El Condor
★★★
- Jahr: 1970
- Regie: John Guillermin
- Darsteller: Jim Brown, Lee Van Cleef, Patrick O'Neal, Marianna Hill, Iron Eyes Cody, Imogen Hassall, Gustavo Rojo, Ángel del Pozo...
Story
Kurzfassung (offenes Ende)
Als der inhaftierte Luke (Jim Brown) im Jahr 1867 davon hört, dass Kaiser Maximilian I. seine Goldreserven in der Wüstenfestung El Condor lagert, bricht er aus, um sich diese unter den Nagel zu reißen. Gemeinsam mit dem recht erfolglosen Goldsucher Jaroo (Lee Van Cleef) und einer „Armee“ von nicht ganz 100 Apachen unternehmen die beiden so einiges, um in die Festung und an das Gold zu gelangen, aber deren Kommandant Chavez (Patrick O’Neal) stellt sich als ebenbürtiger Gegner heraus…
Kurzfassung (komplett)
Als der inhaftierte Luke (Jim Brown) im Jahr 1867 davon hört, dass Kaiser Maximilian I. seine Goldreserven in der Wüstenfestung El Condor lagert, bricht er aus, um sich diese unter den Nagel zu reißen. Gemeinsam mit dem recht erfolglosen Goldsucher Jaroo (Lee Van Cleef) und einer „Armee“ von nicht ganz 100 Apachen unternehmen die beiden so einiges, um in die Festung und an das Gold zu gelangen, aber deren Kommandant Chavez (Patrick O’Neal) stellt sich als ebenbürtiger Gegner heraus. Als sie schlussendlich die Festung stürmen, sind sie so auch nur aufgrund der unerwarteten Hilfe von Chavez‘ Freundin Claudine (Marianna Hill) erfolgreich. Bevor sie das Gold jedoch unter sich aufteilen können, muss Jaroo erst noch Apachenführer Santana (Iron Eyes Cody) erschießen, woraufhin die Indianer sie verlassen. Daher stehen sie Chavez, der plötzlich mit einer Übermacht Soldaten zurückkehrt, vollkommen hilflos gegenüber. Nachdem Luke diesen jedoch im Zweikampf töten kann, rückt die ganze Truppe wieder ab. Es gibt aber auch nichts, was sie in der Festung noch verteidigen könnte: Alles „Gold“ im Keller der Anlage stellt sich als bemalte Bleibarren heraus. Da Jaroo sich nun um das versprochene Edelmetall betrogen fühlt, fordert er Luke zum letzten Duell heraus, welches er verliert.
Worte zum Film
uninspiriert, langweilig und schon 100 Mal besser gesehen; schwach inszeniert, schwach gespielt und schwach umgesetzt; ein paar nackte Frauen reichen nicht für einen guten Western
Bewertung
Nachdem Lee Van Cleef mit einer Reihe von Italowestern-Klassikern zu einem wahren Star in Europa wurde, dachte man sich in seinem Heimatland wohl, dass man von diesem Kuchen auch ein Stück abhaben wollte und gab dem einstigen Nebendarsteller so nicht nur erste us-amerikanische Hauptrollen („Barquero“, „Der Todesritt der glorreichen Sieben“), sondern drehte mit ihm ebenfalls Western in Europa oder beteiligte sich zumindest an solchen Produktionen. „El Condor“ bildet dabei den Auftakt zu einer ganzen Reihe solcher Streifen (weitere etwa „Captain Apache“ oder „Einen vor den Latz geknallt“) und ist daher ein kleines Kuriosum: ein in Spanien nach italienischem Vorbild gedrehter US-Western. Klingt verrückt, ist aber so.
Das ist dann aber auch schon das Einzige, was an „El Condor“ interessant sein könnte. Rein inhaltlich hat der von Steven W. Carabatsos und Larry Cohen geschriebene Vertreter nichts zu bieten. Keine Ahnung, ob die beiden sich auch diesbezüglich am Gros der italienischen Kollegen orientieren wollten oder ob sie es einfach nicht besser konnten (ist ja nun auch nicht so, dass sie über diesen Streifen hinaus irgendwas von Rang und Namen vorzuweisen hätten), aber das geht schon bei den Protagonisten los. Dass Van Cleef mal nicht – wie in seinen Italos eigentlich üblich – den großen Maker spielen darf, ist ja schon erstaunlich genug, aber sein Jaroo und Jim Browns Luke sind zwei absolute Flachpfeifen, denen man dann auch einfach nicht gerne zuschauen möchte. Immer mal wieder werden den beiden kleinere Idiotien ins Drehbuch geschrieben, die wohl lustig sein sollen, aber nichts davon zündet.
