The Sheepman
★★★★
- Jahr: 1958
- Regie: George Marshall
- Darsteller: Glenn Ford, Shirley MacLaine, Leslie Nielsen, Mickey Shaughnessy, Pedro Gonzalez Gonzalez, Edgar Buchanan, Pernell Roberts, Willis Bouchey, Slim Pickens...
Story
Kurzfassung (offenes Ende)
Als Jakob Lieblich (im Original Jason Sweet (Glenn Ford)) beim Glücksspiel eine Herde Schafe gewinnt und sich damit in Colorado niederlassen will, macht er sich den ortsansässigen Rinderzüchter Oberst (im Original Colonel) Stephen Bedford (Leslie Nielsen) zum Feind. Als er sich auch noch an dessen Freundin Dell Payton (Shirley MacLaine) heranschmeißt, heckt der einen Plan aus, den unliebsamen Konkurrenten ein für alle Mal zu vertreiben…
Kurzfassung (komplett)
Schafzüchter Jakob Lieblich (im Original Jason Sweet (Glenn Ford)) lässt sich mitsamt seiner Schafherde und seinen Hirten in Colorado nieder, wo sich jedoch bereits sein alter Bekannter Johnny Bledsoe (Leslie Nielsen) seit einigen Jahren anschickt, seine Rinder weiden zu lassen. So werden er und Johnny, der sich mittlerweile Oberst (im Original Colonel) Stephen Bedford nennt, zu Feinden und Letztgenannter versucht Jakob mit allen Mitteln zu vertreiben. Der aber ist gewitzt und weiß aus jeder Notlage einen Ausweg. Ganz nebenbei spannt er Johnny noch dessen Freundin Dell Payton (Shirley MacLaine) aus. Als dem dann keine andere Möglichkeit mehr einfällt, als Jakob mit Gewalt zu vertreiben, heuert er drei Revolverhelden an, die dessen Schafe und Hirten töten. Jetzt rastet Jakob aus, tötet zuerst Chocktaw Neal (Pernell Roberts), den Anführer der drei Schützen, und erledigt dann Johnny und einen Teil seiner Bande; der Rest ergibt sich. Nun könnte er mit Dell an seiner Seite in Ruhe Schafe züchten, doch er verkauft seine Herde und entschließt sich Rinder anzuschaffen.
Worte zum Film
großartige Optik, gute Darsteller*innen, schöne Landschaften; im ersten Teil erstaunlich lustig, im zweiten erstaunlich unnachgiebig
Bewertung
Filmfreunde sind mit Aussagen wie „So was drehen die heute gar nicht mehr.“ mitunter ja schnell bei der Hand. Auf „In Colorado ist der Teufel los“ trifft das aus meiner Sicht aber tatsächlich mal zu. Eine A-Komödie mit entsprechendem Cast und entsprechender Crew, die gerade mal 85 Minuten läuft, kann ich mir zumindest als Kinofilm aus Hollywood heutzutage nicht mehr vorstellen. Damals hat man das, wenn man der Meinung war, einfach nicht mehr Stoff zu haben, aber einfach so gemacht. Und wisst ihr womit? Mit Recht! Da fehlt einem nichts, sondern ist „The Sheepman“ im Gegenteil einfach eine runde Sache.
Vor allem ist „In Colorado ist der Teufel los“ genau das, was eine Komödie sein sollte, also sehr lustig. Vor allem in seiner ersten Hälfte feuern Glenn Ford und Co. einen Gag nach dem anderen ab und quasi alle treffen sie ins Schwarze. Köstlich etwa, wie Fords Figur Jason Sweet, die man hierzulande in Jakob Lieblich umtaufte, einen Streit mit Mickey Shaughnessys Jumbo McCall vom Zaun bricht. Das war der Moment, in dem ich den kleinen Schafzüchter, der mir bis dahin fast schon ein bisschen zu frech aufgetreten war, spätestens in mein Herz geschlossen habe.
