Die Todes-Ranch

The Night Of The Grizzly

★★★ ++

  • Jahr: 1966
  • Regie: Joseph Pevney
  • Darsteller: Clint Walker, Martha Hyer, Keenan Wynn, Jack Elam, Don Haggerty, Kevin Brodie, Victoria Paige Meyerink, Nancy Kulp, Ellen Corby, Regis Toomey, Leo Gordon...

Story

Ex-Sheriff Jim Cole (Clint Walker) kauft sich mit seiner Familie ein Stück Land, auf dem er alt werden will. Leider wütet dort ein furchterregender Grizzlybär, weswegen dieses Fleckchen auch die „Todes-Ranch“ genannt wird. Und als dieser mit seinen Rissen Jim immer weiter in den Ruin treibt, taucht auch noch dessen Ex-Mitarbeiter Cass Dowdy (Leo Gordon) auf, der mit ihm noch eine Rechnung offen hat…

Worte zum Film

ordentlich gespielt, ordentlich inszeniert und halbwegs ordentlich geschrieben; sehr altbacken, aber recht unterhaltsam; Tier-Horror- und Familienwestern in einem

Bewertung

 

„Wenn der Grizzlybär nicht der Teufel persönlich ist, dann ist er aber sicher sein Vetter.“ – Biologie mal anders…

 

„Die Todes-Ranch“ – das klingt doch nach was, oder? Nach einer Ranch, auf der Leute verschwinden, gefoltert werden oder sich zu Tode arbeiten müssen. Und was passiert dort stattdessen? Ein Grizzly kommt regelmäßig vorbei und reißt ein paar Tiere… So ein Problembär, so ein Bruno, wisst ihr? Nicht, dass das nicht auch schlimm wäre, aber von einem solchen Titel, der für mich definitiv auch einen Mystery-Anstrich trägt, hätte ich mir dann doch mehr erhofft. Aber selbst der englische Originaltitel „The Night Of The Grizzly“ ist ein Etikettenschwindel, denn es geht eben nicht nur um eine schicksalshafte Nacht – sonst wäre Ex-Sheriff und Neu-„Todes-Ranch“-Besitzer Jim Cole (Clint Walker) sicherlich heilfroh…

Der zieht mit seiner Familie nämlich dahin und weiß ob der ganzen Tiere, die die sogenannte „Bestie“ nach und nach reißt und die zusammengenommen seine Altersversorgung sicherstellen sollten, bald nicht mehr ein noch aus. Zu seinem Glück gibt’s in der Stadt ja aber den nettesten Banker, seit es Western gibt (Regis Toomey als Cotton Benson). Denn das ist in Warren Douglas‘ Script zu „The Night Of The Grizzly“ aber mal sicher: Allzu dramatisch wird es schon nicht werden. Tatsächlich haben wir es hier mit einem Familienwestern zu tun. Den könnt ihr auch mal mit euren etwas größeren Kindern gucken (die FSK gibt ihn nämlich trotzdem erst ab zwölf frei, wahrscheinlich wegen ein, zwei heftigerer Szenen zum Schluss (dass diese aus heutiger Sicht trotzdem kein Vergleich sind, brauche ich euch sicherlich nicht erst zu erzählen)).

Seid jedoch vorher gewarnt: Trotzdem „Die Todes-Ranch“ schon von 1966 ist, geht es hier altbacken zu – richtig altbacken. Coles Familie ist nämlich so eine heile Familie, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Die lächeln sich die ganze Zeit nur an und keiner verliert auch nur ein böses Wort über den anderen. Die lieben sich so sehr, dass einem das zwischenzeitlich schon auf den Magen schlagen kann. Dazu das schmierige Gegrinse vom Hünenpapa Walker – das muss man erstmal verkraften. Und der olle Köter passt des Nächtens natürlich schön auf das kleine Mädchen auf, das im Deutschen so eine nervige Stimme abgekriegt hat, wenn es einfach mal stiften geht. Tatsächlich leistet sich Regisseur Joseph Pevney diesbezüglich sogar einen ganz schlimmen Fauxpas, wenn er mit grünem Licht arbeitet, um eine plötzliche Übelkeit von Coles Nichte Meg (Candy Moore) zu simulieren. Wie im Cartoon, schrecklich… Aber eben die schöne, lustige, heile Familienwelt von damals. Es könnte also alles so harmonisch sein, wenn da nur nicht dieser blöde Grizzly wäre…

