Ein Stoßgebet für drei Kanonen

Professionisti Per Un Massacro

★★★ +++

  • Jahr: 1967
  • Regie: Nando Cicero
  • Darsteller: George Hilton, Edd Byrnes, George Martin, José Bódalo, Gérard Herter, Milo Quesada, Mónica Randall...

Story

Kurzfassung (offenes Ende)

Die drei Südstaatler Tim Dooley (George Hilton), Chattanooga Jim (Edd Byrnes) und Fidel Ramirez (George Martin), die den Krieg nur nutzen, um sich selbst zu bereichern, bekommen nach ihrer Gefangennahme die Möglichkeit, ihrer Exekution zu entgehen. Sie sollen gemeinsam mit Tennessee Logan (Milo Quesada) dem flüchtigen Major Lloyd (Gérard Herter) eine große Ladung Gold wieder abjagen, das die Konföderation dringend braucht, um den Krieg noch zu gewinnen. Dabei hat allerdings auch der mexikanische Banditenführer El Primero (José Bódalo) noch ein Wörtchen mitzureden…

Kurzfassung (komplett)

Die drei Südstaatler Tim Dooley (George Hilton), Chattanooga Jim (Edd Byrnes) und Fidel Ramirez (George Martin), die den Krieg nur nutzen, um sich selbst zu bereichern, bekommen nach ihrer Gefangennahme die Möglichkeit, ihrer Exekution zu entgehen. Sie sollen gemeinsam mit Tennessee Logan (Milo Quesada) dem flüchtigen Major Lloyd (Gérard Herter) eine große Ladung Gold wieder abjagen, das die Konföderation dringend braucht, um den Krieg noch zu gewinnen. Gesagt, getan. Die Drei machen sich auf, erledigen Lloyd und seine Kumpane, dazu noch eine Bande mexikanischer Banditen unter der Führung des grausamen El Primero (José Bódalo) sowie Logan, der sich als Spion der Nordstaaten herausstellt, mitsamt dessen Kompanie. Als sie dann am Ende von dem Südstaaten-General überrascht werden, der sie seinerzeit beauftragte und der nun doch tatsächlich das Gold haben will, schlagen sie auch ihm noch ein Schnippchen, jedoch ohne noch jemanden umlegen zu müssen.

Worte zum Film

kurzweilig, aufgrund der deutschen Synchro ziemlich lustig, dabei jedoch (noch) nicht zimperlich; gute Darsteller*innen, gute Regie, gute Musik

Bewertung

Nando Cicero hat – leider, muss man sagen – recht schnell den Weg zur Komödie bzw. – sagen wir es lieber, wie es ist – zur Klamotte gefunden. Davor hat er jedoch noch vier – mehr oder weniger – ernsthafte Streifen gedreht, von denen drei Italowestern waren. „Ein Stoßgebet für drei Kanonen“ nimmt dabei den Platz in der Mitte ein. Und wenn man sich jetzt nur diesen anschaut, dann kann man das schon schade finden, dass der gute Nando nicht noch mehr solcher Vertreter abgeliefert hat.

Denn sicherlich ist „Professionisti Per Un Massacro“ weit ab von perfekt, aber noch wesentlich weiter von schlecht. Den kann man sich wirklich auch mehrfach angucken und das liegt nicht zuletzt an Ciceros Regie, die – für Italo-Verhältnisse (!) – wirklich gut ist. Ja, wenn dies bereits sein x‑ter Beitrag wäre, würde ich glatt sagen, sie sei routiniert. Gerade seine Action ist absolut ordentlich geraten. Gute Unterstützung erhält er dabei – wie von diesem gewohnt – von Kameramann Francisco Marín. Und interessanterweise könnte man ähnliche Worte wie über den Regisseur auch über Komponist Carlos Pes verlieren, denn auch seine Musik ist wirklich gut geraten und auch seine Filmografie ist sehr überschaubar (sogar noch überschaubarer als die von Cicero).

Dass Cicero bei seinem zweiten Western auch schauspielerisch quasi aus dem Vollen schöpfen konnte, hat sicherlich auch zu dessen Gelingen beigetragen. Schließlich schaute US-Star Edd Byrnes im Jahr 1967 nur für insgesamt drei Western in Italien bzw. Spanien vorbei (interessante Parallele zu seinem Regisseur übrigens) – und „Ein Stoßgebet für drei Kanonen“ war einer davon. Er ist super charismatisch hier, profitiert jedoch auch davon, dass George Hiltons Rolle dieses Mal, nun ja, doch ganz schön over the top ist. Dementsprechend nah am Overacting bewegt sich mein uruguayischer Lieblingsmime. Auf der anderen Seite macht es Spaß, ihn auch mal als Loco und nicht in der ansonsten immer gleichen Rolle des überlegenen Pistoleros zu sehen. George Martin fällt gegenüber diesen beiden merklich ab, wobei es ihm hilft, dass er die Rolle mit dem meisten Überblick abbekommen hat. An seinem Fidel Ramirez kann man sich orientieren. Der (heimliche?) Star dieses Streifens ist dadurch aber José Bódalo, der als absolut fieser mexikanischer Obermotz so richtig vom Leder zieht. Tadellos unterstützt werden diese Vier unter anderen von Gérard Herter oder Mónica Randall. Einzig Milo Quesada ist eigentlich wirklich nicht tragbar. Da wussten die Macher schon, warum der fast den ganzen Film über untertaucht. ;)

