The Gold Rush
★★★ +
- Jahr: 1925
- Regie: Charles Chaplin
- Darsteller: Charles Chaplin, Mack Swain, Georgia Hale, Tom Murray, Henry Bergman, Malcom Waite...
Story
Ein namenloser Goldsucher (Charlie Chaplin) erlebt in den Wirren des Klondike-Goldrausches ein paar Abenteuer, bevor er und sein Kompagnon Big Jim McKay (Mack Swain) doch noch dessen Mine wiederfinden…
Worte zum Film
unspannend, uninteressant, uninspirierend, angestaubt; Humor nicht (mehr) für jedermann; optisch mitunter sehr eindrucksvoll
Bewertung
„Goldrausch“ ist sicherlich in einiger, vielleicht sogar in fast jeder Hinsicht kein Western. Das ist mir durchaus bewusst. Da er ja aber – wie so einige „richtige Western“ auch – während des Klondike-Goldrausches spielt und es sich für mich immer seltsam anfühlt, wenn man die einen Vertreter dann als Western bezeichnet, die anderen aber nicht, nehme ich ihn hier mit auf. Und das sogar, obwohl ich mich dann – so wie bei „Zwei ritten nach Texas“ – als jemand outen muss, der mit dieser Art von (Slapstick-)Humor nichts anzufangen weiß.
Es tut mir wirklich sehr leid, aber was hier passiert, ist für mich schlichtweg antiquiert. Und vielleicht hätte ich es schon damals nicht lustig gefunden. Das lässt sich heute natürlich kaum mehr belastbar feststellen, aber spätestens heute, wo es so viele Komödien zum Vergleichen gibt, muss man dem Humor eines Charles Chaplin auch wirklich nichts mehr abgewinnen können. Wie er da in seiner berühmten Verkleidung durch die Gegend schlurft und einen Bären mal sieht und mal nicht. Wie das Haus auf der Klippe hin und her wippt und keiner merkt, woran es liegt. Diese Szene ist (in Teilen) zwar optisch auch heute noch beeindruckend, für mich jedoch in keiner Weise komisch. Ebenso nicht wie der Tanz im Saloon oder seine Einlagen in der Blockhütte wenig später und schon gar nicht, wenn erneut ein Schuh verspeist wird…
Ich mein klar, letztgenannte Szene hat offensichtlich auch wieder einen hohen sozialkritischen Gehalt, aber damit ist das bei Chaplin auch so eine Sache. Denn entweder erschließt sich mir der nicht oder ich halte ihn für nicht mehr relevant, je nach Szene. Ich gucke mir das mit an und werde einfach nicht mitgenommen. Und das, obwohl ich ja nun wirklich niemand bin, der alten Filmen generell voreingenommen gegenüberstehen würde.
Vor allem ist „The Gold Rush“ als Film aber einfach nicht besonders gelungen, weil er – wie „The Kid“ vom selben Regisseur z. B. auch – kaum spannend genannt werden kann. Ich hab schon das Problem, dass mich die namenlose Hauptfigur und ihre Sorgen nicht interessieren, aber wenn dann noch nicht mal was passiert… Da bildet sich einer im Hungerwahn die ganze Zeit ein, sein Kumpan sein ein Huhn und möchte diesen daher erschießen. Ist ja ne Vision wie aus nem Horrorfilm und tatsächlich ist das dann eher beklemmend als witzig (und das soll und sollte es wohl auch sein), aber leider hätte es mich kaum gejuckt, wenn die eine uninteressante Figur die noch viel uninteressantere Figur tatsächlich erschossen hätte (boah, das klingt richtig böse, oder?). Und so lahm wie das inszeniert ist (ob das nun an den damaligen Möglichkeiten lag oder nicht, sei mal dahingestellt), sieht es auch noch schlecht aus.
Dass „Goldrausch“ eher als ein Episoden- denn als ein linearer Film bezeichnet werden muss, macht die Sache nicht besser. So sieht der weltberühmte Brötchen-Tanz auch heute noch cool aus, weil Chaplin das sehr gut macht und das tatsächlich mal ne fast witzige Idee ist, aber er wirkt total hineingeschrieben. Den hätte es für die (weiterführende) Visualisierung verstreichender Zeit nicht gebraucht.
Darstellerisch ist „The Gold Rush“ mit heutigen Maßstäben dagegen kaum zu bewerten. Da es sich in seiner Ursprungsfassung ja um einen Stummfilm gehandelt hat (von dem ich jedoch die Tonfilmfassung mit später hinzugefügtem Voice-Over-Kommentar gesehen habe), müssen alle Schauspieler*innen hier entsprechend theatralisch übertreiben. Da fällt für mich jetzt auch keiner ab oder sticht heraus (und schon gar kein Charlie Chaplin!), das war halt damals so und kriegt mich nicht.
Um das Ganze ein wenig einzuordnen: Gerade auch aufgrund seiner Lauflänge von gerade mal 96 Minuten kann man sich „Goldrausch“ ob seines filmhistorischen Wertes durchaus mal geben, ohne Angst davor haben zu müssen, vor Langeweile umzukommen, aber antiquiert bleibt es für mich doch. Egal, ob wir hier über den Humor, die Darstellung, das Episodenhafte oder die arg dünne Storygrundlage reden. Das ist alles nicht gerade doll, aber auch nicht besonders schmerzhaft. Hält man durch, hat man dann mal gesehen und kann mitreden. Zumal einige Szenen optisch dann ja doch eindrucksvoll gemacht sind. Und dass der Streifen auch heute noch seine Fans hat, beweist doch mal wieder, dass meine Meinung nicht immer repräsentativ ist. Vielleicht verstehe ich Chaplin auch einfach nicht…
Zitate
trotz Tonfilmfassung Fehlanzeige
★★★ +
