Maverick

Maverick

★★★★★

  • Jahr: 1994
  • Regie: Richard Donner
  • Darsteller: Mel Gibson, Jodie Foster, James Garner, Alfred Molina, James Coburn, Graham Greene...

Story

Kurzfassung (offenes Ende)

Dem Spieler Bret Maverick (Mel Gibson) fehlen noch 3.000 Dollar, um sich in das große All-Rivers-Pokerturnier einkaufen zu können. Auf dem Weg zum Dampfer, auf dem dieses ausgetragen wird, klappert er daher alle seine Bekannten ab, die ihm noch Geld Schulden. Dabei lernt er nicht nur die Spielerin Annabelle Bransford (Jodie Foster) sowie den Marshal Zane Cooper (James Garner) kennen, sondern tritt auch dem fiesen Angel (Alfred Molina) auf die Füße…

Kurzfassung (komplett)

Bret Maverick (Mel Gibson) ist der größte Pokerspieler, Schütze und Glückspilz des Westens. Um zu sehen, wie gut er aber wirklich ist, will er am großen All-Rivers-Pokerturnier teilnehmen, bei dem es eine halbe Million Dollar Preisgeld zu gewinnen gibt. Leider fehlen ihm dazu noch 3.000 der 25.000 Dollar, mit denen er sich in dieses einkaufen kann. Auf der Suche nach dem Geld lernt er die Diebin und Spielerin Annabelle Bransford (Jodie Foster) kennen und verliebt sich in sie. Zusammen mit dem Marshal Zane Cooper (James Garner) machen sich die beiden auf den Weg zum Turnier, bis Maverick von einem befreundeten Indianerstamm „gefangen genommen“ wird. Natürlich lassen ihn diese schnell wieder ziehen und er kann sich sogar noch fix 1.000 Dollar dazuverdienen.

Auf dem Dampfer, auf dem das Turnier ausgetragen wird, trifft er danach wieder mit Annabelle zusammen. Durch einen Trick gelingt es ihm hier, die fehlenden 2.000 Dollar für sich sowie die fehlenden 4.000 Dollar für seine Herzdame zu ergattern. Nun kann das Turnier, bei dem Cooper als Regelhüter agiert, beginnen. Natürlich übersteht Maverick zusammen mit dem Veranstalter, dem Commodore Duvall (James Coburn), dem Spanier Angel (Alfred Molina) und Annabelle die Vorrunde. Das Finale steigt also zwischen diesen Vieren. Mit einem Royal Flush gewinnt Maverick schließlich das Turnier, kann seinen Gewinn jedoch nicht in Empfang nehmen, weil Zane Cooper sich die vielen Kohlen unter den Nagel reißt und damit verduftet. Dies hatte er zuvor mit dem Commodore abgesprochen, der nun kommt, um sich nicht nur seinen Anteil, sondern sogar alles Geld von Cooper zu ergaunern. Nur hat er die Rechnung ohne Maverick gemacht. Der verfolgt die beiden nämlich und nimmt ihnen den Zaster wieder ab. Nun seinerseits verfolgt haut er ab und trifft in einer Sauna wieder mit Cooper zusammen. Hier stellt sich heraus, dass Cooper und Maverick Vater und Sohn sind. Ihnen wird die Hälfte der Moneten nun durch Annabelle Bransford geklaut und jetzt machen sich beide voller Vorfreude gemeinsam an die Verfolgung…

Worte zum Film

unfassbar witzig, sehr originell und wunderbar leichtfüßig; geniale Darsteller, gute Optik, überragende Dialoge; beinhaltet das grandioseste Western-Pokerturnier überhaupt