Und genau dieser will hier auch am wenigsten ins Bild passen. Schließlich verhält der sich durchaus wie eins dieser fiesen Monster aus irgendwelchen Tierhorror-Streifen à la, ähm, „Grizzly“ z. B. ( ;) ), die absolut nicht totzukriegen sind. Und unabhängig davon, dass einen das als Kind natürlich schon ein wenig ängstigen kann (und einem die vielen toten Viecher sicherlich auch leid tun können), kann es einem Erwachsenen und gerade heutzutage kaum ein müdes Lächeln entlocken. Zumal diese Karte ob des familientauglichen Anstrichs nie voll ausgespielt werden kann. Da beißt sich die Katze dann in den eigenen Schwanz. Nee, nee, da wird es dann nochmal wesentlich spannender, wenn ein ziemlich cooler Leo Gordon als Cass Dowdy auftaucht und einen auf Großwildjäger macht.

Darüber hinaus ist Douglas‘ Drehbuch aber ganz unterhaltsam geraten. Überraschen können wird er damit niemanden, aber einmal kann man sich das hier ganz locker mitangucken. Auch Joseph Pevney gewinnt für seine Regie, wie eigentlich immer bei ihm, keinen Innovationspreis, kurbelt das Ganze aber recht ordentlich runter. Für meine Feierabendansprüche hat’s gereicht.

Ebenso wie das Spiel der Darsteller*innen hier. Clint Walker, der sich hier des Öfteren das Hemd vom Leib ziehen darf, damit die Ladys auch was zu gucken haben (schließlich hat man uns Männer mit der hübschen Candy Moore bereits sehr gut bedient), ist und bleibt zwar auf der Grenze zur Lächerlichkeit, aber ich will mal noch ein Auge zudrücken. Zumal seine Sidekicks Don Haggerty und Jack Elam vollends überzeugen. Auch Martha Hyer, Keenan Wynn, Ellen Corby und Regis Toomey wissen zu gefallen. Ein ganz besonderes Lob geht jedoch an Leo Gordon, der dreimal cooler als der Protagonist ist, und Nancy Kulp, die als Wilhelmina Peterson hier ganz großen Spaß macht (heutzutage würde man ihr unterstellen, sie sei eine Szenendiebin).

Und da am Ende dann doch noch ein paar Probleme gewälzt werden, gleicht das die ansonsten hoffnungslos veraltete Darstellung der heilen Familie hier wenigstens etwas wieder aus. Ob das diesen Familienwestern, der sich zwischenzeitlich versucht, als Tierhorror-Western zu tarnen, für euch attraktiver macht, müsst ihr selbst entscheiden. Ich aber fühlte mich am Ende, nicht zuletzt aufgrund der launigen Darstellerleistungen, ganz gut unterhalten. Ob man die gar nicht so todbringende „Todes-Ranch“ jetzt allerdings ein zweites Mal sehen muss, weiß ich noch nicht. Na ja, vielleicht mit meinen Kindern irgendwann mal…

Zitate

„Wissen Sie, ich schlage mich mit einem schweren Problem herum, Bill. Ich hab noch nicht rausbekommen, ob es hier in der Stadt eine Kneipe gibt.“(Sam Potts (Don Haggerty) hat’s nicht leicht)

„Wenn der Grizzlybär nicht der Teufel persönlich ist, dann ist er aber sicher sein Vetter.“(Banker Cotton Benson (Regis Toomey) hat offensichtlich den falschen Stammbaum erwischt…)

★★★ ++

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