler und spätere TV-Regisseur Don Taylor aus, um einen Blick fürs große Ganze überzubehalten. Oder war’s am Ende doch Produzent Italo Zingarelli? Der soll ja wohl auch ein paar Szenen beigesteuert haben, einige sprechen gar von wesentlich mehr. Wie dem auch sei, ihrem Endergebnis ist diese seltsam-unaufgeklärte Entstehungsgeschichte zu keiner Zeit anzumerken. Inszenatorisch wirkt „Die fünf Gefürchteten“ wie aus einem Guss. Und auch wenn die beiden sicherlich nicht die größten Regisseure aller Zeiten waren, so halten sie doch ein paar optische Schmankerl bereit (wie etwa eine kleine Fahrt über die Menge recht zu Beginn, die den Blick auf einen Hinrichtungsplatz freigibt) und bewahren definitiv die Ruhe. „Un Esercito Di 5 Uomini“ mag kein Epos sein, aber er wirkt mit seiner zweistündigen Laufzeit wesentlich runder und austarierter als der allergrößte Rest des Subgenres.

Daran hat selbstverständlich auch das Drehbuch von einem gewissen Marc Richards (noch nie gehört!) und einem gewissen Dario Argento einen großen Anteil. Tatsächlich lassen die beiden einige Sachen auch einfach mal laufen und halten mitunter sogar noch Tiefgründiges bereit. Letzteres insbesondere in der Figur des Ex-Captains Augustus (James Daly), der etwa auf der Mitte ein ziemlich memorables Gespräch mit dem Anführer Dutchman (Peter Graves) über Sinn und Unsinn des bevorstehenden Himmelfahrtskommandos führen darf. Ist man ja sonst auch eher aus dem US-Western und da eher mit dem erhobenen Zeigefinger gewohnt.

Gerade Argentos Mitwirken ist aber noch aus einem anderen Grunde sehr interessant. Schließlich hatte der quasi direkt hiervor an einem Script mit einer sehr ähnlichen Ausgangssituation um fünf zusammengekaufte Söldner mitgewirkt: „Oggi A Me… Domani A Te!“. Und während er und sein Co-Schreiberling Tonino Cervi da das obligatorische Zusammentrommeln der Protagonisten sehr lahm, um nicht zu sagen langweilig, gestaltet hatten, gelingt ihm und Richards hier das genaue Gegenteil. Das ist – gerade wenn Mesito (Bud Spencer) seinen Job kündigt – mitunter sogar kurzweilig und vor allem auf den Punkt gebracht. Bravo!

Zusammen leisten Drehbuch und Regie im zweiten Teil dieses als Italowestern verkleideten Heist-Movies dann schier Unglaubliches. Der Zugraub der titelgebenden „Fünf-Mann-Armee“ ist inhaltlich wie inszenatorisch ein Meisterstück und an Spannung kaum zu überbieten. Vom Realismus reden wir an dieser Stelle natürlich besser nicht, aber daran kann man während dieses atemberaubenden Szenen-Komplexes auch wirklich keinen Gedanken verschwenden. Richtig gut gemacht etwa, wie wahrlich nicht alles gelingt und die Fünf improvisieren müssen. Jedes Mal aufs Neue eine irre Achterbahnfahrt, die die eine bis maximal zwei kleinen Längen aus dem ersten Teil vollkommen vergessen macht. Und wenn du dann denkst, es ginge nicht mehr besser, haben Richards und Argento fürs Ende noch ein Ass im Ärmel, das aus meiner Sicht hundertprozentig sticht. Gerade heutzutage wird man ja wieder wesentlich gewillter, Revolutionären seine Sympathien zu schenken, und kaum jemandem würde man sie lieber schenken, als den hier gezeigten Protagonisten.

Untermalt wird das Ganze von einem Score, der so eindeutig nach Ennio Morricone klingt wie nur irgendwas. Ja, er erfindet sich mit seiner Musik für „Die fünf Gefürchteten“ bestimmt nicht neu, aber er war auch nur ganz selten so gut darin. Jedes Thema ein Treffer und das Main Theme mit genau dem richtigen Drive für das Geschehen auf dem Bildschirm. Mal wieder schlichtweg genial!

Fast genauso gut ist das großartige Schauspielensemble von „Un Esercito Di 5 Uomini“. Da möchte ich jetzt auch niemanden hervorheben. Peter Graves, James Daly, Nino Castelnuovo, Tetsurō Tamba und Bud Spencer spielen alle auf dem gleichen Niveau. Alle so richtig gut. Für einige von ihnen könnte es glatt die beste Leistung ihrer Karriere sein. Einfach nur großartig wie Graves den großen Max macht, Daly so schön melancholisch guckt, Castelnuovo den jungen Wilden gibt, Tamba mit dem Schwert umgeht und Spencer für die humorigen Moment sorgt (etwa, wenn er sich auf seine Uhr gelegt hat). Der Rest des Casts, der durchaus noch so einige bekannte Namen enthält, hat so geringe Rollen, dass es sich nicht lohnt, darauf noch näher einzugehen (nicht mal auf die schöne Daniela Giordano).

Tatsächlich gibt’s mehr auch nicht zu sagen. „Die fünf Gefürchteten“ ist von Anfang bis Ende ein einziger Genuss, weswegen ich persönlich nicht so ganz verstehe, warum er – wenn überhaupt – nur ein kleiner Klassiker seines Subgenres ist. Er bietet doch alles: Spannung, Humor, eine gute Inszenierung, Spannung, großartige Darsteller, einen genialen Score und noch mehr Spannung! Ein Film mit dem revolutionären Herzen auf dem rechten Fleck!

Zitate

[Mesito philosophiert darüber, was er mit seinem Anteil an der Beute anstellen will] „Ich werde mir 200 Rinder anschaffen – ganz ehrlich diesmal!“ – „Soll ich dir nen guten Rat geben? Kauf dir etwas, das man nicht essen kann!“(der Dutchman kennt seine Schweine am Gang)

„Wenn er richtig in Stimmung ist, foltert er seine Mutter.“(Luis Dominguez hat zuvor den Youtube-Kanal eines mexikanischen Offiziers durchgeguckt)

„Kaum macht er den Mund auf, geht’s um was Essbares…“(Augustus stellt bezüglich Mesito fest)

[der Dutchman möchte von Augustus die Motivation hinter seiner Teilnahme am bevorstehenden Himmelfahrtskommando erfahren] „Weil wir bereits tot sind. Ich jedenfalls bin es schon ne ganze Weile.“(Augustus hält den Dutchman für den Sensenmann)

„Ich bin zu alt fürs Glauben.“(Augustus hat unnötigen Ballast bereits abgeworfen)

„Ich habe 20 Minuten Zeit, um die Weiche einzubauen. Ganze 20 Minuten!“ – „20 Minuten ist lange genug.“ – „Nicht, wenn es die letzten 20 Minuten im Leben sind.“(Augustus legt den Finger in die Wunde)

[nachdem der Dutchman die ganze Beute bis auf die vereinbarten 1.000 Dollar für sich beansprucht] „Hast du nie so was befürchtet? [] Warum nicht?“ – „Weil ich genau so dämlich bin wie du!“(Augustus kann eigene Schwächen durchaus zugeben)

★★★★★

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