Für 1000 Dollar pro Tag (Für 1000 Dollar am Tag)

Per Mille Dollari Al Giorno

★★★ ++

  • Jahr: 1966
  • Regie: Silvio Amadio
  • Darsteller: Zachary Hatcher, Rubén Rojo, Mimmo Palmara, Mirko Ellis, Pier Angeli, Tom Felleghy, José Calvo...

Story

Kurzfassung (offenes Ende)

Nach einer einjährigen Ausbildung kehrt Scott Backer (im Original Hud Backer (Zachary Hatcher)) als gefährlicher Pistolero zurück in seine Heimatstadt, um sich an Lon (Manuel Gil), Wayne (Mirko Ellis) und Jason Clark (Rubén Rojo) zu rächen, die einst seine Eltern töteten. Dafür schürt er unter ihnen Angst vor einem Attentäter und lässt sich dann für 1000 Dollar pro Tag von ihnen anstellen. Bald jedoch fliegt seine tatsächliche Identität auf…

Kurzfassung (komplett)

Weil die Grundstücksspekulanten Jason (Rubén Rojo), Wayne (Mirko Ellis) und Lon Clark (Manuel Gil) seine Eltern erschossen haben, macht sich Scott Backer (im Original Hud Backer (Zachary Hatcher)) auf den Weg zu Pistolero Carranza (José Calvo), um hier das Töten zu lernen.

Als er seine Ausbildung abgeschlossen hat, kehrt er in seine Heimatstadt Stoneville zurück. Hier lässt er die Clarks erst wissen, dass es jemand auf ihr Leben abgesehen hat, um sich dann ihr Vertrauen zu erarbeiten und sich von ihnen für 1000 Dollar pro Tag als Leibwächter anstellen zu lassen. Als dieser erschießt er unerkannt Lon und Wayne. Jetzt aber kriegt Jason heraus, wer der Mörder seiner Brüder ist und ersucht den Schutz des Sheriffs Steve Benson (Mimmo Palmara). Er gesteht sogar seine Bluttaten, sodass Steve ihn vor ein Gericht bringen kann. Hier wird er jedoch freigesprochen, da sein Geständnis als erzwungen gilt.

Wieder auf freiem Fuß engagiert Jason einen Killer, der Scott erledigen soll, aber es kommt andersherum und Letzterer erschießt Erstere. Mit seiner Jugendliebe Betty Benson (Pier Angeli) möchte Scott nun aber trotzdem nicht zusammenleben, da er befürchtet, von nun an von aller Welt herausgefordert zu werden.

Worte zum Film

ordentliche Darsteller*innen, nette Musik; Rache-Story trotz ein paar Logiklöchern sehr unterhaltsam; klare Orientierung an amerikanischen Vorbildern; wirkt cut sehr gehetzt – uncut sicher richtig gut

Bewertung

Anmerkung: Ob nun damals bei Tele 5 oder heute bei Grjngo: Uncut gibt’s „Für 1000 Dollar pro Tag“ hierzulande bisher noch nicht zu sehen. Dementsprechend bezieht sich das folgende Review natürlich auf die deutsche, gerade einmal 75 Minuten lange Stümmelfassung. Das Original soll laut Wikipedia rund 25 Minuten (!) länger sein. Ich könnte mir gut vorstellen, dass mir diese Version noch ein wenig besser gefallen dürfte (und verweise diesbezüglich auf meine unten stehenden Ausführungen).

Silvio Amadio. Das könnte ein Name sein, den ich mir merken sollte. Könnte. Denn gesehen habe ich von ihm bisher leider nur „Alla Ricerca Del Piacere“ („Haus der tödlichen Sünden“) sowie „Peccati Di Gioventù“ („Sonne, Sand und heiße Schenkel“). Bei beiden handelt es sich um vergleichsweise etwas anspruchsvollere und leicht bessere Streifen, als man es von der durchschnittlichen Italo-Kost (und insbesondere der erotischen) erwarten darf (wobei man zu „Alla Ricerca Del Piacere“ fairerweise dazusagen müsste, das er sogar deutlich über dem Schnitt liegt und sehr unterhaltsam ist). Dieser Eindruck setzt sich nun mit „Für 1000 Dollar pro Tag“ fort, seinem leider einzigen Beitrag zum Italowestern. Insofern ist es umso erstaunlicher, warum dieser oft so schlecht bewertet wird.

