The Bounty Hunter
★★★ +
- Jahr: 1954
- Regie: André De Toth
- Darsteller: Randolph Scott, Dolores Dorn, Howard Petrie, Marie Windsor, Harry Antrim...
Story
Auf der Suche nach drei Räubern, die selbst die besten Pinkerton-Detektive nicht aufspüren konnten, kommt Kopfgeldjäger Jim Kipp (Randolph Scott) in das Nest Twin Forks. Schnell wird bei seinen Nachforschungen klar, dass er hier auf der richtigen Spur ist…
Worte zum Film
bedient sämtliche Kopfgeldjäger-Klischees, hat aber ansonsten nicht wirklich etwas zu bieten; Kriminal-Western ohne Cleverness und Spannung
Bewertung
Bei „Ritter der Prärie“ handelt es sich um den vorletzten Genrevertreter einer ganzen Welle an Western, die André De Toth zwischen 1951 und 1955 in schöner Regelmäßigkeit auf sein Publikum losließ (neun Stück waren es insgesamt). In den meisten dieser Streifen verkörperte Randolph Scott die Hauptrolle, so auch hier. Tatsächlich stellt „The Bounty Hunter“ jedoch die letzte Zusammenarbeit der beiden Vieldreher dar. Ehrlich gesagt kann ich in Unkenntnis der anderen acht eben genannten Pferdeopern nur hoffen, dass bei den beiden vor diesem Hintergrund einfach so langsam die Luft raus war. Denn großartig überzeugt hat mich dieser Prärie-Ritter nicht…
Zu Beginn stellt man sich unweigerlich die Frage, ob es vor „Ritter der Prärie“ noch nie einen Western über einen Kopfgeldjäger gegeben hat, denn dieser macht sich extra die Mühe, diesen Berufszweig umständlich mit einem „Foreword“ einzuführen (tatsächlich kenne ich die Antwort darauf so nicht; dafür müsste man mal ein wenig recherchieren). Und auch in den nächsten paar Minuten wird absolut jedes diesbezügliche Klischee hervorgekramt, das einem in den Sinn kommt. „The Bounty Hunter“ Jim Kipp (Scott) liefert seine Kunden stets tot und nie lebendig ab, er gäbe ihnen laut dem städtischen Sheriff nicht mal die Chance, sich zu verteidigen, er will sofort seine Prämie kassieren und nicht weiter über seinen Job reden und Geld für die Beerdigung des abgelieferten Toten will er natürlich (und verständlicherweise) auch nicht bezahlen. Da könnte man sich ja glatt als nächstes fragen, ob nicht vielleicht alle Kopfgeldjäger-Klischees diesem Streifen entstammen. Nun ja, ganz so wird es wohl nicht sein, aber siehe dazu oben…
Und mögen diese Intro-Szenen ja vielleicht noch irgendeinen nostalgischen Charme besitzen, mehr hat „Ritter der Prärie“ nicht zu bieten. Zwar entwickelt er sich im weiteren Verlauf zu einem richtigen Kriminal-Western, aber dieser ist weder clever noch spannend geschrieben. Man darf sich berechtigt fragen, wieso die besten Pinkerton-Detektive des Landes Kipps recht simple Ermittlungsmethoden nicht auch einfach drauf gehabt haben sollten. Der hat mitunter mehr Glück als Verstand (vor allem, weil seine Gegner alle schlicht nicht schießen können), seine Tricks und Finten sind lange im Voraus zu erraten und auch zwei Drittel der Täterschar sind schneller enttarnt als man „The Bounty Hunter“ sagen kann. Immerhin überrascht das Drehbuch von Winston Miller und Finlay McDermid mit der Enttarnung des letzten Drittels.
Das ist allerdings nur ein schwacher Trost, denn diese müde Kopfjäger-Kiste schafft es leider nie, einen richtig zu packen. Hat man zwischendurch kurz die Hoffnung, es müsse endlich Schwung in die Sache kommen, weil Kipp sich im Laufe seiner, *hust*, Ermittlung angenehmerweise recht früh outen muss, wird man direkt im Anschluss sofort wieder enttäuscht, weil „Ritter der Prärie“ dann anfängt, nicht überzeugend geschriebene Einzelschicksale abzuklappern. „The Bounty Hunter“ ist eben kein zweiter „No Name On The Bullet“ (bzw. kein erster, schließlich entstand Jack Arnolds überragendes Kleinstadt-Psychogramm erst 1959).
