Western Jack

Un Uomo, Un Cavallo, Una Pistola

★★★ +++

  • Jahr: 1967
  • Regie: Luigi Vanzi
  • Darsteller: Tony Anthony, Dan Vadis, Marco Guglielmi, Daniele Vargas, Raf Baldassarre, Ettore Manni, Jill Banner, Rossella Bergamonti, Silvana Bacci...

Story

Der Fremde (Tony Anthony) gerät dieses Mal mit dem Banditenboss En Plein (Dan Vadis) aneinander, der es auf das Gold eines flüchtigen Bankiers abgesehen hat. Aber auch ein seltsamer Prediger (Marco Guglielmi) und der Postangestellte Good Jim (Daniele Vargas) wollen dabei noch ein Wörtchen mitzureden haben…

Worte zum Film

ordentliche Darsteller, sehr kurzweiliges Drehbuch mit dem etwas anderen Antihelden, gute Musik; Regie ähnlich unsicher wie beim Vorgänger

Bewertung

Es ist schon wahnsinnig, wie schnell hintereinander die Italiener die Western damals nur so rausgekloppt haben. „Ein Dollar zwischen den Zähnen“ zum Beispiel feierte im Januar 1967 Premiere und im August desselben Jahres kam dann schon der Nachfolger „Western Jack“ in die (italienischen) Lichtspielhäuser. Wenn man darüber nachdenkt, wie lange heutzutage allein die Postproduktion manchmal dauert… Daher darf man sich selbstverständlich auch überhaupt nicht darüber wundern, dass unter diesen Umständen nicht jedes Mal ein Klassiker entstehen konnte. „Un Dollaro Tra I Denti“ ist auch dafür ein gutes Beispiel. Nichtsdestotrotz war ihm an den Kinokassen seinerzeit offensichtlich Erfolg beschert. Und obwohl ich das nicht wirklich nachvollziehen kann, bin ich im Nachhinein doch froh darüber, denn mit „Un Uomo, Un Cavallo, Una Pistola“ bewies so ziemlich die gleiche Crew nur ein halbes Jahr später, dass unter diesen Umständen eben auch sehr ordentliche Vertreter entstehen konnten.

Und woran liegt’s? Nun, an Luigi Vanzi ehrlich gesagt nicht. Der zeigt sich hier zwar leicht verbessert gegenüber „Teil 1“, inszeniert den Fremden (Tony Anthony) im finalen Showdown sogar recht cool mit dem Patronengurt über dem Arm (wenngleich die Idee auch locker von jemand anderem stammen könnte), aber gerade zu Beginn meint man ein unschönes Déjà-vu zu haben. Da passiert wieder nichts von Belang und alles wird unnötig in die Länge gezogen. ((Spoiler) Da muss der Fremde etwa minutenlang zwei Gräber ausheben, obwohl völlig klar ist, dass er selbst nie darin landen wird… (Spoilerende))

Dies wird Vanzi im weiteren Verlauf jedes Mal tun, sobald sich ihm die Gelegenheit dazu bietet (er hat aus meiner Sicht einfach kein Gespür fürs Timing), aber im Vergleich zu „Ein Dollar zwischen den Zähnen“ gibt es hier einen gewaltigen Unterschied: Diese Gelegenheiten halten sich nämlich arg in Grenzen, da das Drehbuch nach einer Idee von Hauptdarsteller Anthony und geschrieben von Roberto Infascelli und erneut Giuseppe Mangione wesentlich kurzweiliger geraten ist. Das ist ne richtig klassische Italowesternplotte mit ein paar wirklich guten Einfällen (allen voran die Goldkutsche), einer Handvoll schräger Vögel und jeder Menge habgieriger Taugenichtse ((Spoiler) speziell die Figur des Good Jim (Daniele Vargas), die auch genau den richtigen Namen verpasst bekommen hat, bringt hier richtig Spannung rein (Spoilerende)). Vor allem ist der von einem kaum wiederzuerkennenden Dan Vadis gespielte Antagonist En Plein doch eine ganz andere Hausnummer als der weltfremde, tumbe Aguilar, den Frank Wolff im Erstling noch spielen musste. Vor dem kann man doch richtig Angst bekommen. (Nur sein Name taugt halt nichts und wird – zumindest in der deutschen Fassung – auch noch verkehrt übersetzt.)

Was „Western Jack“ (noch so ein blöder Name) darüber hinaus aus der Masse der Italowestern heraushebt, ist sein namenloser Antiheld (der nämlich gar nicht Jack heißt). Dieser wird von Anthony und Co. nämlich gar nicht so übermenschlich porträtiert wie wir das aus diesem Subgenre gewohnt sind. Denn obwohl er im Finale tatsächlich noch die Zeit findet, zwischen seinen Tötungen (und teilweise sogar während dieser) noch einen Happen zu essen, gelingt es ihm zu Beginn beim besten Willen nicht, sich eine vernünftige Zigarette zu drehen und (Spoiler) verspielt er sich seine reiche Beute am Ende durch eigene Schusseligkeit sofort wieder. (Spoilerende) Das ist, so weit ich das Subgenre im Kopf habe, ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal. Das kommt mir recht mutig vor. Ich hätte das früher zum Beispiel als Schwäche empfunden, befürchte ich. Gerade auch vor diesem Hintergrund finde ich heutzutage jedoch, dass solch eine Erdung des Protagonisten aller Ehren wert ist.

