Satan der Rache

E Dio Disse A Caino...

★★★ +++

  • Jahr: 1970
  • Regie: Antonio Margheriti
  • Darsteller: Klaus Kinski, Peter Carsten, Marcella Michelangeli, Antonio Cantafora, Guido Lollobrigida, Luciano Pigozzi, Lucio De Santis, Giuliano Raffaelli...

Story

Kurzfassung (offenes Ende)

Nach zehn Jahren unschuldiger Plackerei im Steinbruch will Gary Hamilton (Klaus Kinski) endlich Rache an seinem ehemaligen Freund Acombar (Peter Carsten) und dessen Schergen nehmen. In einer Tornado-Nacht nimmt er sie sich einen nach dem anderen vor…

Kurzfassung (komplett)

Zehn Jahre lang hat Gary Hamilton (Klaus Kinski) unschuldig im Steinbruch geschuftet. Nun wird er entlassen und kennt nur noch ein Ziel: Rache an den Leuten, die ihn einst dorthin brachten. Das waren sein ehemaliger Freund Acombar (Peter Carsten) und die drei Santamaria-Brüder Miguel (Guido Lollobrigida), Francesco (Luciano Pigozzi) und Jim (Lucio De Santis). Da sich Acombar in ihrem kleinen Heimatort in den letzten zehn Jahren jedoch alles – inklusive Garys ehemaliger Freundin Maria (Marcella Michelangeli) – unter den Nagel gerissen hat, kommen nun noch eine ganze Outlaw-Gang und Acombars Sohn Dick (Antonio Cantafora) hinzu. Letzterer heißt zwar nicht gut, was sein Vater getan hat, steht ihm aber trotzdem bei…

Aber kein Problem für Hamilton. In einer Tornado-Nacht metzelt er seine Gegenspieler*innen – wenn diese sich nicht zufällig gerade selbst umbringen – alle nieder und reitet am Ende alleine und ohne Waffen ins Sonnenlicht.

Worte zum Film

brillante Atmosphäre mit vielen netten Gothic-Gruselelementen, gute Darsteller*innen, ordentliche Musik mit schrecklichem Titelsong; gute Grundidee, auf die Dauer aber schon ein wenig eintönig und redundant

Bewertung

Und Antonio Margheriti sprach zu Klaus Kinski: Töte sie! Töte sie alle! Vollstrecke deine Rache und kehre allein zurück! Der tat, wie ihm geheißen, und fertig war „Satan der Rache“. Ein wahrlich simpler Italowestern – und doch heutzutage ein sehr gehypter Klassiker seines Subgenres. Zu Recht?

Um diese Frage zu beantworten, schauen wir uns zuerst eine andere an: Wie ist „E Dio Disse A Caino…“ aufgebaut? Ist er wirklich so einfach gestrickt, wie ich eben behauptet habe? Die Antwort lautet für mich ganz klar: Ja! Aber so was von! Sicherlich kann man auch in ihn wieder ganz Vieles und gerade auch Religiöses hineininterpretieren, wenn man das möchte, aber am Ende kann man ihn auch auf einen Satz herunterbrechen: Kinskis Protagonist Gary Hamilton nimmt nach zehn Jahren Rache an den Menschen, die ihn einst hintergingen und ins Zuchthaus brachten, indem er sie alle umbringt. Punkt! Mehr ist da nicht. Fast schon wie ein Popsong, der auf eine zwar super eingängige, aber eben nur eine Melodie reduziert wurde, treiben Antonio Margheriti und sein Co-Autor Giovanni Addessi quasi die Grundidee dieses Subgenres auf die Spitze. Und so besteht „Satan der Rache“ unterm Strich quasi nur aus einem einzigen großen, auf ca. 100 Minuten aufgeblasenen Showdown. Und klar, dieser wird – quasi wie bei nem guten Horrorfilm – recht langsam und figurenzentriert eingeleitet und fällt – wie man das von den Italienern gewohnt ist – dann recht abwechslungs- und ideenreich aus (da wird z. B. auch ne Kirchenglocke zweckentfremdet), aber auf diese lange Dauer wird das dann doch irgendwann recht eintönig. Ich mein, sind wir mal ehrlich. Ein Kill nach dem anderen – das ist schlicht redundant und hat bei der Masse an Ermordeten irgendwann auch keinen Mehrwert mehr. Bis zum großen Finale zumindest. Das liefert nochmal ein paar starke Szenen, hätte aber auch ein wenig kürzer ausfallen können ((Spoiler) wie viele Spiegel muss man zerschießen, um zu checken, dass das Ausgangsmaterial direkt vor einem steht? (Spoilerende)). Von den Pferden, die da einen großen Teil der Drecksarbeit verrichten müssen, mal ganz zu schweigen…