Wobei man natürlich zugeben muss, dass „Per Mille Dollari Al Giorno“ hierzulande ein Problem hat: Ob des fehlenden Viertels an Spielzeit (s. oben) kann man eine ernst zu nehmende Beurteilung kaum vornehmen. Und doch dürfte das Gros an Handlung erhalten geblieben sein und kann man über dieses nur sagen: Nicht schlecht, das macht schon Spaß Protagonist Scott Backer (Zachary Hatcher) bei seiner Rache zuzusehen. Gerade der Beginn, wenn er von José Calvo als Carranza fast schon in Eastern-Manier zum Pistolero ausgebildet wird, ist sehr kurzweilig geraten und hätte durchaus länger ausfallen dürfen – was er ja vielleicht auch ist (ihr seht, es ist nicht so einfach). Die oft geäußerte Kritik am hiernach folgenden Hauptteil, dass man die Clarks ob ihrer Ängstlichkeit als furchteinflößende Schurken kaum ernst nehmen kann, ist berechtigt, konnte mir den Spaß jedoch nicht verderben. Vielmehr ist es schön, sich diebisch mit Scott mitzufreuen, wenn seine Ankündigungen etwa per Sarg erfolgreich zugestellt werden. Und ja, auch generell ist sein Rachefeldzug eigentlich sehr leicht zu durchschauen, aber wenn man ehrlich ist, tun die bösen Buben dies ja auch direkt nach seinem ersten Mord. Wie sie sich dann allerdings verhalten, ist wiederum nicht soo clever…

Aber so ist das eben. Auch „Für 1000 Dollar pro Tag“ hat so seine Logiklöcher. (Spoiler) Viel schlimmer wiegen für mich in diesem Zusammenhang jedoch der Indianerüberfall aus dem Nichts samt sofortiger Niederschlagung durch die Kavallerie – genauso aus dem Nichts, sowie die zur Farce verkommende und vollkommen vorhersehbare Gerichtsverhandlung, nur um doch eine Rechtfertigung für die dann zu Ende geführte Selbstjustiz von Scott liefern zu können. Die brauchte es doch vorher auch nicht… (Spoilerende)

Aber „Per Mille Dollari Al Giorno“ ist auch 1966 noch ein Vertreter, der komplett vom US-Western beeinflusst ist. Das geht bei den grünen Weiden und dem Tex-Ritter-Style-Titellied los und hört mit dem Lonesome-Cowboy-Ende auf, welches zeigt, dass die Drehbuchautoren Tito Carpi, Luciano Gregoretti und Silvio Amadio höchstselbst bei ihren Vorbildern gut aufgepasst haben. Aber auch dazwischen bauen die drei nur selten auf richtige Italo-, eher auf US-Inhalte. So ist Scott Backer kein reiner Antiheld (oder zumindest einer mit einem Gewissen) und werden diesem in Person von Sheriff Steve Benson (Mimmo Palmara) und dessen Schwester Betty Benson (Pier Angeli) zwei Figuren entgegengestellt, die seinen Rachefeldzug aber mal so gar nicht gutheißen. Leider wurden in diesem Zusammenhang also auch die typischen Gefühlsduseleien und Moralpalaver amerikanischer Vertreter mit übernommen. Die hätte ich jetzt auch nicht gebraucht und evtl. kommt genau daher ja auch weitere Kritik an diesem Werk, auf der anderen Seite gibt sich „Für 1000 Dollar pro Tag“ genau dadurch aber immerhin so „intellektuell“, dass über entsprechende Bibelverse hier noch gestritten wird, anstatt das „Wort Gottes“ wie in späteren Vertretern einfach nur noch bildhaft zu verwenden. Mir jedenfalls ist es mal wieder lieber und wichtiger, dass es überhaupt eine Story gibt und dass diese obendrein so kurzweilig geworden ist (so gibt es durchaus schon einige echte „Carpi-Momente“).