Das gilt erst recht für das Directing. Denn leider sind nicht mal die paar Shootouts von De Toth spannend in Szene gesetzt worden. Den ersten verweigert er uns gleich ganz und der Rest zieht sich hin, ohne dass großartig etwas passieren würde. Unabhängig davon macht er seine Sache zwar ordentlich, aber die eine oder andere Nachlässigkeit ist auch dort nicht zu übersehen. Ähnliches gilt für seine Darsteller*innen, von denen immerhin keiner schlecht agiert, die wir aber alle auch schon mal besser gesehen haben – allen voran Randy Scott selbst.
Unterm Strich lässt sich also sagen: Aus meiner Sicht müssen „The Bounty Hunter“ eigentlich nur Komplettisten gesehen haben. Die Kopfgeldjäger-Story haben wir – mit oder ohne Klischees – anderweitig schon weitaus besser gesehen. Das hier ist trotz einer Verbrecherjagd, die auf den ersten Blick Interesse weckt, nicht spannend genug und dazu maximal mittelmäßig geschrieben. Und André De Toth und seine Schauspieler reihen sich da gnadenlos mit ein. Insofern ist „Ritter der Prärie“, der in deutschen Fassung auch noch damit nervt, dass auf diesem Titel ständig herumgeritten wird, obwohl an diesen Stellen im Original mit Sicherheit nur vom Bounty Hunter die Rede ist, nur ganz, ganz knapp überhaupt noch ein Kandidat für die drei Sterne und das eine Plus (also sechs Punkte) – weil ich ein Western-Fan bin und gewisse Grundstandards erfüllt werden. Wenn jemand Genre-Fremdes ihn jedoch noch schlechter bewerten würde, würde mich das absolut nicht wundern…
Zitate
„Drei Männer, die niemand gesehen hat, sind mit 100.000 Dollar, die sie nicht angerührt haben, geflüchtet. Sie wissen nicht, wie sie aussehen oder wo sie stecken und trotzdem wollen Sie, dass ich sie finde….“ – „Und das Geld!“ – „Wie kommen Sie darauf, dass ich mehr Glück haben sollte als die Pinkerton-Agentur?“ – „Sie wissen doch, was man von Ihnen sagt: Sie würden Ihre eigene Großmutter dem Sheriff übergeben, wenn auf sie eine Prämie stünde.“(der Pinkerton-Mann spielt mit Jim Kipp Kopfgeldjägerklischee-Bingo – und gewinnt)
„Ich möchte Ihnen einen Rat geben, Fremder: Hier bin ich Sheriff und ich liebe keine Schnüffler.“ – „Und ich liebe keine Wichtigtuer, die denken, die Welt gehört ihnen.“(Jim Kipp markiert gegenüber Sheriff Brand (Howard Petrie) gleich mal sein Revier)
[Kipp und Julie Spencer (Dolores Dorn) sprechen über Kopfgeldjäger und Doktoren, über Stethoskope und Schießeisen] „Ich würde das nicht gerade ein Stethoskop nennen, Mr. Collins.“ – „Nein, aber richtig angewandt kann es der Menschheit sehr dienlich sein.“(Jim Kipp hat als Kopfgeldjäger natürlich einen Werbevertrag mit der NRA)
„Wenn Sie so edel sind, warum tragen Sie dann nicht Uniform und halten die Menschen davon ab, Verbrechen zu begehen, statt zu warten, bis es zu spät ist?“ – „Es würde mir nicht viel Spaß machen, kleines Verbrechergesindel ins Gefängnis zu stecken.“ – „Natürlich nicht, darauf steht ja auch keine Prämie.“(Julie Spencer versucht sich gegenüber Kipp als Jobvermittlerin)
★★★ +
