Dieser Mann weiß zu viel

Riding Shotgun

★★★ ++

  • Jahr: 1954
  • Regie: André De Toth
  • Darsteller: Randolph Scott, Joe Sawyer, Wayne Morris, Joan Weldon, Charles Bronson, James Millican...

Story

Als sich für Larry Delong (Randolph Scott) nach Jahren der Suche endlich die Chance ergibt, Dan Marady (James Millican), den Mörder seiner Frau und seines Kindes, zu schnappen, lässt er sich von diesem in eine Falle locken. Da Maradys Mann Pinto (Charles Bronson) ihn jedoch nicht tötet, sondern nur zum Sterben zurücklässt, kann er sich befreien. Und weil die Bande ihm freundlicherweise auch noch verraten hat, wo und wie sie ihren nächsten Überfall verüben will, macht Larry sich sofort auf, die Stadt zu warnen. Doch deren Einwohner glauben ihm nicht und halten ihn im Gegenteil sogar für einen von Maradys Leuten…

Worte zum Film

Ausgangssituation sehr unrealistisch und übertrieben; ansonsten aber durchaus nett und mitunter spannend

Bewertung

Hatte ich bei „Ritter der Prärie“, der letzten Zusammenarbeit zwischen Hauptdarsteller Randolph Scott und Regisseur André De Toth, neulich noch gehofft, dass ihre vorherigen Werke ein wenig besser sein mögen als dieser, sehe ich diese Hoffnung nach „Dieser Mann weiß zu viel“, ihrer vorletzten Kollaboration, zwar erfüllt, eine große Steigerung stellt „Riding Shotgun“ jedoch nicht dar…

Das liegt wie so oft am Drehbuch, das in diesem Fall von Thomas W. Blackburn geschrieben wurde, der die Geschichte in Kooperation mit Kenneth Perkins ersann. Das Problem daran ist, dass man schon an der Ausgangssituation verzweifeln könnte, wenn man sie denn für bare Münze nehmen würde. (Spoiler) Dass Charles Bronsons Pinto und seine Handlanger Randolph Scotts Larry Delong nicht sofort töten, sondern ihn stattdessen ohne Wache so schlecht gefesselt zurücklassen, dass er sich ja geradezu befreien muss, ist schon mehr als abenteuerlich. Dass sie ihm zuvor auch noch ihren raffinierten Plan verraten, geradezu dämlich. Und dass diesem nun mit so wertvollem Wissen ausgestatteten Mann in der nächsten Stadt niemand glaubt, er stattdessen sogar noch für ein Bandenmitglied gehalten wird, ist leider typisch für amerikanische Wild-West-Plots dieser Tage. Selbstredend nimmt die Paranoia der Stadtbewohner dermaßen krude Züge an, dass der Schreckensbote nicht nur die Stadt nicht verlassen, sondern gleich gefangen genommen und getötet werden soll. Ohne vorherigen Prozess versteht sich. (Spoilerende) Das ist aus meiner Sicht nicht nur unrealistisch, sondern generell vollkommen übertrieben.

Hat man diese abenteuerliche Prämisse jedoch erst einmal akzeptiert (ihr habt es sicher rausgelesen: das hat bei mir eine Weile gedauert), ist „Dieser Mann weiß zu viel“ jedoch durchaus eine nette Angelegenheit und mitunter sogar regelrecht spannend. Klar, auch in Hälfte zwei dieser mit nur etwas mehr als 70 Minuten nicht gerade üppigen Angelegenheit darf man das eine oder andere Mal mit dem Kopf schütteln. (Spoiler) Etwa, wenn sich herausstellt, dass einigen Stadtbewohnern durchaus bewusst ist, dass Schurke Dan Marady (James Millican) jede Bank auf die von Delong angekündigte Art und Weise überfällt. Wieso einen solch berühmten Outlaw dann trotzdem niemand erkennt, wenn er dann in die Ortschaft einreitet, darf zumindest ebenso hinterfragt werden. Weiterhin nerven die Karikatur eines Typen, der die ganze Zeit einen Galgenstrick mit sich herumschleppt und diesen sogar streichelt (!), und der nicht gelungene Gag mit dem Barspiegel. (Spoilerende) Dagegen reißt eine Figur eigentlich alles wieder raus: Der super sympathische Hilfssheriff Tom Biggert (Joe Sawyer), der in Abwesenheit seines Chefs mit einem Male in eine Rolle gedrängt wird, die er überhaupt nicht wollte, diese aber sehr gut meistert – obwohl er doch eigentlich nur etwas essen will. Gibt es so nicht in jedem Western.

