Oggi A Me... Domani A Te!
★★★ +++
- Jahr: 1968
- Regie: Tonino Cervi
- Darsteller: Brett Halsey, Tatsuya Nakadai, Bud Spencer, Wayde Preston, Franco Borelli, William Berger, Jeff Cameron...
Story
Kurzfassung (offenes Ende)
Nachdem Bill Kiowa (Brett Halsey) fünf Jahre lang unschuldig im Gefängnis saß, will er Rache an dem Mann, der ihn einst dorhtin brachte: James Elfego (Tatsuya Nakadai). Zu diesem Zweck heuert er die Draufgänger O’Bannion (Bud Spencer), Jeff Milton (Wayde Preston), Bunny Fox (Franco Borelli) und Francis „Colt“ Moran (William Berger) an. Gemeinsam gehen die Fünf auf die Jagd…
Kurzfassung (komplett)
Bill Kiowa (Brett Halsey) saß fünf Jahre lang unschuldig im Gefängnis. Der Mann, dem er das zu verdanken hat, heißt James Elfego (Tatsuya Nakadai). Dieser schob Bill seinerzeit eine Straftat in die Schuhe, die er begangen hatte und erschoss obendrein noch Bills Frau. Heute treibt er als Bandit und Anführer einer Bande Comancheros sein Unwesen. Als Bill nun wieder freikommt, schwört er Rache. Also engagiert er die vier Draufgänger O’Bannion (Bud Spencer), Jeff Milton (Wayde Preston), Bunny Fox (Franco Borelli) und Francis „Colt“ Moran (William Berger), um mit ihrer Hilfe sein Ziel zu erreichen. Sie finden Elfego auch bald, können ihn aber nicht überwältigen. Stattdessen nimmt der Bill und O‘Bannion gefangen. Doch als er gerade einmal nicht in seinem Versteck ist, kommen die anderen Drei und befreien ihre Freunde. Zusammen locken sie Elfego in einen Hinterhalt im Wald. Hier bringen sie nach und nach alle Comancheros um, bis nur noch der Chef allein übrig ist. Der wird natürlich von Bill umgebracht und die fünf Partner reiten gemeinsam nach Süden.
Worte zum Film
schwacher Hauptdarsteller – großartiger Schurke; zäher Beginn – spannendes Ende; beeindruckende (Wald-)Kulissen; gute Musik
Bewertung
Heute schauen wir uns mit Tonino Cervi mal wieder eine Eintagsfliege aus dem Italowesternbereich an. Dieser hat 1968 mit „Heute ich… morgen du!“ nämlich seine einzige Arbeit in diesem Subgenre abgeliefert und ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob ich das gut oder schlecht finden soll…
Denn es wundert einen mal so gar nicht, warum „Oggi A Me… Domani A Te!“ so viele Fürsprecher hat. Zwar soll es ja auch Leute geben, die sich an seinen düsteren, schlammigen und daher natürlich italienischen Drehorten stören, aber sind wir doch mal ehrlich: Die machen schon ne ziemlich coole Atmosphäre. Speziell das Finale im Birkenwald, der tatsächlich so aussieht, als könnte er auch hier in Deutschland bei mir um die Ecke zu finden sein, ist super stylisch, super düster, fast schon gruselig und damit absolut spannend geraten. Zumal die Drehbuchautoren Dario Argento und – selbstverständlich – Tonino Cervi himself an dieser Stelle das übliche „Abarbeiten“ der einzelnen Morde an den Antagonisten durch längere, zeitliche Pausen nicht unbedingt als ein solches erscheinen lassen. Das ist schon clever und cool gelöst und entwickelt innerhalb dieser Herbstlocation einen ganz eigenen Charme.
Zusätzlich sind die Tötungen auch noch gut in Szene gesetzt. Denn darauf kann man sich bei „Heute ich… morgen du!“ verlassen: Wenn’s auf die Mütze gibt, dann aber auch richtig! Die Comancheros, die man im Italowestern ja nun auch nicht jeden Tag antrifft, gehen hier keinesfalls zimperlich zur Sache, sodass die Antihelden gezwungen werden, ihnen diesbezüglich nicht nachzustehen. Eine zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr erwartete, schwarz-weiße Erklärungs-Rückblende weiß ebenfalls zu gefallen und so würde man Regisseur Cervi für seine Arbeit eigentlich ein durchweg positives Zeugnis ausstellen wollen, wenn er nicht…
Ja, wenn er nicht auf der anderen Seite ein eher schwaches Gespür für die Filmzeit aufweisen würde. Dieses bekommt man naturgemäß vor allem am Anfang zu spüren, wenn die nun wirklich nicht komplizierte Geschichte erstmal ins Rollen gebracht werden muss. Da haben Cervi und Argento sich nämlich für ein Einführen der fünf Kampfgenossen nach Art der „Glorreichen Sieben“ und Konsorten entschieden. Nur leider gerät dieses nicht halb so spannend oder gar aussagekräftig wie im großen Vorbild. Stattdessen fragt man sich direkt nach der Zusage von Bud Spencers O’Bannion, ob jetzt jeder weitere Söldner so umständlich und lange eingeführt werden soll. Die Antwort darauf habe ich bereits vorweggenommen und auch bei den anderen Dreien bringt das keinerlei Erkenntnisse oder sonstige Mehrwerte mit sich. Damit hätte man die erste halbe Stunde Film locker auf fünf bis maximal zehn Minuten zusammendampfen können, was bedeutet, dass es kurz davor ist, einem auf die Nerven zu gehen, wenn’s dann endlich richtig losgeht.
