Der Rächer (Up River)

Up River

★★★ --

  • Jahr: 1979
  • Regie: Carl Kitt
  • Darsteller: Morgan Stevens, Dale Wilson, Jeff Corey, John Curtis...

Story

Aus nicht ganz geklärten Gründen beansprucht der fiese Keeler (Dale Wilson) einen ganzen Landstrich in Kanada für sich. Daher lässt er auch den jungen Glücksritter Jacob Taylor (Morgan Stevens) abwimmeln, als der sich im Rahmen des Dominion Lands Act sein Stück Land zuweisen lassen will (wenn ich das richtig verstanden habe). Dieser jedoch besteht auf seiner Urkunde und nimmt sein neues Grundstück in Besitz. Der Beginn einer blutigen Fehde…

Worte zum Film

schauspielerisch nicht mal mittelprächtig, inhaltlich ein alter Hut und nicht der Rede wert, technisch ganz schwach; unterirdische Regie ohne jegliches Gefühl für Zeit und Raum; unerwartet blutig; immerhin eine sehr ordentliche Indianerdarstellung

Bewertung

Nee, was für ein Ramsch-Western… Dass Kabel Eins Classics sich überhaupt traut, den zu senden… Na ja, war bestimmt in irgendeinem Rechtepaket mit drin und muss dann eben auch mal gezeigt werden. Und von mir musste er in diesem Zuge dann eben auch mal geguckt werden. Ich kann euch nur davon abraten, denselben Fehler zu begehen…

Carl Kitt, der sich hier als, *hust*, Regisseur versucht hat, hat in seinem ganzen Leben genau einen Film in Szene gesetzt: „Up River“, in Deutschland auch als „Der Rächer“ bekannt. Da es von den „Rächern“ aber zu viele gibt, bleiben wir lieber beim Originaltitel. Und wenn man „Up River“ gesehen hat, weiß man auch sofort, warum es bei Kitt nicht für mehr gereicht hat. Das gilt ebenso für sein Autorenduo Don und Susan Clark, die laut IMDb an insgesamt jeweils vier Drehbüchern beteiligt gewesen sein sollen, von denen der Rest TV-Produktionen waren. Absolute Fehleinkäufe – und sie machen von Anfang an keinen Hehl daraus…

Kitt läutet seinen Streifen mit einem siebenminütigen (!) Intro aus Stummfilmbildern und lächerlich abgefilmten Fotos ein. Unterlegt ist das Ganze mit einem Off-Kommentar, der Sprüche raushaut wie „Es war eine jungfräuliche Landschaft, die nur darauf wartete vergewaltigt zu werden.“. Aha! Das dauert so lange, dass man sich ernsthaft fragt „Kommt da noch was?“. Ja, leider… Denn das ist die hervorstechendste Eigenschaft, die Kitt abgeht: Er hat null, aber auch wirklich NULL, Gespür für die Filmzeit. Kurz vor Schluss gibt es eine Rückblende, die für sich genommen schon grottenschlecht gemacht ist, aber sie wird auch noch in gefühlter Endlosschleife wiederholt! Wer will das sehen? Das bringt die Handlung in keinster Weise voran und regt einen nur auf. Und auch ansonsten dürft ihr inszenatorisch von diesem Mann gar nichts erwarten. Das sieht alles so schlecht aus (vor allem die Faustkämpfe)…

Die Clarks wiederum tischen uns eine Story um einen hoffnungslosen Naivling (Morgan Stevens Jacob Taylor) auf, der aus der Großstadt, von der er die Nase voll hat, in die Wildnis zieht, um, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, denn das Ganze spielt ja in Kanada, im Rahmen des Dominion Lands Acts ein Stück Land für sich zu beanspruchen. Folglich hat der Typ von Anfang an mehr Glück als Verstand, dass er ständig auf Leute trifft, die ihn aus den misslichen Lagen, in die er sich beständig manövriert, wieder herausholen. (Spoiler) Ist z. B. seine eine Geliebte tot (auf die total unglaubwürdige Geschichte dieser Liebe gehe ich besser gar nicht erst ein), kommt gleich die nächste Verehrerin angefahren. Und auch die Bösen tragen ihren Teil dazu bei, wenn sie ihn mehrfach halbtot liegen lassen, anstatt ihr Werk einfach mal zu vollenden… (Spoilerende)

