Damsel
★★★ +
- Jahr: 2018
- Regie: David Zellner, Nathan Zellner
- Darsteller: Mia Wasikowska, Robert Pattinson, David Zellner, Nathan Zellner...
Story
Samuel Alabaster (Robert Pattinson) zieht mit Zwergpony Butterscotch und dem nicht ganz so göttlichen Beistand des falschen Predigers Henry (David Zellner) aus, um seine große Liebe Penelope (Mia Wasikowska) aus den Fängen ihres Entführers Anton Cornell (Gabriel Casdorph) zu retten. Dumm nur, dass Anton Penelope gar nicht entführt hat und diese folglich auch überhaupt nicht zu Samuel zurück will…
Worte zum Film
originelle Genre-Dekonstruktion; leider nicht lustig, sondern lahm und schnell langweilig; trotz der gewollten Unberechenbarkeit ein Stück weit vorhersehbar, dazu ziellos; tolle Bilder, starke Darsteller*innen
Bewertung
David und Nathan Zellners „Damsel“, der in Deutschland den schrecklichen Titel „Smoking Gun – Nicht jede Frau will gerettet werden“ verpasst bekommen hat, scheint tatsächlich einer der ganz, ganz wenigen Western zu sein, der Feministinnen inhaltlich überzeugen konnte. Unter diesem Gesichtspunkt ist er also definitiv ein Genrebeitrag, den man gesehen haben sollte. Aber macht ihn das automatisch auch zu einem guten Film? Leider nein, da die Regiebrüder Zellner, die natürlich auch zu diesem, ihrem Werk das Drehbuch geschrieben haben, nicht so richtig wissen, wo sie mit selbigem eigentlich hinwollen…
Dass es tatsächlich eine geschlagene halbe Stunde dauert, bevor man überhaupt erfährt, um was es hier grob gehen soll, lässt einen das Problem bereits erahnen. Immer wieder unterbrechen die Zellners ihre Erzählung für künstliche „Meditationsphasen“ – kurze Sequenzen, in denen sie allein die tollen Bilder von Kameramann Adam Stone sowie die Musik von The Octopus Project für sich sprechen lassen. Kann man machen, haben andere aber schon besser gemacht und gibt die Geschichte eigentlich auch nicht her.
Immerhin bekommt der Zuschauer so Zeit sich die Frage zu stellen: Finde ich das Gezeigte eigentlich lustig? Denn dass „Damsel“ eine Komödie sein soll, hat man ziemlich schnell raus, ebenso wie den Humor, auf den das Geschwister-Duo setzt: Wir haben es hier mit einer Parodie auf den Western zu tun, teilweise mit reiner Satire. Einer Parodie, die auf eine so verdammt unterschwellige Art und Weise lustig sein soll, dass es erst recht aufdringlich ist. Gefühlt damit man sich ein Bild davon machen kann, haben die Zellners diesen Prolog mit Robert Forster geschrieben, den manche erwartungsgemäß abfeiern, der mir jedoch nur ein Stirnrunzeln entlocken konnte. Das sowie ein Adamsapfelvergleich oder ein Robert Pattinson, der absichtlich einen schrecklich schlechten Song zum Besten gibt… Das ist doch alles nicht witzig.
Bitte nicht falsch verstehen: Ich verstehe die Intention dahinter schon. David und Nathan Zellner dekonstruieren hier nicht bloß den Mythos des Wilden Westens an sich, sondern vor allem seine männlichen Protagonisten. Das dann aber auf die typische Art und Weise: Alle Männer in „Smoking Gun – Nicht jede Frau will gerettet werden“ sind strunzendumme Arschlöcher. Das kann man natürlich so machen, um sein Anliegen ganz klar zu machen oder sich eben nicht den Vorwurf einzuhandeln, der eine gute Charakter dazwischen habe ja auch diese und jene toxischen Eigenschaften. Das Fehlen einer Bezugsperson erleichtert den Zugang zu dieser wie gesagt sehr langsam vorgetragenen Geschichte aber keinesfalls.
