Rustlers‘ Rhapsody
★★★ ---
- Jahr: 1985
- Regie: Hugh Wilson
- Darsteller: Tom Berenger, G.W. Bailey, Andy Griffith, Fernando Rey, Marilu Henner, Sela Ward, Patrick Wayne...
Story
Rex O’Herlihan (Tom Berenger) ist irgendwie Singing Cowboy beim Film und weiß deswegen alles besser oder so. Das geht so lange gut, bis er auf Bob Barber (Patrick Wayne) trifft, der zwar ein Guter zu sein scheint, es aber vielleicht doch nicht ist…
Worte zum Film
lahme, unlustige und bisweilen (für mich) unverständliche Western-Parodie; ein einziges, nerviges Kuddelmuddel; ordentliche Darsteller und eine ordentliche Botschaft; „Lucky Luke“ ohne Copyright
Bewertung
Na, verwirrt von meiner Inhaltsangabe? Ganz ehrlich: Ich auch! Ich hab die Ausgangssituation von „Rhapsodie in Blei“ zugegenebermaßen nicht hundertprozentig verstanden. Da ist also dieser Cowboy, dieser Filmcowboy, und der erlebt hier ein „Abenteuer“ – wenn man diese Aneinanderreihung zotiger Gags denn so nennen kann. Tja und ich dachte irgendwie, der Darsteller dieses Cowboys würde dieses Abenteuer erleben. Nach der Lektüre entsprechender Inhaltsangaben im Netz scheint es jedoch vielmehr die Filmfigur selbst zu sein, die hier durch die Landschaften stolziert. Deswegen meint sie auch beständig, den Fortgang der Geschichte bereits zu kennen. Ihr könnt mich jetzt gerne für blöd halten, aber das Detail ist mir am Anfang dieses Streifens irgendwie entgangen. Ich würde daher ja glatt behaupten wollen, dass das durch diesen schrecklich unwitzigen Voice-Over-Kommentar zu Beginn auch nicht eindeutig kommuniziert wurde – ganz vielleicht hatte ich aber selbst zu diesem frühen Zeitpunkt auch einfach schon keine Lust mehr auf diesen Stumpfsinn.
Denn dass „Rustlers‘ Rhapsody“ durch dieses falsch verstandene Detail für mich nur noch seltsamer, weil unverständlicher, wurde, macht den Kohl am Ende des Tages auch nicht mehr fett. Hugh Wilsons Film ist und bleibt eine Parodie – und mit diesen kann ich von Haus aus meist schon nicht viel anfangen. Mit Parodien auf das Westerngenre gleich noch viel weniger. Und schon gar nicht, wenn diese mit „Humor“ à la „Das war n berühmter Raketenforscher. Kleiner Scherz, es gibt doch gar keine Raketen.“ aufwarten… Und ja, natürlich mögen diese Sprüche unserer deutschen Synchro geschuldet sein, die laut dem Lexikon des internationalen Films ja grausam sein soll. Aber ganz ehrlich: Selbst wenn, sie ist das einzige, was an diesem Machwerk wenigstens stellenweise ein Schmunzeln auslöst.
Denn wenn ein alleswissender Singing Cowboy (brauchte es 1985 echt noch eine Parodie auf dieses damals fast schon vergessene Subgenre?) gegen zwei vollkommen verblödete Strauchdiebe und ihre Banden antreten muss (die sich auch in der Originalfassung beide Colonel nennen; is klar, auf solche Zoten kommt natürlich nur unsere Synchro…), dann ist das schon mehr als lahm. Das ist doch nicht witzig… Ebenso wie das vollkommen überhöhte, verschusselte Verhalten aller Agierenden hier schlicht Standard ist – und mir in dieser Art von Filmen noch nie gefallen hat. Da kommt man sich von Anfang an wie in nem „Lucky Luke“ vor. Und was soll ich euch sagen? Das Pferd kann sprechen! Es ist ein „Lucky Luke“! Nur, dass man hier eben keine Rechte-Gebühren bezahlen wollte. Und ja, Drehbuchautor Hugh Wilson hat das Ganze noch um ein schlüpfriges (immer gerne genommen) und ein Tick-Element des Protagonisten erweitert, aber ansonsten kommt das hin. Tja und wer wissen will, wie sehr ich „Lucky Luke“-Verfilmungen schätze, muss sich nur mal meine Bewertungen zu diesen durchlesen…
Von daher bringt es jetzt auch wenig, hier noch mehr ins Detail zu gehen. Wer von sich von diesen billigen Kalauer-Nummern schon immer gut unterhalten fühlte, wird sich auch von „Rhapsodie in Blei“ gut bedient fühlen. Und alle anderen sollten, so wie ich auch, schnell das Weite suchen. Wobei es einen Aspekt an Wilsons Script gibt, den ich doch als sogar sehr gelungen bezeichnen möchte: (Spoiler) Wenn es kurz vor Schluss mit einem Male darum geht, wie männlich ein Westernheld zu sein hat und dass folglich nur ein Heterosexueller Westernheld ein echter, guter Westernheld sein kann, dann hat das durchaus seine Berechtigung. Das ist tatsächlich gut beobachtet, wahr und tatsächlich kurzzeitig witzig. (Spoilerende) Hätte man darauf den ganzen Film aufbauen können (wenn ich auch nicht weiß, wie das hätte gehen sollen), hätte dieser vielleicht doch noch ganz ansehnlich werden können.
So kann man sich höchstens noch an den ganz ordentlichen Darstellern erfreuen, wenn man das möchte. Tom Berenger jedenfalls gibt sichtlich sein Bestes und G.W. Bailey hat sein Overacting auch sichtlich genossen. Um Andy Griffith und vor allem Fernando Rey ist es zwar echt schade, weil deren Talent hier einfach vergeudet wird, aber das, was sie machen sollten, machen sie vernünftig. Marilu Henner und vor allem Sela Ward sehen dazu auch noch wirklich nett aus.
Ob das jetzt aber den Ausschlag gibt, müsst ihr für euch selbst entscheiden. Ich jedenfalls brauchte nicht noch einen „Lucky Luke“ unter falschem Namen. „Rustlers‘ Rhapsody“ ist jedoch genau das: zotig, albern, langweilig, unlustig, mäandernd – ein einziges, nerviges Kuddelmuddel. Und wenn man dann noch verpasst, was die Hauptfigur hier jetzt wirklich ist… Also dann kann man es ja auch gleich ganz bleiben lassen. Ein zugegebenermaßen guter Einfall macht schließlich noch keinen guten Film. Hätte ich das mal bloß vorher gewusst…
Zitate
„Der Kamelimitator da drüben ist der Sheriff.“(Säufer Peter (G.W. Bailey) kennt die Schweine in seiner Stadt am Gang)
„Kaufst du mir noch einen? Ich hab’s meiner Leber versprochen.“(Peter ist Optimist)
„Hat vielleicht noch jemand Lust, heute begraben zu werden?“(ein Bandit läutet die letzte Runde des Tages ein)
„[…] wir beide wissen, dass man ein überzeugter Heterosexueller sein muss, um ein guter Kerl zu sein.“(Bob Barber kennt sich aus)
„Ich kann nicht einen Freund im Sarg hinterherschleifen.“(Rex O’Herlihan wird nicht den Django machen)
★★★ ---
