El Cisco – Wenn der Sargmacher lächelt

El Cisco

★★★

  • Jahr: 1966
  • Regie: Sergio Bergonzelli
  • Darsteller: William Berger, George Wang, Tom Felleghy, Antonella Murgia, Christina Gaioni, Renato Chiantoni...

Story

Kurzfassung (offenes Ende)

Nachdem El Cisco (William Berger) einer Hängung aufgrund eines Bankraubes, den er nicht begangen hat, knapp entkommen kann, macht er sich auf die Suche nach den wahren Tätern…

Kurzfassung (komplett)

El Cisco (William Berger) gibt sich in einem unbedeutenden Grenzkaff als Larry aus, da er die Täter eines Bankraubes sucht, wegen dem er selbst fast unschuldig gehängt worden wäre. Von seinem alten Bekannten, dem mexikanischen Bandenchef Tuscarola (George Wang), erfährt er die ersten zwei Namen. Silkin, einen Cowboy, erledigt er sofort, während er den Bankier Burt (Tom Felleghy) erst beraubt, wohl da der mit dem Zaster aus dem Überfall sein Geldinstitut einst erst begründete. Dadurch fällt er dem Spitzbuben aber noch mal in die Hände und kann diesen erst, nachdem er durch die Hilfe guter, alter Freunde gerettet wird, töten. Den letzten Namen kennt er selbst: Tuscarola. Nachdem er auch diesem erst wieder ins Netz gegangen war und sich mit mehr Glück als Verstand befreien konnte, erledigt er auch diesen letzten Punkt auf seiner Liste und fährt anschließend mit seiner Freundin Maria Pilar (Antonella Murgia) davon.

Worte zum Film

unlogisch, unübersichtlich und unrealistisch; unnötig umständlich erzählt; maximal durchschnittliche Darsteller*innen, Musik und Inszenierung; zuweilen immerhin ganz unterhaltsam

Bewertung

Eigentlich hätte Sergio Bergonzellis dritter Western „El Cisco – Wenn der Sargmacher lächelt“ recht unterhaltsam ausfallen können. In kleinen Teilen ist er das sogar, aber als Ganzes betrachtet, bleibt leider nur eine maximal durchschnittliche Angelegenheit über.

Das liegt in erster Linie mal wieder an dem völlig verfahrenen Script, an dem neben Bergonzelli selbst auch Paolo Lombardo mitwirkte. Tatsächlich ziehen die ihre an sich mega simple Rachegeschichte so unnötig umständlich auf, dass ich mir bis jetzt nicht hundertprozentig sicher bin, ob ich einen Kernpunkt derselben überhaupt richtig verstanden habe. (Spoiler) Denn warum Protagonist El Cisco (William Berger), der eigentlich auf der Suche nach drei Bankräubern ist, an deren Stelle er fast gehängt worden wäre, mit einem Male komplett vorsätzlich selbst eine Bank überfällt, war mir nach der ersten Ansicht so überhaupt nicht klar. Und es lässt sich auch nach der zweiten meiner Meinung nach nur damit erklären, dass er, der er hier tatsächlich noch als recht aufrechter Held daherkommt, die Moneten klaut, um sie evtl. der ersten bestohlenen Bank zurückzugeben, weil Bankier Burt (Tom Felleghy), der von der zweiten Bank, diese einst mit gestohlenem Geld hochzog. Klingt immer noch unnachvollziehbar? Wäre ja auch komplett unlogisch, da Burt den seinerzeit geraubten Zaster ja längst ausgegeben hat und Cisco folglich die Einlagen der Bürger des Ortes stiehlt, die nichts mit der Sache von damals zu tun haben. Dabei ballert er einem Bürger eben dieses Ortes dann auch noch mit einer – ich nenn sie jetzt mal – „Dynamit-Zigarre“ die Fresse weg, was der zwar aus unerfindlichen Gründen überlebt, aber nötig wäre das alles nicht gewesen. (Spoilerende) Falls „El Cisco“ dafür noch eine Erklärung liefern sollte, wäre sie zweimal an mir vorübergegangen und man möge es mir verzeihen, dass ich auf ein drittes Mal einfach keine Lust habe.

