Tampeko – Ein Dollar hat zwei Seiten

Per Pochi Dollari Ancora

★★★ +++

  • Jahr: 1966
  • Regie: Giorgio Ferroni
  • Darsteller: Giuliano Gemma, Sophie Daumier, Ángel Del Pozo, José Calvo, Dan Vadis, Nello Pazzafini, Jacques Sernas, Benito Stefanelli, Lorenzo Robledo, Antonio Molino Rojo, Furio Meniconi...

Story

Kurzfassung (offenes Ende)

Dem gefangenen Südstaaten-Leutnant Gary Tampeko (im Original: Gary Hammond (Giuliano Gemma)) winkt als Belohnung die Freilassung, wenn er Nordstaaten-Captain Lefevre (Ángel Del Pozo) und dessen Sergeant Brian Pitt (Nello Pazzafini) hilft, eine Nachricht von einem bevorstehenden Rebellenangriff auf Fort Yuma dorthin zu überbringen. Dummerweise mischt in dieser Angelegenheit aber auch noch die Banditenbande von Nelson Riggs (Dan Vadis) mit, die Pitt relativ bald erschießt und Tampeko gefangen nimmt…

Kurzfassung (komplett)

Der gefangene Südstaaten-Leutnant Gary Tampeko (im Original: Gary Hammond (Giuliano Gemma)) wird von den Nordstaatlern vor die Wahl gestellt. Entweder verhindert er ein Blutbad und kommt frei oder er wird erschossen. Es gibt nämlich noch ein paar aufständische Konföderierte, die von dem Banditen Nelson Riggs (Dan Vadis) mit falschen Informationen beliefert werden und daraufhin Fort Yuma überfallen sollen. Dann wollen Riggs und seine Komplizen über einen geheimen Stollen in das Fort gelangen und die Regimentskasse stehlen.

Tampeko nimmt den Auftrag an. Zusammen mit Captain Lefevre (Ángel Del Pozo) und Sergeant Brian Pitt (Nello Pazzafini) macht er sich auf den Weg. Schnell wird Letzterer erschossen und Gary von Riggs gefangen genommen. Doch er hat Freunde, die ihm helfen. Die Tänzerin Connie Breastfull (Sophie Daumier) und den alten Goldsucher Sam Bull (im Original: Goldie (José Calvo)). Letzterer überbringt an Tampekos Stelle den Brief mit der Nachricht vom Überfall nach Fort Yuma. Connie hingegen wird auch Gefangene der Banditen, zu denen auch Captain Lefevre und der Südstaaten-Major Sanders (Jacques Sernas) gehören.

Nachdem Tampeko sich befreit hat, warnt er seine alten Kumpane nicht anzugreifen und als sie endlich auf ihn hören, macht er sich auf und erschießt die Banditen oder das, was er von der Bande nach seiner Flucht übrig gelassen hat. Er befreit Connie und darf sich berechtigte Hoffnungen auf eine Zukunft mit ihr machen.

Worte zum Film

spielfreudige Darsteller, eine etwas verzwickte, aber coole Story, nette Action, ne hübsche Frau und ein paar sehr schöne Ideen; hat alles, was das Italoherz begehrt

Bewertung

Anmerkung: „Tampeko – Ein Dollar hat zwei Seiten“ habe ich bisher zweimal gesehen. Einmal vor Jahren auf Tele 5 und einmal am 24.07.2025 in der Arte-Mediathek. Bei beiden Ausstrahlungen handelte es sich leider um die geschnittene 85-Minuten-Version dieses Streifens. Nur diese kann ich im Folgenden also bewerten. Wie das bei den Italienern so ist, wäre es gut möglich, dass meine Einschätzung nach Ansicht der Uncut-Fassung, die immerhin 105 Minuten und damit ganze 20 Minuten länger sein soll (!), nach oben wie nach unten hin korrigiert werden müsste. Tatsächlich ist das aber auch ein Grund, warum ich dieser Version nie vier Sterne gegeben hätte, obwohl ich stellenweise echt am Überlegen war…