Dabei klingt die Grundidee dieses Streifens eigentlich ganz nett: Zwei Abenteurer wollen einen Haufen Gold aus einer schwer bewachten mexikanischen Festung klauen – „El Condor“ eben (auch schön, dass das mal nicht der Name einer handelnden Figur ist). Aber wie so oft bei dieser Plotte ist die Umsetzung schlicht schlecht. Denn wie bei den italienischen Brüdern im Geiste heißt es auch hier „Bloß nicht anfangen zu denken!“. Zwischenzeitlich wird die Festung so von den zwei Halunken und ihrer Armee von Apachen (!) umständlich belagert und alle Brunnen in der Umgegend vergiftet (!) (und ja, man fragt sich, wo die denn wohl ihr Wasser hernehmen), nur um das Ding schlussendlich doch ganz klassisch zu stürmen… (Spoiler) Dass das mit dem Gold eine große Farce ist, weiß der Zuschauer spätestens nachdem Luke die ersten „Gold“- als Bleibarren enttarnt. Warum die beiden dann nicht darauf kommen, den Rest nach Eroberung auch erstmal zu checken, erschließt sich selbstverständlich nicht. Ebenso wenig, warum sie sich am Ende alle gegenseitig töten „müssen“. Bloß gut, dass sie es alle verdient haben… (Spoilerende)
Bar jedweder Logik ist – man möchte wirklich sagen natürlich – auch das Verhalten von Marianna Hills Claudine hier. Die sieht Luke einmal und ist gleich so in ihn verschossen, dass sie ihm hilft, obwohl sein Unterfangen nach menschlichem Ermessen komplett aussichtslos ist? Und wie hilft sie ihm? Indem sie vor allen Soldaten eine wahrhafte Strip-Show abzieht. Ich mein, nicht dass ich mir das nicht auch gerne mit angeguckt hätte. Marianna Hill war eine sehr attraktive Frau. Aber die Szene ist schon ziemliche Exploitation. Sehr lang und relativ explizit. Passt dadurch aber zum generellen Umgang mit dem weiblichen Geschlecht in „El Condor“. Eine Weile eher reiten die Soldaten der Festung in ein mexikanisches Dorf, um die dortigen Frauen und Mädchen zu vergewaltigen. Eine Szene später, wenn – ebenfalls mit vielen nackten Tatsachen „untermauert“ – gezeigt wird, was sich in den Häusern und Betten abspielt, sieht das mit einem Male so aus, als hätten die „Betthäschen“ Spaß an der Sache… Und auch wenn mit Imogen Hassalls Dolores (die zugegebenermaßen auch sehr hübsch ist) eine taffe Mutter darunter ist, die sich ihren Stolz bewahrt: So was würde heutzutage natürlich gar nicht gehen und macht, wenn man ehrlich und kein Arschloch ist, auch in alten Streifen schon keinen Spaß.
Aber selbst wenn man über das alles hinwegsehen könnte: Auch handwerklich ist „El Condor“ ein Ausfall in so ziemlich alle Bauteilen. Am meisten verwundert über diese Tatsache ist man in Bezug auf Regisseur John Guillermin, der zwar wirklich nicht nur Klassiker in seiner Filmografie zu stehen hat, aber eben auch direkt hiervor mit „The Bridge At Remagen“ seinen wohl größten solchen ablieferte, der definitiv auch seinen besten Film darstellt. Dieser überzeugt gerade auch optisch und optisch ist „El Condor“ ehrlich gesagt ein Riesenflop! Mag also sein, dass Kameramann Stanley Cortez bei „Die Brücke von Remagen“ ein wesentlich größerer Faktor war, als ich bisher angenommen hatte und sein Pendant Henri Persin hier eben nicht sein Talent hatte.
Aber auch von Maurice Jarre sind wir eigentlich Besseres gewohnt und von den Darsteller*innen sowieso. Lee Van Cleef, der sich mit Freude vollkommen zum Horst macht, ist dabei die größte Enttäuschung von „El Condor“, aber auch Jim Brown agiert komplett austauschbar. Patrick O’Neal sieht nicht nur lächerlich aus, sondern war auch schon so viel besser unterwegs und Marianna Hill war schauspielerisch leider auch, sagen wir, arg limitiert… Da auch Iron Eyes Cody nur einen einzigen Blick draufhat (den „grimmigen Indianer“ nämlich), sind es ironischerweise Nebendarsteller*innen wie Imogen Hassall, Gustavo Rojo oder auch Ángel del Pozo, die hier überhaupt überzeugen können…
Das reicht dann unter dem Strich einfach nicht, um irgendeinen anderen als einen schlechten Eindruck zu hinterlassen. Zwar wirken sich die fehlende Regie in „El Condor“, seine schwachen schauspielerischen Leistungen, seine grässliche Optik, die fehlende Atmosphäre sowie die sehr langweilige, stupide Story mit Exploitation-Momenten nicht derart aus, dass man irgendwelche bleibenden Schäden davontragen würde, aber mehr als einmal muss ich diesen Schrott in meinem Leben nicht gesehen haben. Da graut es einem doch schon regelrecht vor den anderen Produktionen der eingangs genannten „Amerikanisches-Geld-in-europäischen-Lee-Van-Cleef-Western-Reihe“…
Zitate
„Wisst ihr, warum wir hier sind? Nicht, weil wir geklaut haben. Weil wir zu wenig geklaut haben.“(ein Häftling im Steinbruch hat den Kapitalismus verstanden)
„Wäre meine Mutter eine Whiskey-Kuh gewesen, hätte ihre Milch nicht süßer schmecken können.“(Jaroo sieht nach zu viel Whiskey-Genuss schon komische Tiere)
„Ich habe schon ganz andere Männer als ihn hingerichtet.“(Chavez in seinem Tagebuch über Konkurrent Luke)
„Mit blinden Männern hat man keinen Ärger mehr“(Chavez hat noch nie „Blindman“ gesehen)
„Ich bin ein Bastard, wie du. […] Das sind oft die besten Menschen.“(Jaroo lobt sich nicht gerne selbst, will einem kleinen mexikanischen Jungen aber gut zureden)
„Kriege beginnen immer mit persönlichen Streitigkeiten.“(Chavez hat in Geschichte gut aufgepasst)
★★★