Denn das ist natürlich und mal wieder lange nicht das einzige Logikloch, dass dieser Streifen offenbart. Dass man sein Gehirn hierbei besser ausgeschaltet lässt, ist einem spätestens dann klar, wenn El Cisco seine – ich nenn sie jetzt mal – „Zigarren mit explosiver Wirkung“ das erste Mal benutzt (und er benutzt sie mindestens zweimal zu oft!) oder er für eine simple Ablenkung mit Vogelscheuchen offenbar dutzende Gewehre über hat. Auch, dass von einem Tag auf den anderen „Abraham Lincoln“ auf ihrem Friedhof begraben sein soll, fällt keinem/keiner der Stadtbewohner*innen als seltsam auf. Darüber machen wir uns als Italo-Fans natürlich aber schon lange keine Gedanken mehr. Allerdings hört das Verständnis einfach auch irgendwo auf. Wie El Cisco sich in brenzligen Situationen immer wieder verhält (bei der Gegenüberstellung, wenn Maria Pilar (Antonella Murgia) aufs Wasserrad gebunden ist, im Lager von Tuscarola (George Wang)…) oder wie er aus diesen teilweise trotzdem wieder entkommt (ich sach nur Chiquita (Lucia Bomez)…), ist so was von zum Schreien dämlich, dass nette Einfälle wie das „Totstellen mit Hilfe eines Medikaments“ inkl. anschließender Wiederauferstehung oder dass die Geliebte den Protagonisten endlich auch mal trotz Maske erkennt, kaum hängenbleiben können. Hinzu kommt – trotzdem gegenüber Bergonzellis Erstling „Das letzte Gewehr“, der ja noch sehr amerikanisch daherkam, eine Entwicklung auszumachen ist – z. B. noch eine völlig unnötige Liebesschnulze. Das so entstandene, völlig unlogische und unübersichtliche Kuddelmuddel hat dann selbst für den Fan keinen wirklichen Mehrwert mehr.

Hinzu kommt Sergio Bergonzellis Regie, die sich leider nicht weiterentwickelt hat und als maximal durchschnittlich beschrieben werden kann. Selbst die vielen Shootouts hat man alle schon wesentlich besser gesehen. Da hat sich dann wohl auch Bruno Nicolai gedacht, dass er keine Wahnsinns-Arbeit abliefern muss. Sein Score ist zwar total in Ordnung, kann aber auch kaum als überdurchschnittlich bezeichnet werden.

Auch die Darsteller*innen ließen sich von dieser Mittelmäßigkeit offensichtlich gerne anstecken. William Berger macht seine Sache zwar ganz ordentlich, aber ab und zu meinte ich ihm anzusehen, dass er nicht die größte Lust hatte. George Wang sieht als Mexikaner natürlich ein wenig seltsam aus, kann aber mit ihm mithalten. Da ist er aber auch so ziemlich der einzige. Tom Felleghy zum Beispiel war schon wesentlich besser und ein Renato Chiantoni genießt sein mit den Würmern sprechendes Overacting viel zu sehr. Immerhin hat man mit Antonella Murgia und Cristina Gaioni zwei Damen gecastet, die sich zwar leistungstechnisch einfügen, den Streifen optisch aber deutlich aufhübschen.

Von daher bleibt es dabei: Ab und an blitzen aus diesem unlogischen, unübersichtlichen und – natürlich – unrealistischen Potpourri namens „El Cisco – Wenn der Sargmacher lächelt“ ein paar helle Momente auf, aber das war’s dann auch schon. Ein ziemlich schwaches, am Ende nicht komplett verständliches Script und eine maximal durchschnittlich zu nennende Handwerklichkeit (Schauspieler*innen eingeschlossen) machen aus Sergio Bergonzellis drittem Genrebeitrag eben genau das: Eine mittelmäßige Kiste, die nicht mal Die-Hard-William-Berger-Fans (wie mich) überzeugen kann.

Übrigens: Mich würde ja mal interessieren, wo dieser Streifen gedreht wurde. Da gibt’s mitunter ganz untypische Schauplätze wie einen Wasserfall, die dann auch nicht unbedingt nach den typischen, italienischen Standard-Drehorten aussehen.

Zitate

„Was wirst du mit ihm machen, sag schon!“ – „Einen Feigling kann man nur wie einen Feigling behandeln – er wird nicht leiden.“(El Cisco ist ein gnädiger Rächer)

„Sei ein bisschen rücksichtsvoll mit deinem Colt! Ich bin allein und auch nicht mehr der Jüngste…“(der örtliche Totengräber (Renato Chiantoni) führt Gewerkschaftsgespräche mit El Cisco)

„Die im Leben was darstellen, werden auch im Tode geachtet, ja, das ist nun mal so…“(der örtliche Totengräber hat berufsbedingt beste Beziehungen zum Jenseits)

[über seine Freundin Maria Pilar, mit der er nach überstandenem Abenteuer davonfährt] „Gerade bin ich den einen Strick um den Hals losgeworden und schon habe ich wieder einen neuen bekommen.“(El Cisco hört bereits die Hochzeitsglocken läuten)

★★★

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