E Poi Lo Chiamarono Il Magnifico
★★★★
- Jahr: 1972
- Regie: Enzo Barboni
- Darsteller: Terence Hill, Gregory Walcott, Harry Carey Jr., Dominic Barto, Yanti Somer, Riccardo Pizzuti, Enzo Fiermonte...
Story
Kurzfassung (offenes Ende)
Weil es der letzte Wunsche ihres Kumpans, des „Engländers“, ist, kümmern sich Bull Schmidt (Gregory Walcott), Monkey Smith (Dominic Barto) und Holy Joe, der Prediger (Harry Carey Jr.), nach dessen Tode darum, aus seinem Sohn Thomas Fitzpatrick Phillip Moore, genannt Joe (Terence Hill), einen echten Kerl zu machen. Dies gestaltet sich aus ihrer Sicht als keine allzu leichte Aufgabe und verkompliziert sich noch mehr, als Joe sich in die Rancherstochter Candida Olsen (Yanti Somer) verliebt und damit dem Vorarbeiter der Ranch, Morton Clayton (Riccardo Pizzuti), auf die Füße tritt…
Kurzfassung (komplett)
In seinem Abschiedsbrief an seine alten Kumpane Bull Schmidt (Gregory Walcott), Monkey Smith (Dominic Barto) und Holy Joe, den Prediger (Harry Carey Jr.), mit denen er so manches Ding gedreht hat, bittet der „Engländer“ selbige aus seinem Sohn Thomas Fitzpatrick Phillip Moore, genannt Joe (Terence Hill), einen echten Kerl zu machen. Natürlich kümmern sich die drei um die Sache, auch wenn Joe so gar nicht ihrem Idealbild eines Westmannes und Banditen entspricht. Der fängt nämlich lieber Schmetterlinge, beobachtet Ameisen, fährt Fahrrad und verabscheut es, einen Menschen zu töten. Erst als er sich in Rancherstochter Candida Olsen (Yanti Somer) verliebt und damit dem Vorarbeiter der Ranch, Morton Clayton (Riccardo Pizzuti), in die Quere kommt, lässt er sich ausbilden und schon bald ist ein richtiger Draufgänger aus ihm geworden. In einer finalen Prügelei schickt er Morton, der obendrein steckbrieflich gesucht wird, aus der Stadt. Die drei Ganoven, deren Job ja nun erfüllt ist, flüchten vor dem Fortschritt weiter nach Westen, müssen am Pazifik angekommen jedoch feststellen, dass dieser nicht mehr aufzuhalten ist.
Worte zum Film
vor allem durch großartige Situationskomik super lustig; tatsächlich mal ne richtige Parodie mit toller Moral am Schluss, aber leider ein paar Längen zwischendurch; gewohnt gute Schauspieler, tolle Regie und gute Musik; überragende Landschaftsaufnahmen
Bewertung
„God save you from the queen, my son!“ – Amen!
Auch mit seinem vierten und leider, leider bereits vorletzten Western bewies Enzo Barboni noch einmal, dass er ein kleines Genie war. Anstatt es nach seinen beiden überragenden „Trinità“-Erfolgen italotypisch anzugehen und einfach mit dieser Art Film weiterzumachen, änderte er seine dortige Erfolgsformel noch einmal ein klein wenig ab und straft mich und meine gerade erst getätigte Aussage im Review zu „Mein Name ist Nobody“ Lügen, dass es Leone, Gastaldi und Co. gewesen seien, die mit diesem die melancholische Western-Komödie erfunden hätten. Und bevor ich demnächst über einen noch früheren Vertreter derselben stolpere, werde ich jetzt lieber nicht sofort wieder behaupten, Barboni hätte diese erfunden, aber zumindest war er mit „Verflucht, verdammt und Halleluja“ noch ein Jahr früher dran. Das ist – neben dem Fehlen Bud Spencers – dann auch der Hauptunterschied zwischen diesem und „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ sowie „Vier Fäuste für ein Halleluja“.