Umgesetzt hat Margheriti diesen Teil seines Streifens (also die Tötungen als solche) am Ende eher durchschnittlich. Da schießt einer, da fallen ein paar Leute um… So weit, so normal. Und doch ist „E Dio Disse A Caino…“ kein ganz normaler Italowestern. Und er ist schon gar nicht durchschnittlich inszeniert, sondern im Gegenteil sehr stark. Denn so paradox es angesichts so vieler Leichen klingen mag: Seine große Stärke sind nicht die Kills. Seine große Stärke ist seine Atmosphäre! Die gelingt Margheriti ganz ausgezeichnet. Die Ausleuchtung mit dem Schummerlicht, der Sturm, der das Stroh die ganze Zeit durch die Straßen weht, Vogelschwärme, die plötzlich auffliegen, Fensterläden, die klappern… Das sind tolle Bilder, die der gute, alte Antonio da kreiert und sie machen etwas mit einem. Nicht umsonst hatte ich vorhin schon den Vergleich zu einem Horrorfilm gezogen. Ob einen das Ganze wirklich zum Gruseln bringt oder man sich in dieser Atmosphäre einfach nur wohlfühlt, ist dabei am Ende ja völlig egal – gnadenlos effektiv ist es allemal.

Passend dazu hatte der Regisseur seine Schauspieler*innen offensichtlich auch sehr gut im Griff. Klaus Kinski in einer seiner ganz wenigen Rollen, wo er mal „den Guten“ spielen durfte, überzeugt tatsächlich auch in dieser. Peter Carsten ist dagegen mal schön fies und mal schön aufgescheucht. Um ihn herum dürfen Guido Lollobrigida, Luciano Pigozzi und Lucio De Santis ein ganz besonderes Brüder-Trio spielen. Die machen richtig Spaß! Aber auch Antonio Cantafora spielt den hin- und her gerissenen Spross sehr ordentlich, während Marcella Michelangeli ebenfalls nichts anbrennen lässt und dazu selten so gut aussah wie hier.

Dementsprechend kann es überhaupt nicht verwundern, woher „Satan der Rache“ seine ganzen Fans nimmt. Die für einen (Italo-)Western ziemlich einzigartige, super stimmige Atmosphäre, die guten Darsteller*innen und der ansprechend langsame Aufbau der spannenden Ausgangslage sprechen eindeutig für sich. Tatsächlich reicht es für die Riege der ganz großen Klassiker dieses Genres am Ende jedoch nicht ganz, weil die vielen Tötungen – so raffiniert sie mitunter auch erdacht und ausgeführt sein mögen – auf Dauer dann doch ein wenig redundant sind. Da fällt das absolut schreckliche Titellied, das Carlo Savina hierfür geschrieben hat, gar nicht mal ins Gewicht…

Übrigens: Etwas irritiert war ich während der Ansicht der 4K-Scheibe von HanseSound von den Gesichtern der Darsteller*innen. Die sehen alle so aus, als hätten die ne Tonne Makeup im Gesicht. Liegt das am Film, am Master, an der Aufarbeitung? Kann mir da jemand weiterhelfen?

Zitate

„Ich warte auf den Tornado. Er wird mein bester Freund sein.“(Gary Hamilton sieht sich im Auge des Sturms in seinem Freundeskreis)

„Feinde vermehren sich wie Läuse.“(Francesco Santamaria (Luciano Pigozzi) hat beides schon gehabt)

„Da kommt jemand auf Besuch zu uns, dem man anscheinend die Einladung mit dem Revolver geschrieben hat.“(Dr. Jonathan (Giuliano Raffaelli) ist im Zweitjob Schriftsetzer)

„Sauft euch die Angst zum Arsch raus!“(Miguel Santamaria (Guido Lollobrigida) ist nebenberuflich Motivationscoach)

„Ein Sohn sollte nicht für die Fehler seines Vaters bezahlen.“(Gary Hamilton hat nie „The Place Beyond The Pines“ geguckt)

★★★ +++

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