Bewertung

Natürlich könnte man noch weitere Unterkategorien finden, aber ganz grundsätzlich lassen sich Western-Komödien ja in zwei Arten einteilen: Einmal jene, die – ich sag jetzt mal ganz frech – wie in einer „normalen Komödie“ auch ihren Witz aus komischen, „alltäglichen“ Situationen beziehen und dann die, die den Western als Genre und seine Eigenarten durch den Kakao ziehen. Sicher mögen die Übergänge mitunter fließend sein, aber so handelt es sich bei Streifen wie den „Trinity“-Filmen (und generell so gut wie allen Western-Klamotten aus Italien), den beiden „Support Your Local…“-Teilen oder „Destry Rides Again“ um „normale Western-Komödien“, während Werke wie „Der Schuh des Manitu“, „Rhapsodie in Blei“ oder auch „Der wilde wilde Westen“ eindeutig in die letztgenannte Kategorie fallen, die ich der Einfachheit halber jetzt mal schlicht „Verarsche-Western“ taufen möchte. So zumindest sehe und empfinde ich es. Und mit Verarsche-Western habe ich zwei grundlegende Probleme: Erstens kann ich Verarschungen, die dann oft ganz harmlos Parodien getauft werden, grundsätzlich schon nicht viel abgewinnen (ich gehöre zum Beispiel zu der verschwindend kleinen Gruppe von Menschen, die mit Monty Python nichts anfangen können…) und wenn sie dann mein Lieblingsgenre auf die Schippe nehmen, noch gleich viel weniger. Vor allem deshalb, weil diese Werke in der Regel auf das Stilmittel der Veralberung setzen und dann meist leider nichts anderes sind als, na ja, albern eben…

Warum ich darauf ausgerechnet vor „Maverick“ zu sprechen komme? Nun, weil Richard Donners einziger Genrebeitrag von den Western-Komödien, die ich kenne, tatsächlich diejenige ist, die die wackeligste Wanderung auf dem Grat zu den Verarsche-Western vollführt, ohne diesen dabei zu überschreiten. Letzteres weiß man natürlich erst, wenn man den Streifen einmal in Gänze gesehen hat, weswegen ich mich an meine erste Sichtung und das ungute Gefühl, das mich dabei mehr als einmal beschlich, noch sehr gut erinnern kann. Gerade zu Beginn natürlich, wo man das alles erstmal richtig einordnen muss. Tatsächlich fand ich damals, als „unreifer Teenager“ sozusagen, einige Sachen wie etwa den Indianerteil auch noch gar nicht richtig gut, aber am Ende habe ich über „Maverick“ Bauklötzer gestaunt. Schließlich hielt ich ihn danach quasi immer noch für einen „halben“ Verarsche-Western und bis zu dem Zeitpunkt hatte mir von denen natürlich noch keiner gefallen. „Maverick“ nun aber schon und das dann auch gleich so richtig! Mann, was habe ich beim zweiten Mal Schauen gelacht und lache ich jetzt jedes Mal wieder. Immer noch finde ich es unglaublich, dass man den Wilden Westen und natürlich vor allem mal wieder den Western eben doch auf die Schippe nehmen und dabei so verdammt lustig sein kann, ohne gleich komplett albern zu werden (die paar Albernheiten, die „Maverick“ natürlich trotzdem enthält, seien ihm von Herzen gegönnt). Ein Wahnsinnsstreifen, der tatsächlich sogar mit jeder einzelnen Sichtung besser zu werden scheint.

Es scheint aber natürlich auch gerade heutzutage wieder so angebracht wie selten, althergebrachte Männlichkeitsideale zu hinterfragen und sie so humorvoll, wie Drehbuchautor William Goldman das hier geschafft hat, durch den Kakao zu ziehen. Dass Mel Gibsons titelgebender Maverick daher ein Western-„Held“ der etwas anderen Sorte ist, sollte einem bewusst sein. Aber auch, dass Frauen mindestens genauso viel auf dem Kasten haben wie Männer oder der schreckliche Umgang mit den Indianern ebenso wie ihre komplett falsche Darstellung im Hollywood-Western vergangener Tage werden einem hier auf ebenso intelligente wie lustige Art und Weise vor Augen geführt. Und das trotz des überzeichnenden Comic-Stils ganz beiläufig und ohne irgendwelche Keulen zu schwingen. Schlichtweg beeindruckend.