Nun kann man sich natürlich fragen, inwieweit Barboni, der auch hierzu das Drehbuch natürlich wieder selbst verfasste, diesen Schritt absichtlich getätigt hat oder ob ihm diese Richtungsänderung beim Schreiben einfach nach und nach sinnvoll erschien. Und natürlich dürft ihr vom Gegenteil ausgehen, aber ich wage zu behaupten, dass Barboni schon wieder einen Schritt weiter war als alle anderen. Während diese alle noch auf seinen Prügel-Komödien-Zug aufspringen wollten, hatte er bereits erkannt, dass er damit das Ende des Italowestern-Subgenres eingeleitet hatte, und bereitete folglich seinen Ausstieg aus selbigem vor, bevor auch er sich nur noch wiederholen würde. Oder was meint ihr, warum er sich der Pferdeoper hiernach direkt ab- und bis auf seinen letzten Verzweiflungsversuch 1995 auch nie wieder zugewandt hat? Also inszenierte er mit „…E Poi Lo Chiamarono Il Magnifico“ zwar erneut eine Western-Komödie, aber eben eine, die auch eine Art Abgesang auf das Genre, dessen Untergang er eingeläutet hatte, darstellt. Und das, obwohl 1972 das gefühlt letzte richtig gute Jahr der „Italowestern-Industrie“ darstellte. So viel Weitsicht ist doch genial, oder? Das muss ihm erstmal einer nachmachen.
Warum aber schreibe ich nun, dass „Verflucht, verdammt und Halleluja“ nur eine Art Abgesang darstellt? Weil der gute, alte Enzo es uns auf die softe Art darbringt. Er macht es nicht so holzhammermäßig wie „Il Mio Nome È Nessuno“ ein Jahr später, sondern baut seine Verweise auf das Ende des Westens eher subtil ein. Die erste Hälfte der zweistündigen Laufzeit merkt man davon fast gar nichts. Die komplette erste Stunde steht „…E Poi Lo Chiamarono Il Magnifico“ von der Quantität der Witze her „Lo Chiamavano Trinità…“ und „…Continuavano A Chiamarlo Trinità“ in nichts nach. Und das ist auch gut so. Das ist Barbonis große Stärke; das ist das, was er überragend versteht und das, was zumindest ich mir von einem echten „Barboni“ erhoffe. Wie gesagt, er lässt auch Elemente des Fortschritts wie die Eisenbahn oder das Fahrrad in diesen ersten Teil des Streifens mit einfließen, aber erst im zweiten lässt er seine Grabgesangs-Gedanken stärker durchkommen. Die eindrucksvollste Szene hiervon ist wohl die wunderschön gefilmte Slow-Motion-Sequenz, in der Hill auf seinem weißen Schimmel zu Yanti Somer geritten kommt und Barboni diese Illusion der „heilen Western-Welt“ sofort damit kaputt macht, dass das Pferd, das der Abdecker eigentlich schon längst hätte zu sich holen sollen, sofort nach diesem für ihn doch extremen Kraftakt erschöpft zusammenbricht. Ein überragendes Sinnbild, das von der Symbolkraft wohl nur noch von der großartigen Moral des nicht aufzuhaltenden Fortschritts der Schlussszene übertroffen wird. Auch diese ist wieder genial zu nennen. Selten so einen einfachen und dabei so effektiven Schlussakkord gesehen.
Aus eben diesem Grunde nutzt Barboni „Verflucht, verdammt und Halleluja“ auch dafür, zum ersten Mal eine „richtige“ Parodie auf das Western-Genre als solches zu drehen. Eine, die sich mit der Frage beschäftigt, was einen „wahren Mann“ ausmacht. Eine, bei der sich der Protagonist dann bei seinem ersten, fast tödlichen Duell mit dem Antagonisten sogar in die Hose pinkeln darf, weil er solche Angst hat. Und damit eine, die selbst mir gefällt. Hut ab!
Darüber hinaus hat auch die Qualität seiner Witze keinen Deut nachgelassen. Ganz im Gegenteil ziehen seine Running Gags wie die beiden Kopfgeldjäger weiterhin fantastisch und bringt er mit dem Culture Clash zwischen dem wohl erzogenen, gebildeten englischen Adels-Jungspund und dem Ganoven-Trio, das zu zwei Dritteln aus Analphabeten besteht, noch ein weiteres frisches Element rein, das für überragende Situationskomik sorgt (ich sach nur er „bespitzelt die Ameisen“ – köstlich!).
Bei all der Lobhudelei möchte ich jedoch nicht unter den Tisch fallen lassen, dass „…E Poi Lo Chiamarono Il Magnifico“ leider auch ein paar Längen aufzuweisen hat. Interessanterweise betreffen diese oft genau die Elemente, die die beiden Vorgänger Barbonis so stark gemacht haben, also die Prügeleien. Zwar legt der Regisseur hier auch sonst ein eher gemächliches Erzähltempo an den Tag, aber nirgendwo wird das so deutlich wie in der finalen Prügelei zwischen Hill und Pizzuti, die sich – sich nur zwischen zwei Leuten abspielend – auf eine knappe Viertelstunde ausweitet und damit eindeutig zu lang ist. Natürlich hat diese ihre Reize, aber die sind allerspätestens nach zehn Minuten ausgelutscht. Das ist ein wenig schade, weil es diesen Streifen am Ende tatsächlich die fünf Sterne kostet, aber weiter dramatisieren will und muss ich das Ganze jetzt auch nicht.
