The General
★★★ +++
- Jahr: 1926
- Regie: Clyde Bruckman, Buster Keaton
- Darsteller: Buster Keaton, Marion Mack, Glen Cavender, Jim Farley...
Story
Als er sich zu Beginn des Amerikanischen Bürgerkrieges freiwillig für die Rebellionsarmee melden will, wird Johnnie Gray (Buster Keaton) mit der Begründung abgewiesen, dass er als Lokführer mehr zur die Sache des Südens beitragen könne. Und tatsächlich schlägt seine Stunde ein Jahr später: Als ein kleiner Trupp der Nordstaaten „seine“ Lokomotive „General“ entführt, nimmt Johnnie kurzentschlossen die Verfolgung auf…
Worte zum Film
tolle Bilder und Landschaften, beeindruckende Verfolgungsjagden, guter Humor und endlich mal ne Story; das Positivbeispiel unter den Stummfilm-Komödien
Bewertung
Auch bei „Der General“ könnte man sich jetzt darüber streiten, ob es sich dabei überhaupt um einen Western handelt. Für meinen Geschmack inszenierten Clyde Bruckman und Buster Keaton ihren Meilenstein aber bereits sehr nah an der Ästhetik späterer Bürgerkriegs-Western bzw. weit genug weg von reinen Bürgerkriegsfilmen. Daher habe ich ihn hier aufgenommen.
Außerdem gibt mir das nun mal die Gelegenheit, auch zu diesem Stummfilm meine Meinung loszulassen. Und „The General“ ist unter den Silent Movies, die ich bisher gesehen habe, definitiv eine Ausnahmeerscheinung. Denn er lehrt mich – gerade auch im Vergleich zu dem zuletzt hier besprochenen „Goldrausch“ – zwei Dinge: Erstens – und darüber bin ich besonders froh, weil ich es zumindest in Erwägung gezogen hatte – bin ich doch nicht „zu blöde“ einen Stummfilm zu mögen, nur weil mir die Sprache dann doch fehlt oder er mir zu theatralisch ist oder so. Nein, „The Gold Rush“ ist nach meinem Dafürhalten einfach nicht so stark wie er gemeinhin geredet wird. Und zweitens weiß ich nun, dass auch ich über Stummfilm- bzw. Slapstick-Komödien lachen kann – wenn sie eben gut gemacht sind. Hier bietet sich ebenfalls – obwohl ein Tonfilm – ein Vergleich mit dem auch erst letztes Jahr hier eingetragenen „Zwei ritten nach Texas“ an, dessen Humor ich ja ähnlich angestaubt finde wie den eines Charles Chaplin.
Tatsächlich ist „Der General“, obwohl auch er Slapstick-Elemente durchaus (und selbstverständlich) nicht ausspart, wirklich lustig. Ja, man kann wirklich auch heute noch über so einige seiner Gags lachen. Nicht alle, versteht sich, aber erstaunlich viele.
Das hat meiner Meinung nach aber auch sehr viel mit einem anderen, großen Unterschied im Vergleich zu den beiden oben genannten Chaplin- bzw. Laurel-und-Hardy-Werken zu tun: dass er eine wirkliche, stringente Geschichte zu erzählen hat, statt einfach eine Nummernrevue darzustellen. Dadurch geht einem auch das Schicksal von Protagonist Johnnie Gray (Buster Keaton) sowie anteilig auch das seiner Geliebten Annabelle Lee (Marion Mack) nahe. Entsprechend fiebert man mit den beiden mit und ist so gleich viel empfänglicher für entsprechende, auflockernde Späße.
Meiner Ansicht nach greift die einfache Abstempelung dieses Werkes als Komödie, als die es immer geführt wird, aber eindeutig zu kurz. Tatsächlich ist „The General“ – wie alle Western – im Kern ein Abenteuerfilm. Und was für einer! Die Verfolgungsjagden mit den diversen Loks und Zügen sind schlichtweg atemberaubend – auch heute noch. Vor allem ein Gedanke ließ mich dabei nicht los: Das müssen die alles wirklich so gedreht haben, da sind keine großen Tricks dabei. Und wirklich: Das Wrack der am Ende abstürzenden Lokomotive lag noch Jahre später in dem Flussbett, in das Keaton und Co. sie stürzen ließen. Was für ein Aufwand, Wahnsinn!
Dass sich dieser Aufwand gelohnt hat, steht außer Frage. „Der General“ ist von vorne bis hinten prächtig ausgestattet, die Landschaften laden zum Schwelgen ein, die Darstellung des Amerikanischen Bürgerkrieges übertrifft jene fast aller danach gedrehten Western bis etwa in die 1990er Jahre hinein spielerisch und einige Einstellungen gingen zu Recht in die Filmgeschichte ein (Stichwort: Kuppelstange).
Schauspielerisch ist das, was Keaton abliefert, auch wirklich gut. Gerade auch wieder – ich sag’s jetzt aber auch wirklich zum letzten Mal – im Vergleich mit Chaplin, Laurel und Hardy, die immer so etwas Aufgesetztes an sich hatten. Keaton aber ist dagegen erfrischend zurücknehmend und bodenständig und wirkt daher genau wie der Mann aus dem Volke, den er darstellt. Von den restlichen Akteur*innen hier ist mir allerdings niemand wirklich im Gedächtnis geblieben. So richtig grün werde ich mit der Schauspielerei der Stummfilm-Ära vielleicht doch nicht mehr werden.
Ebenso muss man die ganzen von mir verwendeten Superlative ein wenig ins Verhältnis setzen: Was Silent Movies angeht, war „The General“ für mich bisher die Crème de la Crème. Das bedeutet nicht, dass es danach nicht noch viele, viele Talkies gab, die ihm locker den Rang ablaufen können. Tatsächlich weist Keatons Opus Magnum, falls man es so bezeichnen darf, im Mittelteil ein paar Längen/Schwächen auf und hinterlässt bei der finalen Schlacht mindestens ein paar Fragezeichen. Und ich habe bei meiner Internet-Recherche gemerkt, dass ich in ihn lange, lange nicht so viel hineininterpretieren kann wie andere Rezensenten (aber wann ist das schon mal der Fall?).
Dementsprechend bleibt „Der General“ ein überragendes stummes Filmwerk – egal, ob man ihn nun überwiegend als Komödie goutiert oder als Abenteuerfilm. Als Komödie ist er aber zumindest mal wirklich lustig und als – ich sag’s jetzt nochmal – Western wirklich spannend. Dazu kommen eine gute, sogar auf einer wahren Begebenheit beruhende (!) Geschichte, ein großartig geerdeter Hauptdarsteller sowie dessen tolle Inszenierung. Die genannten kleinen Schwächen von „The General“ macht man eigentlich erst aus, wenn man anfängt, ihn mit Tonfilmen zu vergleichen. Und das muss man ja gar nicht unbedingt machen, oder?
Zitate
Fehlanzeige
★★★ +++