Tatsächlich muss ich mich doch gleich zu Beginn dieses Reviews selbst korrigieren. Denn was ich beim – tatsächlich sehr ähnlich aufgestellten – „Vorgänger“ „Un Dollaro Bucato“ geschrieben habe, kann ich so nicht mehr stehenlassen. Tatsächlich hat Giorgio Ferroni mindestens zwei Ausreißer nach oben in seiner Vita zu stehen. Einer davon ist – natürlich – „L’Arciere Di Fuoco“ („Der feurige Pfeil der Rache“), den ich zwischenzeitlich endlich nachholen konnte, und der andere heißt – zumindest im Deutschen – „Tampeko – Ein Dollar hat zwei Seiten“. Da hat mich meine Erinnerung an diesen wohl etwas getrübt. Denn er ist mitnichten nur leicht überdurchschnittlich, sondern macht extrem viel Spaß! Er stopft sozusagen das „Loch im Dollar“.

Doch genug der Vergleiche. Tatsächlich präsentiert sich auch „Per Pochi Dollari Ancora“ inhaltlich noch sehr amerikanisch beeinflusst – und weckt mit seinem Originaltitel damit völlig zu Unrecht Assoziationen zu Leones „Dollar“-Filmen. Außerdem hat er diese überhaupt nicht nötig, denn mal wieder bewahrheitet er die These, dass diese italienischen Vertreter zumindest eine Story haben. Mehr noch, denn hier ist nicht nur die Ausgangsposition interessant, aus ihr wird auch wirklich mal was gemacht. Natürlich ist sie von der realistischen Warte aus betrachtet kompletter Unsinn: Ein gefangener Südstaaten-Leutnant namens Tampeko (Giuliano Gemma) soll sowohl den Nordstaatlern dabei helfen, ihr Fort zu halten, indem er sie vor einem bevorstehenden Rebellenangriff warnt, als auch seine eigenen Leute davor bewahren, sinnlos in den Tod zu rennen, da sie bei dieser Attacke nur das Werkzeug von Banditen sein würden, die es auf die Regimentskasse abgesehen haben. Aber man kann sich absolut auf sie einlassen und sie wird konsequent zu Ende geführt. Gerade Letzteres schafft wirklich nicht jeder Italowestern.

Dass das auch aus anderen Gründen nicht gerade zu erwarten stand, zeigt ein Blick auf die am Drehbuch Beteiligten: Sage und schreibe sechs Leute sollen laut IMDb daran mal wieder mitgewirkt haben. Aber zumindest in der o. g. Cut-Fassung ist davon nichts zu spüren. Zwar mag die Geschichte ein wenig verzwickt erzählt werden, aber zu kompliziert wird es nicht (und außerdem ist man das von den Italienern ja nun mal leider gewöhnt). Auch mag (natürlich) nicht alles logisch und anderes vorhersehbar sein ((Spoiler) Captain Lefevres (Ángel Del Pozo) Rolle in diesem Stück etwa dürfte bereits in dessen erster Szene klar sein (Spoilerende)). Im Gegenzug dafür aber wartet „Tampeko – Ein Dollar hat zwei Seiten“ mit einer Fülle an guten Ideen auf. So war zumindest ich echt baff, wie clever der Titelheld den Mord an Sergeant Pitt (Nello Pazzafini) aufklärt. Und dann gibt’s da ja noch das „Indianerspiel“, das mit Tampeko gespielt wird und bei dem dieser sein Augenlicht verliert. (Spoiler) Und auch wenn er das alles – wie sich wenig später herausstellen soll – nur spielt, auch das ist clever und macht im Anschluss richtig Spaß, wenn er die unwissenden bösen Buben einen nach dem anderen ins Jenseits befördert. (Spoilerende) Fünf Jahre vor „Blindman“ wohlgemerkt! Aufstoßen könnte einigen Die-Hard-Fans höchstens noch die Gesangseinlage von Connie Breastfull (was für ein Name!), aber ist völlig in Ordnung – und außerdem guckt euch mal die Lady an, die diese vorträgt…