Handwerklich stimmt bei „Verflucht, verdammt und Halleluja“ nämlich erwartungsgemäß mal wieder alles! Barbonis Regie ist (nun gut, mit Ausnahme der eben geschilderten Schwäche natürlich) großartig zurückgenommen und mitunter geradezu episch zu nennen, Aldo Giordanis Bilder sind exzellent und der Score von Guido und Maurizio De Angelis erwartet gut. Letzterer trifft hervorragend den leisen Ton des Films und ist genauso wie er mal lustig, mal melancholisch, wobei der letztere Teil am meisten im Gedächtnis hängen bleibt. Und dann sind da noch die unglaublich schönen, grünen Landschaften, die Barboni hierfür als Kulisse auserkoren hat und bei denen man sich irgendwann zwangsläufig fragt, wo er diese „aufgetrieben“ hat. Sieht mitunter ja fast aus wie in nem Karl-May-Western. Und was soll man sagen? Tatsächlich ist die Crew auch hierfür ins damalige Jugoslawien gefahren und hat an den und um die Plitvicer Seen gedreht. Da fragt man sich natürlich, warum da nicht noch viel mehr Western entstanden sind.
Auch die Schauspieler enttäuschen einen nicht. Terence Hills übertrieben albernes Gespucke nervt zwar ein wenig, aber das ist ja sicher nicht auf seinem Mist gewachsen (und wenn doch hätte Barboni intervenieren müssen) und ich kann mir beim besten Willen niemanden vorstellen, der seine Rolle besser hätte verkörpern können (interessanterweise passt in diesem Ausnahmefall auch Manfred Schott, der ihn hier anstelle von Thomas Danneberg synchronisiert, ganz hervorragend zu ihm). Bud Spencer hingegen – und das muss man dem Regisseur wieder hoch anrechnen – vermisst man zu keiner Minute und er hätte hier auch gar nicht reingepasst (soll ja aber anfangs ebenfalls wieder für eine Rolle im Gespräch gewesen sein). Gregory Walcott, Dominic Barto und Harry Carey Jr. tun dies viel besser und sind über jeden Zweifel erhaben. Ein vortreffliches Casting! Vor allem die Grimassen und Gesichter, die Ersterer immer schneidet, sind spitze, Barto guckt von Haus aus schon wie ein Ganove und über unseren John-Ford-Veteran Harry Carey Jr. braucht man ja eigentlich gar nicht zu reden. Mit Arnold Marquis als Stimme, die zwar für ihn ein wenig unpassend ist, wie ich finde, aber immer wieder gerne gehört wird, hat er dann auch noch das größte „Sprecher-Glück“ der drei. Über Yanti Somer kann man leider gar nicht so viel sagen, da sie nicht viel mehr zu tun hat als Hill schöne Augen zu machen – dies allerdings bereitet ihr mit ihren zwei hübschen Reh-Äuglein keine Probleme. Nur freuen kann man sich dagegen über Riccardo Pizzuti, der hier für seine Verhältnisse ja eine Riesen-Rolle hat (und bei dem man sich nach dem Schauen des Interviews auf der Koch-DVD/BD hierzu auch zu Recht fragt, warum er eine solche überhaupt angenommen hat). Er hat hier seinen – wie ich finde – besten Auftritt im Genre und muss sehr gelobt werden. Vor allem, wo der Arme ja immer auf die Mütze kriegt…
Tja, um es also auf den Punkt zu bringen: „…E Poi Lo Chiamarono Il Magnifico“, Barbonis Abgesang auf und gleichsam sein Abschied vom Westerngenre, ist eine herzerfrischende Parodie, die dem Witz der „Trinity“-Filme in keiner Weise nachsteht und darüber hinaus teilweise sogar zum Nachdenken anregt (wie etwa mit ihrem Endbild) und von daher auch zum absoluten Pflichtprogramm eines jeden Western-Fans gehört. Der ebenso gut inszenierte wie gespielte Streifen beinhaltet des Weiteren herrliche Landschaften wie bei der Modelleisenbahn (toll fotografiert natürlich, aber das versteht sich beim ehemaligen Kameramann Barboni ja quasi von selbst) und einen