Old Henry

Old Henry

★★★ +++

  • Jahr: 2021
  • Regie: Potsy Ponciroli
  • Darsteller: Tim Blake Nelson, Stephen Dorff, Scott Haze, Gavin Lewis, Trace Adkins, Max Arciniega...

Story

Eines Tages findet Farmer Henry McCarthy (Tim Blake Nelson) den schwer verwundeten Curry (Scott Haze), der sich als Gesetzeshüter ausgibt, aber eine Tasche voller Geld dabei hat. Wider besseres Wissen gewährt er ihm Asyl und pflegt ihn notdürftig. Doch Currys Verfolger, angeführt vom fiesen Ketchum (Stephen Dorff), lassen nicht lange auf sich warten…

Worte zum Film

klassisch, spannend, gut; gute Darsteller, schöne Aufnahmen, stilsichere Regie

Bewertung

In einer Zeit, in der es aktuell zwar kein Problem mit Western-Nachschub, dafür aber doch sehr mit dessen genereller Qualität gibt (und die meisten schlimmen Vertreter hab ich noch nicht mal geschafft zu schauen, geschweige denn hier einzutragen), kann man sich vor allem bei Leuten, die viele kleine, niedrigbudgetierte Genrebeiträge vom Stapel lassen, ziemlich sicher sein, dass man eben diese in aller Regel nicht sehen will. Ob man sich umgekehrt dann eher den Streifen zuwenden sollte, hinter denen ein Regisseur steht, der sich bisher nur einmal in Wild-West-Gefilden versuchte, vermag ich aktuell noch nicht ganz einzuschätzen. Grundsätzlich dürfte es sich dabei um eine ziemlich steile These handeln… Mindestens im Fall von Potsy Ponciroli würde diese aber mal so was von zutreffen! Der hat mit „Old Henry“ 2021 nämlich einen Vertreter geschaffen, der gerade Fans wie mich hocherfreut.

Tatsächlich ist die größte Stärke seines Genredebüts nämlich, dass er, der er auch das tolle Script hierzu schrieb, quasi keine Experimente wagt. Eine Verfolgungsjagd ganz zu Beginn, eine Farm irgendwo im Nirgendwo, eine Belagerung derselben, ein Haufen Geld und ein Protagonist, der es nicht will, schlussendlich aber doch wieder zur Gewaltausübung gezwungen wird… All das kommt einem bestens vertraut vor. Trotzdem ist „Old Henry“ zu keiner Sekunde langweilig, da Ponciroli es meisterhaft versteht, mit kleinsten Mitteln die Spannung hochzuhalten. Das Versteck im Schrank bleibt keine zwei Minuten ein Versteck und doch will man wissen, wer hier gut und wer hier böse ist und wie es aussieht, wenn Protagonist Henry McCarthy (Tim Blake Nelson) endlich (wieder?) zur Waffe greift. Tatsächlich ist das so gut gemacht, dass man sich fragen darf, ob die finale Auflösung wirklich noch Not getan hätte. Nun ja, schaden tut sie jedenfalls auch nicht. (Spoiler) Ich mein, wie auch, nach dieser großartigen Schießerei zuvor? Natürlich braucht ihr auch bei dieser nicht nach Realismus zu fragen, aber wie der Alte es zu Ende bringt, ist einfach großartig! Keine blöden Sprüche zum Schluss, er erschießt Antagonist Ketchum (Stephen Dorff) und gut ist. (Spoilerende) So gehört sich das!

Klar mag es da auch die eine oder andere „Schwachstelle“ in Poncirolis Drehbuch geben (etwa der erneut bemühte Voice-Over-Kommentar zu Beginn, den es nicht gebraucht hätte, oder die arg klischeebelastete Beziehung zwischen Vater und Sohn), aber das muss man dann schon fast suchen wollen. Und so, wie Ponciroli das in „Old Henry“ in Szene setzt, macht es einfach Spaß. Recht düster nämlich, schön langsam, absolut stilsicher und sehr atmosphärisch. Kameramann John Matysiak sorgt dabei für die richtigen Aufnahmen. Da ist das auch hier naturgemäß kleine Budget nur ganz selten zu bemerken.

Zusätzlich wartet dieser Old-School-Western mit einer ziemlich guten Besetzung auf. Allen voran natürlich Tim Blake Nelson, den man mittlerweile ja schon fast als Genre-Veteranen bezeichnen kann. Er spielt seinen kauzigen, alten Henry sehr stimmig, auch wenn ich in die ultimative Lobhudelei einiger Kollegen nicht hundertprozentig einstimmen kann. Erstaunlich gut auch, wie sich Scott Haze und Stephen Dorff für einen Streifen dieses Budgets schlagen. Um in Gavin Lewis einen nächsten potenziellen Superstar zu sehen, braucht es zwar noch viel Fantasie, aber auch er löst seine Aufgabe – ebenso wie der Supporting Cast um Trace Adkins und Max Arciniega – absolut ordentlich.

Und so ist „Old Henry“ am Ende wohl genau das, was er bei seinem Budget im besten Fall werden konnte: Ein richtig guter, kleiner Western, der durch ein tolles Old-School-Script, eine noch bessere Regie, gute Darsteller, Spannung und schöne Aufnahmen überzeugt. Für die A-Liga fehlt da zwar jeweils ein kleines Stück, aber das von diesem Streifen zu erwarten, wäre im Vorfeld auch definitiv vermessen gewesen. Ich denke sogar, mehr wollte Potsy Ponciroli mit seinem bisher einzigen Genrevertreter auch gar nicht darstellen. Und… Verdammt! Jetzt wünscht man sich doch glatt, er würde noch einen nachlegen…

Zitate

„Dein Pa ist n guter Mensch, Wyatt. Wär ich anderer Meinung, hätte ich ihn nicht meine Schwester heiraten lassen.“(Onkel Al (Trace Adkins) überschätzt seine Kompetenzen etwas)

„Dieser Hund spürt auch nen Fisch im Wasser auf.“(Ketchum adelt seinen Scout (Max Arciniega) und beweist damit, dass er in Biologie nicht aufgepasst hat)

„Nichts ist so schön wie ein Schwarm Vögel.“(findet Ketchum, Tippi Hedren nicht…)

★★★ +++

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