Die eigentliche Geschichte von „Oggi A Me… Domani A Te!“ ist dann wie gesagt kaum der Rede wert, sodass Leute, die den Italowestern auf seine Gewalt reduzieren wollen, hier sicherlich gutes Futter finden werden. Zusätzlich ist auch hier nicht immer alles logisch oder gar realistisch ((Spoiler) wie wahrscheinlich es zum Beispiel ist, dass ein so gewiefter Hund wie Elfego sich so einfach und offensichtlich in die Falle locken lässt, darf jeder für sich selbst entscheiden (Spoilerende)), sodass einem hierzu durchaus auch ein paar negative Punkte einfallen.
Dafür hat „Heute ich… morgen du!“ in Person des James Elfego einen selbst in Italowestern-Kreisen als denkwürdig zu bezeichnenden Bösewicht zu bieten. Der ist richtig fies, tatsächlich nicht ganz dumm und ein Psychopath, wie er im Filmlehrbuch steht. Überragend verkörpert auch von Akira-Kurosawa-Veteran Tatsuya Nakadai, der damit den ganz schwachen Protagonisten-Darsteller Brett Halsey mühelos an die Wand spielt. Der ist einfach zu steif, um cool zu sein, und obendrein so gar nicht aussagekräftig. Bud Spencer, Wayde Preston, Franco Borelli und William Berger machen als Söldnertrupp durchaus Spaß, liefern aber alle keine Glanzleistungen ab. Sehr gefallen hat mir dagegen Jeff Cameron, was der definitiv nicht jeden Tag geschafft hat.
Last but not least ist auch Angelo Francesco Lavagninos Musik ziemlich gut geworden. Offensichtlich sollte oder wollte er sich mit seinem Main Theme ein wenig zu sehr an den „Glorreichen Sieben“ orientieren, weswegen dieses einen Tick zu fröhlich ausgefallen ist, aber daran muss man sich ja nun wirklich nicht großartig stören.
Dementsprechend fällt das Abwägen nicht besonders schwer: Ein lahmer, schwach inszenierte Auftakt und ein fast noch lahmerer Hauptdarsteller stehen einer tollen Atmosphäre, großartigen Locations, einem spannenden Finale, guter Musik und vor allem einem ultra-fiesen Bösewicht entgegen. Ist doch klar, dass „Oggi A Me… Domani A Te!“ trotz dieser kleinen Abstriche eine Menge Spaß macht, oder? Für den Vergleich mit den großen Klassikern dieses Subgenres reicht es nicht ganz, aber gerade auch vor dem Hintergrund, dass dies hier ja sein Regiedebüt war, hätte ich mir dann doch gerne noch einen weiteren Tonino-Cervi-Western angesehen. Tja, dann werde ich diesen hier wohl gleich nochmal gucken müssen…
Zitate
[Bill Kiowa übt in seiner Gefängniszelle wie ein Besessener mit einem Holzcolt] „Ich möchte nicht der Mann sein, hinter dem er her ist.“(ein Gefängniswärter hat eine Holzallergie)
„Ich bin nicht verbittert, ich bin nur entschlossen.“(Bill Kiowa beim Bewerbungsgespräch)
„In God We Trust – All Others Pay Cash“(ein Drugstore erklärt auf einem Schild den amerikanischen Kapitalismus)
„Rasiermesser machen mich nervös.“(O’Bannion möchte Bud Spencer auch nicht ohne Bart sehen)
[James Elfego verbietet seinen Leuten, Bill und O’Bannion direkt zu töten] „Solche sind nur nützlich, wenn sie noch atmen.“(James Elfego setzt auf Humankapital)
[über Bills Frau – eine Kiowa] „Merke dir nur: Ein Mädchen wie die heiratet man nicht! Die benutzt man und wirft sie weg!“(James Elfego bringt Bill seine Idee der Einweg-Frau näher)
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