guten Score, die einen die ein, zwei Längen, die er aufweist, locker ertragen lassen. Zwar bin ich Enzo Barboni (natürlich) keineswegs böse darüber, dass er hiernach auch wieder reine Hau-Drauf-Komödien inszeniert hat (und was für welche!), aber ich hätte mir auch gerne noch ein, zwei solcher Western-Komödien angeguckt. Aber gut, da hat das kleine Genie in ihm sicherlich wieder geahnt, dass er sich damit nur wiederholen würde und es daher vorsorglich gelassen. Von daher will ich das dann auch gerne so hinnehmen. „Mein Name ist Nobody“ jedenfalls zieht im Vergleich klar den Kürzeren und hätte sich hiervon eine dicke Scheibe abschneiden sollen…
Übrigens: Für alle, denen der Vorspann auch so bekannt vorkommt: Es sieht ganz so aus, als hätte Barboni hierfür nicht verwendete Bilder der quasi gleichen Intro-(und in dem Fall auch Outro-)Szenen von „Support Your Local Gunfighter“ eingekauft. Ist doch schön, wenn man sich in der Filmwelt gegenseitig aushilft. ;)
Zitat
[Bull Schmidt verdingt sich anfangs als Aushilfe und stellt sich stumm, kann die Fassade aber nicht lange aufrechterhalten] „Stummer, halt du dein Maul!“(ein Wirt ist von den „neuen“ Fähigkeiten seiner billigen Aushilfe Bull Schmidt nicht gerade angetan)
„Man soll nie stehen, wenn man sitzen kann!“(Holy Joe hat keinen höhenverstellbaren Schreibtisch)
„Man bringt am Tag des Herrn keine Leute um.“(Holy Joe dampft das göttliche Gebot auf einen Tag ein)
[eine alte Dame stellt ihren Hund in der Postkutsche vor] „Er ist viel lieber draußen und spielt, wissen Sie?“ – „Dann werfen Sie ihn doch zum Fenster raus, dann er kann er hinterher laufen!“(ein Mitreisender Viehzüchter (Furio Meniconi) betätigt sich als Hundeanimateur)
[Joe lässt sich zu seinem neuen, abgelegenen Wohnsitz fahren] „Wer soll da oben schon hausen? […]“ – „Ein neuer Diogenes zum Beispiel?“ – „Wer ist denn das?“ – „Einer, der Menschen sucht.“ – „Aha, ein Sheriff!“(der Kutscher (Steffen Zacharias) ist ein Meister der Kombinatorik)
„Sie sind Bull Schmidt?“ – „Na ja, das hat meine Mutter behauptet, als mein Vater sie fragte, aber du weißt ja wie Frauen sind….“(Bull Schmidt sollte sich mal ne neue Geburtsurkunde bestellen)
„Es ist ein Yorkshire.“ – „Siehst du, ich hab dir gleich gesagt es ist kein Hund.“(Monkey Smith kennt sich aus)
[man unterhält sich über Joes Fahrrad] „Und kacken muss es nie. Ich habe es seit heut morgen beobachtet.“ – „Das ist der Fortschritt.“ – „Wenn der Fortschritt in Verstopfung besteht, dann sage ich zum Teufel mit dem Fortschritt!“(Monkey Smith ist ein scharfer Beobachter)
„Für einen Whiskey kann es gar nicht früh genug sein.“(Holy Joe braucht keine Uhr)
„Die Wege unseres Herrn sind untergründig!“(Bull Schmidt hat Gott in der U-Bahn getroffen)
„Ich bin Olsen, Frank Olsen.“ – „Das scheint mir kein ausreichendes Motiv für einen Heiterkeitsausbruch zu sein.“(Holy Joe ordnet ein)
„Ein Mann ohne Pistole ist kein Mann.“(Holy Joe ist ein waschechter Amerikaner)
„Wenn dieses Pferd intelligent wäre, hätte es vor zehn Jahren Selbstmord begangen.“(Holy Joe zweifelt an)
„Die Hose passt ja.“ – „Ja, nur im Schritt ist sie etwas zu weit.“ – „Och, da mach dir keine Sorgen! Wenn du deinen Schwan siehst, sitzt sie von ganz alleine stramm.“(Monkey Smith zeigt Joe gegenüber seine Verkäufer-Qualitäten)
„Joe, es ist nicht unbedingt nötig einen Schlag mit dem Kinn zu parieren. Dazu nimmt man die Fäuste.“(Holy Joe betätigt sich als Boxlehrer)
„Ein Optimist ist jemand, der im Sarg liegt, die Hände auf dem Bauch gefaltet.“(Monkey Smith zitiert aus dem Duden)
★★★★