Dadurch, dass er an diesem Charakter im Gegensatz zum Vorgänger ein Wörtchen mitzureden hatte, ist dieser auch gleich viel geschwätziger geworden und Tony Anthony dadurch wesentlich glaub- und liebenswürdiger in seiner Darstellung. Er war offensichtlich ein Schauspieler, der dieses Mitbestimmungsrecht sehr schätzte und von da an regelmäßig einforderte. Dass Michael Chevalier obendrein besser zu ihm passt als Klaus Kindler rundet das Gesamtbild hier ab. Der ohne seine Muskelberge zeigen zu müssen und mit Bart auf den ersten Blick wie gesagt gar nicht zu erkennende Dan Vadis ist vielleicht nicht der beste Banditenboss aller Zeiten, aber er macht das ganz ordentlich und seine Rolle tut ihr übriges dazu. Unter seinen Männern sticht Raf Baldassarre, der anscheinend in jedem Anthony-Western mitspielen musste, eindeutig heraus. In der deutschen Fassung kann man das aufgrund der Besetzung des grundsätzlich großartigen, hier jedoch hoffnungslos fehlbesetzen Gerd Duwner als sein Synchronsprecher jedoch kaum genießen. Sehr genossen habe ich dagegen den Auftritt des schön schmierigen Daniele Vargas. Ettore Manni wird in einer winzigen Nebenrolle als Lieutenant der US-Armee geradezu verheizt, aber da könnte man sich jetzt Schlimmeres vorstellen, oder? Marco Guglielmi ist aufgrund seiner nervigen Rolle dagegen kaum zu leiden. Als besonderes Bonbon hält „Un Uomo, Un Cavalla, Una Pistola“ dafür dann aber noch Kurzauftritte von Jill Banner, Rossella Bergamonti und vor allem Silvana Bacci bereit – und kann es sich tatsächlich erlauben, diese ganzen hübschen Mädels einfach so nebenbei zu verheizen. Großartig!

Richtig gut ist erneut auch die Musik zu diesem Beitrag geraten. Und der Wechsel zu Stelvio Cipriani hat sich richtig gelohnt. Der bringt ein bisschen mehr Abwechslung in seine Melodien und sein Hauptthema nicht zusätzlich auch als Spannungsthema ein; das allein reicht schon aus. Als I-Tüpfelchen verwertet er diese eine kleine Erkennungsmelodie des Fremden aus „Un Dollaro Tra I Denti“ wieder und stellt so die Verbindung zwischen den beiden Teilen her – genau so soll es sein.

Das alles führt in Summe dazu, dass der recht schwache Auftakt von „Western Jack“ am Ende kaum ins Gewicht fällt. Viel zu sehr spielen sich die starken Italowestern-Charaktere im weiteren Verlauf in den Vordergrund. Das im Vergleich zu „Ein Dollar zwischen den Zähnen“ wesentlich stärkere Script führt zudem dazu, dass Luigi Vanzis weiterhin nicht überragende (aber ordentliche, wir wollen mal nicht so sein) Regie kaum Gelegenheit dazu findet, einzelne Parts in die Länge zu ziehen. Die sehr ordentlichen Darsteller sowie Stelvio Ciprianis gute Musik sorgen letztendlich dafür, dass „Un Uomo, Un Cavallo, Una Pistola“ die Ehre des „Strangers“ wiederherstellt. Das hier guckt man sich doch sehr gerne mit an. Nur der deutsche Name „Western Jack“, der rangiert auf der Liste der dümmsten Western-Titel aller Zeiten leider ganz weit oben…

Zitat

„Ich habe mich nie gescheut, einem Mann einen Gefallen zu tun.“(der Fremde war mal Callboy)

[der Fremde möchte gerne mehr über En Plein und seine Bande erfahren] „Wer sind die?“ – „Wir hier nennen sie den ,Schatz der Grenze‘.“ – „Wieso?“ – „Alle zusammen sind 10.000 Dollar wert.“(der Prediger klärt den Fremden über die Geldanlagen der Gegend auf)

„Ich liebe Plätze, wo es nach Schwierigkeiten riecht. Man stirbt da schneller.“(der Fremde hat besondere Vorlieben)

„Mich haben sie nicht nur geschlagen, auf mich haben sie auch geschossen.“ – „Das ist keine Entschuldigung, sie nicht erkannt zu haben.“(Lieutenant Stafford (Ettore Manni) erwartet mehr Einsatz von seinen Mitbürgern)

„Es gibt zwei Arten von Menschen, die ich nicht mag: Die, die vorgeben nichts zu wissen, und die, die glauben alles zu wissen.“(Lieutenant Stafford erkennt seine Schweine am Gang)

„Dickköpfige Männer wie Sie machen entweder eine große Karriere oder sie sterben jung.“(der Fremde spielt Horoskop für Lieutenant Stafford)

„Diese Postkompanie gibt auch dem Guten Herrn keinen Kredit.“(Good Jim hat keine Angst vor großen Tieren)

„In unserer Zeit läuft jeder herum und versucht immer irgendjemand anderer zu sein.“ – „Ja, jeder fürchtet die eigene Haut.“(der Prediger und der Fremde gründen ihren eigenen Philosophie-Club)

★★★ +++

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