Inhaltlich bewegt sich „Professionisti Per Un Massacro“ auf recht ordentlichem Italo-Niveau. Seine Story, an der laut IMDb mit Roberto Gianviti, Jaime Jesús Balcázar, Enzo Dell’Aquila und José Antonio de la Loma mal wieder vier Leute beteiligt gewesen sein sollen, wird – das Ende einmal ausgenommen – ziemlich geradlinig erzählt und die subgenretypischen Ausschmückungen links und rechts gehen in Ordnung. Der Abschluss ist dann allerdings etwas lang geraten und enthält mindestens eine Wendung zu viel. Auch sind Hilton, Byrnes und Martin hier schon keine wirklich sympathische Truppe, aber da alles augenzwinkernd gehalten ist, geht auch das in Ordnung.

Und augenzwinkernd ist das große Stichwort bzgl. „Ein Stoßgebet für drei Kanonen“. Denn er ist einer dieser ersten Italowestern, die bereits ziemlich komödiantisch angelegt waren, ohne jedoch auf die damals noch typische Härte zu verzichten. Rein theoretisch müsste er damit sogar beide Lager befriedigen können. Was mich angeht, klappt das jedenfalls hervorragend, was jedoch nicht nur an der ursprünglichen Arbeit aller Beteiligten liegt, sondern vor allem an der deutschen „Nachbearbeitung“ von Rainer Brandt. Der zieht mit einer für ihn absolut typischen Synchronisation mal wieder alle möglichen und unmöglichen Register. So stellt George Hilton direkt mit dem ersten Satz des Films – und natürlich mit der Stimme des Meisters höchst selbst – trocken fest, dass der Tresor im Raum „doch ganz fotogen“ aussehe, woraufhin Byrnes mit der unnachahmlichen Unterstützung von Arne Elsholtz erwidert „Ne Büchse Bier geht leichter auf.“. Sicherlich, man muss das mögen, aber je nach Stimmung kriege ich den Rest dieses Synchron-Krachers, der diesbezüglich wirklich nie nachlässt, dann nur noch von unter dem Sofa mit, weil ich mich darüber so köstlich beömmeln kann.

Diese mal wieder so wunderbar geratene Rainer-Brandt-Synchronisation ist es dann auch, die „Professionisti Per Un Massacro“ endgültig aus der Masse der restlichen Italowestern heraushebt. Sie passt einfach so hervorragend zum Ton dieses nicht wirklich ernsten und dann doch wieder knallharten Vertreters. Aber auch so gefallen mir das Bürgerkriegssetting, die Musik, Nando Ciceros Regie sowie die tollen Leistungen der Darsteller*innen. Wie gesagt: Perfekt sind sicherlich andere Beiträge, aber kaum welche sind so kurzweilig wie „Ein Stoßgebet für drei Kanonen“.

Übrigens: Tatsächlich wurde „Professionisti Per Un Massacro“ sowohl in Italien als auch in Spanien gedreht, was einen mitunter schon etwas verwirren kann und ganz generell dazu führt, dass die Drehorte hier hinten und vorne nicht zusammenpassen wollen.

Zitate

„Sieht doch ganz fotogen aus.“ – „Noch n ziemlich alter Kasten. Ne Büchse Bier geht leichter auf…“(Chattanooga Jim und Tim Dooley fachsimpeln über den Geldschrank im Raum)

„Hast du heut früh n Bad genommen?“ – „Nee, wieso, fehlt eins?“(Tim Dooley klaut doch nicht alles, was nicht bei Drei auf dem Baum ist)

„Dich könnte man ja glatt als Dattel verkaufen.“(Fidel Ramirez sieht die guten Eigenschaften in dem Klepper, der ihm zur Verfügung gestellt wird)

„Mit den Straßen ist das wie mit den Frauen: Je mehr sie benutzt werden, desto unauffälliger sind sie.“(Fidel Ramirez durfte so was damals noch laut denken…)

„Wenn eine Kuh so blökt wie mein wertes Fräulein Mutter, dann muss sie lange nicht gemolken worden sein.“(Fidel Ramirez hat noch mehr Chauvi-Sprüche auf Lager)

„Die sind so lustig. Da gibt’s sicher Freibier.“(Tim Dooley war oft genug auf dem Oktoberfest, um die Mexikaner richtig einschätzen zu können)

[Dooley, Chattanooga und Ramirez beschauen sich die mexikanischen Gegner, mit denen sie sich anlegen wollen] „Für nen Skat sind das n paar zu viel…“ – „So viele Karten gibt’s gar nicht!“(Fidel Ramirez hat nachgezählt)

★★★ +++

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