Zumal der Storytwist in der Mitte natürlich nicht nur aufgrund des hemmungslos spoilernden deutschen Untertitels ganz offensichtlich ist. Ist ja nicht so, als hätten wir diese Wendung nicht schon mal irgendwo gesehen. So originell und unberechenbar, wie die beiden Brüder hier stets sein wollen, sind sie einfach nicht (durchgängig). Da aber auch Mia Wasikowskas weiblicher Hauptpart die entsprechend geschürten Erwartungen erfüllt (also dass es sich bei ihr um die einzig denkende Person des Stücks handelt), bleibt die Spannung auch in Hälfte zwei komplett aus. „Damsel“ ist und bleibt lahm.
Zu allem Überfluss aber wird man am Ende auch noch ohne eine besondere „Erleuchtung“ aus diesem Werk entlassen. David und Nathan Zellner drehen sich bis dahin mehrere Male im Kreis und wiederholen ihr Feminismus-Statement, das sich hier eher wie ein Anti-Cowboy-Statement liest, und hören dann einfach auf. Passend dazu entwickelt sich nie ein wirklicher Plot; alles scheint mehr zufällig zu passieren. Mag sein, dass ich da mal wieder was nicht in Gänze verstanden habe. Vielleicht ist das ja ganz große Kunst. Für mich war’s aber eher viel Gequatsche und nichts dahinter. Ein paar gute Ideen wie das Zwergpony Butterscotch, einen auf ein Medaillon-Bild onanierenden Robert Pattinson oder (Spoiler) die Tatsache, dass der auch 2018 ja nicht mehr ganz unbekannte Mime auf der Hälfte des Films einfach so stirbt und tatsächlich auch nicht wieder aufersteht, (Spoilerende) machen aus „Smoking Gun – Nicht jede Frau will gerettet werden“ noch lange keinen guten Film.
Immerhin halten die Darsteller*innen, was sie versprechen. Robert Pattinson macht das als eitler, völlig zu Unrecht von sich überzeugter Gockel hervorragend und auch Mia Wasikowska ist stark. Aber auch die schauspielerischen Leistungen von vor allem David Zellner sowie Nathan Zellner mit Abstrichen fürs gelegentliche Overacting können sich sehen lassen.
Wenn ihr also eine feministische Western-Parodie sucht, bei der es offensichtlich sogar egal zu sein scheint, dass sie doch wieder von Männern verantwortet wurde, in der starke Schauspieler*innen in ausgefallenen bis grenzwertigen Kostümen durch wunderschöne Landschaften mäandern (und das sogar toll fotografiert), dann seid ihr bei „Damsel“ genau an der richtigen Adresse. Wenn diese Parodie dann allerdings auch noch wirklich lustig, wirklich komplett unvorhersehbar und vor allem zielgerichtet sein soll, dann sucht ihr euch doch besser wieder einen anderen Film. Denn sonst geht es euch evtl. schnell so wie mir, der ich diesem Werk ja durchaus etwas abgewinnen und es daher trotz einer Laufzeit von fast zwei Stunden auch ohne größere Probleme zu Ende schauen konnte, am Ende aber doch eher gelangweilt und nicht sonderlich stark unterhalten den Fernseher wieder ausschaltete. Sehr schade, denn das Thema und auch Robert Pattinson hätten definitiv einen stärkeren Beitrag verdient gehabt. Bleibt nur zu hoffen, dass der Brite irgendwann noch einmal die Chance bekommt, in einem Western zu brillieren…
Zitate
[über den Unterschied zwischen Stadt und Land] „Hier draußen ist es kein bisschen besser. Die Dinge sind genauso beschissen, nur in einer anderen, faszinierenden Weise.“(der alte Prediger (Robert Forster) an der Postkutschenhaltestelle wäre vielleicht doch besser in der Stadt geblieben)
„Normale Pferde haben keinen Namen.“(Samuel Alabaster sollte das besser nicht Winnetou und Old Shatterhand erzählen)
„Rein interessehalber: Befinden wir uns eigentlich auf Indianerland?“ – „Genau genommen ist hier wohl überall Indianerland, denke ich.“(Samuel Alabaster hat zumindest in Geschichte aufgepasst)
„Ich bin der Mann, der an Liebe glaubt!“(sagt Samuel Alabaster, meint jedoch das Vorrecht des Mannes, sich eine Frau aussuchen und einfach nehmen zu dürfen)
„Liebe und Überleben ist alles, was ich will…“ – „Mit dem Wunsch dürften sie nicht alleine sein.“(Penelope stellt gegenüber dem falschen Prediger Henry fest)
★★★ +