Schließlich liegt das Hauptaugenmerk von Goldmans Story darauf aufzuzeigen, wer hier eigentlich wen, wie und evtl. sogar mit wem betrügt und hintergeht. Da kann man sich nie ganz sicher sein und ständig ereignen sich neue Wendungen. Fast ein wenig wie in so einigen italienischen Vertretern, nur eben so, dass man da zu jeder Zeit weiterhin durchsteigt. Langeweile kann so gar nicht erst aufkommen und erst recht nicht, wenn der Film an seinem Höhepunkt angelangt ist: Der großen All-Rivers-Pokermeisterschaft. Wahrlich herrlich wie das für ja auch nicht ganz wenige Western auch nicht ganz unwichtige Pokerspiel hier zum absoluten Hauptdarsteller wird. Nirgendwo – nicht in „Höchster Einsatz in Laredo“ oder sonstwo – findet man (in einem Western) eine solch großartige Liebeserklärung an das Poker-Spielen wie hier. Nun will ich nicht sagen, dass ich ein großer Poker-Spieler wäre (schon gar nicht, seit Poker kein Geheimtipp, sondern ein Main-Stream-Kartenspiel geworden ist, mit dem im Internet jeder Hans und Franz versucht reich zu werden), aber dieses Spiel hat halt durchaus seinen Reiz und wenn es sich tatsächlich mal anbietet, spiele ich auch mal eine Runde unter Freunden. Hier wird das Spielen zelebriert und das ganz ohne an Fahrt oder Vergnügen zu verlieren. Höchste Schreibkunst, die Goldman hier beweist. Und selbst sein sich anschließendes „Ende nach dem Ende“, das sich selbst ständig verlängert und daher normalerweise nicht so ganz nach meinem Geschmack wäre, finde ich unter diesen Umständen hervorragend. Es gibt eben für jedes Stilmittel einen Moment, der einem zeigt, wofür es eigentlich erfunden wurde. So geht diese großartige Komödie mit einem klasse Abschluss zu Ende, der besser nicht hätte gewählt werden können.

Dass Goldmans „Maverick“ aufgrund der genannten Ausprägungen nicht mehr wirklich mit der zugrundeliegenden TV-Serie „Maverick“ zu vergleichen ist, die Roy Huggins einst entwickelte und in der bekanntlich James Garner den Bret Maverick gab, kann man sich eventuell denken. Man muss diese deswegen auch auf keinen Fall zuvor gesehen haben. Ich zum Beispiel habe davon auch erst zwei Folgen schauen können, nach denen ich jetzt einfach mal behaupten wollen würde, dass man fast ausschließlich Mavericks Hang zum Glücksspiel sowie dessen Schläue und Hinterlist, die ihn für jeden noch so verzwickten Sachverhalt eine Lösung finden lassen, für das große Leinwandabenteuer übernommen hat. Aber ich denke das geht mehr als in Ordnung und für Fans wird die Verbindung nicht nur dadurch zu erkennen sein, dass Garner auch hier einen Part übernommen hat.

Womit wir bei den Darstellern wären. Was „Maverick“ neben seinem über fast jeden Vorwurf erhabenen Drehbuch nämlich noch auszeichnet, sind nicht etwa die Regiekünste Richard Donners (er hat das gut gemacht und ich mag vor allem seine Optik, aber wie so oft bei ihm ist außer Hochglanz eigentlich nichts zu erkennen, was ihn auszeichnen würde), sondern die Leistungen seiner exzellenten Darstellerriege. Angefangen bei Mel Gibson und Jodie Foster, von denen beiden ich eigentlich nicht der größte Fan bin, aber hier sind sie einfach genial. Ich könnte mir keine bessere Umsetzung der von Goldman kreierten Charaktere vorstellen. Herausragend wie Gibson immer wieder diesen unsicheren Blick aufsetzt, der Maverick zu eigen ist, obwohl dieser weiß, dass er sowieso allen überlegen ist, und wie Frau Foster immer einen auf vollkommen blond macht, weil alle Welt sie gerne so sehen möchte, obwohl auch sie eigentlich schon längst begriffen hat, um was es geht. Köstlich! Die beiden alt gewordenen James’en (oder wie lautet die Mehrzahl von James?) unterstützen die beiden Protagonisten, wo sie nur können und beweisen mal wieder, dass sie zu dem Zeitpunkt noch lange nicht zum alten Eisen gehörten. Aufgrund seiner Rollenanteile liegt Garner in der Zuschauergunst sicherlich noch weiter vorne, aber man sollte Coburn nie unterschätzen. Alfred Molina, Graham Greene und der Rest des Supporting Casts sind auch über jeden Zweifel erhaben. Da tummeln sich mit u. a. Dub Taylor, Geoffrey Lewis, Denver Pyle, Leo Gordon, Doug McClure, Robert Fuller, Waylon Jennings und nicht zu vergessen Danny Glover in einem ganz speziellen sowie speziell lustigen Cameo eine unfassbare Menge an bekannten (Alt-)Stars in kleinen bis Kleinstrollen. Viel Spaß beim Entdecken!