Denn die absolute Entdeckung von „Per Pochi Dollari Ancora“ ist für mich eindeutig Sophie Daumier! Eine sehr hübsche Französin, von der man sich zu Recht fragen darf, warum einem die nicht schon öfter über den Weg gelaufen ist. Nun, auf der einen Seite umfasst ihre Filmografie insgesamt nur 30 (vorrangig mir unbekannte, französische) Filme, auf der anderen nahm sie sich nach „Tampeko“ aus mir nicht näher bekannten Gründen eine mehrere Jahre andauernde Auszeit, aus der sie nur ganz kurz wirklich zurückkommen sollte (man hat da ja so eine Vermutung, aber was weiß ich schon). Wie dem auch sei, ein Grund mehr sie hier so richtig zu genießen. Denn nicht nur ist ihre freche Rolle hier ein sehr erfrischendes Element, sondern geht sie darin auch vollkommen auf.

Allerdings kann man mit gutem Recht das gesamte Ensemble hier als spielfreudig bezeichnen. Klar, von Giuliano Gemma ist man nichts anderes gewöhnt, aber auch Nello Pazzafini z. B. macht in seiner sympathischen Rolle (!) eine richtig gute Figur. Selbst José Calvo und Dan Vadis kann man hier als aufgeweckt bezeichnen. Darüber hinaus macht Ángel Del Pozo das ausgezeichnet und der Rest sind bekannte Italo-Recken (Andrea Bosic, Benito Stefanelli, Antonio Molino Rojo, Lorenzo Robledo, Furio Meniconi etc. etc.).

Vorwerfen kann man „Per Pochi Dollari Ancora“ höchstens, dass die Action zwar gut aussieht, Ferroni darüber hinaus aber über keine Handschrift verfügt, die ihn wirklich aus der Masse herausheben würde. Und selbstredend ist auch das Budget dieses Streifens nicht mit dem eines kleinen US-Westerns zu vergleichen gewesen. Dafür sehen Ausstattung und Drehorte jedoch schwer in Ordnung aus; das Südstaatler-Lager ist sogar regelrecht cool geworden.

Und seien wir mal ganz ehrlich: Von wie vielen italienischen Regisseuren aus dem zweiten Glied erwartet ihr einen perfekt durchkomponierten Film? Eben. Die eher durchschnittliche Optik von „Tampeko – Ein Dollar hat zwei Seiten“ wird von seinem spannenden, absolut kurzweiligen Drehbuch mit seinen vielen guten Ideen, den sympathischen Charakteren und den fast noch sympathischeren, weil toll aufspielenden Darstellern mehr als wett gemacht. Dadurch haben wir hier coole Shootouts, nen Blinden, ne (sehr!) hübsche Frau und sogar ne Story! Italoherz, was willst du mehr? Nun ja, höchstens noch, dass das Ganze nicht so gehetzt wirkt. Das wird in 85 Minuten schon sehr flott erzählt. Daher wäre ich dann doch auf die Uncut-Fassung gespannt…

Zitat

„Gut geflucht ist halb geheilt.“(Sam Bull hat sein Medizinstudium noch im ersten Semester abgebrochen)

„Wo Blinde sind, gibt’s Unglück.“(ein Mitglied von Riggs Bande (helft mir bitte beim Namen des Schauspielers, ich kann ihn ausnahmsweise wirklich nicht hundertprozentig identifizieren) war noch nie auf nem Ray-Charles-Konzert)

„Im Dunkeln ist n Messer mehr wert als ne Pistole.“(Nelson Riggs hat zu viel Assassin’s Creed gezockt)

★★★ +++

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