Charro!

Charro!

★★★ +

  • Jahr: 1969
  • Regie: Charles Marquis Warren
  • Darsteller: Elvis Presley, Victor French, Solomon Sturges, Ina Balin, James Sikking, Paul Brinegar...

Story

Vince (Victor French) und seine Bande klauen eine vergoldete mexikanische Kanone und schieben die Tat ihrem Ex-Mitglied Jess Wade (Elvis Presley) in die Schuhe. Dieser erwartet die Banditen daraufhin in der Stadt, in der Tracey (Ina Balin), in die sowohl er als auch Vince verliebt sind, ihren Saloon betreibt. Hier buchtet er als Hilfssheriff Vinces Bruder Billy Roy (Solomon Sturges) ein und hofft so auf eine gute Verhandlungsposition. Vince jedoch macht keinen Hehl daraus, dass er bereit ist, die Kanone auch gegen die Stadt einzusetzen, sollte er seinen Bruder nicht wiederkriegen…

Worte zum Film

objektiv und situativ völlig schwachsinnige Story mit ein paar netten Momenten und Figuren; durchschnittliche bis schwache Darsteller*innen; nur was für Fans

Bewertung

Wenn ich das richtig sehe, waren unter Elvis Presleys 31 Spielfilmen auch drei Western. Nachdem er seine Schauspielkarriere mit „Love Me Tender“ („Pulverdampf und heiße Lieder“) und „Flaming Star“ („Flammender Stern“) ins Laufen gebracht hatte, drehte er erst kurz vor deren Ende noch einen letzten: „Charro!“. Dementsprechend kommt natürlich auch das Online-Western-Lexikon nicht ohne den „King Of Rock ’n’ Roll“ aus. In seinem Fall starten wir jedoch mal hinten und sehen uns zuerst „Charro!“ an. Allerdings ist diese 1969 inszenierte und optisch sowie was die Musik von Hugo Montenegro anbelangt natürlich bereits vom Italo- bzw. dem aufkommenden Spät-Western beeinflusste Pferdeoper eine, an die sich kein Schwein erinnern würde – wenn ihr Hauptdarsteller nicht eben Elvis Presley hieße. Hier passt einfach nicht viel zusammen.

Regisseur Charles Marquis Warren, der hier sein eigenes Drehbuch verfilmte (wobei die Story laut IMDb von Frederick Louis Fox sein soll), hat in seiner Vita so einige Filme zu stehen, bei denen er diese beiden Posten in Personalunion ausübte. Vermutlich sind aber nicht ohne Grund eher diejenigen Werke seines Oeuvres am bekanntesten, zu denen er nur das Script beisteuerte (namentlich stechen mir da jetzt zum Beispiel „Springfield Rifle“ („Gegenspionage“) und der definitiv empfehlenswerte „Day Of The Evil Gun“ („Totem“) ins Auge). Seine Regie ist jedenfalls komplett austauschbar.

Aber auch in seiner vermeintlich besseren Disziplin kann er hier nur selten überzeugen. Der Auftakt von „Charro!“ ist holprig und langweilig – inklusive einer seeehr glaubwürdigen Szene, in der Protagonist Jess Wade (natürlich gespielt von Elvis) sich einfach mal nen wilden Gaul fängt und den eben zureitet. Es folgt ein etwas besserer Mittelteil sowie ein Finale, das in mir ambivalente Gefühle hervorgerufen hat. (Spoiler) Denn wenn die Banditen am Ende mit ihrer Goldkanone eine ganze Stadt bedrohen, ist das auf den ersten Blick schon recht beeindruckend. Auf den zweiten redet Bandenchef Vince (Victor French) ob dieser Ausgangslage davon, das Örtchen von der Landkarte zu radieren – schießt dann aber immer nur auf die Hauptstraße… Warum es überhaupt so weit kommen muss und Wade Vinces Bruder Billy Roy (Solomon Sturges) nicht schon vor Ort (und damit vor den Augen der anderen, ihm feindlich gesinnten Anwohner) mit der Kanone bedrohen kann, verstehe wer will. (Spoilerende)

Aber das ist sowieso das Hauptproblem von „Charro!“: Seine Geschichte um eine gestohlene, goldene Kanone und den Mann, den man mit einer einfachen Brandnarbe dafür verantwortlich machen kann, ist objektiv und vor allem auch situativ betrachtet (s. oben) vollkommener Schwachsinn! Da schießen die an anderer Stelle zum Beispiel mit der Kanone Dynamitstangen in einen Fluss und dann explodieren die da?

