Un Dollaro Tra I Denti
★★★ +
- Jahr: 1967
- Regie: Luigi Vanzi
- Darsteller: Tony Anthony, Frank Wolff, Raf Baldassarre, Aldo Berti, Jolanda Modio, Gia Sandri...
Story
Kurzfassung (offenes Ende)
In einem kleinen mexikanischen Nest an der Grenze tun sich ein Fremder (Tony Anthony) und die Bande des Banditen Aguilar (Frank Wolff) zusammen, um der US-Regierung einen Haufen Gold zu klauen. Kaum gelingt der Coup, fangen die Streitigkeiten um die Aufteilung des Edelmetalls auch schon an…
Kurzfassung (komplett)
Ein Fremder (Tony Anthony) kommt in das kleine, mexikanische Nest, in dem Bandenchef Aguilar (Frank Wolff) mit seinen Männern und seiner Frau Maruka (Gia Sandri) haust. Insgesamt sind auf ihre Köpfe viele Tausend Pesos Belohnung ausgesetzt und dennoch will der Fremde lieber mit ihnen als gegen sie arbeiten. Er hat es auf ein Goldgeschenk der Vereinigten Staaten an Mexiko abgesehen, das hier übergeben werden soll. Natürlich schlägt Aguilar ein, hält dem Fremden nach erfolgreichem Goldraub allerdings dessen Anteil vor. Da dieser sich das natürlich nicht gefallen lassen will, entsteht ein Hickhack um das Edelmetall. Mal haben es Aguilar und seine Leute, mal der Fremde. Schließlich versteckt Letzterer es und erwartet Erstere zum finalen Showdown in der Stadt, den er natürlich für sich entscheiden kann. Dann erscheinen wieder die amerikanischen Soldaten, denen anfangs das Gold geklaut wurde, und verlangen Selbiges von ihm zurück. Der Fremde kommt der Aufforderung nach, behält aber den Teil des Edelmetalls, der den Belohnungen für Aguilar und dessen Leute entspricht, für sich und reitet davon.
Worte zum Film
mittelprächtige Darsteller, schwache Story, schwache Atmosphäre, schwaches Setting; unrealistisch, unspektakulär und extrem in die Länge gezogen; gute Musik, die viel zu oft wiederholt wird; Style over Substance bei schlechtem Stil
Bewertung
Als Western- und insbesondere als Italowestern-Fan macht es Luigi Vanzi einem mit seinem ersten Genrebeitrag „Ein Dollar zwischen den Zähnen“ nun wirklich nicht leicht, ein gerechtes Urteil über diesen zu fällen. Das ging mir bei der ersten Sichtung vor Jahren schon so und das erlebe ich jetzt wieder. Denn seien wir doch mal ganz ehrlich: Woher „Un Dollaro Tra I Denti“ seinen guten Ruf hat, ist mir völlig schleierhaft. Eigentlich kann man für ihn maximal die Hälfte aller möglichen Sterne vergeben.
Auf der anderen Seite hat der Streifen durchaus etwas. Wenn der für den englischsprachigen Bereich titelgebende Stranger (Tony Anthony) zu Beginn in die kleine mexikanische Grenzstadt kommt, die völlig menschenleer scheint, möchte man schon wissen, was da los ist. Die vielgerühmte Atmosphäre von Vanzis Erstling scheint in diesen Momenten tatsächlich greifbar. Wenn man kurze Zeit später jedoch realisiert, dass man mit seinen Gedanken die ganze Zeit abschweift, weil auf dem Bildschirm einfach nichts weiter passiert, verliert das Ganze seinen Reiz auch schnell wieder.
Denn Vanzis Inszenierung ist nicht wegweisend, sie ist durchschnittlich bis schwach. Wenn er im weiteren Verlauf dem Fremden minutenlang mit der Kamera hinterherläuft und sich dabei nur auf Benedetto Ghiglias gute Musik verlässt, dann ist das weder spannend noch cool, es ist einfach ermüdend. (Spoiler) Bis zu dem gelungenen Goldraub will man sich das alles noch gefallen lassen. Und das obwohl die subgenretypische Ausschaltung einer ganzen Kompanie des mexikanischen Heeres mittels eines Maschinengewehres bei Vanzi völlig uninspiriert einfach nur abgearbeitet wird. Aber spätestens wenn sich die beiden Parteien anfangen, um das Gold zu streiten, und das dazu führt, dass alle eigentlich nur noch umeinander herumschleichen oder hintereinander her reiten, wird es anstrengend. (Spoilerende) Zumal Vanzi und seine Drehbuchautoren Warren Garfield und Giuseppe Mangione dann den Fehler begehen, das interessante, begrenzte Stadtsetting jeweils für ein paar Szenen aufzugeben, um mal wieder in der allseits bekannten römischen Sandkuhle nebenan umherzureiten. Das sieht nicht nur schlecht aus, dieses ewige rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln nervt zusätzlich. Mal ganz abgesehen davon, dass Vanzi die Möglichkeiten, die ihm das beengte Dorf bietet, nie wirklich auszuschöpfen weiß. Also Atmosphäre? Ich weiß nicht…