Eine besondere Erwähnung sollen an dieser Stelle auch die Synchronsprecher dieser Produktion finden, gerade Joachim Tennstedt, Hansi Jochmann und Holger Hagen, die das Protagonisten-Trio eingesprochen haben. Denn speziell bei „Maverick“ waren diese Sprechrollen meiner Meinung nach ob der unglaublichen Leistungen von Gibson und Co. nicht gerade einfach zu sprechen. Da musste man ob dieser übersteigerten Gefühle und Handlungsweisen der Protagonisten schon sehr variabel drauf sein. Man musste versuchen Entsprechendes durch entsprechendes Sprechen ansprechend rüberzubringen. Dementsprechend finde ich das Eingesprochene im Ergebnis sehr vielversprechend. Wollte das nur mal ansprechen, um drüber gesprochen zu haben, aber reden wir nicht mehr davon.

Bevor ich jetzt auch noch meinen Witzigen kriege, wollen wir mal lieber zum Abschluss kommen, denn eigentlich bräuchte ich, wenn ihr mich kennen würdet, zu „Maverick“ nicht mehr zu sagen, als dass er eben der vielleicht einzige Verarsche-Western ist, der wirklich witzig ist. Da er diese Schwelle am Ende aber nie so ganz überschreitet, will ich noch einmal hinzufügen, dass auch seine unglaubliche Schauspielerriege, angeführt von einem genialen, leichtfüßigen Hauptdarsteller*innen-Trio, seine gute Optik oder auch einfach nur das überragende Pokerturnier gen Ende sehr gute Gründe sein sollten, Richard Donners einzigem Western mal eine Chance zu geben. Oder eben mehrere, denn wie erwähnt wird „Maverick“ von Minute zu Minute, von Sichtung zu Sichtung besser (außerdem gibt es hier soviel unterschwelliges Gerede, welches man beim ersten Mal gar nicht alles fassen kann)!

Zitate

[Maverick möchte in eine bestehende Pokerrunde einsteigen, wird jedoch vorerst abgelehnt] „Ich brächte schon einige Vorteile mit mir, weil ich kaum bluffe und grundsätzlich nie betrüge.“ – „Das glaube ich nicht.“ – „Nun… Ich auch nicht.“(Maverick entscheidet sich gegenüber Angel doch für Ehrlichkeit)

„Ich bin Revolverheld.“ – „Nun, ich muss wohl annehmen, da sie hier noch sitzen und mit uns Karten spielen, dass sie ihr Handwerk verstehen.“(Maverick stellt besagtem Revolverhelden blind ein Arbeitszeugnis aus)

„Waren Sie schon immer so ein Feigling?“ – „Ich glaube schon, ja. Wissen Sie, mein Paps pflegte immer zu sagen ,Wer heute beim Streit schnell Leine zieht, so manchen anderen Tag noch sieht.‘“(Maverick ist entwaffnend ehrlich)

„Sie sind so verwirrend und liebenswert.“ – „Oh, das muss ich wohl noch ändern.“(Maverick arbeitet gegenüber Annabelle weiterhin an seinen Schwächen)

„Das haben Sie mit Absicht gemacht.“ – „Selbstverständlich!“(Annabelle Bransford schlägt gegenüber Maverick mit ebensolcher Ehrlichkeit zurück)

„Ich bin der Ansicht, dass, wenn es keine Frauen gäbe, wäre keiner von uns auf der Welt.“(Zane Cooper hat in Biologie stets aufgepasst)

[über die Indianer] „Ich versuche jeden Tag einen zu erschießen, möglichst vor Zwölf. Ich finde die sind auch selbst Schuld; haben sich hier breit gemacht, bevor wir da waren.“(Maverick arbeitet an seinem Vermächtnis als „guter Amerikaner“)

„Du darfst niemals niesen, wenn du dich versteckst, niemals lächeln, wenn du lügst, und du darfst niemals, unter keinen Umständen, Geld von Frauen annehmen, die ein Brautkleid verloren haben oder einen Hund oder denen ein Planwagen ausgebrannt ist.“(Maverick hat wirklich für jede Situation eine Lebensweisheit parat)

[Häuptling Joseph (Graham Greene) bietet einem Russen (Paul L. Smith) an, einen Indianer zu erschießen] „Rothaut schießen? Ist das gesetzlich erlaubt?“ – „Weißer Mann macht das schon so seit Jahren.“(Joseph bringt es gegenüber dem Russen auf den Punkt)

„Es gibt einfach kein ergreifenderes, emotionales Erlebnis als einen Betrüger zu betrügen.“(Maverick)

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