Und weil „Held“ Jess Wade auch noch zaudernd und sprunghaft ist, müssen zwei andere, sehr interessante Charaktere die Kohlen für ihn aus dem Feuer holen: die super sympathische Saloonbetreiberin Tracey (Ina Balin) sowie Chefbandit Vince (Victor French). Letzterer überrascht an einer Stelle damit, dass er erst vollkommen ausrastet und seine Männer ordentlich zusammenscheißt – und sich dann dafür entschuldigt. Wow!

Da dieser Vince aber leider von Victor French verkörpert wird, kann dieses Potential leider nie voll ausgeschöpft werden. Er lässt mich erneut wundern, wie zum Geier er von Howard Hawks oder dessen Casting-Agenten für „Rio Lobo“ besetzt werden konnte… Leider bleibt auch sein Filmbruder Solomon Sturges sehr blass. Er beweist, warum „Charro!“ aus seiner kurzen Filmografie noch wie das Highlight heraussticht. Die beiden befinden sich jedoch in bester Gesellschaft, da Elvis Presley sogar richtig schlecht ist. Ihm nimmt man seine angebliche Outlaw-Vorgeschichte zu keiner Sekunde ab und sein Gesicht drückt eigentlich von Minute eins an nur eines aus: Langeweile. Michael Chevalier als sein Synchronsprecher ist viel zu ausdrucksstark für ihn… Wenn man nur diesen einen Streifen betrachten würde, müsste man sich fragen, wie der „King“ überhaupt auf 31 Filmbeteiligungen kommen konnte (er soll ja aber schon besser gewesen sein). Nebendarsteller wie James Sikking oder Paul Brinegar mache ihre Sache wesentlich besser. Und zumindest bei einer stimmen Figur und Performance überein: Ina Balin. Sie hat als einzige das Niveau, das ich mir von einem guten Western erhoffe, und sieht nebenbei auch noch super aus.

Dank seiner Hauptdarstellerin also (wenn man Balin denn überhaupt so bezeichnen kann) und aufgrund der mitunter interessanten Charaktere sowie vereinzelter Szenen reicht es für „Charro!“ unterm Strich noch ganz knapp für ein Plus. Und wahrscheinlich, weil ich ein Western-Fan bin. Dass Nicht-Genrefans die blödsinnige Geschichte nur noch viel mehr nerven wird, halte ich nämlich für hochwahrscheinlich. Elvis-Presley-Fans haben vielleicht noch ihren Spaß daran, dass ihr Idol hier mal ein Western-Titellied singt (welches aber leider auch nicht besonders doll und ja auch schnell wieder vorbei ist), aber das war’s dann auch schon. Das kann man sich mal mit angucken, hat es aber auch sofort wieder vergessen.

Übrigens: Nervig auch der Titel, der wohl cool und exotisch klingen soll. Weil ein Mexikaner Jess Wade ganz zu Beginn zwei- oder dreimal so nennt, heißt der Streifen „Charro!“? Lächerlich…

Zitate

„Vergessen Sie Jess Wade, der ist nichts für Sie! Vergessen Sie auch meinen Bruder Vince! Durch mich werden Sie beide in einer Nacht vergessen haben.“(Billy Roy will bei Tracey (Ina Balin) wohl mit Hypnose arbeiten)

„Nimmt die Frau es mit der Treue genau, hat sie blonde Haare und die Augen sind blau.“(Billy Roy könnte auch Horoskop-Autor werden)

„30 Minuten können das Leben eines Mannes entscheidend verändern.“(Billy Roy kann sich nicht vorstellen, dass es bei Frauen ebenso sein könnte)

★★★ +

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