Das beißt sich vor allem deswegen mit der Anlage dieses Beitrages, weil die Antagonisten in „Up River“ als wirklich fies dargestellt werden. Nun gut, warum der Keeler (Dale Wilson) da nun gerade der Boss ist, erschließt sich einem auch nicht, da dieser seine Leute ständig nur zusammenscheißt, obwohl er selbst vollkommen lächerlich ist. Seine Handlanger müssen alle Masochisten sein. Der hat da z. B. einen Bären von einem Mann in seinen Reihen (John Curtis), der ihn gefühlt mit einem Faustschlag in die ewigen Jagdgründe befördern könnte… Unabhängig davon werden die Taten dieser Spitzbuben jedoch ziemlich blutig dargestellt (man beachte das Entstehungsjahr) und scheuen diese auch vor quasi nichts zurück. Das bringe ich dann aber wie gesagt nicht mit Morgan Stevens Pfeife von einem Protagonisten zusammen…

Aber wie gesagt: Was passt hier schon groß zusammen? Morgan Stevens‘ Stuntman hat ne ganz andere Haarfarbe als er selbst, das Finale ist mit das langweiligste, das ich jemals gesehen habe, und die Darsteller*innen sind ein glatter Witz! Morgan Stevens ist so nervig, dass man ausnahmsweise mal wirklich nichts dagegen hätte, wenn ein Idiot wie Keeler ihn endlich erledigen würde, Dale Wilson overactet an allen Ecken und Enden, John Curtis schließt sich gleich mit an und Jeff Corey hat den Streifen offenbar nur als Geldnot gedreht. Allzu große Lust hatte er auf diesen billigen Mist seinem Einsatz nach zu urteilen jedenfalls nicht…

Das einzig Gute an „Up River“ ist die Darstellung der Indianer hier, die nicht nur vernünftig ist, sondern größtenteils gefühlt sogar durch echte Indigene geschieht. Das war’s dann aber auch. Ansonsten kann ich euch von diesem schlecht gespielten und vor allem unfassbar schwach inszenierten Unsinn nur abraten. Ein Weißer, der in der Wildnis mit einer Indianerin zusammenlebt und dessen Haus später abgefackelt wird? Was unweigerlich an einen großen Robert-Redford-Klassiker erinnert, ist maximal ein „Jeremiah Johnson“ für Arme… Lasst euch davon also nicht täuschen und wendet eure kostbare Zeit lieber anders auf! Bleibt nur noch eine Frage offen: Wer war jetzt nochmal dieser Carl Kitt? Hab ich schon wieder vergessen…

Zitate

„Ist n hartes Land hier. Und hier leben harte Menschen.“(Bagshaw (Jeff Corey) hat sich schon mal gestoßen…)

„Wieso gibt er nicht nach?“ – „Manche Leute lernen langsamer als andere.“(Christina (Deborah Au Luce) gibt ihrer kleinen Schwester Judith (Mikal Dughi) Nachhilfe)

„Das Allerschlimmste hier oben ist nass zu werden.“(Bagshaw ist aus Zucker)

„Ich bin zu alt und zu faul, um Leute zu begraben.“(Bagshaw ist um keine Ausrede verlegen)

„Squaws gehören zu den hübschesten Frauen überhaupt.“(Bagshaw könnte ausnahmsweise mal Recht haben)

★★★ --

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Durch die Nutzung der Kommentarfunktion erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten gemäß meiner Datenschutzerklärung einverstanden.