Überhaupt hat man die Schafkriege des Wilden Westens ja schon in mehreren Versionen gesehen, aber so lustig wie hier wurden sie wohl kein zweites Mal dargestellt. Bei einem Drehbuch von William Bowers (u. a. „Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe“) und James Edward Grant (u. a. „Latigo“ und „MacLintock“) natürlich auch kein Wunder, könntet ihr jetzt sagen. Tatsächlich kann man diese jeweils etwas später entstandenen, ebenfalls sehr amüsanten Vertreter aber nicht Eins zu Eins mit „The Sheepman“ vergleichen. Dieser hat nämlich – ihr wäret sicher nicht drauf gekommen – auch noch eine zweite Hälfte und in dieser geht es durchaus auch komisch, eindeutig aber auch eine Spur härter zur Sache. (Spoiler) Da werden Lieblichs billig eingekaufte, mexikanische Schafhirten von Johnny Bledsoes alias Stephen Bedfords (Leslie Nielsen) teuer eingekauften Revolverhelden einfach so über den Haufen geschossen, was definitiv nicht witzig ist. Ebenso unnachgiebig wird der Showdown geführt, den Jakob im Einer-gegen-Alle-Modus, also fast schon italowesternmäßig, austragen muss und der ihn daher auch nicht unverletzt zurücklässt. (Spoilerende) Das mag beim Lesen jetzt unstimmig wirken, aber es passt erstens zu dem eigentlich ja so gar nicht witzigen Thema, das hier verhandelt wird, und ist zweitens der Beweis dafür, dass es Bowers und Grant eben nicht darum geht, auf Teufel komm raus eine Klamotte oder gar Parodie abzuliefern, sondern eine Geschichte zu erzählen und das rechne ich ihnen verdammt hoch an. Schade nur, dass sie genau das ganz am Ende aus den Augen verlieren und einen logischen Ausgang einem Abschlussgag opfern, der nicht lustig ist (Spoiler) und die Filmaussage dann quasi doch dahingehend „korrigiert“, dass Rinder die vorzuziehenden Weidetiere sind (Spoilerende). Das ist jedoch der einzige Fauxpas auf der Story-Seite.
Der einzige Fauxpas aus inszenatorischer Sicht ist die Entscheidung gewesen, die Galoppe über die Prärie im Zeitraffer abzuspielen. Keine Ahnung, ob Regisseur George Marshall diese getroffen hat oder nicht, aber das sieht natürlich scheiße aus. Ansonsten setzte der Routinier „In Colorado ist der Teufel los“ aber superb um. Da kriegt man bei den ersten Bildern direkt dieses Edelwestern-Gefühl, das ich so liebe. Großartig! Zusätzlich wissen die tollen Landschaften zu gefallen. Leider jedoch wird die Westernstadt hier kaum mal verlassen.
Auch was die Darsteller*innen angeht, braucht sich „The Sheepman“ hinter anderen komödiantischen Klassikern dieses Genres nicht zu verstecken. So zeigt er z. B. Glenn Ford mal von dieser Seite, der ein großes humoristisches Talent besaß (und das perfekte, verschmitzte Grinsen dazu!), dieses in seiner Karriere aber gar nicht so oft präsentieren durfte. Er ist schlichtweg die Idealbesetzung dieses Jakob Lieblich bzw. Jason Sweet. Aber auch Leslie Nielsen gefällt mir als ein Glück noch nicht ständig overactender Blödelbarde richtig gut. Und Shirley MacLaines Auftritt, für die diese Produktion nicht nur ihre erst zweite Hauptrolle überhaupt, sondern vor allem die erste von gerade mal zweien im Genre Western war, sollte man allein schon aufgrund dieser Tatsache besonders genießen. Darüber hinaus zeigt sie bereits, warum sie so eine Karriere hinlegen sollte. Sehr witzig, aber tatsächlich eher unfreiwilliger Natur, auch das Spiel von „Adam Cartwright“ Pernell Roberts, der mit seinem Frauentöter Chocktaw Neal tatsächlich ein wenig überfordert wirkt. Ansonsten aber hat man mit u. a. Mickey Shaughnessy, Edgar Buchanan, Willis Bouchey, Slim Pickens oder auch Genre-Ikone Pedro Gonzalez Gonzalez überragende Supporting Actors an Bord gehabt.