Keinen Gefallen hat man sich dagegen mit dem Voice-Over-Kommentar von Hauptfigur Larry Delong getan. Keine Ahnung, ob’s den auch im englischen Original gibt, aber in der deutschen Fassung kommentiert Randolph Scotts Synchronstimme Curt Ackermann die ganze Zeit Sachen, die auf dem Bildschirm gerade oder kurz darauf passieren und daher eigentlich keiner weiteren Erläuterung bedürften. Das erinnert einen ein wenig an das aus dem gleichen Grunde gescheiterte Kommentar-Experiment in „Les Deux Anglaises Et Le Continent“ („Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent“) – wobei ich André De Toth damit nicht unterstellen will, dass er François Truffaut damit irgendwie beeinflusst hätte. Zu Beginn widerspricht sich Delong in seinen Kommentaren auch selbst, wenn er erst konstatiert, dass er sich von Marady „wie ein Schuljunge“ habe hereinlegen lassen, um dem Banditen dann zuzusprechen, er habe den Sheriff „ebenso geschickt“ aus der Stadt gelockt wie zuvor ihn…

Darüber hinaus ist „Riding Shotgun“ aus handwerklicher Sicht ein nur allzu typischer und damit durchschnittlicher B-Western. André De Toth macht es ordentlich, kann aber keinerlei Akzente setzen und seine Darsteller auch nicht aus der Reserve locken. Sicherlich, Randy Scott gefällt einem wie üblich und Joe Sawyer spielt sich hier in des Zuschauers Herz, aber ansonsten bleibt davon nicht viel hängen. Charles Bronson war eindeutig noch nicht auf der Höhe seiner Kunst und James Millican ist ein geradezu erschreckend schwacher Gegenspieler (der für die Story ja aber tatsächlich auch gar nicht so wichtig ist, wie man zuerst annehmen sollte).

Und so muss ich zugeben, dass ich „Dieser Mann weiß zu viel“ zwar ordentlich fand, er aber nicht lange im meinem Kopf bleiben wird. Unabhängig von der abenteuerlichen Ausgangssituation bzw. einigen Entwicklungen des Scripts sowie eines nicht nachvollziehbaren Voice-Over-Kommentars hebt er sich einfach nicht genug aus der Masse der 1950er-Jahre-B-Western ab. Eine gute Nebenfigur und die oder andere spannende Szene allein reichen dafür jedenfalls nicht aus. Und so ist es mal wieder hauptsächlich seine kurze Laufzeit, die ein noch „schlechteres“ Abschneiden verhindert. Ob das jetzt die beste Empfehlung ist, muss jeder für sich selbst entscheiden…

Zitate

„15 Jahre sind wir verheiratet und haben nur einen Sohn. So viel Pech soll ein Mensch haben…“(ein mexikanischer Barbetreiber moniert sein eigenes Sperma)

„Die Freundschaft hört auf, wenn man jemandem Handfesseln anlegen muss.“(Tom Biggert (Joe Sawyer) steht nicht auf BDSM)

„Ein Mann muss seinen Freunden helfen, sonst ist er kein Mann.“(der mexikanische Barbetreiber definiert sich grundsätzlich nicht über sein Sperma)

★★★ ++

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