Eine Faust geht nach Westen

Occhio Alla Penna

★★★ +++

  • Jahr: 1981
  • Regie: Michele Lupo
  • Darsteller: Bud Spencer, Amidou, Joe Bugner, Piero Trombetta, Riccardo Pizzuti...

Story

Kurzfassung (offenes Ende)

Nachdem er mit seinem Gefährten Adlerauge (im Original Girolamo (Amidou)) aus Versehen eine Arzttasche geklaut hat, macht Momo (im Englischen Buddy, im Original ? (Bud Spencer)) in einem Wüstenkaff Karriere als Stadtdoktor. Und auch im Kampf gegen den Banditen Colorado Slim (Riccardo Pizzuti) und dessen Bande steht er den Bewohnern bei…

Kurzfassung (komplett)

Aufgrund einer aus Versehen geklauten Arzttasche wird Kleinganove Momo (im Englischen Buddy, im Original ? (Bud Spencer)) in einem Wüstenkaff für einen Doktor gehalten und schlüpft fortan in diese Rolle. Zusammen mit seinem Gefährten Adlerauge (im Original Girolamo (Amidou)) macht er eine Praxis auf und behandelt nach dem gesunden Menschenverstand. Leider ist die Idylle nicht von langer Dauer, denn der Bandit Colorado Slim (Riccardo Pizzuti) und seine Bande terrorisieren die Stadt. Da Sheriff Bronson (Joe Bugner) alleine nicht viel ausrichten kann, hilft das schlagkräftige Duo auch hier aus und findet schnell den Grund für das Interesse der Outlaws an der Stadt: Im Brunnen des Örtchens befindet sich der Eingang zu einer Goldader. Auch entdecken sie, dass Bronson ein falsches Spiel treibt. Er ist der Auftraggeber und oberste Chef der Banditen. In einem finalen (Faust-)Kampf vertreiben sie die Störenfriede ein für alle Mal und beglücken die Einwohner des Städtchens mit der Nachricht des Goldvorkommens.

Worte zum Film

lustig, kurzweilig und doch ein bisschen zu lang; gute Darsteller*innen, gute Faustkämpfe und gute Musik; hallt nicht lange nach, ist deswegen aber lange nicht schlecht

Bewertung

Mag sein, dass „Eine Faust geht nach Westen“ nicht der allergrößte Wurf ist. Mag auch sein, dass man ihn sogar recht schnell wieder vergessen hat. Trotzdem aber gehört er definitiv zu den besseren, nein, sogar zu den guten Arbeiten Bud Spencers, gerade wenn man sich auf den Teil seines Oeuvres ohne Terence Hill konzentriert.

Tatsächlich aber muss man eingestehen, dass er nicht so allgemeinbekömmlich ist wie etwa Barbonis Komödien. Man muss schon auf diese Art von Humor stehen, um mit „Occhio Alla Penna“ etwas anfangen zu können, da er seinen Witz quasi nur aus Essens-, Prügel-, Culture Clash- sowie Fish-Out-Of-Water-Elementen zieht. Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch selbstverständlich: Fans können und werden hiermit einen höllischen Spaß haben!

Zumal Bud Spencer großartig aufgelegt ist. Egal, ob Culture Clash im Zug, was natürlich immer geht (das zieht schließlich selbst bei „Bibi Blocksberg“), Wettessen mit dem Sheriff, neuartige Behandlungsmethoden à la Zähne ziehen mit der Faust oder eben als der gute, alte Dampfhammer – er kann einfach alles! Und als Zuschauer hat man einen Heidenspaß ihm dabei zuzusehen.

Von Filmpartner Amidou kann man Selbiges über seinen einzigen Auftritt in diesem Genre leider nur bedingt sagen. Er hat als marokkanischer Schauspieler, der einen Indianer darstellt, der vollkommen klischeemäßig ständig radebrechend vor sich hin brabbelt, aber von Beginn an einen schweren Stand. Dafür macht er seine Sache ganz ordentlich, aber so ganz will der Funke nicht überspringen. Vergleiche mit einem gewissen Herrn Girotti verbieten sich daher von Vorneherein. Auch Joe Bugner, den die Spencer-und-Hill-Vehikel als Schauspieler ja überhaupt erst etabliert haben, ist jetzt nicht der größte Gegenspieler, den der „Dicke“ jemals gehabt hätte. Aber auch er ist total in Ordnung. Richtig viel Spaß machen dafür jedoch Piero Trombetta, Riccardo Pizzuti (mit Wilfried Herbst als Synchronsprecher!) sowie der komplette Supporting Cast.

Bei all dem Spaß, den „Eine Faust geht nach Westen“ macht, muss man jedoch zugeben, dass er seine Standardlaufzeit von nicht ganz 100 Minuten nur durch ein paar Tricks erreicht. So ist Michele Lupo ja bekannt dafür, dass er einzelne Szenen gerne mal ein wenig zu sehr ausweitet. Hier betrifft das z. B. das o. g. Wettessen. Ich sag mal so: Den Nachtisch hätte es nicht mehr gebraucht. Ebenso sind die beiden großen Prügeleien direkt hintereinander kurz vor Schluss schon irgendwo redundant. Dafür sind diese allerdings saukomisch. Das muss man Lupo und seinem Team lassen.

Zusätzlich hat „Occhio Alla Penna“ das unverschämte Glück von einem Ennio-Morricone-Score veredelt zu werden. Zwar hat auch der Maestro sicherlich schon bessere und vor allem innovativere Arbeiten abgeliefert, aber ich mag diese Verspieltheit sehr.

Diese Verspieltheit ist es nämlich, die den Ton dieses Comic-Westerns total trifft. Da ist es dann auch egal, ob Sergio Donatis Script im besten Falle nicht innovativ oder im schlechtesten Falle vorhersehbar daherkommt. Der Humor und die Action sind das, was zählt, und diesbezüglich liefert „Eine Faust geht nach Westen“ wie gesagt voll ab. Die Schauspieler*innen schließen sich da größtenteils an, sodass Regisseur Lupos kleines „Zeitspiel“ quasi gar nicht weiter ins Gewicht fällt. Dementsprechend dürft ihr Hill hier – gerade angesichts Amidous Fehlbesetzung – gerne vermissen und werdet ihr „Occhio Alla Penna“ sicherlich auch ganz schnell wieder vergessen haben, aber schlecht ist dieser deswegen noch lange nicht…

Zitate

[Momo und Adlerauge behandeln ihren ersten Patienten] „Der Ila Ola [?] fast schon tot, ruft schon Manitou!“ – „Den wird er wohl nicht rufen, der gehört ja zum anderen Verein.“(Momo hat sein Panini-Sammelalbum voll und weiß daher Bescheid)

„Mit Honig ist das so ne Sache, denn Honig ist schlecht für den Bartwuchs.“(Momo ist ein Vorbild und konsumiert Süßigkeiten nur in Maßen)

„Hast du Kopfschmerzen?“ – „Ja, manchmal, besonders wenn ich nichts tue.“ –„Dann ist sicher der Heiligenschein zu eng geworden.“(Momo kennt sogar die Konfektionsgröße seiner Patienten)

[Momo lädt einen Kollegen zum Essen ein] „Danke, ich hab gestern schon gegessen.“(leider führt der Kollege Tagebuch)

„Du bist so dämlich, du müsstest eigentlich schon brummen!“(Sheriff Bronson hört nichts)

★★★ +++

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