Alles in allem lässt George Marshall nach „Der große Bluff“ erneut das Gefühl aufkommen, dass er in diesem Genre am besten war, wenn er Komödien inszenieren durfte. So ist „In Colorado ist der Teufel los“ nicht nur gut geschrieben und gespielt, sondern auch großartig in Szene gesetzt. Ein sehr lustiges, kleines Western-Spiel, das in seiner zweiten Hälfte mitunter sogar unerwartet deftig zur Sache geht und damit in doppelter Hinsicht beweist, dass in der Kürze durchaus die Würze liegt. Und wie gesagt: Genau das scheint man in Hollywood mittlerweile vergessen zu haben…
Übrigens: Ob ihr es als Ritterschlag für „The Sheepman“ anseht, das sein quasi erster Gag von Ernesto Gastaldi, Damiano Damiani und Co. in „Nobody ist der Größte“ in exakt der gleichen Form und an exakt der gleichen Stelle wiederverwertet wurde, dürft ihr für euch selbst entscheiden.
Zitate
„Das ist gut. Ich hab nämlich eine Wette mit mir abgeschlossen, dass ich in den ersten zehn Minuten, nachdem ich hier angekommen bin, Ihnen begegne.“ – „Mir?“ – „Ja, Ihnen. Sie sind doch hier der Dorftrottel…“(Jakob Lieblich spielt Wer bin ich? mit Milt Masters (Edgar Buchanan) – und gewinnt)
„Sagen Sie mal: Die Leute, die das kaufen, trinken die das auch?“(Jakob Lieblich befragt den Wirt der Stadt nach seinen Absatzzahlen)
„Milt, wer ist dieser Mann?“ – „Ich weiß nicht, wer er ist, aber ich glaube er hat ganz bestimmt nicht vor, hier bei uns einen Wettbewerb in Beliebtheit zu gewinnen.“(Milt Masters spielt mit Dell Wer bin ich? bzgl. Jakob – und verliert)
[über Pferde] „Wo haben Sie sie denn?“ – „Na im Gehege, wo sonst?“ – „Es gibt Leute, die halten sie im Wohnzimmer, Freund.“(Jakob Lieblich klärt Milt Masters über die neuen Trends der Saison auf)
[Jakob plaudert mit seinem alten Bekannten Johnny Bledsoe, der sich nun Oberst Stephen Bedford nennt] „Oberst wovon?“ – „Als ich mich damals entschloss hierherzukommen und mich hier niederzulassen, da brauchte ich eine ehrbare Vergangenheit. Nun sag selbst, weißt du etwas, was ehrbarer und solider klingt als Oberst?“ – „General!“(Jakob Lieblich kennt die militärische Laufbahn)
„Als der Lehrer über Ehrlichkeit sprach, habe ich in der Schule gefehlt.“(Johnny Bledsoe alias Oberst Stephen Bedford legt seine alten Anwesenheitslisten offen)
„An dem Tag, an dem Sie beschlossen haben, Schafe zu züchten, haben Sie all Ihre Bürgerrechte, von denen Sie den Mund so vollnehmen, aufgegeben.“(der Marshal (Slim Pickens) erklärt Jakob das aktuelle Rechtssystem in Colorado)
[auf die Frage, warum er Schafzüchter geworden sei] „Ich hatte einfach keine Lust mehr Kühe treten zu müssen. Du weißt, wie dumm sie sind.“ – „Und sie glauben, Schafe sind klüger?“ – „Oh nein, nein, nein, sie sind dümmer. Es ist nur leichter, sie zu treten…“(Jakob Lieblich erläutert seinem Schafhirten Angelo (Pedro Gonzalez Gonzalez) seinen Pragmatismus)
„Immer wenn ich am nettesten bin, muss man am meisten auf mich aufpassen.“(Jakob Lieblich warnt Dell vor)
[über den alten Johnny Bledsoe] „War er sehr gefährlich?“ – „Er war jedenfalls nicht in Gefahr Kopfschmerzen zu bekommen von dem Gewicht eines Heiligenscheins, denn den hatte er nicht.“(Jakob Lieblich kann sich gegenüber Dell auch politisch ausdrücken)
★★★★
