A Big Hand For The Little Lady
★★★ ++
- Jahr: 1966
- Regie: Fielder Cook
- Darsteller: Henry Fonda, Joanne Woodward, Jason Robards, Charles Bickford, Robert Middleton, John Qualen, Kevin McCarthy, Paul Ford, Burgess Meredith, Jean-Michel Michenaud...
Story
Kurzfassung (offenes Ende)
Nachdem ihr Mann Meredith (Henry Fonda) mit mehr Glück als Verstand in die finanzstärkste Pokerrunde der ganzen Gegend einsteigen darf, während des Spiels jedoch einen Herzanfall erleidet, soll die resolute Mary (Joanne Woodward) an seiner statt weiterspielen. Leider nur weiß sie überhaupt nicht, wie das Spiel funktioniert…
Kurzfassung (komplett)
Einmal im Jahr treffen sich die fünf reichsten Männer der Umgegend in Laredo zum Pokern. Das sind namentlich Henry Drummond (Jason Robards), Dennis Wilcox (Robert Middleton), Jesse Buford (John Qualen), Benson Tropp (Charles Bickford) und Otto Habershaw (Kevin McCarthy).
Als das Turnier gerade in vollem Gange ist, betritt der ehemalige Spieler Meredith (Henry Fonda) mit seiner Frau Mary (Joanne Woodward) und seinem Sohn Jackie (Jean-Michel Michenaud) den Saloon, in dessen Hinterzimmer gespielt wird. Er bittet zuschauen zu dürfen und Habershaw willigt ein. Als Meredith jetzt also die Karten und die vielen Chips sieht, packt ihn das Fieber wieder und er will unbedingt mitpokern. Auch das erlauben die fünf Herren und so verspielt er 1000 Dollar der Familienkasse. Dann aber bekommt er eine super Karte und setzt noch den Rest des Familienvermögens ein. Aber auch alle anderen Teilnehmer glauben das beste Blatt zu haben und natürlich besitzen sie viel mehr Geld als Meredith. Daher erhöhen sie den Einsatz immer weiter, bis Meredith nicht mehr mitgehen kann und ob dieser Tatsache eine Herzattacke erleidet.
Mit letzter Kraft bittet er seine entsetzte Frau für ihn weiterzuspielen. Und auch wenn sie eigentlich etwas dagegen haben, willigen Drummond und Co. ein. Frisches Geld leiht Mary sich beim Besitzer der hiesigen Bank, C. P. Ballinger (Paul Ford), auf die Karten, die sie in der Hand hält. Dass der darauf eingeht, macht die anderen Zocker so unsicher, dass sie passen und Mary gewinnt. Daraufhin fahren sie und Ballinger schnell zu ihrem Mann, der mit dem ihn behandelnden Doc Scully (Burgess Meredith) längst in die nächste Stadt gefahren ist.
Hier stellt sich heraus, dass das Ganze nur ein riesengroß inszenierter Bluff von Meredith, Mary, Jackie, dem Doktor und natürlich Ballinger war. Die Fünf teilen sich die Beute gerecht und jeder macht dann, wozu er Lust hat. Meredith und Mary pokern wieder, Ballinger versucht sie davon abzuhalten, Jackie sieht zu und der Doc versucht sein Glück bei den Frauen.
Worte zum Film
toll aufgelegte, überraschend prominente Darstellerriege; interessante Poker-Story, in der zu wenig gepokert wird; witzig, aber nicht witzig genug; zum Immer-wieder-Schauen eher ungeeignet
Bewertung
Bei „Höchster Einsatz in Laredo“ handelt es sich um eine nette, kleine Westernkomödie, die Regisseur Fielder Cook uns 1966 bescherte. Fielder wer? Ja, auch wenn er seinen Namen im Vorspann hier mit einem fetten Apostroph dahinter direkt vor den englischen Originaltitel „A Big Hand For The Little Lady“ setzen ließ; mir hat der gute Mann bis gestern Abend auch noch nichts gesagt. Was durchaus daran liegen könnte, dass er Zeit seines Lebens fast ausschließlich TV-Serien und -Streifen gedreht hat. „Höchster Einsatz in Laredo“ war, wenn ich das richtig sehe, sogar sein erster Kinofilm überhaupt.
Umso erstaunlicher erscheint mir die fast schon unglaubliche Anzahl an prominenten Darstellern, die man ihm hierfür zur Verfügung stellte. Diese sind tatsächlich auch das größte Pfund, mit dem „A Big Hand For The Little Lady“ wuchern kann. Angeführt von einem großartigen Henry Fonda und einem aus meiner Sicht sogar noch besseren Jason Robards (der jedoch auch die weitaus einfachere Rolle abgekriegt hat) hat man hier eine sechsköpfige Pokerrunde versammelt, die ihresgleichen sucht. Außerdem am Tisch sitzen nämlich noch Charles Bickford, Robert Middleton, John Qualen und Kevin McCarthy! Hinzu kommen in weiteren Rollen noch Paul Ford, Burgess Meredith und Joanne Woodward. Und ihnen allen ist der Spaß, den sie während dieser Produktion offenbar hatten, in jeder Szene anzumerken. Da guckt man auch als Zuschauer sehr gerne zu.