Ein weiterer Streitpunkt könnte Hauptdarsteller Zachary Hatcher sein, der bis auf diesen in tatsächlich keinem einzigen Film zu sehen war. Da werden sicherlich einige sagen, kein Wunder, der ist ja auch n Milchgesicht. Und sicherlich, er ist wirklich nur n halbes Hemd, aber ich mag ihn. Erwartet von ihm keine Wunder, aber er macht das so weit ordentlich und erinnerte mich mitunter an Götz George zu „Der Schatz im Silbersee“-Zeiten (dass er jedoch in einem normalen Faustkampf schon leicht erkennbar gedoubelt werden musste, ist vielleicht eher ein Grund dafür, dass er hiernach nie wieder eine Rolle angeboten bekam). Ordentlich ist sicherlich auch das Wort, das die Leistungen der weiteren Cast-Mitglieder am besten beschreibt. Ob Rubén Rojo, Mirko Ellis, Pier Angeli oder José Calvo und Tom Felleghy in Nebenrollen; da fällt keiner ab oder sticht heraus. Auch Mimmo Palmara nicht, aber ich will die Gelegenheit nutzen, die sich aus seiner größeren Nebenrolle hier ergibt. Schließlich ist er lange nicht immer so präsent besetzt worden, aber ich mag ihn einfach. Schön ihn als Sheriff mit Verantwortungsgefühl zu erleben.

Die deutsche Synchronisation ist mal wieder auf lustig getrimmt und hilft den Schauspielern daher nur bedingt, aber ich kann über so was ja mindestens mal schmunzeln, von daher…

Silvio Amadio selbst zieht sich ebenfalls ordentlich aus der Affäre. Auch seine Inszenierung, insbesondere seine Action ist bestimmt keine Offenbarung, aber in Ordnung. Dazu gibt’s nette Musik von Gino Peguri.

Alles in allem gibt es sicherlich ein paar Gründe dafür, warum „Per Mille Dollari Al Giorno“ nie ganz oben mitspielen kann: seine US-Western-Nähe, seine Logiklöcher oder seinen Hauptdarsteller. Aber ich muss ganz ehrlich sagen: Mir hat’s gereicht. Amadios Film ist ordentlich gemacht und durchaus kurzweilig. Einfach ein charmantes, kleines Filmchen, das in der ungeschnittenen Fassung vielleicht noch mehr kann. Denn so wirkt es viel zu gehetzt und unrund. Kann die Originalversion, sofern ich sie denn jemals zu Gesicht kriegen sollte, diesen Fehler noch ausmerzen, reicht das für mich sogar für noch ein Plus mehr, schätze ich…

Übrigens: Geiles Fliesenmuster, was sich die Clarks in ihrem Wohnhaus haben legen lassen! Mein Fliesenleger hätte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. ;)

Nochmal übrigens: Interessant, dass Rubén Rojo hier eine Figur names Jason Clark spielt und dabei dem Schauspieler Jason Clarke gar nicht mal unähnlich sieht…

Zitate

„Hast du schon mal mit nem Colt geschossen?“ – „Ja, schon, aber ich kann den Knall so schlecht vertragen.“(Scott Backer kriegt keinen Werbevertrag mit der NRA)

„So ein Colt verlangt Respekt! Eine Waffe ist das, verstehst du? Sie hat eine Seele wie wir. Eine grausame Seele, aber eine Seele.“(Carranza betätigt sich sonst als Seelenklempner für traumatisierte Schusswaffen)

„Ein guter Pistolero braucht andere Hände. Geschmeidiger müssen sie sein, wie bei einem Künstler…“(Carranza schickt Scott Backer zum Händewaschen)

„Ich hab vier Asse…“ – „Ich auch, das macht Acht…“(Scott Backer deckt auf)

„Für durstige Pistoleros gibt’s nur eins – und das ist Milch!“(Carranza stellt Scott den Diätplan vor, den er für ihn ausgearbeitet hat)

„Ich krieg Sodbrennen, wenn ich nen Sheriff sehe.“(Scott Backer geht als Method Actor in seiner neuen Rolle voll auf)

„Ich würde an Ihrer Stelle hier bleiben. Scott Backer ist ein Frühaufsteher.“(Sheriff Steve Benson kennt seine Schweine am Gang)

★★★ ++

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