Catlow – Leben ums Verrecken

Catlow

★★★

  • Jahr: 1971
  • Regie: Sam Wanamaker
  • Darsteller: Yul Brynner, Richard Crenna, Daliah Lavi, Leonard Nimoy, Jo Ann Pflug, Jeff Corey, Michael DeLano, Julián Mateos...

Story

Kurzfassung (offenes Ende)

Obwohl Gauner Catlow (Yul Brynner) sowohl von dem eiskalten Killer Miller (Leonard Nimoy) als auch seinem alten Kumpel Cowan (Richard Crenna) gesucht wird, stiehlt er mit seiner Bande einen Haufen Gold von mexikanischen Regierungstruppen. Die geplante Flucht durch die Wüste entwickelt sich schnell zum Kampf auf Leben und Tod…

Kurzfassung (komplett)

Nachdem Gauner Catlow (Yul Brynner) mit seiner Bande einen Haufen Gold von mexikanischen Regierungstruppen geklaut hat, versucht er damit durch die Wüste zu fliehen. Allerdings hat er dabei die Rechnung ohne seine Ex-Geliebte Rosita (Daliah Lavi) gemacht, die ihm das Edelmetall wieder abjagt. Ohne Gold und ohne Waffen stehen er und seine Kumpane plötzlich einer Übermacht Indianer gegenüber. Da hilft es auch nichts, dass sein alter Kumpel Cowan (Richard Crenna), der es sich eigentlich zum Ziel gesetzt hatte, Catlow lebend zu fangen und der Gerichtsbarkeit zu übergeben, plötzlich wieder an seiner Seite kämpft. Schlussendlich kommen ihnen jedoch die mexikanischen Soldaten zur Hilfe, die zuvor bereits Rosita und ihre Leute dingfest machen konnten. Jetzt könnte Cowans Plan endlich in die Tat umgesetzt werden, gäbe es da nicht noch den durchgeknallten Killer Miller (Leonard Nimoy), der Catlow wiederum tot in den Staaten abliefern möchte. Zwar gelingt es, Miller in einem Schusswechsel endgültig auszuschalten, allerdings kann sich Catlow an der Stelle wieder befreien und türmen. Cowan wird wohl einen weiteren Versuch machen müssen, ihn zu fangen…

Worte zum Film

nur in den Indianerkämpfen interessant, ansonsten langweilig und unsympathisch; mittelmäßige Darsteller*innen, mittelmäßige Regie, mittelmäßige Ausstattung, mittelmäßiges Ergebnis

Bewertung

Mittlerweile kann man wirklich ein Muster erkennen. Nein, Stop, zwei Muster sogar! Erstens lässt sich nach diesem mindestens dritten US-Western der letzten Zeit, der in Almería gedreht wurde, sagen, dass diese Streifen in der Regel offensichtlich nichts taugen. Egal ob nun „A Man Called Sledge“, „El Condor“ oder „Catlow – Leben ums Verrecken“. Die Amis konnten es in Europa offensichtlich nicht. Zu den möglichen Gründen kommen wir gleich nochmal. Zweitens scheint Selbiges auch für Louis L’Amour gegolten zu haben. Nach zuletzt „Shalako“ und „Heller In Pink Tights“ fällt auch diese seine Geschichte bei mir quasi auf die gleiche Art durch. „Shalako“ kommt dabei eine Sonderstellung zu, da dieser – ebenfalls von einem amerikanischen Regisseur mit einem internationalen Cast in Spanien gedreht – eigentlich auch in die erste Kategorie fällt, sein Geld seinerzeit jedoch aus Großbritannien stammte. Der größte Witz dabei ist: Mir war beides vorher nicht bewusst. „Catlow“ hat es ganz regulär und ohne Vorurteile geschafft, mich nicht zu überzeugen.

Dabei fangen Regisseur Sam Wanamaker sowie die Drehbuchautoren Scot Finch und James Griffith es eigentlich ziemlich gut an. Obwohl einem Richard Crennas Figur Ben Cowan zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht bekannt ist, fiebert man direkt zu Beginn mit ihr mit, wenn er sofort in einen Indianerüberfall verwickelt wird. Dieser ist aber auch wirklich stark inszeniert. Tatsächlich wird es von solchen Indianerkämpfen im weiteren Verlauf noch ein paar mehr geben und tatsächlich sind diese am Ende das einzig Spannende an „Catlow“ (diesen selten dämlichen deutschen Untertitel lasse ich jetzt einfach mal weg). Dass dieser die Ureinwohner dafür lediglich als fiese Schießbudenfiguren zurück auf die Leinwand holt, ist der Wermutstropfen dabei.

Wobei Wermutstropfen? Der ganze Film ist ein einziger, großer Wermutstropfen im Westernfass. Seine Geschichte über den mal wieder komplett unsympathischen Gauner Catlow (Yul Brynner) interessiert nicht die Bohne. Dafür tritt der von der ersten Minute an viel zu überheblich auf und nervt mit seinem Dauergelache (selbst dann, wenn er hintergangen wird) – und damit, dass er seiner Teilzeitgeliebten Rosita (Daliah Lavi) wirklich jedes Mal reflexartig auf den Arsch hauen muss… Die Mexikanerin selbst steht bei brennender Hütte aber auch nur in der Tür und lacht. Cowan dagegen weiß ja gar nicht, was er überhaupt wollen soll. Der kann einem eher leid tun. Und Leonard Nimoys kranker, nicht tot zu kriegender Killer Miller nervt sowieso nur rum. So ein Blödsinn, der am Ende nur ein paar Minuten mehr auf der Uhr bringt.