Dass das alles zusätzlich mal wieder hochgradig unrealistisch dargeboten wird, fällt da kaum noch ins Gewicht. Trotzdem muss man sich das mal vorstellen: Drinnen gehen die Lichter aus und es ist mit einem Male stockdunkel, während draußen, nachdem der Fremde aus dem Fenster gesprungen ist, helllichter Tag ist. (Spoiler) Ein Highlight ebenfalls wie der Stranger Maruka (Gia Sandri) mit einem kleinen Ruck ihres Hinterkopfes auf den Boden tötet. Aber der Kerl schießt ja auch mit ner Schrotflinte so präzise wie mit nem normalen Gewehr. Deswegen kann er damit aus unmöglicher Entfernung auch mitten in eine Menschenmenge schießen, obwohl sich auch ein Baby in dieser befindet… (Spoilerende)
Bei so viel unfreiwilliger Komik verwundert es leider gar nicht, dass die Darsteller hier alle ebenfalls nicht ihren besten Tag erwischt haben. Tony Anthony schafft es trotz tatkräftiger Unterstützung von Klaus Kindler (der allerdings auch nicht wirklich zu ihm passt) nicht, Clint Eastwood auch nur im Entferntesten das Wasser zu reichen (nicht, dass man das im Vorfeld hätte erwarten können oder auch nur wollen, aber an dessen Charaktere der „Dollar-Trilogie“ ist seine Rolle nun einmal eindeutig angelehnt). Raf Baldassarre ist für seine Verhältnisse erschreckend blass und Aldo Berti nicht der Rede wert. Selbst Aguilar-Mime Frank Wolff wusste mit seiner Rolle wohl nicht so recht etwas anzufangen und legt seinen Banditen-Boss wenig überzeugend und noch weniger charismatisch an. Da war er direkt zuvor in „Django kennt kein Erbarmen“ noch wesentlich cooler unterwegs. Dann hilft auch keine Jolanda Modio mehr, sei sie auch noch so hübsch (ihre Rolle ist allerdings mehr als überflüssig), und von Gia Sandri fangen wir besser gar nicht erst an…
Der einzige, der für „Ein Dollar zwischen den Zähnen“ wirklich gute Arbeit abgeliefert hat, ist Benedetto Ghiglia. Leider nur werden seine drei, vier Themen (gerade die beiden Hauptthemen) ob der Handlungsarmut des Scripts so dermaßen oft und ausdauernd wiederholt, dass einem selbst diese mit der Zeit auf den Sender gehen. Stellenweise wirkt „Un Dollaro Tra I Denti“ dadurch wie ein Musical ohne Gesang. Das ist schlimmer als in jedem deutschen TV-Film.
Extrem überraschend kommt daher das Ende dieses Streifens. Dieses ist nämlich wirklich gut. Zwar sicherlich ebenfalls nicht der ganz große Wurf und absolut nicht logisch, aber im Vergleich zum Rest definitiv gut. Der mit Abstand beste Teil an „Ein Dollar zwischen den Zähnen“ ((Spoiler) auch wenn er eben jenen Schlussgag vom „Dollaro Tra I Denti“ enthält, der mich nun so gar nicht überzeugt hat (gerade auch, weil er überhaupt keinen Bezug zum restlichen Film hat); da brauchte man halt bloß nen coolen Titel (Spoilerende)).
Genau dieser Abschluss lässt einen dann auch wieder wundern, wie man dieses Werk nun in seiner Gesamtheit einordnen soll. Denn nach ordentlichem Beginn offenbart „Ein Dollar zwischen den Zähnen“ schnell sein Motto und dies lautet eindeutig Style over Substance. Nur leider mit dem Schönheitsfehler versehen, dass Luigi Vanzis Stil einfach nicht gut ist. Inszenatorische Schwächen, mittelprächtige Darstellerleistungen und ein ganz schwaches Script bestimmen fortan das Bild. Selbst die eigentlich gute Musik beginnt zu nerven. Und das alles nur, um dann ein Ende abzuliefern, das zu einem viel besseren Film gehört hätte. Ich will in diesem Zusammenhang nicht von Entschädigung sprechen, aber das kann man ja nicht einfach außen vor lassen. Trotzdem: In Summe bin ich bei vernünftigem Start und Abschluss sowie all dem langweiligen Murks dazwischen bei glatten drei Sternen. Wenn ich mir jedoch den Quatsch angucke, der zuletzt drei Sterne von mir bekommen hat („Die vier Gefürchteten“, „Shalako“, „Potato Fritz“, „Der Ritt nach Alamo“ etc.), dann würde ich „Un Dollaro Tra I Denti“ dem jederzeit vorziehen… Und vielleicht sollte ich das in nächster Zukunft auch einfach nochmal machen und dann ein endgültiges Urteil fällen. Bis dahin gilt wohl das alte Motto „Im Zweifel für den Angeklagten“…
Zitat
„Was für ein Mann bin ich, Marinero?“ – „Ein fairer Mann.“(so oft, wie sich Aguilar diese Frage von seinem Untergebenen Marinero (Aldo Berti) beantworten lässt, ist er wohl vor allem ein vergesslicher Mann)
★★★ +