Leider können selbst diese tollen Schauspieler mit zunehmender Spielzeit nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Komödie maximal durchschnittlich witzig ist. Ein paar gute Lacher hat Drehbuchautor Sidney Carroll zwar eingebaut (ich sag nur „Ich möchte das Spiel erklärt haben!“), aber „Höchster Einsatz in Laredo“ kommt eher über die zunehmende Spannung, wer aus der dargestellten Pokerrunde letztlich als Sieger hervorgehen wird, als über den Witz. Und das ist insofern problematisch als man sich für das Ende einen gewaltigen Twist ausgedacht hat. Dieser hat mich bei der ersten Sichtung von „A Big Hand For The Little Lady“ schier umgehauen – was jedoch auch daran gelegen haben könnte, dass dieser einer der allerersten Western und damit auch Filme überhaupt war, die ich gesehen habe, und ich insofern noch nicht allzu twisterfahren war. Aber selbst wenn ich heute so darüber nachdenke: Ich glaube, ich wäre nicht drauf gekommen. Und das zeichnet schließlich gute Plotwendungen aus. Auf der anderen Seite baut „Höchster Einsatz in Laredo“ am Ende eigentlich nur auf genau diesem einen Twist auf. Das ist sicherlich sehr spannend beim ersten Mal, nimmt dem Ganzen aber sehr die Luft für jede weitere Sichtung.
(Spoiler) Hinzukommt, dass die Auswirkungen dieser letzten, entscheidenden Wendung von Carroll sehr sorgsam vorbereitet werden. So sorgt er vom Start weg dafür, dass man am Ende auch ja kein Mitleid mit den soeben ausgenommenen reichen Pokerfreunden hat, indem er ihnen teils haarsträubend anmutende Vorgeschichten andichtet. Und nicht nur das: Am Schluss werden alle gerade durch den mit ihnen getriebenen Schabernack zu besseren Menschen. Na wenn das nichts ist… Auf der anderen Seite werden die bis dahin so sympathischen Hauptcharaktere Meredith (Fonda) und Mary (Woodward) durch eben diese Auflösung mit einem Male sehr unsympathisch und je länger sie andauert, desto nerviger wird sie. (Spoilerende)
In diesem Zusammenhang tritt dann auch das Pokern selbst fast komplett in den Hintergrund. So spannend, weil selten die Grundidee eines „Poker-Westerns“ auch ist, so wenig Kapital schlägt Sidney Carroll hier aus ihr. Tatsächlich ist die „Big Hand For The Little Lady“ eine, die mehr als eine halbe Stunde lang durch die Gegend getragen wird, ohne das weitergespielt wird. An den definitiv besten – und lustigsten! – Poker-Western aller Zeiten, Richard Donners „Maverick“, kann „Höchster Einsatz in Laredo“ so leider zu keiner Zeit auch nur heranreichen…
Von daher lautet meine Empfehlung: Einmal angucken sollte man sich „A Big Hand For The Little Lady“ auf jeden Fall. Diese Pokerrunde macht – vor allem aufgrund der Darsteller – Spaß und wird immer spannender. Die tatsächlich etwas tv-mäßig geratene Inszenierung von Fielder Cook trübt den Gesamteindruck dabei gar nicht mal – ich mag Western aus den 1960ern, wenn sie so aussehen! Eine zweite Ansicht sollte man sich jedoch gut überlegen, da man den finalen Twist, sofern man ihn einmal gesehen hat, definitiv nicht vergessen wird und dann offenbart „Höchster Einsatz in Laredo“ leider Schwächen in punkto Figurenzeichnung und vor allem Witz. Eine Komödie sollte definitiv lustiger sein. Dementsprechend werde ich bis zu meiner nächsten Sichtung dieses Streifens (die dann schon meine vierte wäre) sicherlich ein paar Jahrzehnte ins Land gehen lassen…
Zitate
„Ich würd nicht mit einem Mann wie Henry Drummond pokern; nicht mal, wenn er mit dem Rücken zu einem Spiegel sitzt.“(Postkutscher Sparrow (Noah Keen) geht offen mit seiner Kurzsichtigkeit um)
„Ein Mann, der sich verheiratet, muss entweder verrückt oder sehr dumm sein. Unser Freund Denny will nur nicht dumm bleiben, deswegen will er seine Frau nicht mehr sehen.“ – „Solche Weisheiten hört man nur von einem eingefleischten Junggesellen…“ – „Da ist was Wahres dran: Ich bin ein eingefleischter Junggeselle. Ich hasse die Frauen!“ – „Das glaube ich dir ohne Weiteres. Begraben hast du ja genug von ihnen…“(Otto Habershaw kennt die Statistik seines Kumpels Benson Tropp, der ein Bestattungsunternehmen leitet)
★★★ ++