Was dieser „Catlow“ denn nun vorhat, ist einem daher auch herzlich egal – dem Film in der ersten halben Stunde ebenso. Da läuft Catlow nur ständig davon, wird gefangen genommen oder zumindest gefunden und dann kommen seine Männer aus dem Hinterhalt zur Hilfe und hauen ihn raus. Und er lacht dümmlich, ist klar… Danach wird dann immer mal zwischen Catlow und Cowan hin- und hergeswitcht, was es nicht besser macht. Die Story ist einfach lahm! Kleiner Spoiler: Des Protagonisten Plan ist am Ende einfach nur lächerlich, die Durchführung und gerade die Gegenwehr der Gegner zum Kopfschütteln und seine Flucht selten unvorbereitet…

Es muss also auch an Louis L’Amours erneut nicht gerade guter Vorlage liegen, dass „Catlow“ so ein Reinfall geworden ist, denke ich mir, aber nicht nur. Denn all die o. g. Pferdeopern eint die Tatsache, dass sie zwar mindestens einen großen Star als Zugpferd gewinnen konnten, ansonsten aber eher spärlich ausgestattet sind. Das ist ja wahrscheinlich überhaupt erst der Grund gewesen, sie kostengünstig in Europa zu produzieren. In diesem Fall lässt sich der Sparkurs u. a. auch an Sam Wanamaker selbst erkennen, der ja, wenn er überhaupt als solcher in Erscheinung trat, eigentlich ein TV-Regisseur war. Von seinen spannenden Indianerkämpfen abgesehen ist seine Inszenierung folglich auch eher mau und austauschbar.

Noch mehr gilt dieses für die Musik, die ein ganz billiger Abklatsch des „The Magnificent Seven“-Scores ist und deren Urheber sich die Blöße dieses Credits wohl nicht geben wollte. Ich hab zwar im Vorspann nicht aufgepasst, aber zumindest taucht sein Name in der IMDb nicht auf. Dort ist nur Roy Budd als Dirigent gelistet. Aber wen wundert das in einem Streifen, in dem selbst Brynners Kostüm hässlich ist?

Yul Brynner selbst spielt für mich per se auf der Kante zur Unsympathie. Hier überschreitet er sie sicherlich auch aufgrund seiner – wie beschrieben – schrecklichen Figur mit Leichtigkeit. Und das im letzten Western seiner Karriere. Ein unschöner Abgang. Selbiges gilt im Prinzip für Leonard Nimoy, der hier seinen zweiten und ebenfalls letzten Auftritt in diesem Genre absolviert (nachdem er bereits 1953 in „Old Overland Trail“ „debütierte“!), wobei er immerhin den fiesen Killer mimen darf (der nicht ganz so unsympathisch, eher nervig ist und), der lange nicht so viel Screentime hat. Für Daliah Lavi war „Catlow“ gar der letzte Kinofilm überhaupt (weil sie sich danach aufs Singen verlegte). Auch sie kann ob ihrer blöden Rolle gar nicht so viel dafür und nicht so viel dagegen machen, aber von einem Gut ist auch ihr Auftritt weit entfernt. Am ehesten gefiel mir da noch Richard Crenna, dem sein hin- und hergerissener Marshal immerhin recht passabel gelungen ist. Der Supporting Cast aus u. a. Jo Ann Pflug, Jeff Corey, Michael DeLano oder Julián Mateos (und natürlich Dan van Husen!) bleibt hingegen nicht lange in Erinnerung.

Ach und wisst ihr, was „Catlow – Leben ums Verrecken“ noch sehr gerne wäre, es aber ebenfalls so gar nicht ist? Lustig. Gelacht habe ich nicht einmal. Und das kann ich auch im Nachhinein nicht tun, wenn ich an diese langweilige, mal wieder mit Unsympath*innen bevölkerte Geschichte denke, die ich morgen bereits wieder vergessen haben werde. Die spannenden Indianerkämpfe zwischendurch können über die Mittelmäßigkeit der Regie, der Musik, der Ausstattung sowie des Großteils der Darsteller*innen nicht hinwegtäuschen. Ich hab fürs Erste die Nase voll von Ami-Western aus Almería sowie von Louis-L’Amour-Adaptionen…

Zitate

„Ben Cowan, wann wirst du es endlich begreifen? Dein Marshal-Zeichen ist nur n Magnet für Ärger.“(Catlow fühlt sich von Cowan angezogen)

„Nichts ist schlimmer als Whiskey an einen Toten zu verschwenden.“(Merridew (Jeff Cory) hält nichts von saufenden Zombies)

★★★

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Durch die Nutzung der Kommentarfunktion erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten gemäß meiner Datenschutzerklärung einverstanden.